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Armagnac (Weinbrand)

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Datei:Armagnac-img 0465.jpg
Armagnac (Jahrgang 1956)
Datei:The Armagnac Region, France.jpg
Die drei Anbauregionen des Armagnac

Armagnac ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung für in der Gascogne in Frankreich hergestellten Weinbrand (Brandy). Nach einer Verordnung von 1909 sind rund 15.000 ha Rebfläche in den Départements Gers, Landes und Lot-et-Garonne zur Armagnac-Herstellung zugelassen.

Armagnac ist die älteste bekannte französische Spirituose<ref name=":2">Découvrir l'Armagnac - Armagnac. In: Armagnac magazine. Abgerufen am 9. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und eine kontrollierte Ursprungsbezeichnung gemäß den Europäischen Begriffsbestimmungen für Spirituosen. Name, Herkunft und Herstellungsverfahren sind durch die Appellation d’Origine Contrôlée gesetzlich geregelt.

Armagnac wird in einem einzigen Brenndurchgang destilliert, Cognac dagegen im Doppelbrandverfahren. Anschließend wird Armagnac drei bis 20 Jahre in Eichenholzfässern gelagert. Je länger die Lagerung, desto höher die Qualitätsstufe. Der Mindestalkoholgehalt beträgt 40 Volumenprozent.

Geschichte

Vorlage:Hinweisbaustein Armagnac wird oft als kleiner Bruder des berühmteren Cognacs bezeichnet. Allerdings reicht die Cognac-Herstellung nur in das 17. Jahrhundert zurück. Das Brennen von Armagnac hingegen wurde zuerst 1310 durch Kardinal Vital Dufour auf Lateinisch in einem Buch über Gesundheit (Pour garder la Santé et rester en bonne forme = dt.: Um gesund und in Form zu bleiben, heute in der Vatikanischen Bibliothek<ref>Quelle est la plus ancienne eau de vie française ? Chateau Arton, abgerufen am 9. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>) gelobt<ref name=":3">Histoire - Armagnac. In: Armagnac, magazine. Abgerufen am 9. März 2026.</ref> und später bereits 1461 urkundlich erwähnt,<ref name=":0">Tim Schneller: Armagnac: Unterschied zu Cognac & alles wichtige zur Spirituose. In: Gentleman's Attitude. 25. Januar 2020, abgerufen am 27. Januar 2020.</ref><ref name=":3" /> als im Gebiet des heutigen Département Landes eine Brennerei zu seiner Erzeugung genehmigt wurde. Die Urkunde befindet sich im Musée de l’Armagnac in Condom.<ref name=":1" />

Für diese frühe Kultur der Branntweinherstellung waren drei Kulturkreise verantwortlich: die Römer mit ihren Weinbaukenntnissen, die Gallier mit ihrer Handwerkskunst der Fassherstellung und die Mauren mit der Destillationstechnik. Zu jener Zeit wurde Armagnac noch als Medizin verwendet und hauptsächlich schmerzlindernd und desinfizierend eingesetzt. Der Name des Weinbrands leitet sich von seiner Ursprungsregion ab, der alten Grafschaft Armagnac.

Herstellungsprozess

Rebsorten und Anbau

Grundlage für Armagnac sind Weißweine, die in erster Linie aus den Rebsorten Ugni Blanc, Baco Blanc, Colombard und Folle Blanche gekeltert werden.<ref name=":4">Cépages et Terroir - Armagnac. In: Armagnac, magazine. Abgerufen am 9. März 2026.</ref> Zugelassen sind zehn Rebsorten<ref name=":4" />; eine untergeordnete Rolle spielen die Sorten Blanc Dame, Graisse, Jurançon Blanc, Mauzac, Mauzac Rose und Meslier-Saint-François. Die drei Anbaugebiete heißen Bas-Armagnac, Haut-Armagnac (um Auch, Lectoure und Mirande<ref name=":1" />) und Ténarèze, wobei „bas“ (französisch für niedrig) und „haut“ (französisch für hoch) nicht die Qualität des Produkts, sondern die Lage des Gebiets bezeichnen. Ganz im Gegenteil liefert das Gebiet des Bas-Armagnac einen besseren Branntwein als Haut-Armagnac, das daher mittlerweile kaum mehr eine Rolle spielt und schon im Jahr 2000 nur noch 6 %<ref name=":1">Isabelle Valbuena (Hrsg.): Midi-Pyrénées à pied (= Collection Topo-Guide: Les régions de France à pied). Fédération française de la randonnée pédestre/Comité régional de la randonnée pédestre en Midi-Pyrénées, Paris 2021, ISBN 2-85699-790-2, S. 114.</ref> zur Gesamtproduktionsmenge beitrug. Die Spitzenlagen des Bas-Armagnac werden Grand Bas genannt.

Die Rebstöcke müssen ein Alter von fünf Jahren erreicht haben, ehe ihre Trauben erstmals verwendet werden dürfen. Der Grundwein wird nach traditionellen Regeln zubereitet. Weder Schwefeldioxid noch Zucker darf zugefügt werden, während des Gärungsprozesses ist auch ein Umfüllen verboten.

Destillation und Lagerung

Datei:Arthez alambic Ognoas 1936.jpg
Mobile Armagnac-Destille mit Kondensator (links) und Brennblase mit aufmontierter Rektifikationskolonne (rechts).
Gemeinde Arthez-d’Armagnac, Département Landes.

Der Wein wird in kupfernen, geschlossenen Brennblasen durch einen einzigen Brennvorgang destilliert. Hierin besteht der Unterschied zum Cognac, der nach der Methode der Destillation Charentaise zweimal in aufeinanderfolgenden Durchgängen (Rohbrand und Feinbrand) gebrannt wird.

Bei der Méthode Armagnac werden dagegen Rohbrand und Feinbrand in einem einzigen Brennprozess kombiniert. Hierzu dient eine Rektifikationskolonne, ein Apparat zur Trennung der verdampfbaren Komponenten. Die Rektifikationskolonne befindet sich zwischen der Brennblase und dem Kondensator, der die verdampften Bestandteile durch Abkühlen wieder verflüssigt.

Die weitere Lagerung erfolgt in Fässern mit 225 bis 420 Liter Inhalt, die aus der typischen Gascogner Schwarzen Eiche hergestellt werden. Für die Fertigung der Holzfässer aus der Steineiche der Gascogne wird das Holz sechs Jahre lang gelagert, bevor es verarbeitet wird. Im Gegensatz zu den oft uralten Cognac-Fässern, die immer wieder neu eingesetzt werden, benutzt man für den Armagnac für jede Ernte neue Fässer. Dieses Holz verleiht dem Branntwein sein unverwechselbares Bukett (Bouquet) und seine typische Bernsteinfarbe.

Das frische Destillat verbleibt so lange in neuen Fässern, bis die Herauslösung der Bestandteile aus dem Holz optimal ist. Dann wird es in ältere Fässer umgefüllt, um einen zu starken Holzgeschmack zu vermeiden und um eine weitere langsame Entwicklung zu ermöglichen: die aus dem Holz gelösten Aromen gewinnen an Finesse, Anklänge von Vanille und typischerweise Backpflaume entwickeln sich. Ein Alterungskeller wird nicht cave, sondern chais<ref name=":1" /> genannt. Sobald der Armagnac das richtige Alter – mindestens ein Jahr, in der Regel sechs bis acht Jahre – erreicht hat, wird er in die traditionelle bauchige Flasche mit dem langen Hals – ähnlich einem fränkischen Bocksbeutel – abgefüllt.

Prestigeprobleme

Die hohe Qualität, die handwerklich einwandfreie Herstellung,<ref name=":2" /> die strenge Reglementierung, der Export in 132 (im Jahr 2024 noch 109)<ref name=":5">Les Chiffres - Armagnac. In: Armagnac, magazine. Abgerufen am 9. März 2026.</ref> Länder und die im Gegensatz zu Cognac deutlich geringere Produktionsmenge würden den Armagnac eigentlich zu einem begehrten Luxusprodukt prädestinieren, tatsächlich aber leidet er seit den Nachkriegsjahren unter deutlichen Prestigeproblemen. Während im Jahr 2024 in Frankreich selbst 8 % mehr Flaschen (1,39 Millionen) als im Vorjahr verkauft wurden, ging der Export um 13 % zurück (1,42 Millionen Flaschen).<ref name=":5" /> Damals war er besonders begehrt und verzeichnete eine extrem hohe Nachfrage, was schließlich zu einem Verfall der Qualität, zu einem Ruin des Images und im Bewusstsein der Verbraucher dazu führte, Armagnac als kleinen oder schlechteren Cognac anzusehen – eine Ansicht, die teilweise noch heute vorherrscht.

Klassifizierung

Beim Armagnac ist seit 2010 die Einteilung in vier Kategorien gebräuchlich: (1) V.S./*** (Very Special/trois étoiles, drei Sterne), (2) V.S.O.P (Very Superior Old Pale), (3) X.O./Hors d’Âge (Extra Old/extra alt) sowie (4) Millésime. Armagnacs der Kategorie (1) sind am jüngsten und mindestens ein Jahr lang im Eichenfass gereift, die Klasse (2) verspricht mindestens vier Jahre, die Klasse (3) mindestens 10 Jahre Reifung. Bei Blends (Verschnitten) wird die Kategorie anhand des jüngsten enthaltenen Bestandteils des fertigen Armagnacs bestimmt. Die Bezeichnung Millésime kennzeichnet hingegen, dass der Armagnac aus Weinen eines einzigen Jahrgangs gebrannt wurde.<ref name=":0" />

Überwiegend wird Armagnac als Sorten- und Jahrgangsverschnitt angeboten. Nur in wenigen Häusern kommen auch sortenreine Brände auf die Flasche. Steht auf einer Flasche die Bezeichnung Bas-Armagnac, so enthält sie nur erstklassige Gewächse ohne jeglichen Gebietsverschnitt. Eine Flasche mit der Bezeichnung Appellation Armagnac deutet hingegen darauf hin, dass der Inhalt aus Bränden von Ténarèze und dem Haut-Armagnac oder aus allen drei Appellationen bestehen kann.

Relativ selten ist der Jahrgangs-Armagnac.

Die Erzeuger

Zu den bekanntesten Armagnac-Herstellern gehören Marcel Trepout, Château de Lacquy, Domaine Boingnères, Armadis, Castarede, Francis Darroze, Janneau Fils, Baron de Sigognac und Marnier-Lapostolle. Armadis ist der jüngste (gegründet 1946), aber größte Hersteller. Château de Lacquy ist der älteste Erzeuger und ist seit 1711 im Besitz einer Familie. Darroze wurde bereits 1793 gegründet und stellt ausschließlich Jahrgangs-Armagnacs her. Bei Marnier-Lapostolle, einem Haus, das sowohl Cognac als auch Armagnac produziert, wurde 1880 der Grand Marnier erfunden.

Verwendung

Die Zugabe von Armagnac dient auch der Herstellung des traditionellen Floc de Gascogne. Außerdem wird der baskische Likör Izarra auch mit Armagnac versetzt.

Museum

Das Musée de l’Armagnac in Condom widmet sich der Herstellung von und dem Handel mit Armagnac.<ref name=":1" />

Literatur

  • Charles Neal: Armagnac. The Definitive Guide to France’s Premier Brandy. Wine Appreciation Guild, San Francisco CA 2004, ISBN 1-891267-20-5 (englisch).

Film

  • Leben wie Gott in Frankreich. Das Armagnac der Gascogne. Dokumentarfilm, Deutschland, 2010, 43:15 Min., Buch und Regie: Hilde Bechert, Produktion: Saarländischer Rundfunk, Reihe: Reisewege, Erstsendung: 6. Oktober 2010 bei SWR, Inhaltsangabe von ARD.

Weblinks

Commons: Armagnac (drink) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Armagnac – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />