Abtei St. Erentraud (Kellenried)
Die Abtei St. Erentraud im Ortsteil Kellenried der Gemeinde Berg bei Ravensburg wurde 1924 als Benediktinerinnen-Kloster der Beuroner Kongregation gegründet. Das bestehende Kloster ist als Kulturdenkmal ausgewiesen.
Geschichte
Die ersten Schwestern kamen aus dem Kloster St. Hemma in Gurk, Kärnten, und aus der Abtei St. Gabriel, Bertholdstein. Benannt wurde das Kloster nach der heiligen Erentraud, der ersten Äbtissin der Benediktinerinnenabtei Nonnberg in Salzburg. Die Wahl des Ortes ging maßgeblich auf den damaligen Erzabt von Beuron, Raphael Walzer, zurück, der das kinderlose Ehepaar Johann und Rosalie Marschall dazu brachte, 22 Morgen Land für das gottgefällige Werk zu stiften.<ref>Peter Eitel: Oberschwäbische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert, Band 3, Thorbecke-Verlag Ostfildern 2022, S. 120f.</ref>
Die Abteikirche St. Erentraud wurde in barockisierendem Stil vom Freiburger Oberregierungsbaurat Adolf J. Lorenz am westlichen Rücken des Schussentals erbaut. Die Grundsteinlegung war am 15. Juli 1923. Der Architekt vereinigte in dem Klosterbau Elemente des Neubarock, des Jugendstils und aus Neuer Sachlichkeit. Das Kloster wurde am 7. September 1924 bezogen.<ref name="baugeschichte">Baugeschichte. Website der Abtei. Abgerufen am 2. Dezember 2014.</ref>
Nach finanziell begründeter Unterbrechung des Baues der Außenbauten im November 1924 wurde die Kirche, noch provisorisch eingerichtet, am 16. November 1925 benediziert. 1926 wurde das Kloster zur Abtei erhoben und Scholastika von Riccabona zur Äbtissin gewählt. Im Jahr 1930 wurde der Altar gestiftet, im Übrigen blieb die Kirche unvollständig eingerichtet.<ref name="baugeschichte" />
Von 1940 bis 1945 waren die Schwestern von den Nationalsozialisten aus dem Kloster vertrieben, das Kloster von der Gestapo beschlagnahmt.<ref name="baugeschichte" /> Es wurde zur Unterbringung slowenischer Zwangsarbeiter genutzt.<ref>Philipp Richter: Als die Nonnen das Kloster räumen mussten. Schwäbische Zeitung vom 14. Februar 2019.</ref>
In den Jahren von 1955 bis 1965 ergänzten der Anbau der Gästekirche, des Westflügels und die Verlängerung der Nordseite die Klosteranlage; die Kirche wurde am 15. Mai 1958 geweiht.<ref name="baugeschichte" />
Von 1983 bis 1985<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kirchenführung und Information – Benediktinerinnenabtei St. Erentraud – Klosterportal ( vom 7. März 2016 im Internet Archive). Website klosterportal.org. Abgerufen am 14. Dezember 2014.</ref> wurde die Kirche renoviert. Im Innenraum wurden nach den Plänen des Bildhauers Elmar Hillebrand sowohl Orte der Liturgie, der Altar, der Ambo und die Stele des Tabernakels, als auch die Fenster, das Chorgestühl und die beiden Orgeln neu gestaltet.<ref name="baugeschichte" />
2010 wurde ein „Förderverein für die Abtei Kellenried“ gegründet.<ref>Förderverein der Abtei Kellenried. Website der Abtei. Abgerufen am 10. Januar 2015.</ref> Im Juni 2025 gab der Konvent bekannt, dass er einen Verkauf der Klosteranlage prüfe.<ref>Benediktinerinnen prüfen Verkauf von Kloster Kellenried. Abgerufen am 4. Juni 2025.</ref>
Gestaltung der Kirche
Tabernakel
Der im Raum freistehende Tabernakel ist mit Darstellungen biblischer Szenen verziert, in Rundbogenfeldern wird rechts die Begegnung von Maria von Magdala mit dem auferstandenen Jesus Christus (Vorlage:Bibel/Link), links das Gespräch mit dem Apostel Thomas thematisiert (Vorlage:Bibel/Link). Die Rückseite des Tabernakels bildet einen Gnadenstuhl ab.<ref>Tabernakel. Mit detaillierten Abbildungen. Website der Abtei. Abgerufen am 21. Dezember 2014.</ref>
Tabernakelstele und Altarkreuz
Das Altarkreuz ist in Verbindung mit der Tabernakelstele als Baum des Lebens gestaltet. Am mit dem Boden der Altarinsel verbundenen Kreuz sind Blätter und Knospen dargestellt. Das Kreuz trägt einen vermutlich aus dem 17. Jahrhundert stammenden Corpus Christi. Dieser wird flankiert von zwei modernen Bronzefiguren. Sie bilden Maria mit einem Kelch in der Hand als Symbol der Kirche und Johannes den Täufer ab, welcher auf den Corpus als Lamm Gottes hinweist.<ref>Altarkreuz. Mit detaillierten Abbildungen. Website der Abtei. Abgerufen am 21. Dezember 2014.</ref>
Medaillonschmuck der Altarinsel
An die Geschichte des Ersten Bundes wird in Motiven der Gotteserfahrung in Medaillons erinnert. Die dargestellten „Stationen des Heils“ sind:<ref>Altarinsel. Website der Abtei. Abgerufen am 31. Dezember 2014.</ref>
- die Kundschaftertraube (Vorlage:Bibel/Link)<ref>Kundschaftertraube. Mit Abbildung und Erläuterung. Website der Abtei. Abgerufen am 21. Dezember 2014.</ref>
- der Sinai-Bund (Vorlage:Bibel/Link)<ref>Sinai-Bund. Mit Abbildung und Erläuterung. Website der Abtei. Abgerufen am 21. Dezember 2014.</ref>
- die Wolken- und Feuersäule (Vorlage:Bibel/Link)<ref>Wolken- und Feuersäule. Mit Abbildung und Erläuterung. Website der Abtei. Abgerufen am 22. Dezember 2014.</ref>
- das Wasser aus dem Fels (Vorlage:Bibel/Link)<ref>Wasser aus dem Fels. Mit Abbildung und Erläuterung. Website der Abtei. Abgerufen am 22. Dezember 2014.</ref>
- die Jakobsleiter (Vorlage:Bibel/Link)<ref>Jakobsleiter. Mit Abbildung und Erläuterung. Website der Abtei. Abgerufen am 22. Dezember 2014.</ref>
- der Bund mit Abraham (Vorlage:Bibel/Link)<ref>Abraham-Bund. Mit Abbildung und Erläuterung. Website der Abtei. Abgerufen am 22. Dezember 2014.</ref>
- der brennende Dornbusch (Vorlage:Bibel/Link)<ref>Brennender Dornbusch. Mit Abbildung und Erläuterung. Website der Abtei. Abgerufen am 22. Dezember 2014.</ref>
- der Noach-Bund (Vorlage:Bibel/Link)<ref>Noach-Bund. Mit Abbildung und Erläuterung. Website der Abtei. Abgerufen am 22. Dezember 2014.</ref>
Orgeln
Zwei Orgeln stehen zur Verfügung, eine Hauptorgel und eine kleinere Chororgel. Beide Orgeln stammen vom Orgelbauunternehmen Pflüger Orgelbau in Vorarlberg.<ref name="orgeln">Die Orgeln. Mit Abbildungen. Website der Abtei. Abgerufen am 1. Januar 2015.</ref>
Hauptorgel
Die Schleifladenorgel wurde in den Jahren 1994 und 1995 gebaut. Sie verfügt unter anderem über 23 klingende Register rein mechanischer Register- und Spieltraktur und über ein Schwellwerk für das zweite Manual. Der Prospekt wurde von Elmar Hillebrand konzipiert, die Schleierbretter wurden von Klara Hillebrand und der Bildhauerin Annelie Kremer geschaffen.<ref name="orgeln" />
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Chororgel
Diese kleinere Orgel stammt aus dem Jahr 1998 und verfügt über zehn Register. Sie ist mit einer mechanischen Spieltraktur und einer elektrischen Registertraktur mit zwei freien Kombinationen ausgestattet. Die Orgel dient auch der Begleitung des Choralgesanges.<ref name="orgeln" />
Fenster der Apsis
Die Fenster der Apsis enthalten 6 Millimeter dünn geschnittene Onyxscheiben aus drei verschiedenen Onyxsorten, die mit Bleiruten gefasst sind. Die so erreichte Transparenz solle nuanciert und harmonisch das Licht in den Innenraum gelangen lassen.<ref>Onyxfenster. Mit Abbildungen. Website der Abtei. Abgerufen am 31. Dezember 2014.</ref>
Kunsthandwerkliche Ergänzungen
Über dem Chorgestühl an der Westempore stehen aus Lindenholz geschnitzte, aus dem 17. Jahrhundert stammende Figuren der Heiligen Benedikt und Scholastika.<ref>Benedikt & Scholastika. Mit Abbildungen. Website der Abtei. Abgerufen am 1. Januar 2015.</ref>
Zwischen Weihnachten und dem 2. Februar, dem Fest Darstellung des Herrn, ist eine historische Weihnachtskrippe mit Figuren aus dem 17./18. Jahrhundert aufgestellt.<ref name="krippenws">Krippenwerkstatt. Mit Abbildungen. Website der Abtei. Abgerufen am 1. Januar 2015.</ref>
Arbeitsbereiche
2011 wurde eine Integration eines Gästetraktes mit zwölf Einzel- und zwei Doppelzimmern in die bestehende Klosteranlage realisiert. Es werden Kurse angeboten. Neben Exerzitien sind Schwerpunkte die benediktinische Spiritualität, Kurse zu liturgischen Themen und zu Fragen der Lebensorientierung an der Bibel.<ref>Kursprogramm. Website der Abtei. Abgerufen am 1. Dezember 2014.</ref>
Die Schwestern betreiben eine Krippenwerkstatt<ref>Krippenwerkstatt. Website der Abtei. Abgerufen am 11. Januar 2015.</ref>, eine Kerzenwerkstatt<ref>Kerzenwerkstatt. Website der Abtei. Abgerufen am 11. Januar 2015.</ref> und einen Klosterladen.<ref>Klosterladen. Website der Abtei. Abgerufen am 11. Januar 2015.</ref>
Während der Fasten- und Adventszeit und zu bestimmten Festtagen wird ein Podcast des Abendlobes aufgezeichnet, welcher über die Webseite der Diözese Rottenburg-Stuttgart<ref>Mediathek der Diözese Rottenburg-Stuttgart</ref> sowie über einen YouTube-Kanal<ref>YouTube-Kanal des Klosters</ref> ausgestrahlt wird.
Äbtissinnen
- 1926–1963: Scholastika von Riccabona (1884–1963)
- 1963–1972: Agnes Trescher (1899–1981)
- 1972–1999: Margarita Brunnhuber (1930–2025)
- 1999–2024: Maria Regina Kuhn
- Priorin-Administratorin seit 17. Dezember 2024: Veronika Kiechle
Literatur
- Charis Doepgen: Kellenried. Benediktinerinnenabtei St. Erentraud. Kunstverlag Peda, Passau 1999 (= Peda-Kunstführer; 467), ISBN 3-89643-125-0.
- Inge Steinsträßer: Im Exil 1940–1945 – Die Benediktinerinnen von Kellenried während des „Dritten Reichs“. Lit, Berlin 2015, ISBN 978-3-643-13090-7.
- Frauen, die das Leben lieben. Benediktinerinnen der Abtei St. Erentraud, Kellenried. Oberschwäbische Verlagsanstalt, Ravensburg 2002, ISBN 3-926891-26-2.
- Zeichen des Heils. Altarinsel in der Abteikirche St. Erentraud in Kellenried. Kloster Kellenried, Berg (10-seitiger Leporello).
Weblinks
- Abtei St. Erentraud Kellenried
- Eintrag zu Abtei St. Erentraud (Kellenried) auf Orden online
Einzelnachweise
<references />
Männerklöster: Erzabtei Beuron | Abtei Seckau | Abtei Maria Laach | Abtei Weingarten | Abtei Gerleve | Abtei Neresheim | Abtei Grüssau | Abtei Neuburg | Abtei Tholey | Priorat Nütschau
Frauenklöster: Abtei St. Hildegard | Abtei Herstelle | Abtei Kellenried | Abtei Engelthal | Abtei Säben | Abtei Varensell | Abtei Fulda | Kloster Marienrode | Kloster Aasebakken
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