Ameisenbekämpfung
Die Bekämpfung von Ameisen (Formicidae) wird unter bestimmten Voraussetzungen als zulässig bewertet bei massenhaftem Auftreten im direkten Umfeld des Menschen.
Mögliche Schäden durch Ameisen
Im menschlichen Wohn- und Arbeitsumfeld können folgende Schäden durch Ameisen auftreten:<ref name = IVA>Ameisen als Schädlinge im Haus vom 19. November 2019 Industrieverband Agrar, aufgerufen am 29. Januar 2023</ref><ref name=GAR>Hausmittel gegen Ameisen im Haus - das hilft wirklich! In: gartenlexikon.de. Abgerufen am 29. Januar 2023.</ref>
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- Vorratsschäden
- Materialschäden (z. B. verursachen manche Rossameisen Holzschäden<ref name = IVA/>)
- Gesundheitsschäden
- Schäden an Pflanzen
Zu den in Deutschland als problematisch eingestuften Arten zählen, insbesondere bei zahlreichem Auftreten, die Gemeine Rasenameise, die Schwarze Wegameise oder die Pharaoameise.<ref name = IVA/>
Methoden
Zur Bekämpfung von Ameisen werden verschiedene Strategien verfolgt,<ref name=":0">Ameisenbekämpfung - biologische Mittel für Haus und Rasen. gartenlexikon.de, abgerufen am 16. Dezember 2017.</ref> die auch kombiniert angewendet werden können.<ref name=":3">Julia Lenders: So kämpft die Stadt gegen die Ameisen-Plage. Abendzeitung, 7. Mai 2013, abgerufen am 13. Dezember 2017.</ref>
Die jeweiligen Methoden haben auf verschiedene Arten eine andere Wirkung: So ist z. B. die etwa zwei Millimeter große Pharaoameise, die Mitte des 19. Jahrhunderts aus den tropischen Gebieten eingeschleppt wurde, nicht an üblichen Ameisenködern interessiert, da sie frische, eiweißreiche Nahrung bevorzugt.<ref name=GAR/>
Hausmittel
Es gibt unterschiedliche Hausmittel zur Bekämpfung und Abwehr von Ameisen.<ref name = MSG>Thomas Hess: Hausmittel gegen Ameisen: Was funktioniert wirklich? vom 21. Juli 2022 Mein schöner Garten, aufgerufen am 29. Januar 2023</ref><ref name = NDR>Ameisen in Haus und Garten: So vertreibt man die Tiere vom 6. Mai 2022 Norddeutscher Rundfunk, aufgerufen am 29. Januar 2023</ref>
- Vergrämung: stark riechende Stoffe, stören den Orientierungssinn der Ameisen und können diese vertreiben. Hierzu zählen unter anderem Essig, Teebaumöl, Zimt, Zitronenschalen, Majoran, Chili, Gewürznelken und Lavendel.<ref name = MSG/><ref name = NDR/>
- Ertränken: Nahrhafte Flüssigkeiten (Bier, Likör, Zuckerwasser etc.) werden in innen steilwandigen glatten Behältern (Schüsseln) angeboten und ggf. mit zusätzlichen Lockstoffen (z. B. Honig oder Zucker) versehen, in denen die Ameisen ertrinken. Diese Methode wirkt relativ unspezifisch.<ref name=":0" /><ref name = MSG/>
- Unterbrechen der Ameisenstraße: mit Kreide, Klebeband, Kupfer, Backpulver oder Kaffeesatz.<ref name = MSG/><ref name=":0" /><ref>Christoph Drösser: Stimmt's: Softkill mit Soda. In: Die Zeit. 9. September 2013, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 16. März 2019]).</ref><ref name = OET>Ameisen bekämpfen mit Hausmitteln – und ohne Chemie vom 4. August 2022 Öko-Test, aufgerufen am 29. Januar 2023</ref>
- Errichtung von Barrieren: Ein Abdichten der betroffenen Einrichtung z. B. durch Dämmstoffe und Verfugung verhindert ein Eindringen der Insekten.<ref name=":0" />
- Klebefallen: Ameisen bleiben auf der Oberfläche von Klebefallen haften. Diese Methode dient in erster Linie dem Schädlingsmonitoring. Eine Bekämpfung mit Klebefallen, wie Leimringen oder Gelbtafeln ist aufwändig und unspezifisch.<ref>Christoph Hoyer: Leimringe schaden Nützlingen ... vom 1. Juli 2008 gartenfreunde.de, aufgerufen am 29. Januar 2023</ref>
- Umsiedlung: Bei der Umsiedlung eines Ameisenvolks wird ein mit Nestbaumaterial befülltes Gefäß auf oder neben das Nest gestellt oder darüber gestülpt. Hierfür eignet sich beispielsweise ein großer Blumentopf (aus Ton), der mit feuchtem Stroh, Holzwolle oder Holzspänen gefüllt wurde. Ist das Volk, nach einigen Tagen bis einer Woche, in das Gefäß umgesiedelt, wird dieses an einem entfernten Ort wieder ausgesetzt.<ref name = IVA/><ref name = MSG/>
Chemische Bekämpfung
- Vergiftung: Insektizide werden als Granulat, Gel, Zusatz von Gießwasser, Spray oder in speziellen Köderdosen in der Nähe der Ameisenstraße oder des Nestes appliziert. Da die Arbeiterinnen eines Ameisenstaates den Wirkstoff der Köder auch als Futter ins Nest verschleppen, wo das Gift die Königin erreicht, wird die ganze Kolonie betroffen. Im öffentlichen Bereich, wie auf Spielplätzen oder im Außenbereich von Kindertagesstätten werden unter anderem Giftstoffe wie Fipronil, Permethrin und Cyhalothrin eingesetzt.<ref name = FPS>Fachzeitschrift für Schädlingsbekämpfung. Ameisenbekämpfung in Kindergärten und auf Spielplätzen. Wirkstoffe und Verfahren 1. Ausgabe 2014 DpS – Fachzeitschrift für professionelle Schädlingsbekämpfung, aufgerufen am 29. Januar 2023</ref>
Der Einsatz von Pestiziden ist riskant, da neben der erwünschten Wirkung eine Reihe von ökologischen Nachteilen festgestellt wurde. Zu den größten, mit Bioziden assoziierten Umweltproblemen zählen die Verschmutzung des Grundwassers, die Belastung der Böden und die Auswirkungen auf andere Organismen, die nicht beseitigt werden sollten.<ref>Pestizide – eine Einführung. Pflanzenschutzmittel und Biozidprodukte 1. Auflage 09/2021 Naturschutzbund Deutschland, aufgerufen am 29. Januar 2023</ref>
Mit dem Inkrafttreten der Paragraphen 10–13 der Biozidrechts-Durchführungsverordnung (ChemBiozidDV) zum 1. Januar 2025 sind Köderdosen mit Fraßgiften wie Spinosad oder Imidacloprid nicht mehr in Selbstbedienung erhältlich, sondern erst nach einem Aufklärungsgespräch durch eine sachkundige Person.<ref>Arndt Joachim Nagel: Ab 01.01.2025: Abgabebeschränkungen beim Biozid-Handel! auf it-recht-kanzlei.de vom 6. September 2024, abgerufen am 14. März 2025.</ref><ref>Neue Vorgaben der Biozidrechts-Durchführungsverordnung ab Januar 2025 auf gefahrstoff.com vom 23. September 2024, abgerufen am 14. März 2025.</ref>
Vorbeugende Maßnahmen
Die folgenden Maßnahmen werden präventiv gegen die Ansiedlung oder Ausbreitung von Ameisen im Wohnumfeld angewendet:<ref name=":0" /><ref name="NDR" />
- offen zugängliche Nahrungsmittel (bes. zuckerhaltige) und Essensreste dicht verschließen und zügig verräumen
- Haushaltsmüll mit Essensresten täglich entsorgen
- Arbeitsflächen regelmäßig mit heißem Wasser abwischen
- Tierfutterreste zügig entfernen
- Abdichten von Fugen und Ritzen am Boden, sowie Fenstern und Türen mit Silikon, Gips oder Acryl
- Fenster und Türen, wo nötig, zusätzlich mit klebendem Dichtungsband versiegeln.
- Ameisenarten wie z. B. die Schwarze Wegameisen bauen ihre Nest oft unter Gehweg- oder Terrassenplatten, insbesondere, wenn diese auf Sand verlegt wurden. Wo Ameisen viel Sand als Baumaterial abtragen, können die Platten instabil werden, daher wird vorbeugend Kies oder Split als Untergrundmaterial verwendet.<ref name="IVA" /><ref name="NDR" />
Geschützte Arten
Die Bekämpfung von Ameisenarten, die unter Naturschutz stehen, ist nicht erlaubt. Zu den Arten, die in Deutschland geschützt sind und deren Nester nicht zerstört werden dürfen, zählen insbesondere Waldameisen, wie:<ref>Verordnung zum Schutz wild lebender Tier- und Pflanzenarten (Bundesartenschutzverordnung - BArtSchV) Bundesministerium der Justiz, aufgerufen am 29. Januar 2023</ref>
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- die Große Kerbameise
- die Kahlrückige Waldameise
- die Rote Waldameise
- die Strunkameise
- die Uralameise sowie
- die Starkbeborstete Gebirgswaldameise
Einzelnachweise
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