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Artikulation (Musik)

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Unter Artikulation in der Musik wird die Art verstanden, wie ein einzelner Ton stimmlich oder instrumental gebildet wird und aufeinander folgende Töne miteinander verbunden werden. Der bewusste Einsatz der zahlreichen Möglichkeiten, Töne zu erzeugen und zu verbinden ist ein wesentlicher Bestandteil der musikalischen Gestaltung. In zahlreichen außereuropäischen Musikkulturen, wie beispielsweise in der klassischen Musik Indiens, bilden Tonerzeugung und Tonverbindung eine integrale Einheit, die zu fließenden Übergängen zwischen artikulatorischen und ornamentalen Elementen der musikalischen Liniengestaltung führen.

Differenzierung des Begriffs

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Die sprachliche Lautbildung und die instrumentale Tonbildung (Ansatz, Anschlag, Bogenstrich) beziehen sich auf die technisch-physiologische Bildung der einzelnen Laute bzw. Töne. Hier nimmt der Artikulationsbegriff seinen Anfang. Im Gesang, wo sowohl Laute wie Töne erzeugt werden (Phonation), wird er auch auf die Klarheit und Deutlichkeit der erzeugten Laute und Töne bezogen (it. articolare = deutlich aussprechen). Diese Laut- und Tonbildung muss von der künstlerischen Artikulation im Rezitieren und Musizieren unterschieden werden.

Mit dem Artikulationsbegriff ist immer auch die Vorstellung einer sinnlichen Tonqualität wie laut–leise, hart–weich, spitz–rund verbunden. Das sollte aber nicht dazu verführen, ein Artikulationszeichen zu einem reinen instrumentaltechnischen Ausführungszeichen umzudeuten, z. B. das Staccatissimo als Akzent aufzufassen. Die Akzentuation eines Tones gehört zur Dynamik und in einem formalen Tonverbund zur Metrik.

Die häufig vertretene Auffassung, die Artikulation diene der Phrasierung, dürfte auf die figürliche Bedeutung von articulus als ‚Glied, Satzteil, Abschnitt‘ zurückzuführen sein. Diese Begriffe sind eindeutig solche der formalen Gliederung, für die in der Musik unter anderem die Begriffe Figur, Motiv, Phrase, Thema, Periode, Satz zur Verfügung stehen.

Artikulationsarten

Die grundlegenden Arten, „Töne miteinander zu verbinden bzw. voneinander abzuheben“,<ref>Wieland Ziegenrücker: Allgemeine Musiklehre mit Fragen und Aufgaben zur Selbstkontrolle. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1977; : Wilhelm Goldmann Verlag, und MuTaschenbuchausgabesikverlag B. Schott’s Söhne, Mainz 1979, ISBN 3-442-33003-3, S. 159 f.</ref> werden mit legato (gebunden), non legato (nicht gebunden), tenuto (gehalten), portato (getragen), staccato (abgesetzt, abgestoßen, getrennt, kurz und prägnant) und staccatissimo (stark abgesetzt, stark getrennt, äußerst kurz) bezeichnet und mit den Schriftsymbolen Bogen, Querstrich, Punkt und Keil notiert. Auch das senkrechte Strichlein (|) wird benutzt. Die Verwendung dieser Symbole ist nicht einheitlich und kann auch innerhalb des Werkes eines Komponisten variieren. So ist auch die Bezeichnung des Staccatissimos durch Keile nicht allgemein üblich.<ref>siehe dazu: Paul Mies, Die Artikulationszeichen Strich und Punkt bei Wolfgang Amadeus Mozart, in: Die Musikforschung 1958, S. 428–455.</ref> Hugo Riemann nennt in seiner Klavierschule noch die in der Praxis selten verwendeten Bezeichnungen mezzolegato und mezzostaccato (leggiero).

Datei:Artikulation-01.png

Die Ausführung von Artikulationsangaben muss je nach Instrument, Spieltechnik und Musikstil modifiziert werden und ist stark vom gewählten Tempo und der Raumakustik abhängig. So ist das wie das Legato mit einem Bogen notierte Legatissimo (auch Überlegato genannt), als ein Weiterklingen in den nächsten Ton hinein, bei dem „die Finger sich erst von der Taste heben, wenn der nächste darauf folgende Ton schon gehört worden ist“<ref>Franz Paul Rigler: Anleitung zum Klavier für musikalische Lehrstunden. Wien 1779, S. 92, zitiert in: Siegbert Rampe: Mozarts Claviermusik. Klangwelt und Aufführungspraxis. Ein Handbuch. Bärenreiter-Verlag, Kassel u. a. 1995, ISBN 3-7618-1180-2, ISMN M-006-31034-0, S. 170.</ref>, nicht auf allen Instrumenten möglich. Dieses Nachklingen von Tönen über ihre notierte Dauer hinaus ist bei der Harfe und anderen mehrsaitigen Zupfinstrumenten (z. B. durch Verwendung von campanela-Fingersätzen bei der Barockgitarre) nicht nur bei der Ausführung von Akkordzerlegungen ein integraler Bestandteil des Klangcharakters, auch auf dem Klavier wird diese Artikulationsart von C. Ph. E. Bach erwähnt und z. B. in der Klassik bei der pedallosen Ausführung von Alberti-Bässen angewendet. In späterer Zeit übernimmt oft das Pedal diese Funktion, obwohl z. B. noch Frédéric Chopin in Begleitfiguren diese Art des legatissimo-Spiels sowohl selbst praktiziert als auch gelehrt hat.<ref>Stefan Askenase hat in seinen Chopin-Ausgaben (s. den Abschnitt über die Edition der Klavierwerke im Artikel Frédéric Chopin) dieses legatissimo genau bezeichnet.</ref> Hingegen soll die Möglichkeit, auf dem Klavier auch bei gleichzeitiger Anwendung des Pedals ein Non-Legato zu erzeugen, wobei ein Staccato mit 'spitzem' Anschlag angedeutet wird, auf einer akustische Täuschung beruhen und den physikalischen Gegebenheiten widersprechen.<ref> Die Täuschung entsteht dadurch, dass der optische Eindruck des 'spitzen Anschlags' die akustische Wahrnehmung beeinflusst. S. auch die Experimente in: Otto Ortmann: The physical basis of piano touch and tone. An experimental investigation of the effect of the player's touch upon the tone of the piano. E. P. Dutton & Co, New York 1925. S. 78.</ref>

Beispiele

Die künstlerische Artikulation kann an exemplarischen Vorbildern studiert werden, z. B. finden sich in der folgenden Melodie aus der Violinsonate B-Dur KV 378 von W. A. Mozart (erster Satz, allegro moderato, Takt 26–30), das Legato, Non-Legato (im 5. Takt), Staccato, Portato und das Strichlein (im 2. Takt).

Datei:Art MoVlSonB.tif

Anhand des Beispiels von Mozart (s. o.) lässt sich auch die Beziehung zwischen Artikulation und musikalischer Struktur aufzeigen. Zu Analysezwecken werden eckige Klammern, Kommata oder Gliederungsstriche benutzt. Man kann damit deutlich machen, dass Artikulation und Phrasierung mit der Melodie und ihren Motiven ein gemeinsames Objekt haben, diese aber ihren je eigenen Aspekt der Charakterisierung und der Formgestaltung bzw. Gliederung bewahren. „Nur wenn sich die praktische Ausführung der Phrasierung mit der Artikulation nicht berührt, können beide nebeneinander bestehen und unabhängig von einander durchgeführt werden.“<ref>Riemann, Musiklexikon, Art. „Phrasierung“.</ref> Wenn die Artikulation vom Komponisten nur rudimentär oder gar nicht vorgeschrieben ist, ist es Aufgabe des Interpreten, eine Artikulationsweise zu finden, die möglichst den Stilkriterien der Zeit folgt.

Datei:ArtPhrMo r.tif

Der Bogen, der das artikulatorische Binden und Absetzen der Töne anzeigt, wird seit der Frühromantik auch zur Bezeichnung der Phrase und sogar des Motivs verwendet, er wird dann zum sogenannten ‚Phrasierungsbogen’ (Motiv- oder Phrasenbogen), so dass angesichts dieser Mehrdeutigkeit die Bedeutung eines Bogens nur aus dem jeweiligen Kontext erschlossen werden kann.

Siehe auch

Literatur

  • John Butt: Bach Interpretation. Articulating marks in primery sources of J. S. Bach. Cambridge 1990. ISBN 0-521-37239-9.
  • Gotthold Frotscher: Aufführungspraxis alter Musik. Wilhelmshaven 1963. S. 74–80.
  • Nikolaus Harnoncourt: Musik als Klangrede. Kassel 1982. ISBN 3-7618-1098-9. S. 48–63.
  • Hermann Keller: Die Orgelwerke Bachs. Ein Beitrag zu ihrer Geschichte, Form, Deutung und Wiedergabe. Peters, Leipzig 1948, S. 43–47.
  • ders.: Phrasierung und Artikulation. Kassel 1955.
  • Magnús Pétursson, Joachim M. H. Neppert: Elementarbuch der Phonetik. Hamburg 2002. ISBN 3-87548-318-9.
  • Egon Sarabèr: Methode und Praxis der Musikgestaltung. Clausthal-Zellerfeld 2011. ISBN 978-3-86948-171-5. S. 201–264.
  • ders.: Die Kunst des Notenlesens. Für Anfänger und Fortgeschrittene. 2., verbesserte Auflage 2018, Papierflieger-Verlag, Clausthal-Zellerfeld, ISBN 978-3-86948-626-0. S. 125–134.

Anmerkungen

<references />