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Bärtiges Hornkraut

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Bärtiges Hornkraut
Datei:Cerastium brachypetalum W.jpg

Bärtiges Hornkraut (Cerastium brachypetalum)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Nelkengewächse (Caryophyllaceae)
Tribus: Alsineae
Gattung: Hornkräuter (Cerastium)
Art: Bärtiges Hornkraut
Wissenschaftlicher Name
Cerastium brachypetalum
Pers.

Das Bärtige Hornkraut (Cerastium brachypetalum), auch Kleinblütiges Hornkraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Hornkräuter (Cerastium) innerhalb der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae).

Beschreibung

Datei:Cerastium brachypetalum eF.jpg
Gut zu erkennen ist das Indument
Datei:Cerastium brachypetalum6 W.jpg
Blüte
Datei:Cerastium brachypetalum s. str. sl7.jpg
Geöffnete Blüte: die Kronblätter sind am Grund bewimpert, die Staubfäden behaart
Datei:Cerastium brachypetalum s. str. sl9.jpg
Frucht: die Kelchblätter werden von drüsenlosen Haaren deutlich überragt
Datei:Cerastium brachypetalum s. str. sl3.jpg
Die Blütenstiele sind mit abstehenden oder leicht aufwärts gerichteten, oft drüsigen Haaren besetzt
Datei:Cerastium brachypetalum s. str. sl19.jpg
Samen

Vegetative Merkmale

Das Bärtige Hornkraut wächst als ein- bis zweijährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 5 bis 30 Zentimetern. Die oberirdischen Pflanzenteile sind von grau-grüner Farbe. Die Trichome sind grau und ziemlich lang. Alle Pflanzenteile können auch drüsig behaart sein. Die Stängel sind aufrecht oder aufsteigend, einfach oder schon von Grund an ästig und sehr entfernt beblättert.<ref name="Friedrich1979" /> Die gegenständigen Laubblätter sind länglich-eiförmig und bis 20 Millimeter lang.<ref name="Friedrich1979" /> Die unteren Blätter sind spatelförmig oder verkehrt eiförmig<ref name="Friedrich1979" /> und in den Blattstiel verschmälert.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht vorwiegend von April bis Juni. Der Blütenstand ist locker, nur die obersten Ästchen sind einander genähert. Alle Deckblätter sind krautig und ohne Hautrand imd besonders am oberen Ende abstehend behaart. Die Blütenstiele sind dicht abstehend oder anliegend behaart und 3 bis 27 Millimeter lang.<ref name="Friedrich1979" /> Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Kelchblätter sind lanzettlich bis länglich-lanzettlich, hautrandig, 3 bis 6,5 Millimeter lang auf dem Rücken einfach oder drüsig behaart und an der Spitze mit langen drüsenlosen Haaren.<ref name="Friedrich1979" /> Die Krone ist weiß und kürzer bis höchstens so lang wie der Kelch. Die Kronblätter sind bis auf ein Drittel gespalten.<ref name="Friedrich1979" /> Die bis zu 10 Staubblätter haben gewimperte Staubfäden.<ref name="Friedrich1979" />

Die länglich-walzenförmige Kapselfrucht springt mit zehn Zähnen auf. Sie ist 6 bis 9 Millimeter lang.<ref name="Friedrich1979" /> Der Fruchtstiel ist etwa zwei- bis dreimal so lang wie der Kelch. Die Samen sind kastanienbraun, 0,4 bis 1 Millimeter im Durchmesser und fein warzig.<ref name="Friedrich1979" />

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 52, 72 oder 90<ref name="Oberdorfer2001" />, auch 76.<ref name="IPCN" />

Vorkommen

Das Bärtige Hornkraut kommt von Europa bis zum Iran und in Marokko und Algerien vor. In Europa kommt es von Südeuropa bis ins südliche Skandinavien vor. Es fehlt aber in Irland, Island, Finnland und großenteils in Russland. In Großbritannien und Nordamerika ist es ein Neophyt, in den Niederlanden ist es eingebürgert.<ref name="Euro+Med" />

In Österreich kommt das Bärtige Hornkraut zerstreut bis selten und in der Schweiz zerstreut vor. In Deutschland findet man das Bärtige Hornkraut zerstreut bis selten vor allem im südlichen Teil Deutschlands; im Norden ist es selten.

Das Bärtige Hornkraut wächst gesellig in lückigen Trockenrasen, an Wegen, Böschungen und Erdanrissen. Es gedeiht meist auf trocken-warmen, mäßig nährstoffreichen, kalkhaltigen Lehm- oder Lößböden. Cerastium brachypetalum ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Cerastietum pumili aus dem Verband Alysso-Sedion, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften des Verbands Thero-Airion vor.<ref name="Oberdorfer2001" />

Systematik

Die Erstbeschreibung von Cerastium brachypetalum erfolgte 1805 durch Christian Hendrik Persoon in Synopsis Plantarum: seu Enchiridium botanicum, complectens enumerationem systematicam specierum hucusque cognitarum. Pars prima. XII, Apud Carol. Frid. Cramerum, Parisiis Lutetiorum - Apud J.G. Cottam, Tubingae, Band 1, Seite 520.<ref name="Euro+Med" />

Je nach Autor gibt es mehrere Unterarten:<ref name="Euro+Med" />

  • Cerastium brachypetalum <templatestyles src="Person/styles.css" />Pers. subsp. brachypetalum: Sie kommt in Europa von den Azoren, von Süd-, Mittel-, Südost- und Osteuropa bis ins südliche Nordeuropa vor.<ref name="Euro+Med" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 1 (sehr trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).<ref name="InfoFlora" />
  • Cerastium brachypetalum subsp. atheniense <templatestyles src="Person/styles.css" />(Lonsing) P.D.Sell & Whitehead: Sie kommt nur in Griechenland vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Cerastium brachypetalum subsp. corcyrense <templatestyles src="Person/styles.css" />(Möschl) P.D.Sell & Whitehead: Sie kommt nur in Griechenland vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Cerastium brachypetalum subsp. doerfleri <templatestyles src="Person/styles.css" />(Hayek) P.D.Sell & Whitehead: Dieser Endemit kommt nur auf Kreta vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Cerastium brachypetalum subsp. pindigenum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Lonsing) P.D.Sell & Whitehead: Sie kommt nur in Griechenland vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Cerastium brachypetalum subsp. roeseri <templatestyles src="Person/styles.css" />(Boiss. & Heldr.) Nyman: Sie kommt in Südeuropa, in Nordafrika und in Vorderasien vor.<ref name="Euro+Med" /> Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 76 oder 72.<ref name="IPCN" />
  • Cerastium brachypetalum subsp. tauricum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Spreng.) Murb. (Syn.: Cerastium tauricum <templatestyles src="Person/styles.css" />Sprengel): Sie kommt in Nordafrika, in Südeuropa, in Mittel- und in Südosteuropa, im südlichen Nordeuropa und in Westasien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Tenores Hornkraut (Cerastium brachypetalum subsp. tenoreanum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Ser.) Soó, Syn.: Cerastium tenoreanum <templatestyles src="Person/styles.css" />Ser.): Es kommt in Mitteleuropa, im südlichen Nordeuropa, in Südosteuropa, in Nordafrika und in Westasien vor.<ref name="Euro+Med" /> Bei ihm sind die Haare der Kelchblätter und die am Blütenstiel aufwärts anliegend und nicht abstehend.<ref name="Schmeil-Fitschen2024" /> Es ist benannt nach dem italienischen Botaniker Michele Tenore.<ref name="Friedrich1979" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 1 (sehr trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 5 (sehr warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).<ref name="InfoFlora" />

Literatur

  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  • Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6.
  • Christian Heitz: Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz. Mit Berücksichtigung der Grenzgebiete. Bestimmungsbuch für die wildwachsenden Gefässpflanzen. Begründet von August Binz. 18. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Schwabe & Co., Basel 1986, ISBN 3-7965-0832-4.
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 6., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1990, ISBN 3-8001-3454-3.
  • Konrad von Weihe (Hrsg.): Illustrierte Flora. Deutschland und angrenzende Gebiete. Gefäßkryptogamen und Blütenpflanzen. Begründet von Christian August Friedrich Garcke. 23. Auflage. Paul Parey, Berlin/Hamburg 1972, ISBN 3-489-68034-0.

Einzelnachweise

<references> <ref name="IPCN"> Cerastium brachypetalum bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Cerastium brachypetalum Pers. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 376. </ref> <ref name="Euro+Med"> Karol Marhold: Caryophyllaceae. Cerastium brachypetalum In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011. </ref> <ref name="Friedrich1979"> Hans-Christian Friedrich: Familie Caryophyllaceae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band III, Teil 2, S. 931–934. Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg 1979, ISBN 3-489-60020-7. </ref> <ref name="Schmeil-Fitschen2024"> Gerald Parolly: Caryophyllaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 572–573. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Bärtiges Hornkraut (Cerastium brachypetalum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien