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Bahnstrecke Nezamyslice–Morkovice

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Nezamyslice místní nádraží–Morkovice
1913: Nezamyslitz Lokalbahn–Morkowitz
Kursbuchstrecke (SŽ):302 (2005)
Streckenlänge:11,935 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckengeschwindigkeit:40 km/h
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0,000 Nezamyslice místní nádraží früher Nezamyslitz L.B. 210 m
(Verbindungsgleis zur Bahnstrecke Brno–Přerov)
Haná
1,660 Těšice 211 m
Dálnice 1
2,700 Tištín früher Tischtin 218 m
6,909 Kovalovice-Osíčany früher Kowalowitz 235 m
7,724 Prasklice früher Prasklitz 238 m
9,336 Uhřice u Kroměříže früher Uhřitz 250 m
11,935 Morkovice früher Morkowitz 291 m

Quellen: <ref>Zdeněk Hudec u. a.: Atlas drah České republiky 2006–2007, 2. Auflage; Verlag Pavel Malkus, Praha 2006, ISBN 80-87047-00-1</ref><ref>Daten auf atlasdrah.net</ref><ref>Artarias Eisenbahnkarte von Österreich-Ungarn und den Balkanstaaten, mit Stationsverzeichnis; Artaria & Co., Wien 1913</ref> Frühere Namen Stand 1913.

Die Bahnstrecke Nezamyslice–Morkovice war eine regionale Eisenbahnverbindung in Tschechien, die ursprünglich als eigenständige Lokalbahn Nezamyslitz–Morkowitz (tschech.: Místní dráha Nezamyslice–Morkovice) erbaut und betrieben wurde. Sie zweigte in Nezamyslice von der Bahnstrecke Brno–Přerov ab und führte in der Haná nach Morkovice.

Im Jahr 2005 wurde die seit 1998 verkehrslose Strecke stillgelegt. Seit 2012 wird sie als Bahntrassenradweg nachgenutzt.

Geschichte

Im Jahr 1893 bemühten sich die Einwohner von Morkowitz und Umgebung erstmals eine Bahnanbindung. Im April 1906 ersuchte der Vizepräsident des Landeskulturrates in Mähren, Dr. Kyrill Seifert um eine Genehmigung für technische Vorarbeiten, die im Mai 1906 bewilligt wurde. Die Firma Alois Samohrd begann im Frühjahr 1908 mit den Bauarbeiten. Zur Finanzierung gewährte die Markgrafschaft Mähren ein Darlehen von 600.000 Kronen.

Am 27. September 1909 erhielt Kyrill Seifert „die erbetene Konzession zum Baue und Betriebe einer als normalspurige Lokalbahn auszuführenden Lokomotiveisenbahn von der Station Nezamyslitz der k.k. Staatsbahnlinie Brünn–Prerau nach Morkowitz“ erteilt. Teil der Konzession war die Verpflichtung, den Bau der Strecke sofort zu beginnen und binnen zwei Jahren fertigzustellen.<ref>Reichsgesetz für die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder vom 10. Oktober 1909</ref>

Am 1. November 1909 war die Strecke fertiggestellt, am 30. November 1909 wurde sie eröffnet. Den Betrieb führte die Betriebsleitung Brünn-Czernowitz der kurz zuvor verstaatlichten Österreichisch-ungarischen Staatseisenbahngesellschaft (StEG).

Die ursprünglichen Pläne sahen eine Fortführung der Strecke um fünf Kilometer nach Zborowitz zum Anschluss an die Lokalbahn Kremsier–Zborowitz vor. Aufgrund zu hoher Entschädigungsforderungen der betroffenen Grundstückseigentümer wurde das Projekt nicht realisiert.

Das Aktienkapital der 1911 gegründeten A.G. Lokalbahn Nezamyslitz–Morkowitz betrug insgesamt 600.000 Kronen. Anteilig übernahm das Land Mähren Stammaktien im Wert von 230.000 Kronen.<ref>Historische Wertpapiere: Lokalbahn Nezamislitz–Morkowitz. Abgerufen am 2. Februar 2021.</ref> Sitz der Gesellschaft war Morkowitz.

Im Jahr 1912 wies der Fahrplan der Lokalbahn zwei gemischte Zugpaare 2. und 3. Klasse aus. Die Züge benötigten für die zwölf Kilometer lange Strecke von Nezamyslitz nach Morkowitz 46 Minuten.<ref>Fahrplan 1912 der kkStB – gültig ab 1. Mai 1912</ref> Mitte der 1920er Jahre kam noch ein weiteres Zugpaar mittwochs und sonntags hinzu. Der stets geringe Güterverkehr diente insbesondere zur Abfuhr der örtlichen landwirtschaftliche Produkte. Infolge der Weltwirtschaftskrise wurde der Reiseverkehr Anfang der 1930er Jahre zugunsten einer Autobusverbindung eingestellt.

Ab 1. Mai 1937 führte die Lokalbahn den Betrieb selbst. Als Betriebsleiter fungierte der Bahnhofsvorsteher von Morkovice.

Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges im September 1939 führten die Güterzüge infolge der kriegsbedingten Rationierung flüssiger Kraftstoffe wieder einen Personenwagen mit. Am 7. Februar 1945 musste die Lokalbahn auf Weisung deutscher Behörden den Betrieb einstellen und die Strecke an die Protektoratsbahnen Böhmen und Mähren (BMB-ČMD) verpachten. Das Personal der Lokalbahn wurde auf Dienststellen der BMB-ČMD zwangsversetzt. Das Streckengleis diente fortan zur temporären Abstellung von bis zu 850 Güterwagen, die im Osten vor der Front evakuiert worden waren. Darunter befanden sich auch 26 Kesselwagen mit Benzin, Benzol, Ethanol und Öl. Am 28. Februar 1945 ließen tschechische Partisanen die Wagen leerlaufen. Daraufhin wurden vier Bedienstete der Lokalbahn aufgrund mutmaßlicher Unterstützung der Widerstandskämpfer verhaftet. Der Bahnhofsvorstand von Morkowice, Alois Zavadil, wurde am 12. März 1945 in Brünn hingerichtet.

Datei:Morkovice, 80. léta.jpg
Bahnhof Morkovice mit eingefahrenem gemischtem Zug (1980er Jahre)

Zum 31. Juli 1947 wurde die Lokalbahngesellschaft endgültig verstaatlicht und aufgelöst. Die Strecke gehörte ab 1. August 1947 zum Netz der ČSD. Die ČSD verdichteten den Fahrplan in den folgenden Jahren bis auf zehn Zugpaare, die nun mehrheitlich als Motorzug geführt waren. Bis Anfang der 1990er Jahre verkehrten jedoch weiterhin zwei gemischte Zugpaare.

Am 1. Jänner 1993 ging die Strecke im Zuge der Dismembration der Tschechoslowakei an die neu gegründeten České dráhy (ČD) über. Seit 2003 gehörte sie zum Netz des staatlichen Infrastrukturbetreibers Správa železniční dopravní cesty (SŽDC). Seit dem 20. Dezember 1995 war die Strecke nach einem Erlass der tschechischen Regierung als regionale Bahn („regionální dráha“) klassifiziert.<ref>Erlass der tschechischen Regierung vom 20. Dezember 1995</ref>

In den 1990er Jahren wurde die Zahl der Zugverbindungen nach und nach reduziert. Am 23. Jänner 1998 ging der zuletzt nur an Werktagen gefahrene Reiseverkehr aufgrund des schlechten Streckenzustandes und zu geringer Reisendenzahlen auf einen Schienenersatzverkehr über.

Nach der Verkehrseinstellung nutzten die ČD die Strecke zur Abstellung von Schadwagen. Am 25. April 1998 kamen einige abgestellte Wagen bei Uhřice in Bewegung und nahmen schließlich weitere Wagen in das Gefälle in Richtung Nezamyslice mit. Einige der 280 Wagen entgleisten und beschädigten den Oberbau auf einem längeren Abschnitt.<ref>Fernsehbeitrag vom Unfallort - Archiv ČT24</ref> Eine Instandsetzung der Strecke erfolgte danach nicht mehr. Der Schienenersatzverkehr wurde noch bis 2005 aufrechterhalten. Am 11. Dezember 2005 wurde die Strecke stillgelegt.<ref>„Definitivní zánik místní dráhy Nezamyslice - Morkovice“ auf Stránky přátel železnic (SPŽ), März 2010</ref>

Ende 2009 ging die Strecke in das Eigentum der Stadt Morkovice-Slížany über. Nach dem Abbau der Gleise wurde im Jahr 2011 ein Radweg gebaut, der 2012 eröffnet wurde.

Fahrzeugeinsatz

Die Betriebsdirektion Brünn-Czernowitz beschaffte für die Lokalbahn Nezamyslitz–Morkowitz zwei vierfachgekuppelte Tenderlokomotiven von der Ersten Böhmisch-Mährischen Maschinenfabrik in Prag, wie sie zuvor schon für die Lokalbahn Friedland–Bila gebaut worden waren. Die beiden Lokomotiven kamen 1947 noch in den Bestand der ČSD. Die ehemalige 410.02 (ČSD 422.0108) ist im Eisenbahnmuseum Bratislava museal erhalten.<ref>Jindřich Bek: Encyklopedie železnice. Parní lokomotivy ČSD. Band 2. Nakladatelství Corona, Praha 1999, ISBN 80-86116-14-X, S. 179 f.</ref><ref>Josef Motyčka: Encyklopedie železnice. Parní lokomotivy ČSD. Band 4. Nakladatelství Corona, Praha 2001, ISBN 80-86116-21-2, S. 93.</ref>

Die ČD setzten zum Schluss die bewährten zweiachsigen Triebwagen der Baureihe 810 ein.

Lokomotiven der Lokalbahn Nezamislitz–Morkowitz
Nr. Bauart Baujahr Hersteller ČSD-Nr. Ausmusterung Verbleib
410.02 Dt n2v 1909 BMMF 422.905 (1925), 422.0108 (1948) 1970 MDC Bratislava
410.03 Dt n2v 1909 BMMF 422.906 (1925), 422.0109 (1948) 1962

Literatur

  • Miroslav Jelen: Zrušené železniční tratě v Čechách, na Moravě a ve Slezsku, Dokořán 2009, ISBN 978-80-7363-129-1; S. 115
  • Stanislav Pavlíček: Naše Lokálky, Dokořán 2025, ISBN 978-80-7675-234-4

Weblinks

Commons: Railway line 302 (Czech Republic) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />