Acker-Gänsedistel
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| Acker-Gänsedistel | ||||||||||||
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| Datei:Sonchus arvensis Helgoland.JPG
Acker-Gänsedistel | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Sonchus arvensis | ||||||||||||
| L. |
Die Acker-Gänsedistel (Sonchus arvensis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Gänsedisteln (Sonchus) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Die Acker-Gänsedistel ist eine mehrjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 50 bis 150, selten bis zu 236 Zentimetern.<ref name="Hegi1987" /> Die Pflanzenteile enthalten einen Milchsaft. Sie besitzt ein waagerecht kriechendes Rhizom. Der aufrechte oder aufsteigende Stängel ist erst im Bereich des Blütenstandes verzweigt und ist im unteren Teil kahl oder in der Jugend wollig-flockig und oben drüsig-borstig.<ref name="Hegi1987" />
Die Stängelblätter sind glänzend grün, buchtig fiederspaltig mit grob dornig gezähnten, rückwärts gerichteten Blattabschnitten, seltener ungeteilt.<ref name="Hegi1987" /> Die oberen Stängelblätter sind sitzend mit gerundeten, dem Stängel angedrückten Öhrchen.<ref name="Hegi1987" />
Generative Merkmale
Die Blütezeit reicht von Juli bis Oktober. Die goldgelben Blütenkörbe stehen in lockeren Doldenrispen und werden 4 bis 5 cm groß. Die Hülle und Köpfchenstiele sind bei der Unterart Sonchus arvensis subsp. arvensis dicht gelb-drüsenborstig; bei der Unterart Sonchus arvensis subsp. uliginosus nahezu drüsenlos. Die Hülle ist weit glockig und 13 bis 20 Millimeter lang.<ref name="Hegi1987" /> Die Hüllblätter sind länglich-lanzettlich, etwas gewimpert bis kahl mit einer stumpfen Spitze.<ref name="Hegi1987" /> Jeder Blütenkorb enthält bis zu 100 Zungenblüten.<ref name="Hegi1987" /> Die Zungenblüten sind goldgelb, der Griffel ist dunkelgelb.<ref name="Hegi1987" />
Die Achäne ist dunkelbraun, 3 bis 3,5 Millimeter lang und beiderseits mit fünf querrunzeligen Längsrippen versehen.<ref name="Hegi1987" />
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18, 36 oder 54.<ref name="IPCN" />
Ökologie
Vorlage:Hinweisbaustein Die Acker-Gänsedistel ist eine Schaftpflanze oder ein Wurzelknospen-Geophyt mit weit reichenden ausläuferartigen Wurzeln, die 1 bis 2 Meter tief reichen.<ref name="Düll" /> (Wurzelkriech-Pionierpflanze)
Die Laubblätter werden bei starker Sonnenbestrahlung kompassartig gestellt: die Flächen nach Ost/West und die Ränder nach Nord/Süd.
Der Hüllkelch und die Körbchenstiele sind mit auffälligen gelben, gestielten Drüsen ausgestattet, die eventuell als Verdunstungsschutz, sicher aber als Aufstiegsschutz gegen unerwünschte Besucher dienen. Die Blüten sind nur vormittags geöffnet und werden von Bienen, Faltern und Dipteren besucht und bestäubt.<ref name="Düll" /><ref name="Hegi1987" />
Gallbildende Insekten sind Contarinia schlechtendalii, Cystiphora sonchi und Arten der Gattungen Cecidomyidarum und Trypetes. Pilze, die auf der Acker-Gänsedistel leben sind Bremia lactucae, Coleosporium sonchi-arvensis, Cystopus tragopogonis, Erysibe cichoriacearzm, Erysibe polygoni, Puccinia sonchi und Pleospora vulgaris.<ref name="Hegi1987" />
Bei einer mechanischen Entfernung des Rhizoms entstehen aus jedem im Boden verbleibenden Teilstück neue Pflanzenexemplare; die Acker-Gänsedistel gilt daher als schwer zu bekämpfendes Beikraut.
Vorkommen
Die Acker-Gänsedistel ist ursprünglich in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel und fast in ganz Europa verbreitet.<ref name="GRIN" /> In Asien kommt sie in der Türkei, in Sibirien, Zentralasien, im Kaukasusraum, in der Mongolei und in Russlands Fernem Osten vor.<ref name="GRIN" /> In Japan, Indonesien, auf den Philippinen, in Australien, Neuseeland, in Nordamerika, Argentinien, Chile, in Neukaledonien und auf den Fidschi-Inseln ist sie ein Neophyt.<ref name="GRIN" />
Als Standort bevorzugt die Ruderalpflanze Wegränder, Gärten, Weinberge und Äcker, aber auch Sanddünen und Salzsümpfe.
In den Alpen ist die Acker-Gänsedistel meist bis in Höhenlagen von etwa 1500 Metern anzutreffen. In den Allgäuer Alpen steigt sie im Tiroler Lechtal bei Elbigenalp bis in eine Höhenlage von 1300 Meter auf.<ref name="Dörr und Lippert" /> In Tirol erreicht sie eine Höhenlage von 1700 Meter und in Graubünden bei S-charl 1830 Meter.<ref name="Hegi1987" />
Generell ist die Acker-Gänsedistel etwas salzertragend und gilt als Lehmzeiger.<ref name="Oberdorfer2001" />
Systematik
Die Erstveröffentlichung von Sonchus arvensis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 793.<ref name="SpPl" />
Diese Art „zerfällt“ in mehrere Unterarten, wobei bei einer sogar Halophilie vorzuliegen scheint.
In Deutschland und Österreich kommen folgende Unterarten vor:
- Gewöhnliche Acker-Gänsedistel (Sonchus arvensis subsp. arvensis): Mit drüsigem Hüllkelch. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36, 54 oder 64. Sie ist im Allgemeinen in Mitteleuropa eine Charakterart von Gesellschaften der Ordnung Polygono-Chenopodietalia.<ref name="Oberdorfer2001" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 3+w (feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental), Salztoleranz = 1 (tolerant).<ref name="InfoFlora" />
- Drüsenlose Acker-Gänsedistel, Sumpf-Acker-Gänsedistel (Sonchus arvensis subsp. uliginosus <templatestyles src="Person/styles.css" />(M.Bieb.) Nyman, Syn.: Sonchus arvensis var. glabrescens <templatestyles src="Person/styles.css" />Günther & al., Sonchus arvensis var. laevipes <templatestyles src="Person/styles.css" />W.D.J. Koch)<ref name="Euro+Med" />: Mit fast drüsenlosem Hüllkelch. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36. Sie kommt auf basenreichen oder salzreichen Tonböden in Gesellschaften der Ordnungen Convolvuletalia oder Cakiletalia vor.<ref name="Oberdorfer2001" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 3+w+ (feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental), Salztoleranz = 1 (tolerant).<ref name="InfoFlora" />
Manche Autoren nennen in Europa noch die Unterart:<ref name="Euro+Med" />
- Sonchus arvensis subsp. humilis <templatestyles src="Person/styles.css" />(N.I.Orlova) Tzvelev (Syn.: Sonchus humilis <templatestyles src="Person/styles.css" />N.I.Orlova): Sie kommt in Schweden, Finnland, Estland, Lettland und im nördlichen Russland vor.<ref name="Euro+Med" />
Literatur
- Dankwart Seidel: Blumen. Treffsicher bestimmen mit dem 3er-Check. 2., durchgesehene Auflage. blv, München/Wien/Zürich 2001, ISBN 3-405-15766-8.
- Ching-i Peng, Kuo-fang Chung, Hui-lin Li: Sonchus. In: Digital Flora of Taiwan. (online) (englisch).
- Philip E. Hyatt: Sonchus. In: , online (englisch).
Einzelnachweise
<references> <ref name="IPCN"> Sonchus arvensis bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="InfoFlora"> Sonchus arvensis L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Düll"> </ref> <ref name="SpPl"> Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Impensis Laurentii Salvii, Holmiae 1753, S. 793, Digitalisat </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 990. </ref> <ref name="Dörr und Lippert"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 667. </ref> <ref name="Euro+Med"> Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). In: W. Greuter, E. von Raab-Straube (ed.): Compositae. Datenblatt Sonchus arvensis In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Hegi1987"> Gerhard Wagenitz et al.: Familie Compositae II. S. 1105–1107. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band VI, Teil 3, Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg 1987, ISBN 3-489-86020-9. </ref> </references>
Weblinks
- Sonchus arvensis L., Acker-Gänsedistel. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Sonchus arvensis agg., Acker-Gänsedistel (Artengruppe). auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Sonchus arvensis subsp. uliginosus (M. Bieb.) Nyman, Sumpf-Acker-Gänsedistel. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Sonchus arvensis subsp. arvensis, Acker-Gänsedistel (Unterart). auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Vorlage:BIB