Amokfahrt in der Grafschaft Cumbria
Amokfahrt in der Grafschaft Cumbria bezeichnet eine Amokfahrt am 2. Juni 2010 in mehreren Orten in der nordenglischen Grafschaft Cumbria, die zwölf Tote und elf Schwerverletzte forderte. Sie endete nach rund dreieinhalb Stunden mit dem Suizid des Täters Derrick Bird.<ref>Whitehaven Shooting Incident - Latest Updates. Cumbria Constabulary, 4. Juni 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. Juni 2010; abgerufen am 5. Juni 2010 (englisch).</ref>
Die Amokfahrt begann am Vormittag um 10 Uhr in Lamplugh und führte anschließend durch Frizington, Whitehaven, Egremont, Gosforth und Seascale. Der Schütze wurde dreieinhalb Stunden später tot in einem Waldstück bei Boot aufgefunden. Laut Angaben der Polizei, die 30 verschiedene Tatorte untersuchte, handelt es sich um den schlimmsten Massenmord seit dem Massaker von Dunblane 1996, in dessen Folge die britischen Waffengesetze massiv verschärft worden waren.<ref name="spree">Cumbria shootings: 12 dead as gunman goes on killing spree. The Guardian, 3. Juni 2010, abgerufen am 5. Juni 2010 (englisch).</ref>
Ablauf der Tat
Erste Phase
Das erste Opfer von Derrick Bird war sein Zwillingsbruder David Bird, den er in Lamplugh erschoss. Die Polizei geht davon aus, dass der Grund eine Auseinandersetzung um eine Erbschaft gewesen sein könnte. Anschließend tötete er in Frizington Kevin Commons, den Anwalt der Familie. Um 10:20 Uhr Ortszeit erhielt die Polizei telefonisch Kenntnis von einer Schießerei, während Bird in seinem Auto in Richtung Whitehaven fuhr.<ref name="rampage">Family dispute theory over Cumbria rampage. BBC News, 3. Juni 2010, abgerufen am 5. Juni 2010 (englisch).</ref>
Zweite Phase
Um 10:35 Uhr ereignete sich nahe einem Taxistand in Whitehaven eine Schießerei. Um diese Zeit erschienen auch die ersten Medienberichte, wonach eine Person wild um sich geschossen, mehrere Personen getötet und weitere verletzt habe. Die Einwohner von Whitehaven, Egremont und Seascale wurden von den Behörden dringend aufgefordert, sich nicht ins Freie zu begeben und in den Häusern zu bleiben.<ref name="rampage"/><ref>Cumbria shooting: police hunt gunman after 'several shot dead'. The Daily Telegraph, 2. Juni 2010, abgerufen am 5. Juni 2010 (englisch).</ref>
Dritte Phase
Bird wurde letztmals um 12:30 Uhr gesichtet. Kurz danach bestätigte die Polizei, dass es mehrere Tote gegeben habe und dass sie auf der Suche nach dem Täter sei. Bird ging in der Nähe von Bood der Sprit für sein Auto aus, und er flüchtete zu Fuß weiter.<ref>Cumbria gunman Derrick Bird kills at least 12 in rampage. The Times, 2. Juni 2010, abgerufen am 5. Juni 2010 (englisch).</ref> Um 13:30 Uhr gab die Polizei bekannt, dass in einem Waldstück ein toter Mann mit einem Gewehr gefunden worden sei, mit hoher Wahrscheinlichkeit der Täter. Außerdem erhielt die Bevölkerung eine Entwarnung.<ref>Urgent public message - Shots fired in Whitehaven. webcitation.org, 2. Juni 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Juni 2010; abgerufen am 5. Juni 2010 (englisch). Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Nach der Tat
Um 15:50 Uhr gab Premierminister David Cameron in der ersten Prime Minister’s Questions seiner Amtszeit bekannt, dass mindestens fünf Personen tot aufgefunden worden seien, darunter der Täter.<ref>Cumbria shootings – as the day unfolded. The Guardian, 2. Juni 2010, abgerufen am 5. Juni 2010 (englisch).</ref> Später am Abend ließ die Polizei auf einer Pressekonferenz in Whitehaven verlauten, dass zwölf Personen erschossen worden seien, weitere elf Personen verletzt seien und dass der Verdächtige sich selbst gerichtet habe. Sie bestätigte auch, dass zwei Waffen verwendet worden seien und dass 30 verschiedene Tatorte untersucht würden.<ref name="rampage" />
Opfer und Täter
Von den zwölf Opfern stammen drei aus Seascale, je zwei aus Egremont und Wilton und je eines aus Lamplugh (Zwillingsbruder des Täters), Frizington (Anwalt der Familie), Whitehaven, Carleton und Gosforth. Drei der Opfer waren Frauen, neun waren Männer. Prominentestes Opfer ist der ehemalige Rugby-League-Profispieler Garry Purdham, der Bruder des Nationalspielers Rob Purdham.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Cumbria Shootings: Derrick Bird's Victims ( vom 6. Juni 2010 im Internet Archive)</ref>
Der Täter, Derrick Bird, ein geschiedener 52-jähriger Vater von zwei Kindern, wurde als beliebter und ruhiger Mann beschrieben, der als selbstständiger Taxifahrer arbeitete. Unbestätigten Berichten zufolge soll er wegen seines fragilen Geisteszustandes in einem lokalen Krankenhaus um Hilfe ersucht haben.<ref>Taxi gunman Derrick Bird goes on killing rampage in Cumbria. The Herald Sun, 2. Juni 2010, abgerufen am 5. Juni 2010 (englisch).</ref> Bird war im Besitz eines Gewehr-Zertifikats und eines Waffenscheins.<ref>Gun control and ownership laws in the UK. BBC News, 3. Juni 2010, abgerufen am 5. Juni 2010 (englisch).</ref> Auch soll er Auseinandersetzungen mit den Steuerbehörden gehabt haben.<ref>Cumbria shootings: PM meets injured and police officers. BBC News, 4. Juni 2010, abgerufen am 5. Juni 2010 (englisch).</ref> Nach seinem Schulabschluss arbeitet er im Kernkraftwerk, wo er wegen Diebstahls gekündigt wurde.
Reaktionen
Am Abend des 2. Juni drückte Königin Elisabeth II. in einer Rede ihre Trauer und ihr Mitgefühl für die Opfer aus.<ref name="spree" /> Innenministerin Theresa May lobte die Arbeit der Notfallorganisationen; das Kabinett traf sich zu einer Sitzung und am 3. Juni gab May im House of Commons eine Erklärung zu den Vorfällen in Cumbria ab.<ref>Home Secretary makes statement on events in Cumbria. Home Office (Ministerium), 2. Juni 2010, abgerufen am 5. Juni 2010 (englisch).</ref> David Cameron und Theresa May besuchten die Tatregion am 4. Juni und trafen dort mit verletzten Opfern, Behörden und der lokalen Bevölkerung zusammen.<ref>Cumbria shootings: David Cameron meets survivors of Derrick Bird's rampage. The Daily Telegraph, 4. Juni 2010, abgerufen am 5. Juni 2010 (englisch).</ref>
Der Fernsehsender ITV setzte eine Folge der Serie Coronation Street aus, da diese von einem Todesfall im Lake District in unmittelbarer Nähe der Tatorte und einer bewaffneten Belagerung einer Fabrik handelte.<ref>Coronation Street taken off air following Cumbria shooting. STV, 2. Juni 2010, abgerufen am 5. Juni 2010 (englisch).</ref> Ebenfalls ausgesetzt wurde am 3. Juni die Comedyshow You Have Been Watching auf Channel Four, da an diesem Tag das Sonderthema Kriminalität vorgesehen war.<ref>You Have Been Watching postponed. British Comedy Guide, 3. Juni 2010, abgerufen am 5. Juni 2010 (englisch).</ref> Heftige Kritik musste sich die amerikanische Sängerin Lady Gaga gefallen lassen, da sie bei ihrem Konzert in Manchester am Abend nach dem Massaker nicht auf die umstrittene Darstellung einer Mordszene verzichten wollte.<ref>Lady GaGa slammed for gory stage show. AOL Music, 3. Juni 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. Juni 2010; abgerufen am 5. Juni 2010 (englisch). Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Während der Amokfahrt wurden die Tore der nahe gelegenen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield vorsorglich geschlossen, und die Nachmittagsschicht erhielt die Anweisung, nicht zur Arbeit zu kommen. Es handelte sich um die erste Betriebsunterbrechung in der Geschichte der Anlage.<ref name="rampage" />
Weblinks
- Nordengland - Amokläufer erschießt zwölf Menschen – Artikel und Video auf Spiegel Online vom 2. Juni 2010
- Nordengland - Taxifahrer läuft im Lake District Amok – zwölf Tote auf Zeit Online vom 2. Juni 2010
- 13 Tote - Erbstreit hinter Amoklauf in England vermutet auf der Webseite des Standard vom 3. Juni 2010
Einzelnachweise
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