Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338 Hamburg-Altona-Altstadt – WikipediaZum Inhalt springen
Datei:StadtgrenzeAltonaHamburg.jpgGrenzstein Altona/Hamburg von 1896 in der Brigittenstraße, die heute im Stadtteil Hamburg-St. Pauli liegt
Altona-Altstadt ist ein Stadtteil von Hamburg im Bezirk Altona. Die Stadtteilgrenzen umfassen den Kernbereich der bis 1938 selbständigen holsteinischen Stadt Altona (Elbe).
Geographie
Der Stadtteil grenzt im Westen und Nordwesten mit Kaistraße, Museumstraße, Max-Brauer-Allee und Holstenstraße an Ottensen und Altona-Nord, im Norden mit der Stresemannstraße an den 2006 neu gebildeten Stadtteil Sternschanze, im Osten mit Bernstorffstraße, Kleine Freiheit, Holstenstraße, Pepermölenbek, Trommelstraße und Antonistraße an St. Pauli und im Süden an die Elbe.
Bis zur Eingemeindung Altonas nach Hamburg 1938 verlief die Grenze weiter östlich: vom Schulterblatt, längs dem Grünen Jäger, östlich der Bleicherstraße und der Großen Freiheit, sodann zwischen Finkenstraße und Herrenweide zur Bachstraße (heute Pepermölenbek) und mit dieser zur Elbe. Sie wurde dann zugunsten St. Paulis bis zur Linie Holstenstraße–Kleine Freiheit–Bernstorffstraße nach Westen verschoben; im Süden wurde dafür eine kleine Fläche zwischen Hein-Köllisch-Platz und Pinnasberg Altona zugeordnet. Durch diese Grenzziehung liegen die nur für Altona (und gerade nicht für das hamburgische Gebiet) typische Große Freiheit und das Nobistor mit dem Altonaer Stadtwappen und dem Monogramm König Christians VIII. von Dänemark seitdem in Hamburg-St. Pauli, während die für diesen Stadtteil namensgebende St.-Pauli-Kirche sich jetzt ebenso in Altona befindet wie die Straße St. Pauli Fischmarkt.
Um 1535 wurde Altona als Fischersiedlung in der Grafschaft Holstein-Pinneberg gegründet. Der Legende zufolge soll die Keimzelle und Anlass für den Namen eine Rotbierkneipe des Fischers Joachim von Lohe gewesen sein, um die herum sich Handwerker und Fischer ansiedelten – jedoch nach Ansicht des Hamburger Rates all to nah („allzu nah“) an der Stadtgrenze. Als genaue Stelle wird der Geesthang zwischen dem späteren Nobistor und dem Altonaer Fischmarkt im Bereich der heutigen Straße Pepermölenbek vermutet.
Zuvor musste die Stadt im Januar 1713 während des Großen Nordischen Krieges aber noch die Einäscherung durch schwedische Truppen erleiden. Im Osten beginnend wurde planmäßig Haus für Haus von den schwedischen Soldaten des Generals Stenbock in Brand gesetzt. Aus dieser totalen Zerstörung erklärt sich, dass außer der Straßenanlage der Palmaille so gut wie nichts mehr an das Altona vor dem Schwedenbrand erinnert. Allerdings wurde Altona danach sehr zügig wieder auf- und ausgebaut (siehe auch Christian Detlev von Reventlow).
Im Juli 1943 zerstörten Bomber der Royal Air Force große Teile der Altstadt und verwandelten insbesondere das extrem dicht, in Teilbereichen mit bis zu 80 000 Einwohner/km² besiedelte Grenzgebiet zu St. Pauli zwischen Nobistor und Allee, Holstenstraße und Große Elbstraße in ein großflächiges Ruinenfeld (→ Operation Gomorrha). Das Quartier, das die Obrigkeit in der Weimarer Zeit wegen seiner politisch wie sozial kaum kontrollierbaren Bevölkerungsmischung (Arbeiter, Unterstützungsempfänger und sozial Deklassierte) schon mal als „Abruzzenviertel“ bezeichnete,<ref>A. P. McElligott: Das „Abruzzenviertel“. Arbeiter in Altona 1918–1932. In: Arno Herzig et al. (Hrsg.): Arbeiter in Hamburg. Unterschichten. Arbeiter und Arbeiterbewegung seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Verlag Erziehung und Wissenschaft, Hamburg 1983, S. 493–507.</ref> wurde nach Kriegsende ebenso wie Altonas „ansehnlicherer“ Kern um das alte Rathaus und den Münzmarkt nicht wieder aufgebaut.
Lediglich die Hauptkirche St. Trinitatis wurde restauriert und konnte so – wie der gegenüberliegende jüdische Friedhof an der Königstraße – erhalten werden. Weiter westlich, in Richtung Rathaus und Bahnhof, blieb insbesondere die Straßenanlage der Palmaille mit ihren großbürgerlichen Bauten aus dem frühen 19. Jahrhundert weitgehend intakt; neben dem Eingang zum S-Bahnhof Königstraße (Ecke Behn-/Struenseestraße) sind Reste des Heilig-Geist-Kirchhofes in eine dortige Grünanlage integriert worden.
Im zerstörten Teil der Altstadt entstand aufgrund der Neu-Altona-Planung Geschosswohnungsbau in aufgelockerter Bauweise, durchsetzt mit einzelnen Hochhäusern, nördlich des Fischmarktes, am Hexenberg, auch wieder in hoher Verdichtung. Dieses „Neu-Altona“ zieht sich mit einem Grünzug entlang der Holstenstraße nach Nordwesten. Es handelt sich dabei um miteinander verbundene Parks, ein Teilbereich wurde in den 1980er Jahren nach Walter Möller, einem der Blutsonntagsopfer, Walter-Möller-Park genannt. Ein anderer Teil ist seit 2015 dem Kommunisten Emil Wendt gewidmet. Lediglich zwischen Thedestraße und Max-Brauer-Allee, also im Gebiet der Behn’schen Stadterweiterung, war der Altbaubestand nach 1945 noch geschlossen vorhanden, und hier gelang es aktiven Bewohnern des Viertels ab Anfang der 1980er Jahre, dessen weitgehenden Erhalt gegen das damals noch favorisierte Konzept der Flächensanierung durchzusetzen.
Die engen Straßen mit den instandgesetzten Häusern zeigen heute noch den gleichen Stadtgrundriss wie zur Zeit der Weimarer Republik – allerdings ohne die damaligen Probleme, die die Bevölkerungsdichte in der damals dichtestbesiedelten deutschen Großstadt mit sich brachte: die Blockinnenbereiche wurden überwiegend entkernt, die Wohnungen heutigen Standards angepasst und, wo es möglich war, auch etwas Grün in den Straßenraum gebracht. Dafür leidet auch dieses Gebiet heutzutage, trotz Verkehrsberuhigungsmaßnahmen, unter den Auswirkungen des motorisierten Individualverkehrs.
In diesem Viertel nördlich der Großen Bergstraße findet man noch viel Altonaer Stadtgeschichte:
In der Billrothstraße 55 steht eines der ältesten erhaltenen Gebäude aus der Zeit der Behn’schen Stadterweiterung (erbaut ca. 1860), das um 1990 vor dem Abriss gerettet werden konnte.
In der Billrothstraße 77 liegt die ehemalige Volksküche der Speiseanstalt für Dürftige und Arme (1880), daneben die Altonaer Stadtmission (1889).Datei:Speiseanstalt Stadtmission.jpgVolksküche (rechts) und Stadtmission (links)
Zwischen Chemnitzstraße und Max-Brauer-Allee liegt der ebenfalls nach einem Blutsonntagsopfer benannte August-Lütgens-Park mit seinem alten Baumbestand: dies ist das Gelände des ehemaligen städtischen Krankenhauses (bis in die 1970er Jahre), dessen Hauptgebäude (1869) vom damaligen Stadtbaumeister Heinrich Oskar Winkler stammt und heute die Fachschule für Sozialpädagogik beherbergt. Die rückwärtigen Pavillonbauten (Haus 2, 3 und 7, erbaut ab 1880) werden von Kulturvereinen, einer Kindertagesstätte und einem Stadtteilzentrum genutzt. Neben dem Hauptgebäude liegt das 1927 von Gustav Oelsner im Stil des Neuen Bauens geplante ehemalige Schwesternhaus (Max-Brauer-Allee 136), dahinter – im Park – das „Jenckelhaus“ von 1912, in dem sich seit den 1980er Jahren Eigentumswohnungen befinden und das, wie nahezu die gesamte Anlage, vor dem beabsichtigten Abriss bewahrt werden konnte.
Am nördlichen Ende der Thedestraße findet sich ein denkmalgeschütztes Backsteinensemble, bestehend aus einem halbrunden Hallenbad (das Thedebad, 1882 erbaut, dient seit etwa 1990 dem Künstler Bruno Bruni als Atelier und Wohnung; im Übrigen wird es zu Bürozwecken genutzt) und der gegenüberliegenden Schule, deren Mittelteil (1867) der älteste erhaltene öffentliche Schulbau im Hamburger Raum ist; die seitlichen Flügel wurden 1892 angebaut (ehemals Baur’sche Warteschule und Arbeitsschule für Knaben).
Historische und heutige Straßennamen
Wer sich mit der Geschichte Altonas befasst, stößt immer wieder auf Straßennamen, die im Stadtplan nicht mehr zu finden sind; dies hängt vor allem damit zusammen, dass die Straßen entweder nach 1945 nicht wieder angelegt oder um 1950 (als Spätfolge der Altonaer Eingemeindung), teilweise auch noch später, umbenannt worden waren. Deshalb werden hier alte (links) und neue (rechts) Straßennamen der Altstadt gegenübergestellt:
Schillerstraße (nördlicher Abschnitt zwischen Max-Brauer-Allee und Große Bergstraße) = Lamp’lweg
Sonninstraße = Biernatzkistraße
Steinstraße = Hospitalstraße (Süd-/Mittelteil)
Stiftstraße = Dohrnweg, Mistralstraße
Teichstraße = Funkstraße (wurde 1970 zugunsten der Neubebauung an der Gr. Bergstraße/Südseite teilweise aufgehoben)
Turnstraße = Schmarjestraße
Weidenstraße = Virchowstraße (Mittel-/Nordteil); deren nördliche Fortsetzung, die damalige „Carlstraße“ (siehe Karte v. 1880) heißt seit 1992 Karl-Wolff-Straße (nach einem Blutsonntagsopfer)
Wielandstraße = Suttnerstraße
Wilhelmstraße = Chemnitzstraße
Nicht mehr vorhanden (überwiegend im Süd- bzw. Südostteil der Altstadt)
Van-der-Smissens-Allee (nicht identisch mit der erst 1991 so benannten Van-der-Smissen-Straße)
Wilhelminenstraße
diverse Passagen und Gänge (also bebaute Hinterhof-Erschließungen) wie bspw. Ehlbecks Terrasse, Rodenhof, Pfeiffersgang
Namen, die nur während der NS-Diktatur Bestand hatten (in Klammern: Name vor 1933 bzw. nach 1945)
Adolf-Hitler-Platz; nach der Zusammenlegung von Hamburg und Altona 1938 in „Reichsplatz“ umbenannt, da der Hamburger Rathausmarkt bereits seit 1933 Adolf-Hitler-Platz hieß (Platz der Republik, Platz der Republik)
Die Große Bergstraße erstreckte sich vom Altonaer Bahnhof bis zur Ecke Kleine Freiheit/Reichenstraße (heute Holstenstraße/Nobistor). In den 1960er Jahren wurde sie durch die Schaffung der Achse Simon-von-Utrecht-Straße/Louise-Schroeder-Straße/Jessenstraße/Ehrenbergstraße und Umbenennung ihres östlichen Endes in Nobistor um die Hälfte verkürzt. Dem Bau der Neuen Großen Bergstraße südlich der Großen Bergstraße zwischen Altonaer Poststraße und Bahnhofsplatz als erste Fußgänger-Einkaufsstraße folgte um 1970 – nach Abriss der gesamten Südseite der Großen Bergstraße zwischen Virchow- und Altonaer Poststraße – der Neubau des EinkaufszentrumsFrappant und des Forum Altona.
Seit den 1990er Jahren kam es hier zu einem teilweise langjährigen Leerstand von Geschäftslokalen in der Altona-Passage und im ehemaligen Frappant-Gebäude am Goetheplatz sowie zur Schließung von „Kundenmagneten“ (etwa Karstadt). Das Gebiet war seit 2009 Sanierungsgebiet; für den Frappant-Komplex, in dem sich seit 2003 Künstler angesiedelt hatten, interessierte sich das Unternehmen IKEA. Nachdem sich ein Bürgerbegehren für IKEAs Baupläne mit Dreiviertelmehrheit durchgesetzt hatte,<ref>Vorlage:Literatur</ref> konnte im Juni 2014 mit IKEA Altona das erste innerstädtische IKEA-Möbelhaus mit Vollsortiment eröffnet werden.
Das durchschnittliche Einkommen je Steuerpflichtigen beträgt in Altona-Altstadt 40.105 Euro jährlich (2020), der Hamburger Gesamtdurchschnitt liegt bei 48.035 Euro.
Bei den Wahlen zur Bezirksversammlung gehört der Stadtteil zum Wahlkreis Altona-Altstadt / Sternschanze. Bei Bundestagswahlen zählt Altona-Altstadt zum Bundestagswahlkreis Hamburg-Altona.
Stuhlmannbrunnen auf dem Platz der Republik, stellt zwei miteinander kämpfende Kentauren dar, die als Sinnbild der wirtschaftlich konkurrierenden Städte Altona/Elbe und Hamburg gedeutet werden
Sonntäglicher Fischmarkt, wird zum großen Teil von Touristen, aber auch von Einheimischen nach einer durchzechten Nacht auf dem Kiez besucht
Die 1887 eingeweihte, inzwischen denkmalgeschützte Köhlbrandtreppe liegt nahe der Großen Elbstraße; in unmittelbarer Nachbarschaft sind auch zwei typische Altonaer Gaststätten erhalten, die früher hauptsächlich von Hafenarbeitern, Seeleuten und den Beschäftigten der Fischindustrie besucht wurden: die Haifischbar, Namensgeber einer gleichnamigen Fernsehshow aus den 1960er Jahren, und Zum Schellfischposten, in dem seit 2007 die TV-Sendung Inas Nacht aufgezeichnet wird
Nachdem 2004 die Bruno-Tesch-Gesamtschule in der Billrothstraße geschlossen wurde, gibt es noch sechs Schulen in Altona-Altstadt: die Grundschule Thadenstraße, die Louise-Schröder-Schule (ehemalige Grundschule Chemnitzstraße) in der Thedestraße auf einem Teilgelände der ehemaligen Bruno-Tesch-Gesamtschule, die Förderschule Carsten-Rehder-Straße und die Ganztagsschule Bernstorffstraße. Die Katholische Schule Altona wurde 2023 geschlossen und die Gebäude seitdem vom Struensee-Gymnasium genutzt. Hinzu kommt noch die Fachschule für Sozialpädagogik II. Das Gymnasium Allee liegt bereits in Altona-Nord.
Nach den Sommerferien 2026 sollen im neu errichteten Campus Struensee die Grundschule Ganztagesschule an der Elbe (GTS), das Struensee-Gymnasium und das Deutsch-Französische Gymnasium (DFG) einziehen. Insgesamt sollen hier rund 2.200 Schüler unterrichtet werden. Zum Campus gehört auch eine Sechsfeld-Sporthalle<ref>Drucksache 23/1664 der Hamburger Bürgerschaft vom 7.10.2025</ref>. Die Architektur des Campus vom Dresdner Architekturbüro Rohdecan ist durchaus umstritten<ref>Katy Krause,"Rot-grüner Würfelhusten": Schulcampus empört bekannten Architektem, in Hamburger Abendblatt, 20.1.2026, S. 11</ref>. Mit Baukosten von mehr als 130 Mio. Euro ist der Campus das teuerste Schulprojekt in Hamburg<ref>Katy Krause,Neuer Campus Struenseestraße in Altona ist jetzt Hamburgs teuerste Schule, in Hamburger Abendblatt, 24.1.2026</ref>.
An der Palmaille befand sich bis 2008 die Bundesforschungsanstalt für Fischerei. Seitdem nur die Abteilung „Fischqualität“ des Instituts für Fischereitechnik und Fischqualität, als Teil des Max Rubner-Instituts. Südöstlich, im Olbersweg, befindet sich das kooperierende, zur Universität Hamburg gehörende Institut für Hydrobiologie und Fischereiwissenschaft.