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Äthiopischer Kalender

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Der äthiopische Kalender ist eine Variante des koptischen Kalenders. In der Jahreszählung ist der äthiopische Kalender dem Koptischen um 276 Jahre voraus. Er wird in Äthiopien und bei Dokumenten der äthiopischen und eritreischen orthodoxen Tewahedo-Kirche verwendet.

Jahreszählung

Die äthiopische Jahreszählung läuft dem gregorianischen Kalender 7 Jahre und etwa 8 Monate hinterher. Dadurch fällt etwa das äthiopische Neujahrsfest Enkutatasch in den September. In den Jahren 1900 bis 2100 gregorianischer Zeitrechnung beginnt das äthiopische Kalenderjahr im Allgemeinen am 11. September, das Jahr nach einem äthiopischen Schaltjahr dagegen am 12. September (das ist der 12. September vor einem gregorianischen Schaltjahr). So begann beispielsweise am 12. September 2007 das äthiopische Jahr 2000.

Da der äthiopische Kalender so wie der julianische, im Unterschied zum gregorianischen, keine Ausnahmen vom Vierjahreszyklus der Schaltjahre kennt, sind christliche Feiertage zu denen der westlichen Kirchen zeitversetzt. Innerhalb jedes nach den vier Evangelisten benannten Vierjahreszyklus ist ein Schaltjahr (z. B. das äthiopische Jahr 1999) ein {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} ‚Jahr des Lukas‘.<ref>Emmanuel Fritsch: The liturgical year and the lectionary of the Ethiopian Church, in: Warszawskie studia teologiczne, XII/2/1999, 71–116 (S. 72)</ref>

Die Zeitrechnung wird wie im gregorianischen Kalender auf Christi Geburt zurückgeführt. Der Unterschied in der Jahreszählung beruht auf einem Festhalten der Äthiopier am vor-dionysianischen Geburtsjahr Christi, das 5500 Jahre nach dem damals angenommenen Datum der Schöpfung angesetzt wurde. Epoche ist der 29. August 8 n. Chr. im julianischen Kalender. Die Jahre nach Christi Geburt werden mit {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} ({{#invoke:Vorlage:lang|flat}} ‚Jahr der Gnade‘) gekennzeichnet (Jahre in europäischer Zeitrechnung demgegenüber mit {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} = {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} ‚nach europäischem Kalender‘).

Jahre vor dem Jahr 1 werden bei rückwärtiger Zählung mit {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} gekennzeichnet (Abkürzung für {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} ‚Jahre vor Christi Geburt‘; das Jahr des legendären Regierungsantritts von Menelik I. 975 v. Chr. wäre also beispielsweise 982 ʿaKlǝbä). Bei traditioneller Zählung wird für diese Jahre die alexandrinische Weltära benutzt, die im Jahr 5493 v. Chr. beginnt. Die so gezählten Jahre werden mit {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} (‚Jahr der Welt‘, kurz {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}), {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} (‚Jahr der Schöpfung‘), {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} (‚Jahr von Adam‘) oder {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} (‚Jahr des Unheils‘) bezeichnet.<ref>Emmanuel Fritsch: The liturgical year and the lectionary of the Ethiopian Church, in: Warszawskie studia teologiczne, XII/2/1999, 71–116 (S. 74)</ref>

Monate

Wie der Koptische Kalender zählt der äthiopische 13 Monate, wobei die ersten 12 jeweils 30, der 13., der Schaltmonat (Ṗagumen, von griechisch: Epagomenen) hingegen 5 bzw. 6. Tage dauert.

Die letzte Spalte gibt den Beginn eines Monats für den Zeitraum zwischen dem September vor einem (gregorianischen) Schaltjahr bis zum Februar eines Schaltjahres an, zum Beispiel zwischen September 2007 und Februar 2008:

Altäthiopisch (und Tigrinya, Amharisch) Koptisch Beginn nach greg. Kalender Beginn vor/in Schaltjahr
Mäskäräm Tut 11. September 12. September
Ṭəqəmt Babah 11. Oktober 12. Oktober
Ḫədar Hatur 10. November 11. November
Taḫśaś Kiyahk 10. Dezember 11. Dezember
Ṭərr Tubah 9. Januar 10. Januar
Yäkatit (Tn. Läkatit) Amshir 8. Februar 9. Februar
Mägabit Baramhat 10. März
Miyazya Baramundah 9. April
Gənbot Bashans 9. Mai
Säne Ba'unah 8. Juni
Ḥamle Abib 8. Juli
Nähase Misra 7. August
Ṗagumen Nasi 6. September

(Anmerkung: Diese Daten sind nur vom Jahr 1900 bis ins Jahr 2100 gültig.)

Monatliche kirchliche Feiertage

Da alle Monate dieselbe Anzahl von 30 Tagen aufweisen, wird jedem der 30 Tage ein bestimmter kirchlicher Feiertag zugewiesen. Die monatlichen Feiertage haben ihren Bezug zu den Feiertagen des Jahresfestkreises. Kirchen, deren Tabot der betreffenden Person oder dem betreffenden Ereignis geweiht ist, feiern an jedem monatlichen Feiertag des Jahres ein Fest. Der 12., 21. und 29. jedes Monats (fett unterlegt) sind allgemeine Feiertage:

  1. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} (lïdät) – Geburt Mariens
  2. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Thaddäus und {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Abba Guba, einer der Neun Heiligen
  3. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} (ba’ata) – Eintritt Mariens in den Tempel
  4. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Johannes, „Sohn des Donners“
  5. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Abunä Gabrä Mänfäs Qïddus und {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Petrus und Paulus
  6. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} (iyäsus) – Jesu Namen (den er bei seiner Beschneidung erhalten hat) und {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} Qwesqwam-Kloster, in dem die Heilige Familie sechs Monate und 10 Tage verbracht haben soll
  7. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} (sïlasie) – Heilige Dreifaltigkeit
  8. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Abba Kiros
  9. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Thomas und {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – die „300“ Konzilsväter von Nizäa
  10. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} (mäsqäl) – Kreuzfest
  11. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Hanna und {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Claudius
  12. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}Michael
  13. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Zar’a Burak (der Diener von Abunä Gäbrä Mänfäs Qïddus)
  14. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Abuna Aragawi (einer der Neun Heiligen) und {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Gäbrä Krïstos, der Einsiedler
  15. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} (qirqos) – Cyriacus
  16. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} (kidanä mïhrät) – der Bund der Barmherzigkeit
  17. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Stefan und {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Abba Garima (einer der Neun Heiligen)
  18. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} (Ewostatewos) – Eustachius
  19. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Gabriel
  20. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} (hïndätä betä krïstiyan bäsïma) – die Errichtung der Marienkirche in Philippi
  21. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} (ïgzï’ïtna maryam) – Unsere Frau Maria
  22. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Ildefons von Toledo
  23. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Georg von Lydda
  24. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Abunä Täklä Haymänot
  25. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Mercurius
  26. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Frumentius, genannt Abba Sälama
  27. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} (mädhane ’aläm) – Erlöser der Welt
  28. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Amanu’el und {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Abraham, Isaak und Jakob
  29. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} oder {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} (bä’al ’ïgzio / bä’al wäld) – Fest Gottes bzw. Fest des Sohnes
  30. {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} – Markus

Siehe auch

Literatur

  • Emmanuel Fritsch: The Liturgical Year of the Ethiopian Church. The Temporal: Seasons and Sundays. St. Francis Major Seminary, Addis Abeba 2001 (Ethiopian Review of Cultures, Special Issue Band 9–10, {{#if: {{#if: | {{#invoke:TemplUtl|faculty|{{{suffix}}}}} }}
 | {{#if:trim|2007294-6}}. In: Zeitschriftendatenbank (ZDB).
 | {{#if: {{#if:  | {{#invoke:TemplUtl|faculty|{{{kurz}}}}} }}
     |
     | ZDB-ID 
   }}2007294-6

}}{{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty|}} | | {{#if: {{#invoke:URIutil|isDNBvalid|2007294-6|ZDB}} | | ZDB-ID ungültig{{#ifeq: 0 | 0 | }}}}}}).

  • Friedrich Karl Ginzel: Handbuch der mathematischen und technischen Chronologie. Das Zeitrechnungswesen der Völker. Band 3: Zeitrechnung der Makedonier, Kleinasier und Syrer, der Germanen und Kelten, des Mittelalters, der Byzantiner (und Russen), Armenier, Kopten, Abessinier, Zeitrechnung der neueren Zeit, sowie Nachträge zu den drei Bänden. J. C. Hinrichs, Leipzig 1906.

Einzelnachweise

<references />