Ablagerungsmilieu
Ablagerungsmilieu ist ein Begriff aus der Geologie, der die Umweltbedingungen beschreibt, unter denen ein Sediment abgelagert oder ein Fossil eingebettet wurde (Paläoumwelt). In der Fossilisationslehre spielt das Ablagerungsmilieu eine große Rolle, da das weitere Schicksal des Gesteins oder des Fossils (Diagenese, Epigenese usw.) davon abhängt. Als Bezeichnung wird ein Adjektiv in Kombination mit den Begriffen „Sediment“ oder „Ablagerungsgebiet“ verwendet. Der Begriff ist eng verwandt aber nicht deckungsgleich mit dem der sedimentären Fazies, der die Ausbildung eines Gesteins beschreibt, genauer Material, Struktur, Textur, Fossilinhalt usw., wobei alle diese Kriterien von den Umweltbedingungen im Ablagerungsraum abhängen.
Bezeichnungen
Folgende Attribute sind üblich, um Ablagerungsräume bzw. deren Sedimente näher zu charakterisieren:
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. aerisch oder auch subaerisch: an der freien Luft (nicht zu verwechseln mit äolisch, einem Attribut, das Wind als Transportmedium vor dem Zeitpunkt der Ablagerung bezeichnet)
- terrestrisch: zur festen Landoberfläche gehörig, auf dem Lande entstanden
- fluviatil: allgemein auf Fließgewässer bezogen, im Zusammenhang mit der Sedimentation auch synonym zu Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. alluvial<ref>alluvial. In: Lexikon der Geowissenschaften. Spektrum, abgerufen am 28. Januar 2022.</ref>, bezeichnet z. B. Sedimente von Fluss- oder Bachbetten, Flussstrände<ref name="litoral">hier gelten ebenfalls die Uferbezeichnungen, die mit -litoral gebildet werden (siehe litoral)</ref> (Gleithänge), Überschwemmungsgebiete von Flüssen (Schwemmebenen)
- fluvioglazial (auch: glazifluvial oder glazifluviatil): transportiertes bzw. abgelagertes Material aus Gletscherbächen. Die Bezeichnung wird nach dem überwiegenden Prozess geordnet, d. h. glaziofluvial bei mehrheitlich glazialem Einfluss bzw. fluvioglazial bei überwiegend fluvialem Einfluss. Sander z. B. entsprechen einem fluvioglazialen Ablagerungsraum.
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. deltaisch: Ablagerung im Bereich eines Flussdeltas (Übergangsbereich zum marinen Milieu, siehe unten)
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. ästuarin: Ablagerung im Bereich eines Ästuars (Übergangsbereich zum marinen Milieu, siehe unten)
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. glazial: Bezeichnung für Prozesse, Bildungen u. ä., die im Zusammenhang mit Gletschern oder kontinentalen Eisschilden auftreten (überlappt mit dem Transportmedium Gletscher).
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. supraglazial: Ablagerung bzw. Transport auf der Gletscheroberfläche
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. subglazial: Material im Gletscheruntergrund wird an der Gletscherbasis transportiert bzw. abgelagert
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. englazial: im Gletscherinneren transportiertes Material (z. B. Mittelmoränen oder Material das in Gletscherspalten fällt)
- periglazial: während einer Kaltzeit im unvergletscherten Gebiet entstanden
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. proglazial: Prozesse und Formen, die sich im Vorland eines Eiskörpers abspielen oder gebildet werden<ref>proglazial. In: Klimaanpassung online verstehen. Universität Halle, abgerufen am 5. Februar 2022.</ref>
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. lakustrisch (lakustrin,<ref>Lexikon der Geowissenschaften. Spektrum – Akademischer Verlag, Heidelberg u. a. 2000–2002.</ref> lakusträr, lakuster) oder limnisch: auf die Umgebung eines Süßwassersees bezogen<ref name="litoral" />
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. palustrisch (palustrin): Ablagerung im Bereich eines Moores
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. paralisch: zusammenfassend für die Ablagerung im Bereich von Küstengewässern und Küstenebene
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. brackisch: auf das Brackwasser bezogen, d. h., auf Gewässer mit Salzgehalten unterhalb des mittleren Salzgehaltes der Ozeane, z. B. auf Mündungsgebiete großer Flüsse (Deltas, Ästuare) oder sogenannte Verdünnungsbecken
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. hypersalinar: auf Gewässer mit Salzgehalten oberhalb des mittleren Salzgehaltes der Ozeane (Salzseen, übersalzene Lagunen oder sogenannte Konzentrationsbecken) bezogen (siehe auch → Evaporit)
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. marin: biologisch: im Meer (lat. mare) lebend oder von dort herstammend oder zum Meer gehörend;<ref name="ZOOL_WB">Erwin J. Hentschel, Günther H. Wagner: Zoologisches Wörterbuch. Tiernamen, allgemeinbiologische, anatomische, physiologische Termini und Kurzbiographien (= UTB. Band 367). 6., überarbeitete und erweiterte Auflage. Gustav Fischer Verlag, Jena 1996, ISBN 3-334-60960-X, S. 382.</ref> geologisch: alle unter Mitwirkung des Meeres und im Meer ablaufenden Prozesse und sich bildenden Formen,<ref>Hans Murawski, Wilhelm Meyer: Geologisches Wörterbuch. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Elsevier – Spektrum – Akademischer Verlag, München u. a. 2004, ISBN 3-8274-1445-8, S. 126.</ref> bezeichnet hinsichtlich des Salzgehaltes der Ablagerungsumwelt Gewässer, die den mittleren Salzgehalt der Ozeane aufweisen (in diesem Zusammenhang auch als vollmarines Milieu bezeichnet). Im Einzelnen kann weiter untergliedert werden in:
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. submarin: Bezeichnung für Prozesse, Bildungen u. ä., die unterhalb der Meeresoberfläche auftreten.
- litoral: der Bereich entlang der Küste sowie als Eigenschaftsbezeichnung für Formen, Kräfte und Vorgänge, die in Küstenbereichen in Erscheinung treten, beispielsweise Litoralfazies, Litoralsediment, Litoralfauna<ref>Hans Murawski, Wilhelm Meyer: Geologisches Wörterbuch. 12. Auflage, Spektrum Verlag, Heidelberg 2010, S. 98 (Stichwort litoral).</ref>
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. sublitoral: in fast ständig vom Wasser bedeckten flachen Schelf unterhalb des Einflussbereichs der normalen Gezeiten
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. eulitoral: in der Gezeitenzone zwischen der Hoch- und Niedrigwasserlinie, im Einflussbereich der normalen Gezeiten
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. supralitoral: in der Spritzwasserzone oberhalb der Hochwasserlinie der normalen Gezeiten
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. epilitoral: im Einflussbereich des Meeresufers
- tidal: im Einflussbereich der Gezeiten, hier auch
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. subtidal: unterhalb des Einflussbereichs der normalen Gezeiten
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. intertidal: im Einflussbereich der normalen Gezeiten
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. supratidal: oberhalb des Einflussbereichs der normalen Gezeiten
- neritisch oder Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. flachmarin: auf dem Schelf, bis 200 m Tiefe, relativ küstennah
- pelagisch oder Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. tiefmarin: Meeresbereiche mit mehr als 200 m Tiefe (äußerer Schelf, Kontinentalhang und Tiefseebecken), relativ küstenfern
- hemipelagisch: die küstennahen pelagischen Meeresbereiche
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. basinal: in den topographisch bzw. bathymetrisch tiefsten Teilen eines Sedimentbeckens
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.distal: ein in Bezug zum Ursprungsort (Liefergebiet) eines Sedimentes relativ weit entfernter Ablagerungsort (charakterisiert i.e.L. siliziklastische sedimentäre Fazies)
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.proximal: ein in Bezug zum Ursprungsort (Liefergebiet) eines Sedimentes relativ naher Ablagerungsort (charakterisiert i.e.L. siliziklastische sedimentäre Fazies)
Literatur
- Maurice E. Tucker: Einführung in die Sedimentpetrologie. Enke, Stuttgart, 1985, ISBN 3-432-94781-X, S. 2–4.
Anmerkungen
<references />