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Woiwodschaft Schlesien (1920–1939)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Województwo śląskie
Woiwodschaft Schlesien
Datei:Woiwodschaft Schlesien 1931.svg
Woiwodschaftsgrenzen von 1931
Symbole
Datei:POL województwo śląskie II RP COA.svg
Wappen
Wappen
Basisdaten
Staat Polen
Hauptstadt Kattowitz (Katowice)
Fläche 4216 km² (1931)
Einwohner 1.295.027 (1931)
Gründung 15. Juli 1920 (de iure)
20. Juni 1922 (de facto)
Gebietskörperschaft mit gewähltem Landtag und Selbstverwaltung im Rahmen der Zweiten Republik Polen.
Datei:Woiwodschaft Schlesien Powiats 1931.svg
Powiats im Jahr 1931
Powiats im Jahr 1931

Die Woiwodschaft Schlesien ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value))<ref>Vorlage:Dziennik Ustaw</ref> war eine Verwaltungseinheit, in der Teile Oberschlesiens zusammengefasst waren, die nach dem Ersten Weltkrieg 1920 von Österreich-Ungarn und 1922 vom Deutschen Reich an Polen abgetreten worden waren. Sie war von 1922 bis 1939 eine autonome Woiwodschaft in der Zweiten Polnischen Republik mit der Hauptstadt Kattowitz (Katowice).

Geografie

Die Woiwodschaft Schlesien war flächenmäßig die kleinste Woiwodschaft der Zweiten Republik Polen, ihre Fläche betrug im Jahr 1921 4216 km² und ab 1938, nachdem das von Polen besetzte Olsagebiet der Woiwodschaft angeschlossen wurde, kurzzeitig 5021 km².

Geschichte

Die Autonomiegrundlagen bestimmte das Gründungsstatut der Woiwodschaft Schlesien vom 15. Juli 1920. Sie bestand damals nur aus dem zu Polen gekommenen Teil des ehemaligen österreichischen Teschener Schlesien. Bei dessen Teilung wurde die Stadt Teschen in einen polnischen und einen tschechischen Teil gespalten. In ihren späteren Grenzen existierte die Woiwodschaft erst zwei Jahre später ab Juni 1922, als Ostoberschlesien kraft des Versailler Vertrags nach der Volksabstimmung in Oberschlesien an Polen abgetreten und an die Woiwodschaft angeschlossen wurde.

In der Woiwodschaft bildete der schlesische Sejm (Sejm Śląski) das Parlament der Woiwodschaft, das den Woiwodschaftsrat, die Exekutive wählte. Vorsitzender des Woiwodschaftsrat war der von der polnischen Zentralregierung ernannte Woiwode, der zwar die vom schlesischen Sejm beschlossenen Gesetze ausführen sollte, aber diesem nicht direkt verantwortlich war. Bei den ersten Wahlen zum schlesischen Sejm 1922 gewannen die polnischen Listen über 70 % der Stimmen. Stärkste Partei wurde die Christdemokratische Partei (Chadecja), gefolgt von der Einheitsliste deutscher Parteien. Lediglich die deutschen sozialistischen Parteien hatten sich nicht der deutschen Einheitsliste angeschlossen, sondern suchten die Kooperation mit den polnischen Sozialisten, ohne dabei ihre deutsche Identität aufzugeben. Die Christdemokraten verfehlten 1922 (und auch später) die absolute Mehrheit. Sie arbeiteten bis 1924 vor allem mit der Nationalen Arbeitspartei (Narodowa Partia Robotnicza) zusammen. Die Christdemokraten stellten bis 1926 auch den Woiwoden. Trotzdem blieben die politischen Verhältnisse instabil und in den Jahren zwischen 1922 und 1926 amtierten drei Woiwoden. Politisches Hauptproblem blieb die chronische Wirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit. Politisch und national indifferente polnischsprachige Oberschlesier zeigten sich vielfach von den neuen Verhältnissen enttäuscht und wählten in den 1920er Jahren zum Teil deutsche Parteien. Bei den Kommunalwahlen im Oktober 1926 gewannen die deutschen Parteien 42 % der Stimmen, was weit über dem deutschsprachigen Bevölkerungsanteil lag. Nach dem Augustputsch 1926 wurde der Piłsudski-Anhänger Michał Grażyński neuer Woiwode. Bis zu den 1930er Jahren gelang es Grażyński, auch unter Einsatz undemokratischer Mittel, sowohl den Stimmenanteil der deutschen Minderheit als auch den der polnischen Opposition zu drücken und die Macht der Sanacja in Oberschlesien zu festigen.<ref name="Haubold-Stolle" />

In der Zeit der Sanacja gab es kontroverse Pläne der Angliederung der Powiate Częstochowski mit Częstochowa, Zawierciański mit Zawiercie und Będziński (siehe Zagłębie Dąbrowskie) aus der Woiwodschaft Kielce (1919–1939) und der westlichen Teile der Powiate Chrzanowski mit Jaworzno und Oświęcimski mit Oświęcim, sowie die ganzen Powiate Bialski mit Biała Krakowska und Żywiecki mit Żywiec aus der Woiwodschaft Krakau (1920–1939). Die Pläne wurden bis zum Zweiten Weltkrieg in der Presse angestrengt debattiert und teilten die öffentliche Meinung (sie wurden de facto zum großen Teil im Jahr 1998 verwirklicht).<ref>Dariusz Majchrzak: Śląska autonomia dla Zagłębia Dąbrowskiego? Sprawa włączenia Zagłębia Dąbrowskiego do województwa śląskiego w II RP (polnisch)</ref> Am 3. September 1939 wurde die Woiwodschaft mit dem Beginn der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg abgeschafft. Das Gebiet der Woiwodschaft wurde an den Regierungsbezirk Kattowitz angeschlossen, der wurde auch mit dem neuen „Ostoberschlesien“ (die Landkreise Blachstädt, Warthenau, Ilkenau, Krenau, Bielitz und Saybusch) erweitert. Formell wurde die Woiwodschaft am 6. Mai 1945 vom kommunistischen Krajowa Rada Narodowa (Nationaler Staatsrat) aufgelöst, der auch die Autonomie aufhob.

Woiwoden der Woiwodschaft Schlesien

Folgende Woiwoden amtierten:<ref name="Haubold-Stolle">Juliane Haubold-Stolle: Mythos Oberschlesien – Der Kampf um die Erinnerung in Deutschland und in Polen 1919–1956. In: Einzelveröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts Warschau. fibre Verlag, Osnabrück 2008, ISBN 978-3-938400-39-5, 2. Polens „piastisches Land“, S. 161 ff. (PDF).</ref>

Józef Rymer (15. Juni 1922 – 5. Dezember 1922, verstarb im Amt)
Zygmunt Żurawski (15. Dezember 1922 – 1. Februar 1923, kommissarisch)
Antoni Schultis (1. Februar 1923 – 15. Oktober 1923)
Tadeusz Koncki (15. Oktober 1923 – 2. Mai 1924)
Mieczysław Bilski (6. Mai 1924 – 5. August 1926)
Michał Grażyński (6. September 1926 – 5. September 1939)

Bevölkerung

Die Bevölkerungsdichte war mit 307,2 Personen pro km² (1931) die höchste aller Woiwodschaften im Polen der Zwischenkriegszeit.<ref name"Zensus 1931"></ref>

1922 lebten etwa 340–350.000 Deutsche in der Woiwodschaft, von denen bis 1931 etwa 175.000 emigrierten. Nach den offiziellen Zahlen der Volkszählung von 1931 lebten noch 91.000 Deutsche in Oberschlesien, jedoch waren es nach Schätzungen von Historikern in der Realität eher mehr (zwischen 150.000 und 250.000).<ref name="Haubold-Stolle" /><ref></ref>

Der Anteil der Polen war auf dem Lande mit 95,6 % der Bevölkerung überdurchschnittlich hoch, während Deutsche mit 12,9 % der Stadtbevölkerung dort fast doppelt so stark vertreten waren wie in der Woiwodschaft insgesamt.<ref>Drugi Powszechny Spis Ludności z dnia 9 grudnia 1931 (2. Volkszählung vom 9. Dezember 1931), Herausgeber: Główny Urząd Statystyczny Rzeczypospolitej Polskiej</ref>

Muttersprachen nach der Volkszählung 1931<ref name="Zensus 1931"></ref>
Polnisch Deutsch Jiddisch Hebräisch Tschechisch andere/k. A. Summe
1.195.635
92,3 %
90.545
7,0 %
5.385
0,4 %
1.082
0,1 %
288
0,0 %
2.092
0,2 %
1.295.027
100,0 %

Hinsichtlich der Religionsverhältnisse gab die Woiwodschaft ein relativ homogens Bild ab. 92 Prozent waren Katholiken. Die Polnischsprachigen waren zu 94,7 Prozent katholisch. Aber auch die Deutschsprachigen waren zu zwei Dritteln katholisch. Größte religiöse Minderheit waren die Lutheraner, die zu etwa drei Vierteln polnischer Muttersprache waren. Der jüdische Bevölkerungsanteil machte 1,5 Prozent aus, ein Anteil, der weit unter dem landesweiten Durchschnitt Polens lag. Die Juden gaben etwa zur Hälfte Polnisch als Muttersprache an, zu einem guten Viertel Jiddisch und zu einem knappen Fünftel Deutsch.<ref name="Zensus 1931" />

Religionszugehörigkeit nach der Volkszählung 1931<ref name="Zensus 1931" />
Römisch-
katholisch
Evangelisch-
Lutherisch
Evangelisch-
uniert
Israeliten andere
Protestanten
Evangelisch-
reformiert
andere
christl.
Griechisch-
katholisch
Orthodox andere/
k. A.
Summe
1.195.036
92,3 %
45.412
3,5 %
21.278
1,6 %
18.938
1,5 %
7.248
0,6 %
3.331
0,3 %
1.421
0,1 %
813
0,1 %
434
0,0 %
1.116
0,1 %
1.295.027
100,0 %

Die deutsche Minderheit in Oberschlesien wurde durch den Minderheitenvertrag Polens mit den Alliierten vom Juni 1919 und die Genfer Konvention geschützt. Den führenden polnischen Politikern war der Minderheitenvertrag jedoch ein Dorn im Auge und sie betrachteten ihn als eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Polens. Die Aktivitäten der deutschen Minderheit wurden mit Misstrauen beobachtet. Die Deutschen wiederum, die im Durchschnitt wirtschaftlich deutlich besser gestellt waren als die Polen, konnten sich häufig nur schwer damit abfinden, nun nicht mehr die tonangebende Rolle zu spielen. Unter dem Woiwoden Grażyński nahm der Druck auf die deutsche Minderheit zu. Die polnischsprachigen Oberschlesier zeigten sich kritisch bis ablehnend gegenüber der Zuwanderung aus Zentralpolen, die die wirtschaftlichen Probleme auf dem Arbeitsmarkt verstärkte, und betonten ihre schlesische Sonderidentität.<ref name="Haubold-Stolle" />

Wirtschaft

Die Woiwodschaft Schlesien zählte zu den höchstentwickelten und reichsten Woiwodschaften der Zweiten Republik Polen. Ihre Wirtschaft basierte auf dem Bergbau und der Metallindustrie. 1923 stammte von dort 73 % der Steinkohlen-, 87,7 % der Zink-, 71 % der Stahl- und 99,7 % der Bleiproduktion Polens.<ref>Popiołek: Śląskie dzieje. Seite 376.</ref> Die Schienennetzdichte war die höchste in Polen und betrug 18,5 km pro 100 km². In der Wirtschaft der Autonomen Woiwodschaft war stark ausländisches Kapital engagiert, vor allem deutsches, da viele Unternehmen schon vor der neuen Grenzziehung in dem Gebiet präsent und danach in beiden Nachbarländern aktiv waren. Später kam auch verstärkt französisches, belgisches und amerikanisches Kapital hinzu, die deutschen Unternehmen hingegen zogen sich aufgrund der angespannten deutsch-polnischen Beziehungen, die ab 1925 im Zollkrieg ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten, zurück. Unerklärtes Ziel deutscher Außenpolitik dieser Zeit war es, Polen wirtschaftlich und politisch zu destabilisieren oder gar zum Bürgerkrieg zu drängen und so die Revision der Grenzen zu erreichen.<ref>Wolfgang Zank: Mit den Waffen der Wirtschaft. In: Zeit Online. 18. Januar 1991, abgerufen am 26. April 2026.</ref> Die wirtschaftlichen Sanktionen trafen die Wirtschaft der Autonomen Woiwodschaft besonders hart und hätten beinahe ihren Zusammenbruch herbeigeführt. Die Lage konnte dank Subventionen aus Warschau, dem Streik der englischen Bergleute und der amerikanischen Investitionen in die Stahlindustrie wieder etwas stabilisiert werden.

Verwaltungsgliederung

Powiat Fläche
(km²)
Einwohner
(1931)
Kreishauptstadt
(deutscher Name)
Einwohner
(19303/1931)
Powiat bielski 1 314 84.916 Bielsko 1 (Bielitz) 22.332
Powiat cieszyński 664 81.087 Cieszyn (Teschen) 15.324
Powiat katowicki 1 170 341.203 Katowice 1 (Kattowitz) 126.058
Powiat królewskohucki 1, 2 6 101.977 Królewska Huta 2 (Königshütte) 101.977
Powiat lubliniecki 706 45.232 Lubliniec (Lublinitz) 5.566
Powiat pszczyński 1072 162.015 Pszczyna (Pless) 7.660
Powiat rybnicki 893 212.829 Rybnik (Rybnik) 19.268
Powiat świętochłowicki 83 201.176 Świętochłowice (Schwientochlowitz) 26.706
Powiat tarnogórski 250 64.592 Tarnowskie Góry (Tarnowitz) 13.582
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1 Kreisfreie Städte, davon Bielsko und Kattowitz ab 1930
2 1934 umbenannt in Chorzów bzw. Powiat chorzowski
3 Stand 1931, nur für Bielsko, Kattowitz und Królewska Huta Stand 1930

Literatur

Fußnoten

<references/>

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Hauptstadt Warschau (woiwodschaftsfrei)

Białystok • Kielce • Krakau • Lwów • Łódź • Lublin • Nowogródek • Polesien • Pommerellen • Posen • Schlesien • Stanislau • Tarnopol • Warschau • Wilna • Wolhynien

Vorlage:Klappleiste/Ende