Andreas Blau (Unternehmer)
Andreas Blau, zeitgenössisch Endres Plaue oder Endres Plaw,<ref name="VerGNürn_70">Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, Bde. 58/59, S. 70 Digitalisat</ref> war ein frühneuzeitlicher Unternehmer im westlichen Erzgebirge.
Leben
Er stammte aus Nürnberg und handelte mit Zinn. Blau ließ sich in Sosa bei Eibenstock nieder, wo er einen Freihof erwarb, als dessen Besitzer er 1518 erwähnt wird. Nach anderen Angaben kam er erst 1530 nach Sosa und heiratete in den dortigen Freihof ein.<ref name="Werte_120">Siegfried Sieber und Martin Leistner: Vorlage:Landschaften in Deutschland</ref> Nordwestlich von Sosa, im Tal der Zwickauer Mulde, kaufte er eine Mahl- und Brettmühle.<ref name="Werte_104">Autorenkollektiv: Brockhaus Reisehandbuch Erzgebirge Vogtland, VEB F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1976, S. 265.</ref> In deren Nähe legte er um 1530<ref name="Blechmarken">Erich Matthes: Alte Eisenhütten- und Waffenschmiedemarken des sächs. Erzgebirges. In: Glückauf. Zeitschrift des Erzgebirgsvereins 59 (1939), Nr. 10, S. 219–224 (Digitalisat).</ref><ref>Carl Friedrich Mosch: Zur Geschichte des Bergbaues in Deutschland, Erster Band, Liegnitz 1829, S. 233 Digitalisat, abgerufen am 23. Februar 2015.</ref> zwei Hammerwerke an, die bald nach ihm Ober- und Unterblauenthal genannt wurden.<ref>Johann Paul Oettel: Alte und neue Historie der Königl. Pohln. und Churfürstl. Sächß. freyen Berg-Stadt Eybenstock im Meißnischen Ober-Erz-Gebürge. S. 284f.</ref> Daraus gingen die Orte Wolfsgrün und Blauenthal hervor. In seinen Hammerwerken begann er nach Amberger Vorbild die Weißblechfabrikation.<ref name="VerGNürn_70"/> Dies dürfte in größerem Umfang im Erzgebirge die Weißblechproduktion in anderen Hammerwerken zur Folge gehabt haben. Blau brachte für seine Werke sogar aus der Oberpfalz fachlich versierte Arbeiter mit.<ref name="Werte_104"/> Zusammen mit seinem Bruder Balthasar betrieb er in Schneeberg eine Handelsfirma für Zinn und andere Metalle.<ref name="Werte_120"/><ref name="VerGNürn_70"/> Er kaufte als Zinnhändler 1533/34<ref name="Werte_120"/> große Teile des Zinns der Eibenstocker Schmelzhütte auf<ref name="Werte_120"/> und gründete 1537<ref name="Werte_120"/> die Neue Gesellschaft des Blechhandels,<ref name="Werte_104"/> der der sächsische Kurfürst einen Vorschuss von 7000 Gulden gab<ref name="Werte_120"/> und beitrat.<ref name="Werte_104"/><ref>Erich Matthes: Die Einführung der Weißblechherstellung im sächsischen Erzgebirge, 1536. In: Glückauf. Zeitschrift des Erzgebirgsvereins 62 (1942), Nr. 7–8, S. 65–69 (Digitalisat).</ref> Diese war eine Konkurrenzorganisation zu der in der Oberpfalz bestehenden vergleichbaren Organisation,<ref name="Werte_104"/> wahrscheinlich der Amberger Zinnblechhandelsgesellschaft. Streit mit den Mitgesellschaftern ließen Blau 1541 nach Nürnberg fliehen. Nach seiner Rückkehr entdeckte er wertvolle Erzlagerstätten.<ref name="Werte_104"/> Die Neue Gesellschaft war eine Vorläuferin der Erzgebirgischen Blechcompagnie. Mit der Errichtung der Eisenhämmer werden auch die Blechzeichen entstanden sein, mit denen man die Fässer der für den Versand vorgesehenen verschiedenen Blechsorten versah. Für diesen Blechhandel hatten Andreas Blau und seine Gesellschafter eine Art Monopol im ernestinischen Kursachsen erhalten.<ref>Vertrag vom 27. Oktober 1537, Torgau.</ref>
Auf Anordnung des kursächsischen Hofes sah sich Blau Ende 1558 unter Haftandrohung gezwungen, seinen Besitz an seinen Sohn Andreas Blau jun. zu verkaufen, um so bestehende Schulden tilgen zu können. Andreas Blau ist im Januar 1559 aktenkundig als Besitzer des Freihofes Sosa nebst dem zugehörigen Hammerwerk nachweisbar, auch wenn der Lehnbrief erst am 10. Januar 1561 ausgestellt wurde.<ref name="EHB2023">Jörg Brückner: Haftandrohung für den Gründer von Blauenthal. In: Erzgebirgische Heimatblätter 45 (2023), Heft 4, S. 12–13. ISSN 0232-6078</ref> Bei dem in der Holzordnung des sächsischen Kurfürsten von 1560 für das Amt Schwarzenberg erwähnten Andreas Blau<ref>Forst- und Holtz-Ordnung des Kurfürsten August zu Sachsen vom 8. September 1560, in: Georg Viktor Schmid: Handbuch aller seit 1560 bis auf die neueste Zeit erschienenen Forst- und Jagd-Gesetze des Königreichs Sachsen, Erster Theil Forstgesetze, bei F. W. Goedsche, Meißen 1839, S. 40 Digitalisat, abgerufen am 31. Juli 2015.</ref> dürfte es sich demnach um Andreas Blau jun. handeln.<ref name="EHB2023"/> Als Andreas Blau jun. am 13. Juni 1564 seine erzgebirgischen Besitzungen an Georg Zobelt und Franz Brehm veräußerte, wird er als inzwischen geadelter Leibarzt von Erzherzog Ferdinand in Innsbruck bezeichnet.<ref name="Werte_121">Siegfried Sieber und Martin Leistner: Vorlage:Landschaften in Deutschland</ref>
Literatur
- Jörg Brückner: Haftandrohung für den Gründer von Blauenthal, in: Erzgebirgische Heimatblätter, 4/2023, S. 12 f.
Einzelnachweise
<references responsive />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Blau, Andreas |
| ALTERNATIVNAMEN | Plaue, Endres |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Unternehmer im westlichen Erzgebirge |
| GEBURTSDATUM | 15. Jahrhundert |
| STERBEDATUM | 16. Jahrhundert |