Zum Inhalt springen

Bahnstrecke Saal–Kelheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Saal (Donau)–Kelheim
Streckennummer (DB):5853
Kursbuchstrecke (DB):ex 411e (1963)
Kursbuchstrecke:411n (1946, 1944)
Streckenlänge:5,5 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 5<ref name="lutz">Kosmas Lutz: Der Bau der bayerischen Eisenbahnen rechts des Rheines. R. Oldenbourg, München/Leipzig 1883, S. 140 (Volltext in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 1. Juni 2023]).</ref> 
Minimaler Radius:1000<ref name="lutz" /> m
<templatestyles src="BS/styles.css" />
von Regensburg
0,00 Saal (Donau)
nach Ingolstadt
0,50 Anst Zellwolle-Fabrik Kelheim Fibres und Kanalhafen
2,61 Kelheim Ost früher Affecking
4,58 Kelheim
5,50 Kelheim Donauumschlagstelle und Zellstoff-Fabrik PWA

Quellen: <ref>Bundesbahndirektion Nürnberg. Karte im Maßstab 1:400000. Ausgabe B. Karten- und Luftbildstelle der Deutschen Bundesbahn, Mai 1985 (blocksignal.de [abgerufen am 21. Dezember 2021]).</ref>

Die Bahnstrecke Saal–Kelheim war eine Nebenbahn in Bayern. Sie führte von Saal an der Donau nach Kelheim.

Geschichte

Datei:Kelheim Bahnhof 1975.jpg
Dieseltriebzug der Baureihe 614 in Pop-Lackierung im Bahnhof Kelheim im Juli 1975

Bei der Planung der zwischen 1869 und 1874 errichteten Donautalbahn in Bayern war die genaue Streckenführung zunächst umstritten. Die Städte Kelheim und Abensberg bestanden beide auf einem direkten Bahnanschluss. So ließ das Gesetz über den Bahnbau vom 29. April 1869 die genau Linienführung offen. Die Kelheimer Variante hätte allerdings den Bau eines teuren Tunnels parallel zum Donaudurchbruch bei Weltenburg erfordert, weshalb schließlich Abensberg den Zuschlag bekam. Als Ausgleich wurde eine 5,5 km lange Stichbahn zwischen Saal a. d. Donau und Kelheim gebaut, die am 15. Februar 1875 eingeweiht wurde.<ref>Siegfried Bufe: „Eisenbahn in Niederbayern“, S. 8, 2. Aufl. 1986, Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham</ref><ref name="RSWE">Klaus-Ulrich Gimbal: Die Hauptbahnen im Raum Regensburg, in Regensburger Eisenbahnfreunde RSWE e.V. (Hrsg.): Eisenbahnknoten Regensburg 140 Jahre Schienenverkehr in der Domstadt, 2000, transpress verlag, Stuttgart</ref>

Vom Endbahnhof Kelheim führte ein Anschlussgleis weiter zu einer Schiffsanlegestelle an der Donau. Diese wurde gleichzeitig mit der Bahn gebaut und war in den Streckenverzeichnissen als Station Kelheim Donauumschlagstelle aufgeführt. Zu dem am anderen Donauufer gelegenen Kanalhafen bestand keine Bahnverbindung, so dass der Warenumschlag zwischen Bahn und Ludwigskanal unbedeutend blieb. An der Lände befand sich auch ein Verladegleis eines Steinbruchs und schon bald die neu gegründete Zellulosefabrik. Im Zuge von deren Erweiterung wurde die Lände 1915 aufgegeben.<ref>Manfred Bräunlein: Ludwigskanal und Eisenbahn. Wege und Irrwege zwischen Main und Donau. Verlag Schmidt, Neustadt an der Aisch 2003, ISBN 3-87707-613-0, Seite 83f.</ref>

Der in den Kursbuch Winter 1941/42 noch als Affecking<ref>Deutsches Kursbuch Winterausgabe 1941/42. Teil 5. Deutsche Reichsbahn, Berlin 1941, S. 30 (deutsches-kursbuch.de [abgerufen am 30. Mai 2023]).</ref> aufgeführte Haltepunkt hieß im Kursbuch 1943<ref>Deutsches Kursbuch Jahresfahrplan 1943. Teil 5. Deutsche Reichsbahn, Berlin 1943, S. 23 (deutsches-kursbuch.de [abgerufen am 30. Mai 2023]).</ref> (und auch noch 1976) Kelheim Ost.

Datei:Kelheim Zellstoff-Werkslok.jpg
Werkslok der Zellstofffabrik Kelheim 1979

Das Zellstoff-Werk der Papierwerke Waldhof-Aschaffenburg, bediente sein Gelände mit einer eigenen Werksbahn und sorgte so für regen Güterverkehr. Noch Ende der 1970er Jahre waren hier zwei Dampf-Rangierloks im Einsatz, die beide noch existieren. Nummer 1 befindet sich heute bei der Dampflok-Gemeinschaft 41 096<ref>Website der Damplokgemeinschaft 41 096</ref>. Die 1936 bei Krauss-Maffei gebaute Nummer 2, genannt „Emma“, ist über die Museumsbahn Dollnstein–Rennertshofen in das Bayerische Eisenbahnmuseum in Nördlingen gelangt.<ref>Faszination Eisenbahn erleben. Führer durch die Fahrzeugsammlung des Bayerischen Eisenbahnmuseums. Eigenverlag Bayerisches Eisenbahnmuseum Nördlingen, 7. überarbeitete Auflage 2014, Seite 48.</ref>

Der Personenverkehr war zeitweise rege. 1944 verkehrten acht Zugpaare. 1963 verkehrten werktags 16 Zugpaare als Triebwagen mit 2. Klasse, vier davon durchgängig von und nach Regensburg. Ab den 1970er Jahren fuhren bis zur Stilllegung 1988 nur noch drei Zugpaare mit dem VT 614 zu für den Berufs- und Schülerverkehr unattraktiven Zeiten.<ref>Zum Beispiel im Kursbuch 1976: Abfahrten in Kelheim nach Regensburg werktags außer Samstag um 10:20, 12:36 und 16:36 Uhr</ref>

1978 wurde mit dem Main-Donau-Kanal ein Industriehafen errichtet, der für regen Güterverkehr sorgt.<ref name="RSWE" />

Am 29. Mai 1988 wurde der Personenverkehr eingestellt.<ref name="Abschied">Urs Kramer, Matthias Brodkorb: Abschied von der Schiene. Güterstrecken 1994 bis heute. transpress Stuttgart 2008, ISBN 978-3-613-71333-8, Seite 122.</ref>

Durch den Konkurs des Zellstoffwerks 1993<ref>Eintrag Zellstofffabrik Waldhof, Werk Kelheim bei www.albert-gieseler.de</ref> entfiel der Güterkunde am Streckenende. Folglich wurde die Bedienung ab dem Anschluss der Zellwolle-Fabrik am 2. Januar 1997 eingestellt.

Auf einen Antrag vom 2. Dezember 1997 wurden diese 5,0 km der Strecke am 28. Februar 1998 vom Eisenbahnbundesamt offiziell stillgelegt.<ref name="Abschied" /> Lediglich die 500 Meter ab dem Bahnhof Saal (Donau) blieben als Anschlussgleis zur Zellwolle-Fabrik der Firma Kelheim Fibres und zum Kanalhafen in Betrieb.<ref>Eisenbahnbundesamt: Liste der stillgelegten Strecken in Bayern (seit 1. Januar 1994), abgerufen am 2. April 2020</ref> 2015 wurde die Teilstrecke ab Kelheim Fibres entwidmet und steht somit nicht mehr für den Bahnverkehr zur Verfügung.<ref name="VCD">Beate Weigert: „S-Bahn“-Idee stößt auf Resonanz. In: Mittelbayerische Zeitung. 13. März 2016, abgerufen am 1. Dezember 2019.</ref>

Heutiger Zustand

Heute sind auf weiten Teilen der Strecke noch Gleisreste vorhanden. Auf dem Gelände der Zellstofffabrik ist das Gewerbe- und Wohngebiet Donaupark entstanden<ref>Website der Entwicklungsgesellschaft Donaupark</ref>. In das Empfangsgebäude des Bahnhofs Kelheim ist im Jahr 2002 die Polizeiinspektion eingezogen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Polizeiinspektion Kelheim (Memento vom 13. Dezember 2013 im Internet Archive), Projektbericht des Staatlichen Bauamts Landshut</ref> Auf dem verbliebenen Reststück sorgen die Zellwolle-Fabrik und der Verkehr vom Kalkwerk Saal zum Kanalhafen weiterhin für einen regen Güterverkehr.

2023 unterstützte das Bayerische Verkehrsministerium mit 360.000 Euro den Zweckverband Häfen im Landkreis Kelheim für die Erneuerung einer Eisenbahnüberführung der Hafenbahn. Außerdem erhielt die KM Süd Invest GmbH zwei Mio. Euro, um mehrere Gleise für den Güterverkehr zu reaktivieren.<ref>Modernisierung des Schienennetzes am Hafen Kelheim. Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, 24. Februar 2023, abgerufen am 21. Dezember 2024.</ref> Die feierliche Übergabe erfolgte am 21. Dezember 2024.<ref>Neue Bahntrasse am Hafen Kelheim feierlich eröffnet. Landkreis Kelheim, 23. Dezember 2024, abgerufen am 9. Februar 2025.</ref>

Der öffentliche Personennahverkehr wird mit mehreren Buslinien der Verkehrsgemeinschaft Landkreis Kelheim durchgeführt.

Literatur

  • Klaus-Ulrich Gimbal: Die Hauptbahnen im Raum Regensburg, in Regensburger Eisenbahnfreunde RSWE e.V. (Hrsg.): Eisenbahnknoten Regensburg. 140 Jahre Schienenverkehr in der Domstadt, 2000, transpress verlag, Stuttgart, ISBN 3-613-71135-4, Seite 62
  • Manfred Bräunlein: Ludwigskanal und Eisenbahn. Wege und Irrwege zwischen Main und Donau. Verlag Schmidt, Neustadt an der Aisch 2003, ISBN 3-87707-613-0, Seite 83f.
  • Historische Nebenbahnen in der Oberpfalz und Niederbayern. Geschichte und Geschichten um fast vergessene Zugstrecken der Eisenbahn in Ostbayern. Das Buch zur MZ-Serie. H. Gietl Verlag Regenstauf und Mittelbayerische Zeitung Regensburg 2013, ISBN 978-3-86646-556-5, Seite 85ff

Weblinks

Einzelnachweise

<references responsive />

Koordinaten: 48° 54′ 38,4″ N, 11° 52′ 23,3″ O

 {{#coordinates:48,910655|11,873144|primary
   |dim=
   |globe=
   |name=
   |region=DE-BY
   |type=landmark
  }}