Threonin
| Strukturformel | ||||||||||||||||||||||
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| Struktur von L-Threonin | ||||||||||||||||||||||
| Strukturformel von L-Threonin, dem natürlich vorkommenden Isomer | ||||||||||||||||||||||
| Allgemeines | ||||||||||||||||||||||
| Name | Threonin | |||||||||||||||||||||
| Andere Namen |
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| Summenformel | C4H9NO3 | |||||||||||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
farbloser Feststoff mit charakteristischem Geruch<ref name="merck">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei MerckVorlage:Abrufdatum</ref> | |||||||||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | ||||||||||||||||||||||
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| Arzneistoffangaben | ||||||||||||||||||||||
| ATC-Code | ||||||||||||||||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||||||||||||||
| Molare Masse | 119,12 g·mol−1 | |||||||||||||||||||||
| Aggregatzustand |
fest | |||||||||||||||||||||
| Dichte |
1,07 g·cm−3<ref name="GESTIS" /> | |||||||||||||||||||||
| Schmelzpunkt |
255 °C (Zersetzung, L-Threonin)<ref name="Alfa">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Alfa AesarVorlage:Abrufdatum (Seite nicht mehr abrufbar).</ref> | |||||||||||||||||||||
| pKS-Wert |
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| Löslichkeit |
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| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||||||||
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| Toxikologische Daten |
3098 mg·kg−1 (LD50, Ratte, i.p.)<ref>Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref> | |||||||||||||||||||||
| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). | ||||||||||||||||||||||
Threonin, abgekürzt Thr oder T, ist in seiner natürlichen L-Form eine essentielle proteinogene α-Aminosäure.
Im Threonin findet sich am β-Kohlenstoffatom (= 3-Position) eine Hydroxygruppe; es kann auch als 3-Methyl-Serin oder 3-hydroxyliertes Desmethyl-Valin betrachtet werden. Aufgrund der Hydroxygruppe ist Threonin wesentlich polarer und reaktiver als Valin.
Threonin wird zu den polaren Aminosäuren gezählt. Es kann an seiner Hydroxygruppe phosphoryliert werden, was bei der Regulation von Enzymen eine Rolle spielen kann.
Stereochemie
Threonin hat zwei stereogene Zentren an den Kohlenstoffatomen in 2- und 3-Position. Daher gibt es vier Stereoisomere des Threonins mit folgenden absoluten Konfigurationen: (2S,3R), (2R,3S), (2S,3S) und (2R,3R). Das in den Proteinen gebunden enthaltene L-Threonin besitzt (2S,3R)-Konfiguration und wird auch (2S,3R)-2-Amino-3-hydroxy-butansäure (Bezeichnung gemäß der IUPAC-Nomenklatur) genannt. Die anderen drei Stereoisomere [(2R,3S)-Threonin, (2S,3S)-allo-Threonin und (2R,3R)-allo-Threonin] des L-Threonins besitzen nur geringe Bedeutung.
Wenn von „Threonin“ ohne weiteren Namenszusatz (Präfix) gesprochen wird, ist gemeinhin L-Threonin gemeint.
| Isomere von Threonin | ||||
| Name | L-Threonin | D-Threonin | L-allo-Threonin | D-allo-Threonin |
| Andere Namen | (2S,3R)-2-Amino-3-hydroxybutansäure | (2R,3S)-2-Amino-3-hydroxybutansäure | (2S,3S)-allo-2-Amino-3-hydroxybutansäure | (2R,3R)-allo-2-Amino-3-hydroxybutansäure |
| Strukturformel | Datei:L-Threonin - L-Threonine.svg | Datei:D-Threonine.svg | Datei:L-allo-Threonine.svg | Datei:D-allo-Threonine.svg |
| CAS-Nummer | Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN |
| Vorlage:CASRN (unspez.) | ||||
| EG-Nummer | 200-774-1 | 211-171-8 | 249-327-2 | 246-488-0 |
| 201-300-6 (unspez.) | ||||
| ECHA-Infocard | Vorlage:ECHA | Vorlage:ECHA | Vorlage:ECHA | Vorlage:ECHA |
| Vorlage:ECHA (unspez.) | ||||
| PubChem | 6288 | 69435 | 99289 | 90624 |
| 205 (unspez.) | ||||
| DrugBank | DB00156 | DB03700 | − | − |
| − (unspez.) | ||||
| FL-Nummer | 17.021 (unspez.) | |||
| Wikidata | Q186521 | Q44073885 | Q27103859 | Q27094610 |
| Q27117433 (unspez.) | ||||
Vorkommen
Threonin ist Bestandteil von tierischen und pflanzlichen Proteinen. Der Tagesbedarf für Erwachsene wird mit etwa 16 mg pro kg Körpergewicht angenommen.<ref>D. H. Baker: Tolerance for branched-chain amino acids in experimental animals and humans, in: J. Nutr., 2005, Bd. 135 (6), S. 1585S–1590S; PMID 15930474.</ref> Die folgenden Beispiele für den Gehalt an Threonin beziehen sich jeweils auf 100 g des Lebensmittels, zusätzlich ist der prozentuale Anteil am Gesamtprotein angegeben.<ref>Nährstoffdatenbank des US-Landwirtschaftsministeriums, 21. Auflage.</ref>
| Lebensmittel | Protein | Threonin | Anteil |
|---|---|---|---|
| Rindfleisch, roh | 21,26 g | 849 mg | 4,0 % |
| Hähnchenbrustfilet, roh | 23,09 g | 975 mg | 4,2 % |
| Lachs, roh | 20,42 g | 860 mg | 4,2 % |
| Hühnerei | 12,58 g | 556 mg | 4,4 % |
| Kuhmilch, 3,7 % Fett | 3,28 g | 148 mg | 4,5 % |
| Walnüsse | 15,23 g | 596 mg | 3,9 % |
| Weizen-Vollkornmehl | 13,70 g | 395 mg | 2,9 % |
| Mais-Vollkornmehl | 6,93 g | 261 mg | 3,8 % |
| Reis, ungeschält | 7,94 g | 291 mg | 3,7 % |
| Erbsen, getrocknet | 24,55 g | 872 mg | 3,6 % |
Alle diese Nahrungsmittel enthalten L-Threonin chemisch gebunden als Proteinbestandteil, nur ausnahmsweise freies L-Threonin. In Fischen sind die Anti-Frost-Proteine fast ausschließlich aus L-Threonin und L-Alanin aufgebaut.<ref name="Barrett">G. C. Barrett: Chemistry and Biochemistry of the Amino Acids, Chapman and Hall, London, New York, 1985, S. 11, ISBN 0-412-23410-6.</ref>
Geschichte
Der amerikanische Biochemiker William Cumming Rose beschäftigte sich während seiner wissenschaftlichen Laufbahn intensiv mit der Bedeutung von Aminosäuren für die Ernährung.<ref>S. Hansen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Entdeckung der proteinogenen Aminosäuren von 1805 in Paris bis 1935 in Illinois. ( vom 15. Juni 2016 im Internet Archive) Berlin 2015.</ref> Bei Versuchen an Ratten in den 1930er Jahren musste er feststellen, dass die Fütterung mit den bis dahin bekannten 19 Aminosäuren nicht für ein Wachstum der Ratten ausreichte.<ref>W. C. Rose, Feeding experiments with mixtures of highly purified amino acids: I. The inadequacy of diets containing nineteen amino acids, J Biol Chem, Band 94, S. 155ff (1931)</ref> Daraufhin suchte er systematisch nach einer weiteren essentiellen Aminosäure; schließlich konnte er sie aus Fibrin isolieren und ihrer Struktur nach identifizieren.<ref>W. C. Rose, R. H. McCoy und C. E. Meyer, Feeding experiments with mixtures of highly purified amino acides: VIII. Isolation and identification of a new essential amino acid, J Biol Chem, Band 112, S. 283ff. (1935).</ref> Mit dieser als Threonin bezeichneten Aminosäure war damit die letzte der kanonischen proteinogenen Aminosäuren entdeckt. Der Name Threonin wurde aufgrund der Threose-Grundstruktur dieser Aminosäure gewählt.
Eigenschaften
Die hier angegebenen Daten beziehen sich nur auf L-Threonin und D-Threonin.
- Restname: Threonyl
- Seitenkette: hydrophil
- isoelektrischer Punkt: 5,64<ref name="Hoppe">Bernd Hoppe und Jürgen Martens: Aminosäuren – Herstellung und Gewinnung, in: Chemie in unserer Zeit, 1984, Bd. 18, S. 73–86; doi:10.1002/ciuz.19840180302.</ref>
- Van-der-Waals-Volumen: 93
- Lipidlöslichkeit: log KOW = −0,7
Biosynthese
Da L-Threonin zu den essentiellen Aminosäuren gehört, muss L-Threonin mit der Nahrung durch L-Threonin-haltige Proteine aufgenommen werden. In Pflanzen und Mikroorganismen beginnt die Biosynthese des L-Threonins ausgehend vom L-Aspartat, dessen Ursprünge (Oxalacetat) dem Citratcyclus entstammen. Das L-Aspartat wird über zwei Zwischenstufen, mittels entsprechender Enzyme (Aspartatkinase, Aspartatsemialdehyd-Dehydrogenase, Homoserindehydrogenase) zum L-Homoserin umgesetzt. In einem weiteren Schritt wird der primäre Alkohol vom L-Homoserin von einer Homoserinkinase phosphoryliert. Dieses Phosphohomoserin wird im letzten Schritt von der Homoserinphosphat-Mutaphosphatase (PLP) zum L-Threonin umgesetzt.
Abbau
Für Abbau inklusive Strukturformeln siehe Abschnitt Weblinks
L-Threonin wird entweder zu Acetaldehyd sowie Glycin abgebaut, was von der Threonin-Aldolase (EC 4.1.2.5) katalysiert wird. Die Aminosäure kann aber auch zu Propionyl-CoA umgesetzt werden.
Stoffwechselkrankheiten
Der Abbau von Threonin ist bei den folgenden Stoffwechselkrankheiten gestört:
Evolutionäre Bedeutung
Während der menschlichen Evolution führte eine regulatorische Variante (rs34590044-A) zu einer erhöhten Expression von Acyl-CoA-Synthetase-Familienmitglied 3 (ACSF3), einem Enzym, das am Threonin-Katabolismus beteiligt ist.<ref name=":0">Yufeng Zhang, Jie Wang, Chuanyou Yi, Yue Su, Zi Yin, Shuxian Zhang, Li Jin, Mark Stoneking, Jian Yang, Ke Wang, He Huang, Jin Li, Shaohua Fan: An ancient regulatory variant of ACSF3 influences the coevolution of increased human height and basal metabolic rate via metabolic homeostasis. In: Cell Genomics. Band 5, Nr. 6, Juni 2025, S. 100855, doi:10.1016/j.xgen.2025.100855 (elsevier.com).</ref> Diese Variante, die bei nicht-menschlichen Menschenaffen fehlt, verbesserte den Threoninstoffwechsel, unterstützte höhere basale Stoffwechselraten und förderte das Knochenwachstum.<ref name=":0" /> Diese Veränderungen trugen wahrscheinlich zur Koevolution von Stoffwechsel und Ernährungsgewohnheiten bei, bei der sich moderne Menschen zunehmend proteinreich ernährten.<ref name=":0" />
Herstellung
L-Threonin kann nach der Extraktionsmethode mit Hilfe von Ionenaustauschern aus Protein-Hydrolysaten gewonnen werden. Vorwiegend wird L-Threonin heute jedoch durch Fermentation hergestellt.
Verwendung
Als Bestandteil von Aminosäure-Infusionslösungen [Aminoplasmal® (D), Aminosteril®-N-Hepa (D), Primene® (A)] zur parenteralen Ernährung findet L-Threonin, neben anderen Aminosäuren, breite Anwendung in der Humanmedizin. Für Patienten mit gestörter Verdauung wurde eine oral anzuwendende „chemisch definierte Diät“ entwickelt, die L-Threonin enthält. In dieser Diät bilden die Aminosäuren die Stickstoffquelle; alle lebensnotwendigen Nährstoffe liegen in chemisch genau definierter Form vor.<ref name="Izumi">Yoshiharu Izumi, Ichiro Chibata, Tamio Itoh: Herstellung und Verwendung von Aminosäuren, in: Angewandte Chemie, 1978, 90 (3), S. 187–194; doi:10.1002/ange.19780900307.</ref>
Viele Getreidesorten weisen einen zu geringen Gehalt einer essentiellen Aminosäure auf. Durch diesen Mangel an nur einer Aminosäure sinkt die Verwertbarkeit aller aufgenommenen Aminosäuren auf den durch die in zu geringer Menge enthaltene essentielle Aminosäure („limitierende Aminosäure“)<ref name="Izumi" /> bestimmten Wert. Man steigert den Nährwert des Getreides dann durch den gezielten Zusatz geringer Mengen jener essentieller Aminosäuren, die darin defizitär sind. Mit Ausnahme von Mais enthalten die meisten Getreidearten weniger L-Threonin als von den Nutztieren benötigt wird. Der Zusatz von L-Threonin zu Mischfutter ist in der Futtermittel-Industrie verbreitet und schont so natürliche Ressourcen.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Vorlage:Klappleiste/Anfang Alanin | Arginin | Asparagin | Asparaginsäure | Cystein | Glutamin | Glutaminsäure | Glycin | Histidin | Hydroxylysin | Isoleucin | Leucin | Lysin | Methionin | Phenylalanin | Prolin | Pyrrolysin | Selenocystein | Selenomethionin | Serin | Threonin | Tryptophan | Tyrosin | Valin Vorlage:Klappleiste/Ende
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- ATC-V06
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- Alpha-Aminosäure
- Butansäure
- Propanol
- Beta-Hydroxycarbonsäure
- Proteinogene Aminosäure
- Arzneistoff
- Aromastoff (EU)
- Futtermittelzusatzstoff (EU)