Šanta (Gott)
Šanta (keilschriftluwisch: dŠa-an-ta-<ref>Ritual des Zarpija von Kizzuwatna Zeile 84; Benjamin Schwartz, The Hittite and Luwian Ritual of Zarpiya of Kezzuwatna. Journal of the American Oriental Society 58/2, 1938, 334–353</ref>, sumerographisch auch dAMAR.UD; hieroglyphenluwisch: (DEUS) sà-ta<ref>KULULU2, A1-B2, nach J. D. Hawkins, The Hieroglyphic Luwian Word “to die”. Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung 94, 1/2 1980, 113</ref>; lydisch Śãntaś, und möglicherweise lykisch Ḫãta) war ein luwischer Gott.
Verehrung
Die Verehrung des Gottes ist durch theophore Namen belegt, wie zum Beispiel Šanta als althethitischer Befehlshaber,<ref name="Santas">Maciej Popko: Völker und Sprachen des Alten Anatoliens, https://www.sorbzilla.de/aorient/voelkersprachenanatol.pdf, S. 58 </ref> oder Sanduarri, ein Herrscher von Issos im frühen 7. Jahrhundert v. Chr.<ref name="Bing">J. D. Bing, Alexander's Sacrifice dis praesidibus loci before the Battle of Issus. Journal of Hellenic Studies 111, 1991, 150</ref> Als Frauenname ist hethitisch Šanta-wiya „Frau des Gottes Šanta“ belegt.<ref>Maciej Popko, Völker und Sprachen des Alten Anatoliens, https://www.sorbzilla.de/aorient/voelkersprachenanatol.pdf, S. 15 </ref> Götze führt weitere theophische Namen auf.<ref>Albrecht Goetze, The linguistic Continuity of Anatolia as shown by its Proper Names. Journal of Cuneiform Studies 8/2, 1954, 53</ref> Ferner wird der spätluwische Santa in einigen Fluchformeln angerufen. „Karhuhas, Kupapas und Santas [sollen zornig auf ihn sein]“ fordert eine luwische Inschrift auf dem Fragment einer Steinschale.<ref>J. D. Hawkins, Kubaba at Karkamiš and elsewhere. Anatolian Studies 31, 1981, 174; Inschrift 31b</ref>
Geschichte
Šanta erscheint in theophoren Personennamen bereits in Texten aus dem Karum Kaneš (vor 1720 v. Chr.).<ref>Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 26 f.</ref> Der erste Nachweis des Gottes aus dem hethitischen Bereich stammt aus dem Vasallenvertrag zwischen Šuppiluliuma I. und Ḫuqqana von Ḫayaša.<ref name="haas"> Volkert Haas: Geschichte der hethitischen Religion, Brill academic pub., ISBN 978-9004097995, S. 408 Online </ref> In der Fluchformel werden außer Šanta die Innarawanteš-Götter (luwisch Annarumenzi) angerufen.<ref>KUB 9.31 Vs I, II</ref>
Funktion
Furlani wollte in Šanta den Hauptgott des luwischen Pantheons sehen und setzte ihn mit dem Wettergott sowie mit dem hurritischen Teššub gleich.<ref>G. Furlani, La Religione degli Ittiti, Bologna 1936</ref> Die Schreibweise von Šanta als „Stierkalb der Sonne“, dAMAR.UD, dem Sumerogramm für Marduk<ref name="haas" /> könnte auf eine Gleichsetzung der beiden hindeuten.
Im Ritualtext des Zarpiya von Kizzuwatna gegen die Pest wird er König genannt.<ref>Zeile 84; Benjamin Schwartz, The Hittite and Luwian Ritual of Zarpiya of Kezzuwatna. Journal of the American Oriental Society 58/2, 1938, 334–353</ref> Auch hier tauchen die „blutigen“ Annarumenzi auf, die die Gürtel der Bergbewohner tragen und gespannte Bögen halten. Šanta findet sich häufiger in Gesellschaft eines Gottes, der mit dem Sumerogramm dZababa benannt wird, wohl der luwische Gott Iyarri<ref>Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 100.</ref>, ein Gott der Kriege und Seuchen. Sowohl Šanta als auch Iyarri tragen Bögen und Pfeile mit sich. Sie finden sich in der Gesellschaft der Marwainzi-Gottheiten, der „Dunklen“.<ref>Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 113.</ref> In einem Staatsvertrag Šuppiluliumas I. wird Šanta direkt nach den Kriegsgöttern und vor den Unterweltgottheiten Allatu (Lelwani) und Sonnengöttin der Erde aufgeführt, was als Hinweis darauf gesehen werden kann, dass sich in Šanta sowohl kriegerische als auch unterweltliche Aspekte vereinten.<ref>Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 113 f.</ref> Šanta nahm eine bedeutende Stelle bei der Verehrung der großen See und des mysteriösen tarmana-Meeres in einem Ritual aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. ein.<ref>Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 114.</ref><ref>Volkert Haas: Geschichte der hethitischen Religion (= Handbuch der Orientalistik. Band 1,15). Brill, Leiden 1994, ISBN 978-9-004-09799-5. S. 467</ref> In lokalen Kulten galt die Quellgöttin Iyaya als Šantas Begleiterin.
Eine eisenzeitliche Grabinschrift aus Tabal berichtet, dass der ungenannte Bestattete durch Santa, essend und trinkend im Bett verstarb,<ref>J. D. Hawkins, The Hieroglyphic Luwian Word “to die”. Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung 94, 1/2 1980, 113</ref> was vielleicht ein Hinweis auf seine Stellung als Totengott ist. In einer anderen hieroglyphen-luwischen Inschrift aus dem ersten Jahrtausend v. Chr. ruft ein gewisser Panuni Santa und die Marwainzi an, dass sie seine Grabstele schützen mögen.<ref>Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 114.</ref>
Sanda war in assyrischer Zeit der Stadtgott von Tarsus.<ref>Stephanie Dalley, Sennacherib and Tarsus. Anatolian Studies 49 (Anatolian Iron Ages 4, Proceedings of the Fourth Anatolian Iron Ages Colloquium held at Mersin, 19-23 May 1997) 1999, 74</ref>
Nachleben
Im antiken Kilikien lebte der Kult des Sandan weiter,<ref>Maciej Popko, Völker und Sprachen des Alten Anatoliens, https://www.sorbzilla.de/aorient/voelkersprachenanatol.pdf, S. 58 </ref> der mit dem griechischen Herakles synkretisiert wurde.<ref>Réne Lebrun, L'Anatolie et le monde phénicien du Xe au IVe siècle av. J.-C. In: E. Lipiński, Studia Phoenicia 5, Phoenicia and the East Mediterranean in the First Millennium B C. Louvain 1987, 23–33</ref>
Siehe auch
Literatur
- Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Harrassowitz, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-447-05885-8.
Einzelnachweise
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