Zum Inhalt springen

Alvor-Übereinkommen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Emblem of Angola.svg
Wappen Angolas
Datei:Hotel da Penina 2 - 02.09.2023.jpg
Das Hotel da Penina in Alvor, 2023

Das Alvor-Übereinkommen, auf Portugiesisch Acordo do Alvor, ist eine Vereinbarung oder ein Abkommen in Vertragsform vom Januar 1975 zwischen Portugal, das sich für den Weg der Dekolonisation entschieden hatte, und den drei Unabhängigkeitsbewegungen Angolas Movimento Popular de Libertação de Angola (MPLA), Frente Nacional de Libertação de Angola (FNLA) und União Nacional para a Independência Total de Angola (UNITA), das den Übergang des Landes in die staatliche Unabhängigkeit regeln sollte. Es wurde am 15. Januar 1975 von den Beteiligten im Hotel da Penina<ref name=":0">António Duarte Silva: A Descolonização Portuguesa (= Susana Arnaud [Hrsg.]: O essencial sobre. Nr. 161). Imprensa Nacional-Casa da Moeda, Lisboa 2025, ISBN 978-972-27-3314-4, S. 79 f.</ref> in dem Algarve-Städtchen Alvor unterzeichnet.

Das Übereinkommen

Das Vertragswerk bestand aus 58 Artikeln in 11 Kapiteln und einem geheimen Zusatzprotokoll über Kriegsgefangene, die Neuorganisation der PSP, Demobilisierungen von Angolanern in der portugiesischen Armee und angolanischen Hilfstruppen Portugals und die Ausweisung der Agenten der PIDE und DGS. Die MPLA, FNLA und UNITA wurden als einzige legitime Vertreter des angolanischen Volkes anerkannt, der Anspruch auf die Unabhängigkeit bestätigt und Angola zu einem unteilbaren Territorium erklärt. Artikel 4 im Kapitel 1 legte das Datum für die Unabhängigkeitserklärung Angolas auf den 11. November 1975 fest.<ref name=":0" />

Für Portugal unterzeichneten Ernesto Melo Antunes, António de Almeida Santos und Mário Soares. Das revolutionäre Movimento das Forças Armadas willigte ein. Für Angola unterzeichneten Holden Roberto, Agostinho Neto und Jonas Savimbi. Das Abkommen wurde mit Unterzeichnung durch den Präsidenten der Republik Portugal (28. Januar 1975) und die Junta de Salvação Nacional ratifiziert und trat in Kraft.<ref name=":0" />

Kapitel

  1. Bestimmungen über die Anerkennung der Unabhängigkeit
  2. Bestimmungen über das Hochkommissariat
  3. Bestimmungen über die Bildung und die Kompetenzen der Übergangsregierung und beigeordneter Institutionen
  4. Bestimmungen über die Bildung der Nationalen Verteidigungskommission
  5. Bestimmungen über Unterbringung von Flüchtlingen und Familienzusammenführungen
  6. Bestimmungen über allgemeine Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung Angolas
  7. Bestimmungen über die angolanische Staatsbürgerschaft
  8. Bestimmungen über wirtschaftliche und finanzpolitische Fragen
  9. Prinzipienerklärung über die Zusammenarbeit zwischen Portugal und Angola
  10. Bestimmungen über paritätische Kommissionen zu Fragen der technischen Umsetzung der Dekolonisation
  11. Bestimmungen allgemeiner Art<ref name=":0" />

Umsetzung

Vorlage:Hinweisbaustein Nahezu sämtliche wesentlichen Bestimmungen der Vereinbarung erwiesen sich binnen weniger Wochen als obsolet. Zwar war die grundsätzliche Entscheidung zum vollständigen portugiesischen Rückzug aus Afrika nach der Nelkenrevolution bereits gefallen und der Portugiesische Kolonialkrieg lief in Rückzugsgefechten zur Sicherung des Abzugs von Soldaten und Zivilisten aus. Ein portugiesisches Hauptinteresse war die Beschränkung des massenhaften Abzugs weißer Siedler, eine Vorstellung, die teilweise vom Hochkommissar für Angola António Rosa Coutinho konterkariert wurde, der gegen erhebliche Widerstände<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.cabinda.netRosa Coutinho um autentico Monte de Merda auf cabinda.net (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Februar 2025. Suche im Internet Archive )</ref> auf allen Seiten die missliebige Teilnahme der marxistisch orientierten MPLA durchsetzte. Von dieser konnte nicht nur am wenigsten Sympathie für die Belange der Weißen erwartet werden, sie hatte auch bereits mit kubanischer Hilfe im November 1974 die Exklave Cabinda besetzt<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.cabinda.netcabinda.net (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Februar 2025. Suche im Internet Archive )</ref> und so nicht nur eine Grundlage für den lang dauernden Cabinda-Konflikt geschaffen, sondern auch an erster Stelle die in der kongolesischen Enklave tätige Frente para a Libertação do Enclave de Cabinda (FLEC) von der Teilnahme an dem Treffen in der Algarve ausgeschlossen. Rosa Coutinho setzte seine MPLA-Unterstützung diesbezüglich auch in Artikel 3 durch, in dem es historisch faktenwidrig hieß: Cabinda é parte integrante e inalienável do território angolano – Cabinda ist integraler und unveräußerlicher Bestandteil des angolanischen Territoriums.

Wesentlicher aber waren die bereits im Januar 1975 erkennbaren Interessengegensätze der beteiligten Parteien, die die in der Präambel bekundete Übereinstimmung, „acordaram“, als so absurd erscheinen ließen – der Bürgerkrieg in Angola war im Grunde schon im Gange, der in den Artikeln 6 und 7 verkündete Waffenstillstand unwirksam – wie portugiesische Restvorbehalte betreffend beispielsweise den Hochkommissar (11–13), das Präsidialkollegium und eine Übergangsregierung (14–18) sowie Auswärtiges und Verteidigung. Einer der Unterzeichner, der portugiesische Ministerpräsident ab September 1975 José Baptista Pinheiro de Azevedo, bezeichnete später das Gesamtwerk als einen Fetzen Papier ohne Wert.<ref>Uma mortalha, por berço. macua1.org, abgerufen am 6. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Seite unereichbar).</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references />