Amann & Söhne
| Amann & Söhne GmbH & Co. KG
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| colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Amann Group Logo.svg | |
| Rechtsform | GmbH & Co. KG |
| Gründung | 1854 |
| Sitz | Bönnigheim, Datei:Flag of Germany.svg Deutschland |
| Leitung | Executive Board:<ref name=":3">Über Amann. In: AMANN Group. Abgerufen am 28. August 2025.</ref>
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| Mitarbeiterzahl | ca. 2.800<ref name=":3" /> |
| Umsatz | ca. 222,5 Mio. EUR<ref name=":3" /> |
| Branche | Textilindustrie |
| Website | amann.com |
| Stand: August 2025 | |
Amann & Söhne (Eigenschreibweise: AMANN) ist ein 1854 gegründeter, deutscher Hersteller von Industrie-, Näh- und Stickgarnen. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich im baden-württembergischen Bönnigheim, die Produktionsstätten sind in Europa und Asien zu finden. In Deutschland ist Amann Marktführer im industriellen Bereich, weltweit zählt Amann zu den größten Produzenten.<ref>Wirtschaftsförderung Region Stuttgart: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zusammenhalt bis 370 Grad ( vom 24. Juni 2015 im Internet Archive)</ref>
Geschichte
19. Jahrhundert: Gründung und Wachstum
Der Stuttgarter Großhandelskaufmann Immanuel Gottlieb Böhringer (1822–1906), der verwandtschaftliche Beziehungen zu Bönnigheim besaß, erwarb in dem Ort 1853 ein Areal mit dem Ziel dort eine industrielle Produktion aufzubauen. Im darauffolgenden Jahr sah er im Schwäbischen Merkur die Anzeige des Saulgauer Nähgarnkaufmanns Alois Amann (1824–1892), der einen finanzkräftigen Partner zur Gründung einer Nähgarnfabrik suchte. Am 1. November 1854 verkündeten die beiden Männer die Gründung der Firma Amann & Böhringer „zum Zweck der Fabrikation gezwirnter und gefärbter Seiden“.<ref>Josef Kurz, Kurt Sartorius, Werner Holbein, Dieter Gerlinger: Die ersten 50 Jahre der Firma Amann. In: Stadt Bönnigheim (Hrsg.): Die wechselvolle Geschichte einer Ganerbenstadt: Bönnigheim Hohenstein - Hofen. Bönnigheim 1984, S. 165.</ref><ref name=":2">Jörg Alexander Mann: Die Villa des Fabrikanten Alfred Amann in Bönnigheim: Ein Landhaus im Chalet-Stil als Beispiel der malerischen Architektur in Württemberg an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. 2007, doi:10.5445/IR/1000007216 (kit.edu [abgerufen am 2. August 2024]).</ref>
Das industrielle Zeitalter war zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Bönnigheim angekommen. Zu Beginn wurden die Produkte in einer Färberei in Rau in Berg gefärbt und anschließend nach Bönnigheim gebracht, wo sie von zwölf Zwirnerinnen überarbeitet und auf einer Haspel gehaspelt wurden. Die Antriebskraft lieferten zwei Radtreiber, die ein großes Schwungrad beschwerlich drehten. Die Kraft dieser Männer erwies sich jedoch bis 1855 infolge der weiteren aufgestellten Maschinen als unzureichend, und ihre menschliche Leistung wurde daher durch ein von zwei Eseln (später zwei Ochsen) getriebenes Göpelwerk ersetzt. 1856 kamen vier neue Zwirnmaschinen, sechs weitere Windmaschinen sowie weitere Spul- und Haspelmaschinen zum Einsatz. Alle Maschinen wurden durch eine 4-Pferdestärke-Dampfmaschine angetrieben, die die Ochsen ersetzte.<ref>Elisabeth Zipperlen: Bedeutende Persönlichkeiten aus Bönnigheim (II) - Alois, Emil und Alfred Amann. In: Zabergäuverein, Sitz Güglingen (Hrsg.): Heimatblätter aus dem Zabergäu. Zeitschrift des Zabergäuvereins, Heft 6, 1982, S. 61.</ref>
Das Unternehmen entwickelte sich schnell zu einer Fabrik, was die Gründer dazu veranlasste, in eine Dampfmaschine mit Dampfkessel sowie weitere moderne Maschinen zu investieren. 1857 beschäftigte Amann & Böhringer rund 100 Angestellte.<ref>Jörg Alexander Mann: Die Villa des Fabrikanten Alfred Amann in Bönnigheim: Ein Landhaus im Chalet-Stil als Beispiel der malerischen Architektur in Württemberg an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. In: Fakultät für Architektur, Universität Karlsruhe (Hrsg.): Dissertation. Karlsruhe 2007, S. 7.</ref> Mit der Aufnahme einer eigenen Schwarzfärberei wurde Amann & Böhringer in Deutschland zu einem Pionier der Seidenzwirnerei.<ref>Hermann Brendle: Ein großer – in seiner Heimat aber unbekannter Saulgauer. Schwäbische Zeitung, 10. September 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 19. September 2016; abgerufen am 11. Januar 2021.</ref> In einer 1879 in Leipzig erschienenen Industriebiographie Württembergs wurde das Unternehmen als das „bedeutendste und leistungsfähigste Unternehmen der Seidenzwirnerei im ganzen deutschen Vaterlande“ beschrieben.<ref>Bietigheimer Zeitung (Hrsg.): Bönnigheim und seine Nähfäden - Generationen haben in den Nähseidenfabriken gearbeitet. Ausgabe 261. Bietigheim-Bissingen 10. November 1979.</ref>
1880 wurde die Konkurrenzfabrik Payr & Mayer in Augsburg sowie deren Tochtergesellschaft in Mössingen aufgekauft und das Führungspersonal in Bönnigheim konzentriert. 1882 zahlte Amann nach Streitigkeiten mit dem Sohn Böhringers dessen Familie aus und übernahm die Firma als Alleininhaber. Noch im selben Jahr integrierte er seine Söhne Emil (1862–1935) und Alfred Amann als Teilhaber. Folglich benannte er das Unternehmen in Amann & Söhne um.<ref>Bönnigheimer Zeitung (Hrsg.): Die Lebensgeschichte des Herrn Kommerzienrates Emil Amann. 4. Februar 2000, S. 16.</ref>
Emil Amann unternahm Versuche mit der Herstellung von synthetischen Fasern, kam aber schließlich zu dem Urteil, dass die Naturseide noch durch nichts Gleichwertiges zu ersetzen sei.<ref name=":0">Josef Kurz et al.: Die wechselvolle Geschichte einer Ganerbenstadt. 1984, S. 168.</ref> In den 1880er Jahren eröffnete das Unternehmen in den oberitalienischen Ortschaften Seriate und Telgate zwei Fabriken, 1884 wurde eine Färberei angegliedert. Emil Amann bereiste Deutschland und Europa, um den Absatz der Fabriken zu erweitern, während sein Vater und sein Bruder sich vor Ort auf die Leitung des Unternehmens konzentrierten.<ref>Josef Kurz et al.: Die wechselvolle Geschichte einer Ganerbenstadt. 1984, S. 169.</ref> 1892 starb Alois Amann im Alter von 68 Jahren. Seine Söhne Emil und Alfred Amann leiteten das Unternehmen fortan gemeinsam, bis sich Emil Amann 1917 aus dem Unternehmen zurückzog.<ref name=":2" />
20. Jahrhundert: Von Seide zu Kunstseide und Baumwolle
Emil Amann gründete 1900 eine Kunstseidenfabrik in Kelsterbach. Aus ihr entwickelten sich die Vereinigten Kunstseidefabriken AG Frankfurt am Main mit weiteren Betriebsstätten in Bobingen bei Augsburg, Spreitenbach und Glattbrugg (Schweiz). Da das ursprüngliche Produkt, die Seide, nach und nach von moderneren Rohstoffen verdrängt wurde, begann Alfred Amann ab 1919 mit der Herstellung von Schappeseide. Im Jahr 1923 hielt dann die mercerisierte Baumwolle Einzug.
1902 wurde das alte Bönnigheimer Fabrikgebäude zugunsten eines Neubaus abgerissen. Der Neubau aus dem Jahr 1902 steht heute unter Denkmalschutz und ist nach wie vor der Unternehmenssitz.
1942 starb Alfred Amann. Sein Schwiegersohn Alfred Pielenz (1898–1989), der die Firma bereits seit 1933 führte, wurde alleiniger Eigentümer des Unternehmens.<ref name=":2" /> Dieser führte Amann & Söhne durch die letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs, in denen die Produktion stillstand, und durch die Nachkriegszeit, in welcher der Geschäftsbetrieb schrittweise wieder aufgebaut wurde.<ref>Paul Wentz: Meine Erinnerungen an die Firma Amann. In: Historische Gesellschaft Bönnigheim e.V. (Hrsg.): Ganerbenblätter. 31. Jahrgang 2008. Bönnigheim 2008, S. 3 ff.</ref> 1955 leistete Amann & Söhne mit der Produktion von endlosen synthetischen Nähfäden Pionierarbeit.<ref>Amann & Söhne GmbH & Co. KG – Unternehmensgeschichte. Ludwigsburger Kreiszeitung, 14. August 2014, abgerufen am 6. Juli 2016.</ref> 1968 übergab Pielenz die Unternehmensleitung an seinen Sohn Hanns A. Pielenz (1939–2013).<ref name=":1">Jürgen Kunz: Zum Tod von Hanns A. Pielenz: Ein Weltbürger mit Bönnigheimer Wurzeln. Bietigheimer Zeitung, 15. Juni 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 4. Juli 2016.</ref>
1993/94 übernahm Amann das Augsburger Unternehmen Ackermann-Göggingen mitsamt seiner Nähgarnfärberei.<ref>Amann-Gruppe: Nähgarn-Marktführer steigerte 1996 seinen Umsatz um 2,9 % auf 360 Mill. DM. TextilWirtschaft, 27. März 1997, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. Juli 2016; abgerufen am 11. Januar 2021.</ref> Zudem wurde 1996 in Erligheim ein vollautomatisches Industriezentrallager in Betrieb genommen. 2002 erweiterte das Unternehmen sein Produktportfolio und brachte neue Produkte für technische Textilien auf den Markt.<ref>Thomas Sümmerer: Megatrend Integration. In: TextilWirtschaft. Band 16, 17. April 2003.</ref> 2004 übernahm Bodo Bölzle den Geschäftsführerposten von Hanns Pielenz.<ref name=":1" /> Das Unternehmen blieb weiterhin in Familienbesitz, Hanns Pielenz übertrug seine Anteile 2005 an die neugegründete Hanns A. Pielenz Stiftung 2005.<ref>Hanns A. Pielenz Stiftung. In: amann.com. Abgerufen am 28. August 2025.</ref>
21. Jahrhundert: Internationale Expansion
2006 eröffnete das Unternehmen im rumänischen Brașov eine neue Produktionsstätte. 2008 wurde der britische Garnhersteller Oxley Thread Ltd. übernommen.<ref>Amann übernimmt in England. Heilbronner Stimme, abgerufen am 12. Februar 2008.</ref> 2009 eröffnete Amann im chinesischen Yancheng eine neue Produktionsstätte. 2013 expandierte das Unternehmen nach Bangladesch und nahm nahe der Hauptstadt Dhaka in Mawna eine weitere neue Produktionsstätte in Betrieb.<ref>Tim Dörpmund: Funktion, aber natürlich. In: TextilWirtschaft. Band 24, 11. Juni 2009.</ref>
2016 eröffnete Amann mit dem AMANN Innovation Lab ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum. 2017 eröffnete Amann das Sewing Technology Center (STC), welches sich in der Firmenzentrale in Bönnigheim befindet. In der vietnamesischen Küstenstadt Đà Nẵng eröffnete Amann im Jahr 2019 seine dritte Produktionsstätte auf asiatischem Boden. In diesem Werk werden vorrangig Nähfäden für die Bekleidungs- und Schuhindustrie hergestellt.<ref>Printwear & Promotion: Amann Group opens new production site in Vietnam. 28. August 2018, abgerufen am 2. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Amann trat 2019 dem UN Global Compact<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Communication on Progress ( vom 2. Juni 2021 im Internet Archive) auf unglobalcompact.org. Abgerufen am 2. August 2024.</ref> bei und veröffentlichte seinen ersten Sustainability Report. Anfang 2020 brachte Amann ein nachhaltigeres Produktsortiment auf den Markt. Dieses besteht aus der Recycled-Linie (Nähfäden, die zu 100 % aus recycelten PET-Flaschen hergestellt werden sollen) und der Cradle-to-Cradle-Gold-zertifizierten Lifecycle-Linie.<ref>Cradle to Cradle certified sewing thread for technical cycle by Amann. In: textile-network.com. 18. Februar 2020, abgerufen am 2. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Produkt Lifecycle Polyamide ist ein recycelter Polyamidnähfaden. Im Jahr 2020 wurde Amann von den Vereinten Nationen zu einem der Top 50 Sustainability & Climate Leaders ernannt. Die Organisation hob hervor, dass die Amann-Produktionsstätte in Bangladesch „als erstes Werk die GRS-Zertifizierung erhalten hat, indem sie die besten Praktiken in Bezug auf Sicherheit, Service und Qualität befolgt – unter Einsatz hochentwickelter Maschinen zur Herstellung von Näh- und Stickgarnen für die Modeindustrie“.<ref>AMANN Group. In: 50climateleaders.com. Abgerufen am 2. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Produkte
Die Produktpalette reicht vom klassischen Nähfaden für die Bekleidungsindustrie über Nähfäden für die Automobilindustrie bis hin zu Spezialfäden für technische Anwendungen.
Produktionsstätten
Inländische Standorte der Amann & Söhne GmbH & Co. KG befinden sich in:
- Bönnigheim (Unternehmenssitz)
- Erligheim (Industriezentrallager)
Amann produziert im Ausland ausschließlich in eigenen Produktionsstätten in:
- Manchester, Großbritannien
- Brașov, Rumänien
- Chřibská, Tschechien
- Yancheng, VR China
- Mawna, Bangladesch
- Tam Kỳ, Vietnam
- Ranipet,<ref>Varaverghiream India! AMANN Group establishes new production facility in South India. Amann & Söhne, abgerufen am 20. Juni 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Indien
Darüber hinaus besitzt Amann eigene Niederlassungen in 21 Ländern und ist mit Handelsvertretungen in mehr als 100 Ländern präsent.
Literatur
- Jörg Alexander Mann: Die Villa des Fabrikanten Alfred Amann in Bönnigheim: Ein Landhaus im Chalet-Stil als Beispiel der malerischen Architektur in Württemberg an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Dissertation, Fakultät für Architektur, Universität Karlsruhe, 2007. S. 7ff.
Weblinks
Einzelnachweise
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Koordinaten: 49° 2′ 20″ N, 9° 5′ 38,4″ O
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