Andrea Pisano (Bildhauer)
Andrea Pisano (* um 1290 in Pontedera bei Pisa; † um 1348 in Orvieto), auch Andrea da Pontedera, war ein vor allem in Pisa, Florenz und Orvieto tätiger Bildhauer, Goldschmied und Architekt. Andrea ist nicht mit den älteren Künstlern Nicola und Giovanni Pisano verwandt.
Leben und Werk
Andrea Pisano lernte zunächst das Handwerk des Goldschmiedes. Um 1300 wurde er Schüler von Mino di Giovanni und arbeitete mit ihm an den Skulpturen für Santa Maria della Spina in Pisa, aber auch an anderen Orten.
In den Jahren 1330–1336 schuf er für das Baptisterium von Florenz (die anderen beiden sind von Lorenzo Ghiberti) eine erste Bronzeportal – das einzige mit Sicherheit von ihm geschaffene Werk, das erhalten ist. Die übrigen unter seinem Namen geführten Werke wurden ihm auf Grund stilistischer Ähnlichkeiten mit der Bronzetür oder späteren Überlieferungen (insbesondere in Giorgio Vasaris Künstlerviten, 1550 bzw. 1568) zugeschrieben. Das Portal besteht aus einer Reihe von kleinen quadratischen Bronzeplatten. Die unteren acht enthalten einzelne sitzende Figuren der Tugenden, die übrigen Szenen aus dem Leben Johannes’ des Täufers. Die Signatur lautet ANDREA UGOLINI NINI DE PISIS, „Andrea (Sohn) des Ugolino (Sohn) des Nino aus Pisa“. Andreas Vater Ugolino war Notar in Pontedera bei Pisa gewesen.
Im Jahr 1340 erlangte er die Stelle des Dombaumeisters der Stadt Florenz als Nachfolger des 1337 verstorbenen Giotto und setzte den von diesem begonnenen Bau des Campanile der Kathedrale von Florenz fort. Dort werden ihm eine Reihe von Reliefs, vor allem der Sockelzone, zugeschrieben, die möglicherweise Giotto entworfen hatte; zum Beispiel die doppelten Bandreliefs des großen Glockenturms. Diese thematisieren die vier großen Propheten, die sieben Tugenden, die sieben Sakramente, die sieben Werke der Barmherzigkeit und die sieben Planeten. Der Reliefzyklus zu den menschlichen Erfindungen, Handwerken und Künsten wurde möglicherweise von Giotto entworfen.
Im Jahr 1347 wurde Andrea Dombaumeister an der Kathedrale von Orvieto. Er arbeitete an der Fassade, die bereits von Lorenzo Maitani entworfen und begonnen worden war, und schuf eine marmorne Marienstatue. Reste davon und das Fragment eines Engels sind im dortigen Museum ausgestellt.
Andrea Pisano hatte zwei Söhne: Nino Pisano (1315–1370), der seinem Vater als Dombaumeister am Dom von Orvieto nachfolgte, und Tommaso Pisano, der sich unter anderem durch die Fertigstellung des Schiefen Turms von Pisa im Jahr 1372 auf Basis der Pläne von Bonanno Pisano einen Namen machte.<ref>Rätsel um Erbauer von Schiefem Turm von Pisa gelöst Salzburger Nachrichten, 18. Dezember 2019.</ref>
Pisanos bedeutendster Schüler war Andrea di Cione (Andrea Orcagna). Ein anderer bekannter Schüler, Giovanni di Balduccio, führte die Arbeiten am Schrein des Sant’Eustorgio in Mailand aus.
Literatur
- Gert Kreytenberg: Andrea Pisano und die toskanische Skulptur des 14. Jahrhunderts. München 1984 (Italienische Forschungen 3), ISBN 3-7654-1944-3.
- Anita Fiderer Moskowitz: The sculpture of Andrea and Nino Pisano. Cambridge University Press 1986, ISBN 0-521-30754-6.
- Otto Kammerlohr: Epochen der Kunst. Von der karolingischen Kunst zur Spätgotik. Band 2, München 1997
- Joachim Poeschke: Die Skulptur des Mittelalters in Italien. Band 2: Gotik. Hirmer, München 1998, ISBN 3-7774-8400-8.
Weblinks
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Einzelnachweise
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