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Abutiu

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Der altägyptische Hund Abutiu<ref name="Zahradnik-206">Eveline Zahradnik: Der Hund als geliebtes Haustier im Alten Ägypten. ... Berlin 2009, S. 206.</ref> (oft in der englischen Transkription Abuwtiyuw<ref name="Reisner-96">George A. Reisner: The Dog which was honored by the King of Upper and Lower Egypt. In: Bulletin of the Museum of Fine Arts. Band 34, Nr. 206, Boston Dezember 1936, S. 96.</ref> zitiert) war eines der frühesten Haustiere, dessen Name überliefert wurde.

Der in der 5. oder 6. Dynastie (2504–2216 v. Chr.) lebende Hund erhielt nach seinem Tod auf Befehl des damals herrschenden Pharaos ein zeremonielles Begräbnis in einem eigenen Grab in der Nekropole von Gizeh. Um welchen Pharao es sich dabei handelte, ist unbekannt.

Fundsituation

Weder das Grab noch die Mumie des Hundes sind erhalten geblieben. Der Ägyptologe George A. Reisner vermutet, dass Abutiu nicht der Hund des Pharaos war, sondern einem seiner Bediensteten gehörte, der durch Abutiu in der Gunst des Königs aufgestiegen war. Bekannt ist der Hund durch eine Tafel, die vermutlich aus der Grabkapelle des Besitzers des Hundes Abutiu stammt, die aber genau wie das Hundegrab selbst nicht mehr nachweisbar ist.<ref name="Reisner-97-98">George A. Reisner: The Dog which was honored by the King of Upper and Lower Egypt. In: Bulletin of the Museum of Fine Arts. Band 34, Nr. 206, Boston Dezember 1936, S. 97, 98.</ref> Diese Inschriftstafel stellt die einzige Quelle zu Abutiu dar und befindet sich heute unter der Inventarnummer JE 67573 im Ägyptischen Museum in Kairo.

Der Stein mit dieser Inschrift wurde offenbar nach der Zerstörung der Grabkapelle als Spolie in einem anderen Grab (Mastaba G 2188) aus der 6. Dynastie verbaut und 1936 bei Untersuchungen von George A. Reisner gefunden.<ref name="Reisner-96" />

Aufgrund des Materials und der handwerklichen Ausführung kann der Inschriftenblock auf die 5. oder 6. Dynastie datiert werden.<ref name="Reisner-98">George A. Reisner: The Dog which was honored by the King of Upper and Lower Egypt. In: Bulletin of the Museum of Fine Arts. Band 34, Nr. 206, Boston Dezember 1936, S. 98.</ref>

Grabkapellentext

Der Stein mit der Inschrift besteht aus weißem Kalkstein und hat die Maße 54,2 cm × 28,2 cm × 23,2 cm. Die Inschrift besteht aus zehn senkrechten Reihen von Hieroglyphen, die durch senkrechte Linien voneinander getrennt sind. In der oberen rechten Ecke ist ein Teil einer Leine zu sehen, die darauf hindeutet, dass die Tafel ursprünglich Teil einer Darstellung von Abutiu und seinem Besitzer war.<ref name="Reisner-96-97">George A. Reisner: The Dog which was honored by the King of Upper and Lower Egypt. In: Bulletin of the Museum of Fine Arts. Band 34, Nr. 206, Boston Dezember 1936, S. 96, 97.</ref>

Der Text beschreibt, welche Gaben der Pharao zu Abutius Beisetzung beisteuerte:

Übersetzung nach Reisner<ref name="Reisner-97">George A. Reisner: The Dog which was honored by the King of Upper and Lower Egypt. In: Bulletin of the Museum of Fine Arts. Band 34, Nr. 206, Boston Dezember 1936, S. 97.</ref>

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Mit der vom Pharao angeordneten Bestattung wurde Abutiu eine Ehre zu Teil, die normalerweise nur höhergestellte Menschen erhielten.<ref name="Reisner-96" /> Die Gaben des Pharao zur Bestattung des Hundes deuten darauf hin, dass der Leichnam einer Mumifizierung unterzogen wurde, wie sie in damaliger Zeit auch bei einem menschlichen Toten üblich war. Durch die zeremonielle Beisetzung sollte dem Ka des Hundes ermöglicht werden, in das Nachleben einzugehen.<ref name="Reisner-99">George A. Reisner: The Dog which was honored by the King of Upper and Lower Egypt. In: Bulletin of the Museum of Fine Arts. Band 34, Nr. 206, Boston Dezember 1936, S. 99.</ref>

Datei:Tesem.jpg
Abbildung eines Hundes des Tjesem-Typs auf der Hundestele aus dem Grab von Antef II. um 2065 v. Chr.

Hinweise zum Aussehen

Auch wenn keine Abbildung Abutius erhalten blieb, so kann anhand des Textes eine Zuordnung zu einem bestimmten Hundetypus erschlossen werden. Der Text bezeichnet ihn als Ṯsm (Tjesem), was für einen leichten, windhundartig gebauten Jagdhund mit Stehohren und Ringelrute steht. Dieser Hundetyp ist bereits auf Abbildungen aus prädynastischer Zeit bekannt und gehört somit zu den ältesten bekannten Hundetypen. Darstellungen von Tjesem-Hunden sind in allen Perioden der altägyptischen Geschichte häufig zu finden.<ref name="Reisner-99" />

Namensbedeutung

Der Name selbst ist nicht eindeutig übersetzbar, jedoch vermutet Reisner, dass der Namensbestandteil bw („bu“) lautmalerisch das Bellen des Hundes umschreibt, da sich diese Namenskomponente mehrfach in altägyptischen Hundenamen findet.<ref name="Reisner-99" /> Jozef Janssen zieht die Möglichkeit in Erwägung, dass der Name auch als ‘bw3 gelesen werden kann, was auch als Personenname bekannt ist.<ref name="Janssen-177">Jozef Janssen: Über Hundenamen im pharaonischen Ägypten. In: Mitteilungen des deutschen archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. Band 16, 1958, S. 177.</ref> {{#invoke:Vorlage:Siehe auch|f}}

Literatur

  • George A. Reisner: The Dog which was honored by the King of Upper and Lower Egypt. In: Bulletin of the Museum of Fine Arts. Band 34, Nr. 206, Boston Dezember 1936, S. 96–99. (Volltext als PDF).
  • Eveline Zahradnik: Der Hund als geliebtes Haustier im Alten Ägypten anhand von bildlichen, schriftlichen und archäologischen Quellen: Altes und Mittleres Reich. book-on-demand.de, Berlin 2009, ISBN 978-3-86805-408-8, S. 206–208

Einzelnachweise

<references />