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Anschlag auf die Sayidat-al-Nejat-Kathedrale in Bagdad 2010 – Wikipedia Zum Inhalt springen

Anschlag auf die Sayidat-al-Nejat-Kathedrale in Bagdad 2010

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Koordinaten: 33° 18′ 25″ N, 44° 25′ 33″ O

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Die Sayidat-al-Nejat-Kathedrale (2010)

Bei dem Anschlag auf die Sayidat-al-Nejat-Kathedrale in Bagdad 2010 handelt es sich um die Ereignisse rund um die Erstürmung der syrisch-katholischen Sayidat-al-Nejat-Kathedrale<ref name="beigesetzt">46 Opfer des Anschlags auf syrische Kathedrale beigesetzt. In: kathweb. 2. November 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 7. Oktober 2013; abgerufen am 2. November 2010.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kathweb.at</ref> in Bagdad am 31. Oktober 2010 durch islamistische Terroristen. Dabei kamen 68 Menschen<ref name="ORFGeiselnahme">Todesstrafen wegen Geiselnahme in Bagdader Kirche. In: ORF. 3. August 2011, abgerufen am 3. August 2011.</ref> ums Leben und circa 60 wurden verwundet.<ref name="Geiseln">Martin Gehlen: Die Geiseln sterben in der Kirche. In: Frankfurter Rundschau. 1. November 2010, abgerufen am 2. November 2010.</ref> Unter den Getöteten waren 2 Priester (Taher al-Qasboutros und Wassim Sabih<ref name="Angst">Martin Gehlen: Christen in Angst. In: Frankfurter Rundschau. 10. November 2010, abgerufen am 15. November 2010.</ref>), 7 Polizisten und alle Attentäter.<ref name="Bagdad">Jürg Bischoff: Bagdad im Bombenterror. In: Neue Zürcher Zeitung. 3. November 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. November 2010; abgerufen am 5. November 2010.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nzz.ch</ref> Zu dem Anschlag bekannte sich der „Islamische Staat Irak“.

Verlauf

Angriff auf Börse

Vor dem Angriff auf die Kathedrale griffen die Attentäter die Börse von Bagdad an, wurden aber von den dortigen Sicherheitskräften zurückgeschlagen.<ref name="Kirche">Gegen 60 Tote bei Geiseldrama in Bagdader Kirche. In: Neue Zürcher Zeitung. 1. November 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. Januar 2016; abgerufen am 23. März 2024.</ref>

Geiselnahme

Während der Abendmesse stürmten zwischen laut dem US-Militär fünf<ref name="Menschen">K. El-Gawhary: Fast 60 Menschen getötet. In: die tageszeitung. 1. November 2010, abgerufen am 3. November 2010.</ref><ref name="Christen">Fünfzig Christen sterben bei Geiselnahme in Bagdad. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 1. November 2010, abgerufen am 2. November 2010.</ref> oder laut dem irakischen Sicherheitskräften neun<ref name="Menschen" /> Terroristen die Kathedrale, in der sich circa 120 Personen aufhielten. Der Erstürmung waren mehrere Explosionen vor dem Gotteshaus vorausgegangen.<ref name="Christen" /> Sie erschossen den Pfarrer und nahmen Geiseln. Die Attentäter, die sich als der Gruppe Islamischer Staat Irak zugehörig bezeichneten, waren mit Gewehren, Handgranaten und Sprengstoffgürteln bewaffnet<ref name="Geiseln" /> und verrammelten Fenster und Türen.<ref name="Christen" />

Verhandlungen

Die Fernsehstation Al-Baghdadia TV behauptet, Kontakt mit den Geiselnehmern gehabt zu haben.<ref name="Menschen" /> Laut deren Aussage forderten die Geiselnehmer die Freilassung mehrerer Islamisten im Irak und in Ägypten und kündigten weitere ähnliche Anschläge an.<ref name="Geiseln" /> Außerdem sollten zwei muslimische Frauen in Ägypten innerhalb von 48 Stunden aus den Händen der Kopten befreit werden. Damit ist eine Affäre in Ägypten gemeint, bei der zwei Frauen in ungeklärten und verwirrenden Umständen zum Christentum übergetreten sind.<ref name="Menschen" /> Das Gebäude des Senders wurde, nachdem er die Forderungen der Geiselnehmer gesendet hatte, von Sicherheitskräften umstellt und vom Stromnetz getrennt. Danach wurde der Sendebetrieb kurzzeitig unterbrochen.<ref name="Fernsehprogramm">Sicherheitskräfte unterbrechen irakisches Fernsehprogramm. In: Neue Zürcher Zeitung. 2. November 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 19. Dezember 2015; abgerufen am 3. November 2010.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nzz.ch</ref>

Erstürmung

Nachdem die Geiselnehmer nach zwei Stunden offenbar mit der systematischen Erschießung der Geiseln begannen, wurde die Kathedrale von irakischen Spezialkräften mit US-amerikanischer Unterstützung (es wurden Luftbilder zur Verfügung gestellt<ref name="Menschen" />) gestürmt. Dabei zündeten die Terroristen zwei Sprengstoffgürtel. Vierundvierzig Gläubige, acht Geiselnehmer und sechs Sicherheitskräfte wurden getötet, fünf Geiselnehmer wurden festgenommen.<ref name="Geiseln" />

In der Folge

Bekennerschreiben

Am 3. November erschien auf mehreren Webseiten ein Bekennerschreiben der Gruppe „Islamischer Staat Irak“. Dabei übernahmen sie die Verantwortung für den Anschlag und kündigten an, christliche Organisationen, Kirchenangehörige und Gläubige als legitime Ziele zu betrachten.<ref>Bekennerschreiben aus Irak sät neue Angst. In: Frankfurter Rundschau. 3. November 2010, abgerufen am 4. November 2010.</ref>

Fahndung

Laut unbestätigten Berichten der BBC handelte es sich bei den Attentätern nicht um Iraker.<ref name="Kirche" />

Reaktionen

Der Trauergottesdienst für die Getöteten fand am 2. November statt und wurde von Emanuel III. Deli geleitet.<ref name="Bagdad" />

Nach dem Anschlag äußerte der Abgeordnete Yonadam Yousef Kanna massive Kritik an den Sicherheitskräften. Diese hätten zu „wenig professionell“ und „überhastet“ agiert.<ref name="Geiseln" /> Die meisten Geiseln seien während der Befreiungsaktion gestorben.<ref name="Menschen" />

Papst Benedikt XVI. bezeichnete die Tat als „absurde und grausame Gewalt“ und die deutschen Bischöfe sprachen von einem „mörderischen Fanatismus“.<ref name="Geiseln" />

Großayatollah Sistani, ein hoher schiitischer Geistlicher im Irak, und Scheich Ahmed Tayeb, Imam der sunnitischen Azhar-Universität in Kairo, verurteilten den Angriff aufs Schärfste.<ref name="Bagdad" />

Die deutsche Bundesregierung reagierte „entsetzt und traurig“.<ref name="Geiseln" />

Am 8. November, eine Woche nach dem Anschlag, schickte die französische Regierung ein Flugzeug nach Bagdad, das 36 Verletzte und 21 ihrer Angehörigen nach Paris ausflog, um sie dort medizinisch zu versorgen. Insgesamt hat die Regierung zugesagt 150 Opfer des Anschlags aufzunehmen.<ref name="Frankreich">Frankreich fliegt Verletzte des Bagdader Geiseldramas aus. In: Neue Zürcher Zeitung. 8. November 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 9. Dezember 2015; abgerufen am 9. November 2010.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nzz.ch</ref>

Im Hof der Kirche wurde ein Denkmal errichtet mit den Namen von 47 Getöteten.

Juristisches

Am 3. August 2011 verurteilte ein Gericht in Bagdad drei Angeklagte zum Tode. Sie wurden beschuldigt, das Attentat geplant und vorbereitet zu haben. Es gibt noch die Möglichkeit einer Berufung. Ein vierter Angeklagter wurde zuvor in einem gesonderten Prozess zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.<ref name="ORFGeiselnahme" />

Flüchtlinge

Der Anschlag gilt, zusammen mit dem Mord an Bischof Paulos Faraj Rahho im Jahr 2008, als Grund für den Massenexodus der irakischen Christen aus dem Irak.<ref>Martin Gehlen: Syriens Korridor des Grauens. In: Die Zeit. 23. April 2013, abgerufen am 24. April 2013.</ref>

Weblinks

Siehe auch

Einzelnachweise

<references />