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Trinitrochlorbenzol

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von 2,4,6-Trinitrochlorbenzol)
Strukturformel
Strukturformel von 2,4,6-Trinitrochlorbenzol
Allgemeines
Name Trinitrochlorbenzol
Andere Namen
  • 2-Chlor-1,3,5-trinitrobenzol (IUPAC)
  • 1-Chlor-2,4,6-trinitrobenzol
  • 2,4,6-Trinitrochlorbenzol
  • Pikrylchlorid
Summenformel C6H2ClN3O6
Kurzbeschreibung

hellgelbe Kristallnadeln<ref name="Explosivstoffe">Explosivstoffe, Wasag-Chemie, Essen 1961, S. 166.</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 201-864-3
ECHA-InfoCard 100.001.695
PubChem 6953
ChemSpider 6687
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 247,55 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,797 g·cm−3 (20 °C)<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Schmelzpunkt

83 °C<ref name="GESTIS" />

Löslichkeit
  • sehr schwer in Wasser (530 mg·l−1 bei 16 °C)<ref name="GESTIS" />
  • wenig in Ethanol und Benzol, etwas mehr in Diethylether<ref name="Explosivstoffe" />
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),<ref name="CLP_100.001.695">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.</ref> ggf. erweitert<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 201​‐​300+310+330​‐​410
EUH: 001​‐​044
P: 210​‐​262​‐​280​‐​301+310+330​‐​302+352+310​‐​304+340+310<ref name="GESTIS" />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Das Trinitrochlorbenzol (2,4,6-Trinitrochlorbenzol, Pikrylchlorid) ist eine feste chemische Verbindung, die explosionsgefährliche Eigenschaften besitzt. Es leitet sich sowohl vom Chlorbenzol als auch vom Nitrobenzol ab. Der Name Pikrylchlorid stammt aus der Frühzeit der Organischen Chemie (19. Jahrhundert), da die damalige Synthese über die Reaktion von Pikrinsäure mit Phosphorpentachlorid ablief.

Darstellung

Trinitrochlorbenzol kann durch Nitrierung von 2,4-Dinitrochlorbenzol durch Nitriersäure (65%ige Salpetersäure und 98%ige Schwefelsäure) dargestellt werden.<ref name="Explosivstoffe" /> Der Reaktionsmechanismus entspricht dabei einer elektrophilen aromatischen Substitution.

Die Verbindung kann auch durch die Umsetzung von Pyridiniumpikrat mit Phosphoroxychlorid erhalten werden.<ref name="Explosivstoffe2" />

Eigenschaften

Trinitrochlorbenzol bildet hellgelbe Kristallnadeln, die bei 83 °C schmelzen. Die Schmelzenthalpie beträgt 73,3 kJ·kg−1.<ref name="Explosivstoffe2" /> Für die Schmelze sind Dampfdruckdaten bekannt.

Dampfdruck der Schmelze<ref name="Explosivstoffe2" />
Temperatur in °C 83 100 150 200 270
Druck in mbar 0,05 0,2 2 12,5 100

Trinitrochlorbenzol ist ein explosionsgefährlicher Stoff im Sinne des Sprengstoffgesetzes.<ref name="SprengG">Sprengstoffgesetz, Anhang I, Liste der explosionsgefährlichen Stoffe (BGBl. 1975 I S. 853), auf die das Gesetz in vollem Umfang anzuwenden ist.</ref> Wichtige Explosionskennzahlen sind:

Wichtige explosionsrelevante Eigenschaften
Sauerstoffbilanz −45,3 %<ref name="Explosivstoffe2">J. Köhler, R. Meyer, A. Homburg: Explosivstoffe, zehnte, vollständig überarbeitete Auflage, Wiley-VCH, Weinheim 2008, S. 332, ISBN 978-3-527-32009-7.</ref>
Stickstoffgehalt 16,98 %<ref name="Explosivstoffe"/>
Bleiblockausbauchung 31,5 cm3·g−1<ref name="Explosivstoffe2"/>
Detonationsgeschwindigkeit 7200 m·s−1<ref name="Explosivstoffe2"/>
Verpuffungspunkt 395–397 °C<ref name="Explosivstoffe2"/>
Schlagempfindlichkeit 16 Nm<ref name="Explosivstoffe2"/>
Reibempfindlichkeit bis 355 N Stiftbelastung keine Reaktion<ref name="Explosivstoffe2"/>

Reaktionen

Trinitrochlorbenzol reagiert mit vielen nukleophilen Verbindungen unter Substitution des Chloratoms. Mit wässriger Ammoniak-Lösung entsteht 2,4,6-Trinitroanilin. Die Reaktion mit Hyrazinhydrat liefert 2,4,6-Trinitrophenylhydrazin, das als analytisches Reagens zum Nachweis von Ketonen und Aldehyden verwendet wird.

Die genannten Substitionsreaktionen verlaufen nach einem Additions-Eliminierungs-Mechanismus. Der alte Vergleich mit den Carbonsäurechloriden ist insofern gerechtfertigt, weil in beiden Fällen eine nukleophile Substitution am ungesättigten Kohlenstoffatom vorliegt, die prinzipiell über Zwischenstufen mit sp3-hybridisiertem Kohlenstoff erfolgen. Bei der Reaktion mit Alkalialkoholaten wurden die Meisenheimer-Komplexe entdeckt.

Verwendung

Die Verbindung hat als Explosivstoff ähnliche Eigenschaften wie Trinitrotoluol, übertrifft dieses sogar an Brisanz. Sie wird aber trotzdem in der Praxis wenig verwendet.<ref name="Explosivstoffe2" />

Literatur

Einzelnachweise

<references />