1,2-Diaminocyclohexan
1,2-Diaminocyclohexan ist eine chemische Verbindung. Sie besteht aus einem Cyclohexanring als Grundgerüst, an dem zwei Aminogruppen an benachbarten Kohlenstoffatomen gebunden sind und gehört somit zur Gruppe der Diamine.
Isomerie
1,2-Diaminocyclohexan enthält zwei stereogene Zentren, folglich gibt es drei Stereoisomere: (R,R)-1,2-Diaminocyclohexan und das dazu spiegelbildliche (S,S)-1,2-Diaminocyclohexan sowie meso-1,2-Diaminocyclohexan. Das 1:1-Gemisch aus (R,R)- und der enantiomeren (S,S)-Form ist das Racemat trans-1,2-Diaminocyclohexan. meso-1,2-Diaminocyclohexan wird bisweilen auch cis-1,2-Diaminocyclohexan genannt.
| Stereoisomere von 1,2-Diaminocyclohexan | |||
| Name | (S,S)-1,2-Diaminocyclohexan | (R,R)-1,2-Diaminocyclohexan | (R*,S*)-1,2-Diaminocyclohexan |
| Andere Namen | trans-(+)-1,2-Diaminocyclohexan | trans-(–)-1,2-Diaminocyclohexan | cis-1,2-Diaminocyclohexan meso-1,2-Diaminocyclohexan |
| Strukturformel | Datei:Chair conformation of (S,S)-1,2-Diaminocyclohexane.svg | Datei:Chair conformation of (R,R)-1,2-Diaminocyclohexane.svg | Datei:Chair conformation of meso-1,2-Diaminocyclohexane.svg |
| CAS-Nummer | Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN |
| Vorlage:CASRN (unspez.) | |||
| EG-Nummer | – | – | – |
| 606-765-2 (unspez.) | |||
| ECHA-Infocard | Vorlage:ECHA | Vorlage:ECHA | Vorlage:ECHA |
| Vorlage:ECHA (unspez.) | |||
| PubChem | Vorlage:PubChem | Vorlage:PubChem | Vorlage:PubChem |
| Vorlage:PubChem (unspez.) | |||
| Wikidata | Q161459 | Q15605490 | Q15605498 |
| Q27165475 (unspez.) | |||
Darstellung
1,2-Diaminocyclohexan kann durch einen Curtius-Abbau von 1,2-Cyclohexandicarbonsäure<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> hergestellt werden.<ref>Heinrich Otto Wieland, Otto Schlichting, Werner von Langsdorff: Untersuchungen über die Gallensäuren. XXV. Mitteilung. Studien zum Abbau von Dicarbonsäuren. In: Hoppe-Seyler's Zeitschrift für physiologische Chemie, Bd. 161 (1926), S. 74–79. Vorlage:Doi</ref> Wird die trans-1,2-Cyclohexandicarbonsäure<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> als Edukt verwendet, sind die Aminogruppen im Produkt ebenfalls trans-ständig angeordnet. Ausgehend von cis-1,2-Cyclohexandicarbonsäure (meso-1,2-Cyclohexandicarbonsäure)<ref group="S">Vorlage:Substanzinfo</ref> erhält man analog cis-1,2-Diaminocyclohexan (meso-1,2-Diaminocyclohexan). Die Racematspaltung von trans-1,2-Diaminocyclohexan [1:1-Gemisch aus (R,R)-1,2-Diaminocyclohexan und (S,S)-1,2-Diaminocyclohexan] in seine Enantiomere lässt sich über diastereomere Salze durch die Behandlung mit enantiomerenreiner Weinsäure bewerkstelligen.<ref name="Jaeger">F. M. Jaeger, Lucas Bijkerk: Über komplexe Salze des dreiwertigen Kobalts, Chroms und Rhodiums mit razemischen und optisch-aktiven trans-Cyclohexan-1,2-Diaminen. In: Zeitschrift für anorganische und allgemeine Chemie, Bd. 233 (1937), S. 97–139. doi:10.1002/zaac.19372330202.</ref>
Das cis-1,2-Diaminocyclohexan (in Form seines Sulfat-Salzes) lässt sich aus dem Isomerengemisch durch Umsetzung mit Nickelchlorid und anschließender Behandlung mit Schwefelsäure und Ethanol gewinnen.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Eigenschaften
Es handelt sich um eine farblose bei Raumtemperatur flüssige Verbindung, die bei 183 °C siedet. Der Drehwert der reinen Substanz bei 55 °C und einer Wellenlänge von 589 nm beträgt −36° [(R,R)-Enantiomer].<ref name="Jaeger" />
Verwendung
Durch Kondensationsreaktionen mit α,β-Diketonen kann 1,2-Diaminocyclohexan zur Synthese von Pyrazinen benutzt werden. Unter Abspaltung von zwei Wassermolekülen werden so zunächst Diimine erhalten, die dann zu Pyrazinen oxidiert werden können.
Durch Kondensation mit aktivierten Carbonsäuren (Steglich-Veresterung) oder Carbonsäurechloriden können Carbonsäureamide hergestellt werden. Diese Reaktion wird beispielsweise zur Synthese des Trost-Liganden eingesetzt.<ref>Bernhard Johannes Lüssem: Palladium-katalysierte enantioselektive Synthese allylischer Thiocarboxylate und Palladium-katalysierte Deracemisierung allylischer Carbonate (PDF; 7,8 MB). Dissertation, RWTH Aachen 2004.</ref>
In der Komplexchemie kann 1,2-Diaminocyclohexan als zweizähniger Chelatligand dienen. So sind beispielsweise Oxaliplatinverbindungen, die als Zytostatika eingesetzt werden, Platinkomplexe des 1,2-Diaminocyclohexans.
Außerdem kondensiert 1,2-Diaminocyclohexan mit zwei Äquivalenten eines Salicylaldehyd-Derivats zu einem Salen-Liganden.<ref>Konstantin P. Bryliakov, Evgenij P. Talsi: Titanium-Salan-Catalyzed Asymmetric Oxidation of Sulfides and Kinetic Resolution of Sulfoxides with H2O2 as the Oxidant In: European Journal of Organic Chemistry, Jg. 11 (2008), S. 3369–3376, Vorlage:Doi.</ref> Diese vierzähnigen Chelatliganden bilden mit Cobalt(II) Komplexe, die als Sauerstofftransporter beispielsweise bei der Jacobsen-Epoxidierung Verwendung finden.
Einzelnachweise
<references />
Externe Links zu erwähnten Verbindungen
<references group="S" />