Arvato
| Arvato SE
| |
|---|---|
| colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Logo Arvato Group.jpg | |
| Rechtsform | SE |
| Sitz | Gütersloh, Datei:Flag of Germany.svg Deutschland |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 24.850 (2024)<ref name="Geschäftsbericht 2024">Geschäftsbericht 2024. (PDF) Bertelsmann, 24. März 2024, S. 23, 132, abgerufen am 4. Mai 2024.</ref> |
| Umsatz | 3.871 Mio. Euro (2024)<ref name="Geschäftsbericht 2024" /> |
| Branche | Dienstleistungen |
| Website | arvato.com |
| Stand: 31. Dezember 2024 | |
Die Arvato SE ist als einer von insgesamt sieben Geschäftsbereichen des Bertelsmannkonzerns eine Gruppe weltweit tätiger Dienstleistungsunternehmen mit Hauptsitz in Gütersloh.<ref>Gewinnsprung bei Bertelsmann. In: Börsen-Zeitung. 23. März 2016, S. 8.</ref><ref>Jens Ostrowski: Arvato baut aus. In: Neue Westfälische. 23. März 2016, S. 13.</ref> Das Portfolio besteht aus Logistik- und Supply-Chain-Management-Lösungen (Arvato), Finanzdienstleistungen<ref>Arvato positioniert sich als starker B2B-Partner. In: Horizont. 29. August 2002, S. 10. Fünf auf einen Streich. Arvato baut Callcenter-Geschäft weiter aus. 27. März 2007. Arvato verstärkt sich mit IT-Sparte von IBM. In: Handelsblatt. 6. Juni 2014, abgerufen am 10. Oktober 2016. Björn Helmke: Mit filigraner Logistik kräftig gewachsen. In: Deutsche Verkehrs-Zeitung. 19. Oktober 2010. Thorsten Gödecker: Arvato macht Geld mit Datenhandel. In: Neue Westfälische. 14. August 2014, S. 12.</ref>, beispielsweise als Payment-Service-Provider (Riverty) sowie IT-Services wie dem Betrieb von Servicecentern und IT-Systemen (Arvato Systems).<ref>Bertelsmann SE & Co KGaA: Arvato Group - Bertelsmann SE & Co. KGaA. Abgerufen am 23. März 2024.</ref> Arvato geht auf den Druck- und Industriebereich von Bertelsmann zurück, den heutigen Namen führt das Unternehmen seit 1999.<ref>Arvato auf Wachstumskurs. In: Handelsblatt. 9. Juni 1999, S. 19.</ref>
Arvato ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der Wörter Ar-s (lateinisch Kunst), Va-riation, T-echnik und O-rganisation.
Geschichte
Gründung der Vereinigten Verlagsauslieferung
Um die Nachfrage aus dem Lesering und dem Schallplattenring bedienen zu können,<ref>Nikos Späth: Der Aufstieg des Bertelsmann-Konzerns. In: Welt am Sonntag. 3. Oktober 2004, S. 34.</ref> erweiterte Bertelsmann Mitte der 1950er Jahre seine Lager- und Versandkapazitäten massiv.<ref name="2010-07-01">Michael Delker: Der größte Arbeitgeber in OWL. In: Westfalen-Blatt. 1. Juli 2010.</ref> 1959 wurde das Kommissionshaus Buch und Ton gegründet, um die Produktions- und Service-Infrastruktur für andere Verlage zu öffnen. Bertelsmann profitierte aufgrund damit einhergehender Skaleneffekte davon.<ref name="175 Jahre Bertelsmann, S. 34">175 Jahre Bertelsmann: Eine Zukunftsgeschichte. C. Bertelsmann Verlag, München 2010, ISBN 978-3-570-10175-9, S. 34.</ref> Von der Lufthansa wurde eine Lochkarten-Kartei in der Zentrale des Leserings übernommen, was den Grundstein für das IT-Know-how des Unternehmens bildete.<ref>Stephan Rechlin: Bertelsmann schließt Buchclub. In: Westfalen-Blatt. 18. Juni 2014.</ref> Das Kommissionshaus Buch und Ton war zunächst ein Einzelunternehmen mit Reinhard Mohn als alleinigem Inhaber.<ref>Unternehmensregister. Bundesanzeiger Verlag, abgerufen am 10. Oktober 2016 (Amtsgericht Gütersloh, HRA 2018).</ref> 1968 ging aus dem Betrieb schließlich die Vereinigte Verlagsauslieferung (VVA) mit Sitz in Gütersloh hervor.<ref>Immer im Dienst. In: Wirtschaftswoche. 22. Februar 1985, S. 68.</ref> Unternehmensgegenstand war die Auslieferung von Druckerzeugnissen und Schallplatten „im Namen und für Rechnung Dritter an deren Kunden“.<ref>Unternehmensregister. Bundesanzeiger Verlag, abgerufen am 10. Oktober 2016 (Amtsgericht Gütersloh, HRB 1133).</ref>
Unternehmensbereich Druck und Industrie
Ähnlich verfuhr Bertelsmann mit seinen Druckereien, seit 1948 gebündelt in der Firma Mohndruck.<ref>Mohndruck wird Mohn Media. In: Handelsblatt. 18. Oktober 1999, S. 25.</ref> Nachdem man leistungsstarke Maschinen gekauft hatte, die einer hohen Auslastung bedurften, verstärkte man in den 1960er Jahren die Akquisition von Fremdaufträgen.<ref name="175 Jahre Bertelsmann, S. 34" /> In den 1970er und 1980er Jahren gründete und kaufte Bertelsmann weitere Druck- und Logistik-Dienstleister in Frankreich, Großbritannien, Spanien und anderen europäischen Staaten.<ref>Geschichte: 1976–1990. Arvato, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Oktober 2016; abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Diese wurden Teil des Bereichs Druck und Industrie bei Bertelsmann, den ab 1976 der spätere Vorstandsvorsitzende Mark Wössner leitete.<ref name="2010-07-01" /> Unter seiner Führung stieg Bertelsmann 1983 in die Distribution von Software und Computern ein.<ref>Bertelsmann vermarktet DV-Produkte. In: Computerwoche. 1. Juli 1983. Bertelsmann vertreibt Rechner von TI. In: Computerwoche. 21. Oktober 1983.</ref> Bis Mitte der 1980er Jahre erreichte der Anteil der Druck- und Industriesparte am Konzernumsatz mehr als 20 Prozent.<ref>Bertelsmann präsentiert sich in Bestform. In: Handelsblatt. 7. März 1986, S. 20.</ref> Ende der 1980er Jahre intensivierte man das Engagement in den Vereinigten Staaten.<ref>Verstärktes Engagement in den USA. In: Handelsblatt. 22. Juli 1986, S. 10.</ref> 1993 startete Bertelsmann im Auftrag der Lufthansa das Bonusprogramm Miles & More.<ref>Thomas Glöckner: Auf Kollisionskurs. In: Focus Magazin. 20. Juli 1998, S. 191 (focus.de [abgerufen am 10. Oktober 2016]).</ref> Microsoft übertrug im Zuge der Einführung von Windows 95 den Kundenservice für Deutschland, Österreich und die Schweiz an Bertelsmann.<ref>Heinrich Vaske: Windows 95 lässt steigende Nachfrage erwarten. In: Computerwoche. 14. Juli 1995, S. 4.</ref>
Umstrukturierung und Umfirmierung
Anfang 1996 wurde der Unternehmensbereich Druck und Industrie in einer Aktiengesellschaft unter dem Namen Bertelsmann Industrie zusammengefasst.<ref name="Amtsgericht Gütersloh, HRB 3357">Unternehmensregister. Bundesanzeiger Verlag, abgerufen am 10. Oktober 2016 (Amtsgericht Gütersloh, HRB 3357).</ref> Grund war, dass Bertelsmann den Dienstleistungsbereich noch stärker ausbauen wollte.<ref>Dienstleistungsbereich soll stark wachsen. In: Handelsblatt. 30. Mai 1996, S. 15.</ref> Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen weltweit rund 12.600 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz in Höhe von 3,28 Milliarden D-Mark.<ref>Stabile Erträge bei wachsenden Umsätzen. In: Deutscher Drucker. 13. Juni 1996, S. 4.</ref> 1999 wurde das Unternehmen in Bertelsmann Arvato umbenannt,<ref>Neuer Name, neue Ziele. In: Darmstädter Echo. 9. Juni 1999.</ref> was den Wandel von der Druck- und Industriesparte zum internationalen Kommunikations- und Mediendienstleister verdeutlichen sollte.<ref>Ludger Fertmann: Bertelsmann Drucksparte setzt verstärkt auf Dienstleistungen. In: Die Welt. 9. Juni 1999, S. 24. Neuer Name soll Wandel dokumentieren. In: Frankfurter Rundschau. 9. Juni 1999, S. 16.</ref> Die Bezeichnung Arvato ist ein Kunstwort ohne besondere Bedeutung.<ref>Kunstwort „Arvato“. In: Deutscher Drucker. 26. August 1999, S. 40.</ref> Unter der Führung von Gunter Thielen, der 2002 zum Vorstandsvorsitzenden von Bertelsmann aufstieg, wurden auch die Schallplatten- und CD-Presswerke von Sonopress sowie die Lexikonverlage in Arvato integriert.<ref name="175 Jahre Bertelsmann, S. 334">175 Jahre Bertelsmann: Eine Zukunftsgeschichte. C. Bertelsmann Verlag, München 2010, ISBN 978-3-570-10175-9, S. 334.</ref> Mit Amtsantritt von Hartmut Ostrowski als Vorstandsvorsitzender von Arvato im Jahr 2002 legte das Unternehmen das Präfix Bertelsmann im Firmennamen ab, verwendete ihn jedoch weiterhin im Logo (Eigenschreibweise arvato BERTELSMANN).<ref>Lutz Meier: Thielen baut Bertelsmann-Führung um. In: Financial Times Deutschland. 9. August 2002, S. 6.</ref> Arvato wurde in die Geschäftsbereiche Print (Druckereien), Services (Distribution und Logistik), Storage Media (Speichermedien) und Systems (IT und Rechenzentren) gegliedert.<ref name="175 Jahre Bertelsmann, S. 334" />
Wandel des Geschäftsmodells
Aufgrund rückläufiger Katalog- und Zeitschriftenauflagen gründete Arvato mit Axel Springer und Gruner + Jahr das Unternehmen Prinovis.<ref>Prinovis stellt sich auf. In: Darmstädter Echo. 27. Juli 2005. Der heimliche Star. In: Handelsblatt. 14. Dezember 2005, S. 13.</ref> 2005 wurden unter diesem Dach sämtliche Tiefdruckereien der Beteiligten zusammengefasst, was Prinovis zum Marktführer in Europa machte.<ref>Mark Böschen: Druckkonzern Prinovis startet aggressiv. In: Financial Times Deutschland. 27. Juli 2005, S. 6. Neuer Tiefdruckriese hat hohe Ziele. In: Neue Westfälische. 27. Juli 2005.</ref> Parallel begann Arvato, Dienstleistungen für den öffentlichen Sektor anzubieten.<ref>Geschichte: 2005. Arvato, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Oktober 2016; abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Erster Kunde in diesem Bereich war der Kreis East Riding of Yorkshire.<ref>Arvato verwaltet Yorkshire. In: Neue Westfälische. 17. Februar 2005.</ref> Arvato übernahm etwa den Einzug lokaler Steuern oder die Auszahlung von Sozialleistungen.<ref>Martin Krause: In Yorkshire alles im Griff. In: Neue Westfälische. 11. November 2006.</ref> In den folgenden Jahren gewannen Distribution und Logistik stärker an Bedeutung: 2007 wurden die Geschäftsfelder Direct Services und Logistics Services unter Arvato Services vereinigt.<ref>Rückkehr zu Bertelsmann. In: Neue Westfälische. 2. Februar 2007.</ref> In Deutschland gewann das Unternehmen weitere Kunden für diesen Bereich, wozu neben Verlagen beispielsweise auch Unternehmen der IT- und High-Tech-Branche sowie Internet- und Mobilfunkunternehmen zählten.<ref name="175 Jahre Bertelsmann, S. 334" /> Zum Jahreswechsel 2007/2008 wurde Rolf Buch neuer Vorstandsvorsitzender von Arvato,<ref>Rolf Buch wird Arvato-Chef. In: Handelsblatt. 22. Januar 2007, S. 13.</ref> nachdem Hartmut Ostrowski zum Nachfolger von Gunter Thielen als Bertelsmann-CEO ernannt worden war.<ref>Ostrowski soll Thielen an der Bertelsmann-Spitze nachfolgen. In: Deutscher Drucker. 25. Januar 2007, S. 7.</ref> Unter seiner Führung brachte Arvato unter anderem das Bonusprogramm DeutschlandCard auf den Markt.<ref>Deutschlandcard macht Payback Konkurrenz. In: Berliner Zeitung. 4. März 2008, S. 10. Steffen Fründt: Spione im Portemonnaie. In: Welt am Sonntag. 16. März 2008, S. 34.</ref> Während Ostrowski die internationale Expansion forciert hatte, legte Buch den Fokus wieder stärker auf den Heimatmarkt Deutschland.<ref>„Ein riesiger Markt vor der Haustür“. In: Handelsblatt. 4. April 2008, S. 16. Vorstand krempelt Arvato um. In: Neue Westfälische. 25. Januar 2011.</ref>
Reintegration der Stabsfunktionen
Anfang der 2010er Jahre übernahm Arvato die verbleibenden Anteile von Gruner + Jahr an Prinovis.<ref>Arvato übernimmt Anteile des Druckkonzerns Prinovis von Gruner + Jahr. In: Horizont. 23. November 2011, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Anfang 2012 bündelte Bertelsmann schließlich einen Großteil der Druckereien des Konzerns in der Geschäftseinheit Be Printers.<ref>Bertelsmann nennt Drucksparte Be Printers. In: Horizont. 31. Oktober 2012, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Grund für die Trennung des Unternehmens von seinen Druckereien war vor allem, dass die Geschäfte in den Bereichen IT, Hightech und E-Commerce wuchsen, während die Druckereien seit Jahren leicht rückläufig waren.<ref>Juliane Paperlein: „E-Commerce ist weltweit ein Thema“. In: Horizont. 5. April 2012, S. 14.</ref> Ende 2012 folgte auf Rolf Buch überraschend Achim Berg,<ref>Heidi Rohde: Microsoft-Manager Berg wird Arvato-Chef. In: Börsen-Zeitung. 1. Dezember 2012, S. 16.</ref> ein ausgewiesener Experte für die genannten Geschäftsfelder.<ref>Bertelsmann wirbt Microsoft-Manager ab. In: Spiegel Online. 30. November 2012, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Berg fädelte unter anderem die Übernahme des insolventen E-Commerce-Dienstleisters Netrada im Jahr 2014 ein,<ref>Michael Gassmann: Bertelsmann steigt groß in den Onlinehandel ein. In: Welt Online. 10. Januar 2014, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> die zu einem massiven Ausbau der Position im Markt für Mode-Logistik führte.<ref>Edgar Fels: Jetzt auch in Sachen Mode vorn. In: Westfalen-Blatt. 11. Januar 2014. Bert Rösch: Arvato kauft E-Fashion-Dienstleister Netrada. In: Textilwirtschaft. 13. Januar 2014, S. 20.</ref> Nachdem Berg zwei Jahre später Arvato wieder verließ,<ref>Achim Berg verlässt Arvato. In: Spiegel Online. 9. Juli 2015, abgerufen am 10. Oktober 2016. Arvato bekommt neuen Chef. In: Handelsblatt. 9. August 2015, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> ernannte der Bertelsmann-Aufsichtsrat Fernando Carro zu seinem Nachfolger,<ref>Stefan Schelp: Neuer Chef für Arvato. In: Neue Westfälische. 10. Juli 2015, S. 4.</ref> allerdings direkt in den Vorstand des Bertelsmann-Konzerns,<ref>Stühlerücken bei Bertelsmann. Achim Berg geht, Fernando Carro rückt auf. In: Börsenblatt. 9. Juli 2015, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> da gleichzeitig der Arvato-Vorstand im Rahmen des Konzernumbaus komplett aufgelöst und durch Geschäftsführer ersetzt wurde. Einer dieser neuen Geschäftsführer-Posten wurde dabei ebenfalls mit Carro besetzt.<ref>Kai-Hinrich Renner: Turbulenzen bei Arvato. In: Handelsblatt. 10. Juli 2015, S. 21. Bert Rösch: Arvato: Vorstand aufgelöst. In: Textilwirtschaft. 10. Juli 2015, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Die Stabsfunktionen von Arvato werden seitdem direkt von der Bertelsmann-Zentrale und von den Geschäftsbereichen wahrgenommen.<ref>Arvato. Bertelsmann, abgerufen am 10. Oktober 2016. Bertelsmann übernimmt Arvato-PR. In: PR Report. 16. Dezember 2015, abgerufen am 29. November 2016.</ref> 2016 wurde die Firma Arvato AG auf die Muttergesellschaft Bertelsmann SE & Co. KGaA verschmolzen und aus dem Handelsregister gelöscht.<ref name="Amtsgericht Gütersloh, HRB 3357" />
Organisation
Arvato ist einer von acht Unternehmensbereichen bei Bertelsmann.<ref>Kai-Hinrich Renner: Bertelsmann sortiert sich neu. In: Handelsblatt. 23. März 2016, S. 24.</ref> Zusammen mit der 2016 gegründeten Bertelsmann Printing Group bildet er das Dienstleistungssegment des Gütersloher Konzerns.<ref>Bertelsmann vereinigt seine Drucksparte. In: Deutscher Drucker. 12. November 2015, S. 4. Drucken im Spiegel der Zeit. In: Neue Westfälische. 29. Juni 2016, S. 12.</ref> Gemessen am Umsatz in Höhe von 4,8 Milliarden Euro war Arvato nach der RTL Group im Geschäftsjahr 2015 der zweitgrößte Unternehmensbereich von Bertelsmann.<ref>Geschäftsbericht 2015. (PDF) Bertelsmann, S. 13, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Juli 2016; abgerufen am 10. Oktober 2016. RTL und Arvato Gewinnbringer. In: Die Glocke. 1. September 2016, S. 6.</ref> Mehr als die Hälfte der Erlöse wurde außerhalb Deutschlands erzielt, wobei Frankreich und die Vereinigten Staaten die wichtigsten Auslandsmärkte waren.<ref>Geschäftsbericht 2015. (PDF) Bertelsmann, S. 23, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Juli 2016; abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Zum Konsolidierungskreis von Arvato gehörten 2015 rund 230 Tochter-, fünf Gemeinschafts- und ein assoziiertes Unternehmen.<ref>Geschäftsbericht 2015. (PDF) Bertelsmann, S. 49, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Juli 2016; abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Für den Betrieb der Geschäfte gibt es an vielen Standorten eigene Tochtergesellschaften.<ref>Geschäftsbericht 2015. (PDF) Bertelsmann, S. 120, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Juli 2016; abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref>
Im Geschäftsjahr 2015 hatte Arvato weltweit 72.457 Mitarbeiter, was einem Anstieg von 1.804 Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr entspricht.<ref>Austria Presse Agentur: Bertelsmann-Unternehmensbereiche 2015 in Zahlen. 22. März 2016.</ref> Arvato ist seit 2014 in sogenannten Solution Groups organisiert, die unter Achim Berg eingeführt wurden.<ref>Arvato hat die Lösung. In: Westfalen-Blatt. 18. September 2013. Auf sieben Säulen ruht Arvato. In: Neue Westfälische. 4. April 2014.</ref> Diese sind nicht nach Produkten oder Technologien, sondern nach Anforderungen und Geschäften der Kunden strukturiert und arbeiten weitgehend selbstständig.<ref>Kai-Hinrich Renner: Selbstdemontage? In: Handelsblatt. 9. Juli 2015, S. 46.</ref> An ihrer Spitze steht jeweils ein Geschäftsführer beziehungsweise Chief Executive Officer.<ref>Management. Arvato, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. Dezember 2016; abgerufen am 29. November 2016.</ref> Derzeit existieren vier Solution Groups für Customer-Relationship-Management, Supply-Chain-Management, Finanzdienstleistungen und IT-Dienstleistungen.<ref>Geschäftsbereiche. Arvato, abgerufen am 25. Juli 2017.</ref> Bertelsmann löste mit Amtsantritt von Carro im Sommer 2015 den Arvato-Vorstand auf,<ref>Bert Rösch: Arvato: Vorstand aufgelöst. In: Textilwirtschaft. 10. Juli 2015 (textilwirtschaft.de [abgerufen am 29. November 2016]).</ref> das Unternehmen wird heute von einem Management Board geleitet. Ihm gehören Thomas Rabe, Bernd Hirsch, Immanuel Hermreck, Thomas Mackenbrock, Rolf Hellermann, Andreas Krohn, Frank Schirrmeister, Frank Kebsch und Matthias Moeller an.<ref>Management Board. Arvato, abgerufen am 24. Juli 2017.</ref>
Leistungen
After Sales Solutions
Arvato übernimmt sämtliche Dienstleistungen, die nach dem Verkauf von Produkten Dritter an Endverbraucher anfallen. Dazu zählen etwa die Reparatur und Aufbereitung defekter Geräte.<ref>After Sales Solutions. Arvato, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref>
Corporate Information Management
Diesem Bereich sind Leistungen zugeordnet, die die Logistik von Marketing- und Vertriebsmaterialien und anderen Dokumenten betreffen.<ref>Köpfe und Karrieren. In: Deutsche Verkehrs-Zeitung. 21. September 2010.</ref> Arvato organisiert etwa deren Produktion, Bevorratung und Verteilung. In den vergangenen Jahren gewann vor allem die Verbindung digitaler und gedruckter Werke an Bedeutung.<ref>Boris Scholz: Infoprozesse im Wandel. In: Deutsche Verkehrs-Zeitung. 18. Oktober 2011.</ref>
CRM & Customer Services
Dieser Bereich befasst sich mit Kundenservice.<ref>CRM als echte Initialzündung. In: Medianet. 28. Juni 2006, S. 28. Renaissance der Kundenbindung. In: Medianet. 3. September 2008, S. 19.</ref> Arvato übernimmt für seine Auftraggeber alle zugehörenden Aktivitäten wie Callcenter und Data-Mining-Prozesse sowie Lösungen für den öffentlichen Sektor sind hier eingeordnet.<ref>CRM & Customer Services. Arvato, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref>
Diesem Geschäftsfeld sind ebenfalls die rund 600 Mitarbeiter zuzuordnen, die auf Facebook gemeldete Einträge auf Einhaltung der Gemeinschaftsstandards des sozialen Netzwerks prüfen.<ref>Till Krause, Hannes Grassegger: Inside Facebook. In: SZ-Magazin. 15. Dezember 2016, abgerufen am 28. März 2017.</ref><ref>Der Spiegel: Politiker dürfen erstmals Facebooks Löschzentrum betreten vom 14. Juni 2017, geladen am 14. Juni 2017</ref> Für diesen Geschäftsbereich gründete Arvato zusammen mit dem marokkanischen Konzern Saham das Unternehmen Majorel.<ref name="publik">Silke Leuckfeld: Gefällt uns nicht. In ver.di Publik Nr. 3/2019, Beilage S. 1</ref> Majorel wurde 2023 von Teleperformance übernommen.
E-Commerce Solutions
Das Spektrum der Dienstleistungen des Unternehmens im Bereich des elektronischen Handels reicht von der Einrichtung und dem Betrieb von Websites über die Bereitstellung der IT-Infrastruktur bis hin zur Logistik der Waren.<ref>E-Commerce Solutions. Arvato, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref>
Financial Solutions
Die Finanzdienstleistungen von Arvato umfassen unter anderem die Zahlungsabwicklung sowie Factoring, Inkasso,<ref>Financial Solutions. Arvato, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Bonitätsprüfung von Verbrauchern und Risikomanagement.<ref>Andreas Toller: Wann Verbraucher kreditwürdig sind. In: Handelsblatt. 14. August 2016, abgerufen am 10. Oktober 2016. Massimo Bognanni: Die Rasterfahndung. In: Handelsblatt. 30. Oktober 2014, S. 30.</ref>
Arvato Systems
Siehe Arvato Systems
Supply Chain Solutions (SCS) & Logistics
Dieser Bereich befasst sich mit den Wertschöpfungs- und Lieferketten vom Produzenten bis zum Endkunden.<ref>Bert Rösch: Arvato: SCM-Chef rückt in den Vorstand. In: TextilWirtschaft. 28. August 2014, S. 69.</ref>
Kritik
Personal- und Lohnpolitik
Die Personal- und Lohnpolitik von Arvato ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen: 2005 baute Arvato Direct Services in Cottbus ein Callcenter auf.<ref>Arvato sieht Standort Cottbus als großen Glücksgriff. In: Lausitzer Rundschau. 20. August 2005.</ref> Das Unternehmen geriet in die Kritik, sich durch Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung in ungewöhnlichem Umfang Arbeitsplätze von der Arbeitsagentur finanzieren zu lassen. Diese Ansicht teilte unter anderem ver.di.<ref>Schattenseite einer Erfolgsgeschichte. Cottbuser Bertelsmann-Tochter Arvato in der Kritik. In: Lausitzer Rundschau. 27. Juli 2005.</ref> 2007 bemängelte die Gewerkschaft die Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche bei Arvato Services.<ref>„Vollmacht für weitere Verschlechterungen“. In: Neue Westfälische. 13. März 2007.</ref> 2012 mussten Mitarbeiter aufgrund eines Stellenabbaus bei Arvato Entertainment Lohneinbußen hinnehmen. Arvato wies die Kritik in diesem Fall zurück, weil der Schritt zuvor mit ver.di besprochen worden war.<ref>Stefan Schelp: Umbau sorgt für Unruhe bei Arvato. In: Neue Westfälische. 14. Oktober 2011. Stephan Rechlin: Arvato-Mitarbeiter riskieren Einbuße. In: Westfalen-Blatt. 4. September 2012.</ref>
Wirtschaftsauskunftei
2005 kaufte Arvato die Wirtschaftsauskunftei Infoscore mit Sitz in Baden-Baden.<ref>Arvato kassiert Infoscore. In: Neue Westfälische. 18. Februar 2005.</ref> Das Daten-, Informations- und Forderungsmanagement beider Unternehmen wurde in Arvato Infoscore mit insgesamt 1.700 Mitarbeitern zusammengeführt.<ref>Arvato und Infoscore fusionieren Datenmanagement. In: Handelsblatt. 17. Februar 2005, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Die Tochtergesellschaft geriet aufgrund zweifelhafter Auskünfte immer wieder in die Kritik.
So berichtete etwa 2012 der NDR über einen Versandhändler, der einer Kundin die Zahlung auf Rechnung verweigerte, weil ihre Bonität als schlecht eingestuft worden war. Der Versandhändler verwies dabei auf eine Bewertung von Arvato Infoscore.<ref>Bertelsmann-Tochter Infoscore: Fragwürdige Bonitätsbewertungen von Millionen Verbrauchern. Norddeutscher Rundfunk, 23. April 2012, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Obwohl das Unternehmen kaum mehr als Name und Adresse der Kundin gekannt habe und keine negativen Angaben vorgelegen hätten, bewertete es ihre Kreditwürdigkeit aufgrund soziodemografischer Merkmale mit einer schlechten Note. Nach einem Prüfbericht des Landesbeauftragten für den Datenschutz in Baden-Württemberg wurden außerdem veraltete Daten benutzt.<ref>Andreas Wilkens: Bericht: Infoscore nutzt veraltete Daten bei Bonitätsberechnung. In: Heise Online. 23. April 2012, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Ähnliche Vorwürfe erhob 2013 der WDR: Das Verbrauchermagazin Markt überprüfte anhand von 80 Beispielen, die Zuschauer zur Verfügung gestellt hatten, verschiedene Wirtschaftsauskunfteien.<ref name="Presseportal WDR">Bonitätsauskünfte von Schufa & Co. oft unvollständig und nicht nachvollziehbar. In: Presseportal. Westdeutscher Rundfunk, 15. April 2013, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Die Redaktion kam zu dem Ergebnis, dass insbesondere Arvato Infoscore häufig nicht nachvollziehbare Einschätzungen geliefert habe.<ref>Alexander Kuch: Schufa-Auskunft ist oft fehlerhaft und unvollständig. In: Teltarif. 16. April 2013, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Es wurde ein „deutliches Gefälle bei der Qualität der Auskünfte“ bemängelt. Weiterhin wies das Magazin darauf hin, dass sich die Beschwerden über Scoring-Anbieter häuften.<ref name="Presseportal WDR" />
Neben den kritisierten Auskünften wurde auch der Datenschutz bei Arvato Infoscore mehrfach beanstandet. 2015 fand der Radiosender NDR Info heraus, dass über das Portal für Mieterselbstauskünfte nur nach Angabe von Name, Adresse und Geburtsdatum einer Person Auskünfte erteilt werden. Arvato Infoscore gebe ohne weitere Überprüfung der Identität beispielsweise Auskunft über Schulden, Pfändungen und Ratenzahlungen.<ref>Datenleck bei großer Auskunftei – Kritik an Bertelsmann-Tochterfirma Infoscore. Norddeutscher Rundfunk, 23. März 2015, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Dadurch werde Missbrauch Tür und Tor geöffnet, argumentierten Kritiker.<ref name="2015-03-23">Stefan Krempl: NDR: Mangelhafter Datenschutz bei Bertelsmann-Auskunftei Infoscore. In: Heise Online. 23. März 2015, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Arvato Infoscore begründete seine Praxis damit, dass die Einholung einer Mieterselbstauskunft ausschließlich für die eigene Person erlaubt sei.<ref name="2015-03-23" /> Dennoch wurde das beanstandete Portal abgeschaltet.<ref>Mieter-Selbstauskunft Infoscore nimmt Angebot vom Netz. In: Spiegel Online. 23. März 2015, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref>
2016 berichtete der SWR, dass Arvato Infoscore die Fahrpreisnacherhebung im Auftrag der Deutschen Bahn abwickelt. Im Zuge dessen würden Informationen ohne Wissen der betroffenen Personen weitergegeben, was der Jurist Karl-Nikolaus Peifer als Verstoß gegen Datenschutz und Wettbewerbsrecht einstufte.<ref>Alexander Drechsel: Bahn gibt Kundendaten weiter. In: Tagesschau. 10. Mai 2016, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Der SWR zeigte auf, dass Arvato Infoscore die Fahrpreisnacherhebung der Deutschen Bahn bei der Beurteilung der Kreditwürdigkeit einzelner Kunden negativ berücksichtigte.<ref>Kundendaten der Bahn in fremden Händen. In: Zeit Online. 10. Mai 2016, abgerufen am 10. Oktober 2016.</ref> Der Sitz der Firma wurde 2015 nach Verl verlegt; sie nannte sich 2020 in Paigo um. Im Jahr 2022 erfolgte erneut eine Umbenennung in Riverty.
Löschzentrum für Facebook
Das im Auftrag von Facebook betriebene Löschzentrum stand in der Vergangenheit u. a. wegen der hohen psychischen Belastung für die Mitarbeiter sowie den zum Teil unklaren Regeln für Löschungen in der Kritik.<ref name="publik" /> Facebook begründet die Löschungen und Sperrungen auf Grundlage von allgemeinen Geschäftsbedingungen. Im Juli 2021 urteilte der Bundesgerichtshof jedoch, dass „die Geschäftsbedingungen von Facebook vom 19. April 2018 zur Löschung von Nutzerbeiträgen und Kontensperrung bei Verstößen gegen die in den Bedingungen festgelegten Kommunikationsstandards unwirksam sind“.<ref>Filipp Piatov: Facebook löscht „ohne rechtliche Grundlage“! In: Bild. 7. Juli 2022, abgerufen am 6. November 2022.</ref>
Aufbrechen von Wohnungstüren britischer Gaskunden
Im Januar 2023 machte die Tageszeitung The Times publik, dass Mitarbeiter von Arvato Financial Solutions Limited Wohnungstüren von Gaskunden mit Zahlungsrückstand aufgebrochen hatten, um zwangsweise Vorkasse-Gaszähler einzubauen. Unter den Betroffenen waren auch eine junge Mutter mit einem vier Wochen alten Baby, eine Frau mit einer geistigen Erkrankung und Familien mit körperbehinderten Angehörigen. Die Regulierungsbehörde Ofgem wies alle Versorgungsunternehmen an, den zwangsweisen Einbau von Vorkasse-Gaszählern zu stoppen. Ein Bertelsmann-Sprecher äußerte, für jeden Einbau solcher Zähler habe ein Gerichtsbeschluss (warrant) vorgelegen. Durch die 2021 und 2022 gestiegenen Preise für Energie sind mehr Menschen als früher im Zahlungsrückstand.<ref>Philip Plickert: Bertelsmann zieht Konsequenzen in Großbritannien. FAZ vom 6. Februar 2023.</ref><ref>times.co.uk: How British Gas debt collectors targeted young mother in freezing flat (2. Februar 2023)</ref>
Auszeichnungen
- 2022: Max-Spohr-Preis des Berufsverbands VK
Literatur
- 175 Jahre Bertelsmann: Eine Zukunftsgeschichte. C. Bertelsmann Verlag, München 2010, ISBN 978-3-570-10175-9, S. 330–371.
Weblinks
Einzelnachweise
<references responsive> </references>
Koordinaten: 51° 54′ 25″ N, 8° 24′ 33″ O
{{#coordinates:51,906944444444|8,4091666666667|primary
|dim=
|globe=
|name=
|region=DE-NW
|type=landmark
}}