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Ähriger Ehrenpreis

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Ähriger Ehrenpreis
Datei:PseudolysimachionSpicatum.jpg

Ähriger Ehrenpreis (Veronica spicata subsp. spicata)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Tribus: Veroniceae
Gattung: Ehrenpreis (Veronica)
Art: Ähriger Ehrenpreis
Wissenschaftlicher Name
Veronica spicata
L.

Ähriger Ehrenpreis (Veronica spicata; neu: Pseudolysimachion spicatum), auch Ähriger Blauweiderich oder Ähren-Blauweiderich genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Ehrenpreis (Veronica) bzw. Blauweideriche (Pseudolysimachion) innerhalb der Familie Wegerichgewächse (Plantaginaceae).<ref name="InfoFlora" /> Diese seltene Pflanzenart gedeiht auf trocken-mageren Standorten in Eurasien.

Beschreibung

Datei:Veronica spicata sl6.jpg
Habitus, Laubblätter und Blütenstände

Vegetative Merkmale

Beim Ährigen Ehrenpreis handelt es sich um eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 15 bis 40, selten bis 80 Zentimetern erreicht. Die aufrechten, drüsig-behaarten Stängel weisen im oberen Teil waagerecht abstehende oder aufwärts gekrümmte Haare (Trichome) auf. Die Laubblätter sind gegenständig am Stängel angeordnet. Die stumpflich-lanzettlichen, behaarten Blattspreiten sind am Rand gekerbt gesägt, weiter oben auch ganzrandig.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juni bis September. In den auffälligen, langen, ährigen Blütenständen stehen viele Blüten zusammen. Die Blütenstiele sind kürzer als die Tragblätter und weisen Drüsenhaare auf.

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph mit doppelter Blütenhülle. Die Blütenkelche sind behaart. Die hellblauen bis dunkel-blaulilafarbenen Kronblätter sind trichterförmig verwachsen, wobei die Kronröhre länger ist als breit.

Es werden Kapselfrüchte gebildet.

Chromosomenzahl

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 34, 56 oder 68.<ref name="IPCN" />

Datei:Bombus norvegicus - Veronica spicata - Keila.jpg
Blütenbesuch von Bombus norvegicus

Ökologie

Der Ährige Ehrenpreis ist ein Hemikryptophyt und eine Halbrosettenpflanze oder ein krautiger Chamaephyt.<ref name = "Düll2011" />

Die Bestäubung erfolgt durch Bienenverwandte, Falter und Zweiflügler. Nachbarbestäubung ist möglich.<ref name="Düll2011" /> Die Kapselfrüchte wirken als Wind- und Tierstreuer. Die Samen sind Lichtkeimer. Fruchtreife beginnt ab September.<ref name="Düll2011" />

Datei:Flora Parisiensis (Plate 12) (6055470019).jpg
Illustration aus Flora Parisiensis, 1776, Tafel 12

Vorkommen, Standort und Gefährdung

Veronica spicata ist eurasisch-kontinentales Florenelement, bei der Unterart Veronica spicata subsp. orchidea gemäßigt kontinental-ostmediterran. Als Länder mit Fundorten werden Dänemark, Finnland, Norwegen, das Vereinigte Königreich, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien, Frankreich, Spanien, Polen, Ungarn, die ehemalige Tschechoslowakei, das ehemalige Jugoslawien, Albanien, Bulgarien, Rumänien, die Türkei, Armenien, Aserbaidschan, Ciscaucasien, Dagestan, der westliche Teil des östlichen Sibiriens, das westliche Sibirien, Kasachstan, Kirgisistan, Belarus, die baltischen Republiken, Moldawien, der europäische Teil Russlands, die Ukraine (inklusive der Krim), und das nördliche Xinjiang angegeben<ref name="GRIN" />.

In Deutschland befindet sich der Verbreitungsschwerpunkt im nordostdeutschen Tiefland; darüber hinaus ist diese Art nur sehr lückig in warmen Tieflagen verbreitet oder fehlt ganz.

In Österreich tritt der Ährige Ehrenpreis im pannonischen Gebiet zerstreut auf, sonst selten bis sehr selten. Die Vorkommen erstrecken sich auf alle Bundesländer außer Vorarlberg. In Salzburg sind nur unbeständige Vorkommen bekannt.

Der Ährige Ehrenpreis wächst in besonnten Trocken- und Magerrasen, auf Schotterflächen, Dünen, Felsköpfen und im Saum lichter, wärmebegünstigter Gebüsche. Die Standorte zeichnen sich durch trockene, nährstoffarme, basenreiche, oft kalkarme, humose Stein- oder Sandböden aus. Im pflanzensoziologischen System ist Ähriger Ehrenpreis eine Klassencharakterart der Schwingel-Steppen und Trespen-Rasen (Festuca-Brometea); die Unterart Veronica spicata orchidea gedeiht in wechseltrockenen Pfeifengras- und Halbtrockenrasen-Gesellschaften.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1+ (trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 5 (kontinental).<ref name="InfoFlora" />

Die Art Veronica spicata ist nach der Bundesartenschutzverordnung „besonders geschützt“ und wird beispielsweise in der Roten Liste Deutschlands als „gefährdet“ eingestuft.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Schmeil und Fitschen2024" />

Systematik und Verbreitung

Die Erstveröffentlichung von Veronica spicata erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 10.<ref name="SpPl" /><ref name="Tropicos" /> Synonyme für Veronica spicata <templatestyles src="Person/styles.css" />L. sind: Pseudolysimachion spicatum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Opiz, Veronica barrelieri <templatestyles src="Person/styles.css" />Schult., Veronica hololeuca <templatestyles src="Person/styles.css" />Juz., Veronica orchidea <templatestyles src="Person/styles.css" />Crantz.

Veronica spicata gehört zur Untergattung Pseudolysimachium in der Gattung Veronica. Die Gattung Ehrenpreis (Veronica) gehört heute zur Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae); früher zur Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae) oder Veronicaceae.<ref name="GRIN" />

Je nach Autor gibt es einige Unterarten (Auswahl):<ref name="Euro+Med" />

  • Veronica spicata <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. spicata: Sie ist weit verbreitet.
  • Veronica spicata subsp. fischeri <templatestyles src="Person/styles.css" />(Trávn.) Albach: Sie kommt in Italien, im früheren Jugoslawien, in Ungarn, Rumänien und in der Slowakei vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Veronica spicata subsp. lanisepala <templatestyles src="Person/styles.css" />(Travn.) Albach: Dieser Endemit kommt nur in Kroatien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Veronica spicata subsp. viscosula <templatestyles src="Person/styles.css" />(Klokov) Assejeva: Sie kommt nur in der Ukraine vor.<ref name="Euro+Med" />

Bei der Unterart Veronica spicata subsp. spicata (in Deutschland ist dies die einzige vorkommende Unterart) sind die Blätter matt, die Kronzipfel mehr oder weniger flach und die Blütenfarbe ist ein tiefdunkles Blau. Die Pflanzen bleiben mit maximal rund 30 Zentimetern relativ klein.

Bei der Unterart Veronica spicata subsp. orchidea (die beispielsweise in Österreich in Niederösterreich, im Burgenland, in der Steiermark und in Salzburg vorkommt<ref name="Schmeil und Fitschen2024" />) sind die Blätter nur spärlich behaart und glänzend-ledrig, die unteren Kronzipfel sind schraubig gedreht und die Blütenfarbe ist ein Hellblau (bis Violett). Auch werden diese Pflanzen mit 30 bis 80 Zentimetern deutlich höher als die Nominatform. Sie wird von manchen Autoren als eigene Art angesehen: Veronica orchidea <templatestyles src="Person/styles.css" />Crantz.<ref name="Euro+Med" />

Datei:Veronica spicata Glory 1.jpg
Die Gartenzuchtform ‘Glory’

Nutzung

Einige Sorten des Ährigen Ehrenpreis werden in den gemäßigten Gebieten als Zierpflanzen in Parks und Gärten verwendet.

Verwechslungsmöglichkeit

Man beachte auch die relativ ähnliche verwandte Art Langblättriger Ehrenpreis (Veronica longifolia) Syn.: Langblättriger Blauweiderich (Pseudolysimachion longifolium), die allerdings meist an feuchten Standorten zu finden ist und deren Stängelblätter spitz zulaufend und am Rand scharf gesägt sind.

Literatur

  • Werner Rothmaler (Begr.), Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel: Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Band 2: Gefäßpflanzen. 12. Auflage. Volk und Wissen, Berlin 1983.

Einzelnachweise

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. </ref> <ref name="Tropicos"> Veronica spicata bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="IPCN"> Veronica spicata bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Pseudolysimachion spicatum (L.) Opiz In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="FloraWeb"> Veronica spicata L., Ähriger Ehrenpreis. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Düll2011"> </ref> <ref name="SpPl"> Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Impensis Laurentii Salvii, Holmiae 1753, S. 10. Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D1%26issue%3D%26spage%3D10%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D </ref> <ref name="Euro+Med"> Karol Marhold, 2011: Plantaginaceae.: Datenblatt Veronica spicata In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024">Michael Koltzenburg: Veronica. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7. S. 669.</ref> </references>

Weiterführende Literatur

  • G. B. Wilson, L. Houston, W. J. Whittington, R. N. Humphries: Biological Flora of the British Isles No. 213. Veronica spicata L. ssp. spicata and ssp. hybrida (L.) Gaudin (Pseudolysimachium spicatum (L.) Opiz). In: Journal of Ecology. Band 88, Nummer 5, 2000, S. 890–909, DOI:10.1046/j.1365-2745.2000.00501.x.
  • Heinz Ellenberg: Zeigerwerte der Gefäßpflanzen Mitteleuropas. In: Scripta Geobotanica. Band 9. 2., verbesserte Auflage. Erich Goltze, Göttingen 1979.

Weblinks

Commons: Ähriger Ehrenpreis (Veronica spicata) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien