Adolf Ginsberg
Adolf Ginsberg (geb. 28. Dezember 1856 in Seesen; gest. 28. Juli 1883 in Casamicciola auf Ischia) war ein deutscher Maler.
Leben
Der Vater, Benjamin Ginsberg, geb. 1808 in Breslau, gest. 1871 in Frankfurt am Main, war ab 1836 Dirigent und Oberlehrer in Altstrelitz, ab 1842 zweiter Inspektor an der Wilhelmsschule in Breslau und von 1847 bis 1862 Direktor der Jacobsonschule in Seesen, einer renommierten jüdischen Schule<ref>Ballin, Gerhard, Geschichte der Juden in Seesen, Seesen 1979, S. 184</ref>. Von Geburt an gehörlos lebte Adolf Ginsberg, familiär bedingt, in begüterten Verhältnissen und hatte Wohnsitze in Berlin, München und Wien. Zu seinen Werken (allesamt verschollen) zählten Porträts und Landschaften. Ab 1879 lebte er in Rom.<ref>Friedrich Noack: Das Deutschtum in Rom seit dem Ausgang des Mittelalters. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1927, Band 2, S. 207</ref> Im Verlauf einer Studienreise, die er über Süditalien nach Tunesien unternehmen wollte, fiel er auf der Insel Ischia dem Erdbeben vom 28. Juli 1883 zum Opfer (amtliches Todesdatum: 28. August 1883). Wie auch sein Freund, der Schweizer Maler Gottfried Boss, gehörte er zu den Verschütteten, die erst etliche Tage nach dem Erdbeben als Tote aus dem Schutt der Hotels in Casamicciola geborgen wurden.<ref>Friedrich Schaarschmidt: Von Capri nach Ischia. In: Friedrich Schaarschmidt: Aus Kunst und Leben. Studien und Reiseberichte. F. Bruckmann, München 1901, S. 221 (Digitalisat)</ref><ref>Augsburger Abendzeitung, Ausgabe Nr. 220 vom 12. August 1883, S. 5 (Google Books)</ref><ref>H. Wegelin: Die Katastrophe auf Ischia. In: Illustrirte Zeitung, Ausgabe Nr. 2095 vom 25. August 1883, S. 159 (Google Books)</ref><ref>H. Wegelin: Die Katastrophe auf Ischia (III.) In: Illustrirte Zeitung; Ausgabe Nr. 2097 vom 8. September 1883, S. 210 (Google Books)</ref> Einer der wenigen lebend Geborgenen war der spätere Philosoph Benedetto Croce. Beigesetzt wurde Ginsberg am 3. September 1883 in einem Erbbegräbnis auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee<ref>knerger.de: Das Grab von Adolf Ginsberg</ref> (Feld F 1). Das Grab ist noch erhalten, allerdings renovierungsbedürftig (s. Foto)<ref>Alle Angaben zu Adolf Ginsberg nach „Allgemeine Zeitung des Judentums“, 47. Jg., Nr. 38 und „Berliner Börsen-Courier“ vom 5. September 1883, 1. Beilage, S. 2 f.</ref>.
1884 gründeten zwei seiner Geschwister, Philipp Ginsberg (1853–1895, beigesetzt ebenfalls in dem genannten Erbbegräbnis auf dem Weißenseer Friedhof) und die in Wien lebende Frida von Boschan, geborene Ginsberg (1875–1946), die „Adolf Ginsberg-Stiftung“ zur Unterstützung bildender Künstler, für die sie aus der Hinterlassenschaft des Bruders, die insgesamt 800.000 Mk. betrug, 60.000 Mk. verwendeten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Neueste Mittheilungen. Verantwortlicher Herausgeber: Dr. H. Klee. Berlin, Dienstag, den 24. Juni 1884, S. 3. ( des Vorlage:IconExternal vom 15. September 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Die Stiftungsurkunde befindet sich zusammen mit weiteren Materialien über die „Adolf-Ginsberg-Stiftung“ im Archiv der Akademie der Künste Berlin.
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ginsberg, Adolf |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Maler |
| GEBURTSDATUM | 28. Dezember 1856 |
| GEBURTSORT | Seesen |
| STERBEDATUM | 28. Juli 1883 |
| STERBEORT | Casamicciola Terme auf Ischia |