Zum Inhalt springen

Bernd Neumann (Politiker)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 28. November 2025 um 10:19 Uhr durch imported>Windharp (Abschnittlink korrigiert).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Bernd Neumann 2009.jpg
Bernd Neumann

Bernd Otto Neumann (* 6. Januar 1942 in Elbing)<ref name=":0">Bernd Neumann - Profil bei abgeordnetenwatch.de. Abgerufen am 28. September 2022.</ref> ist ein früherer deutscher Politiker (CDU) und war von 2014 bis 2025 Präsident der Filmförderungsanstalt (FFA).<ref>Profil Bernd Neumann. In: Angabe Filmförderungsanstalt. Abgerufen am 29. August 2015.</ref> Bei der FFA-Verwaltungsratssitzung am 16. Oktober 2025 wurde er zum FFA-Ehrenpräsidenten ernannt.<ref>Pressemitteilung Filmförderungsanstalt. Abgerufen am 17. Oktober 2025.</ref>

Von 1991 bis 1994 war Neumann Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Forschung und Technologie und von 1994 bis 1998 beim Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie. Von 2005 bis 2013 war Neumann Staatsminister bei der Bundeskanzlerin und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien (Kulturstaatsminister).<ref>Bernd Neumann. In: Der Spiegel. 12. Februar 2006, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 20. September 2022]).</ref><ref name=":1">Bernd Neumann | CDU Bremen. Abgerufen am 20. September 2022.</ref>

Biografie

Familie, Ausbildung und Beruf

Nach der Vertreibung aus Westpreußen kam die dreiköpfige Familie Neumann im Winter 1945 mit einem Flüchtlingstreck in die Lüneburger Heide. Die Eltern verdienten zunächst den Lebensunterhalt in der Landwirtschaft. 1953 zog die Familie nach Bremen, wo Neumann seine weitere Kindheit und Jugend verbrachte. Nach dem Abitur 1961 am Gerhard-Rohlfs-Gymnasium in Vegesack leistete er zunächst seinen Wehrdienst.<ref name=":2">Bernd Neumann - Munzinger Biographie. Abgerufen am 28. September 2022.</ref> Von 1963 bis 1966 studierte er an der Pädagogischen Hochschule Bremen. Anschließend war er als Realschullehrer in der Schule an der Kerschensteinerstraße<ref>Bremen-Nord ist für den bisherigen Kulturstaatsminister Bernd Neumann eine neue Welt von Patricia Brandt am 21. Dezember 2013 Weser-Kurier.</ref> in Bremen-Vegesack tätig. 1971 wurde Neumann für seine politischen Tätigkeiten vom Dienst beurlaubt.<ref name=":2" />

Neumann ist in zweiter Ehe verheiratet und hat zwei Kinder.<ref name=":0" /><ref>Kulturstaatsminister Bernd Neumann im Krankenhaus. Abgerufen am 19. Oktober 2022.</ref>

Politik

Partei

Seit 1962 ist Neumann Mitglied der CDU.<ref name=":3">Der Parteichef und Filmförderer. Abgerufen am 19. September 2022.</ref> Hier engagierte er sich zunächst in der Jungen Union, deren Landesvorsitzender in Bremen er von 1967 bis 1973 war. Von 1969 bis 1973 gehörte er auch dem JU-Bundesvorstand an, seit 1971 als stellvertretender Bundesvorsitzender.<ref name=":1" /><ref name=":2" />

Neumann ist seit 1967 Mitglied des bremischen CDU-Landesvorstandes. Von 1979 bis 2008 war er Landesvorsitzender der CDU Bremen<ref name=":1" /> und damit bundesweit der am längsten amtierende in der Geschichte der Partei.<ref name=":3" /> Bei den Bürgerschaftswahlen 1975, 1979 und 1983 war Neumann Spitzenkandidat der CDU für das Amt des Bürgermeisters und Präsidenten des Senats der Stadt Bremen, konnte sich jedoch bei allen drei Wahlgängen nicht gegen Amtsinhaber Hans Koschnick (SPD) durchsetzen.<ref name=":3" /><ref>Bernd Neumann. In: Geschichte der CDU. 5. Januar 1942 (kas.de [abgerufen am 27. September 2022]).</ref> Von 1975 bis 2008 gehörte Neumann auch dem CDU-Bundesvorstand an, sein Nachfolger wurde Thomas Röwekamp.<ref>KLAUS WOLSCHNER: Ein Neustart bei der CDU. In: Die Tageszeitung: taz. 19. Mai 2008, ISSN 0931-9085, S. 24 (taz.de [abgerufen am 19. Oktober 2022]).</ref><ref>Bremen: Röwekamp ist neuer CDU-Landesvorsitzender. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 19. Oktober 2022]).</ref>

Abgeordneter

Von 1971 bis 1987 gehörte Neumann der Bremischen Bürgerschaft an.<ref name=":1" /> Hier war er ab 1973 Vorsitzender der CDU-Fraktion.<ref>Bernd Neumann - FFA Filmförderungsanstalt - German Federal Film Board. Abgerufen am 19. Oktober 2022.</ref>

Von 1987 bis 2013 war Neumann Mitglied des Deutschen Bundestages.<ref name=":4">Wegen Krankheit: Neumann gibt sein Amt als Kulturstaatsminister auf. In: Die Welt. 23. Oktober 2013 (welt.de [abgerufen am 27. September 2022]).</ref> Hier war er von 1998 bis 2005 Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Ausschuss für Kultur und Medien.<ref name=":3" /><ref name=":5">Bernd Neumann. Abgerufen am 28. September 2022.</ref>

Bernd Neumann ist stets über die Landesliste Bremen in den Bundestag eingezogen. Sein Heimatwahlkreis ist Bremen II – Bremerhaven. Bei der Bundestagswahl 2013 trat er nicht mehr an.<ref>Mohr-Lüllmann will kandidieren. In: weser-kurier.de. 21. Februar 2021, abgerufen am 6. März 2024.</ref>

Öffentliche Ämter

Datei:Staatsminister Bernd Neumann.jpg
Bernd Neumann während einer Rede (2010)

Am 24. Januar 1991 wurde Neumann als Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Forschung und Technologie in das von Bundeskanzler Helmut Kohl nach der Bundestagswahl 1990 Tage zuvor gebildete Kabinett Kohl IV berufen. Nach der Bundestagswahl im Oktober 1994 wechselte er in gleicher Funktion zum Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie.<ref>Eckhard Fuhr: Kulturpolitik: Bernd Neumann ist der König der Kultur. In: Die Welt. 16. September 2013 (welt.de [abgerufen am 21. September 2022]).</ref> Nach der Bundestagswahl 1998 (Regierungswechsel Kabinett Kohl V => Kabinett Schröder I) schied er am 26. Oktober 1998 aus dem Amt.

Am 22. November 2005 wurde Neumann zum Staatsminister im Bundeskanzleramt und Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ernannt und amtierte bis zum 17. Dezember 2013.<ref name=":4" /> Seine Amtszeit fand bei Kulturschaffenden und auch Oppositionellen Anklang und kann als im Stillen erfolgreich beschrieben werden. Besonders unterstützt wurde von ihm der deutsche Film.<ref>Bernd Neumann, das Phantom im Ausnahmeressort. In: zeit.de. 15. September 2013, abgerufen am 29. August 2015: „So unauffällig Bernd Neumann seinen Aufgaben nachgeht, so erfolgreich ist er. Seit er 2005 von Angela Merkel als Staatsminister für Kultur und Medien ins Kanzleramt geholt wurde, loben sowohl Kulturschaffende als auch Oppositionelle seine Arbeit.“</ref><ref>Acht nette Jahre. In: tagesspiegel.de. 23. Oktober 2013, abgerufen am 29. August 2015.</ref>

Von 2006 bis 2017 war er als Vertreter des Bundes im ZDF-Verwaltungsrat.<ref name=":5" />

Zum 1. Januar 2007 rief er den Deutsche Filmförderfonds (DFFF) mit dem Ziel ins Leben, deutsche Produktionen zu unterstützen und wettbewerbliche Nachteile gegenüber Ländern wie England oder Frankreich auszugleichen.<ref>Der Mann für das Eingemachte. In: tagesspiegel.de. 30. Januar 2015, abgerufen am 29. August 2015.</ref>

Anfang November 2009 geriet Neumanns Behörde in die öffentliche Kritik, nachdem Medien über die Zensur von Ausstellungstexten des ihrem Zuständigkeitsbereich unterstellten Deutschen Historischen Museums berichtet hatten.<ref>Bericht. In: Tagesspiegel. 12. November 2009 (archive.org).; Bericht der Wochenzeitung Die Zeit vom 13. November 2009.</ref>

Neumann war bis 2013 Vorsitzender des Aufsichtsrates der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH<ref>KBB: Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB). Abgerufen am 24. März 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> sowie Vorsitzender des Stiftungsrates der Kulturstiftung des Bundes, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz<ref>Aktueller Stiftungsrat - Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Abgerufen am 24. März 2021.</ref> und des Jüdischen Museums.<ref>Stiftungsrat des Jüdischen Museums Berlin. Abgerufen am 24. März 2021.</ref> Ihm folgte jeweils seine Nachfolgerin im Amt des Staatsministers Monika Grütters nach.

Neumann war am 12. Februar 2014 auf der konstituierenden Sitzung des FFA-Verwaltungsrats zum neuen Vorsitzenden und damit zugleich zum Vorsitzenden des FFA-Präsidiums gewählt worden (damit Nachfolger von Eberhard Junkersdorf).<ref name=":5" /><ref>[1], abgerufen am 4. November 2022</ref> Bei der konstituierenden Sitzung des FFA-Verwaltungsrats am 16. Oktober 2025 kandidierte Neumann nicht mehr für den Vorsitz; als seine Nachfolgerin wurde Kirsten Niehuus gewählt und er zum FFA-Ehrenpräsidenten ernannt.<ref>Pressemitteilung Filmförderungsanstalt. Abgerufen am 17. Oktober 2025.</ref>

Vorgehen gegen Abmahnkostendeckelung

Im Februar 2013 setzte sich Neumann intern gegen das geplante „Anti-Abzock-Gesetz“ der Bundesregierung (Kabinett Merkel II) ein, das Verbraucher vor den Auswüchsen des Abmahnens zur Gewinnerzielung (anstatt zum Sicherstellen der Unterlassung) schützen soll. Der Entwurf solle nochmals abgeändert werden: Zu unrecht Abgemahnte sollen nur noch eingeschränkt Anspruch auf die Erstattung ihrer Anwaltskosten haben, die Deckelung des Streitwerts ebenfalls über vage formulierte Ausnahmen abgeschwächt werden.<ref>Bericht bei Spiegel Online vom 12. Februar 2013</ref> (Näheres hier)

Rede zum 80. Jahrestag der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten

Ebenfalls 2013 betonte Neumann angesichts unzureichender Kenntnisse der jüngeren Generation zur Unterscheidung von Demokratie und Diktatur die Wichtigkeit der Beschreibung der Grundlagen und Ausgangspunkte des Entstehens totalitärer Systeme. Die Herstellung von Gegenwartsbezügen sei gemäß Neumann keine Relativierung von früheren Geschehnissen, sondern ermögliche den kritischen Blick auf beunruhigende, denen der 1920er Jahre gleichende, Entwicklungen.<ref>Wolfgang Mück: NS-Hochburg in Mittelfranken. Das völkische Erwachen in Neustadt a. d. Aisch 1922–1933. Schmidt, Neustadt an der Aisch 2016 (= Streiflichter aus der Heimatgeschichte. Hrsg. vom Geschichts- und Heimatverein Neustadt a. d. Aisch e. V., Sonderband 4), 3., erweiterte Auflage ebenda 2016, ISBN 978-3-87707-990-4, S. 3.</ref>

Kritik

Kontroverse über die Behandlung von Gedichten des Schriftstellers Erich Fried

Am 3. November 1977 beriet die Bremer Bürgerschaft über einen Antrag der Bremer CDU, Erich Frieds Gedichte aus dem Lehrplan zu streichen. Fried hatte sich in dem Gedicht Die Anfrage gegen die Hetzjagd gegen die RAF und Ulrike Meinhof gewandt. Neumann bezeichnete derartige Werke "als grundgesetzwidrig" und sagte, provoziert durch einen Zwischenruf, „so etwas würde ich lieber verbrannt sehen“". Kurz nach dieser Äußerung entschuldigte er sich bei Fried, der die Entschuldigung annahm.<ref>Streichhölzer für den Kulturstaatsminister, Lausitzer Rundschau. 24. November 2005, abgerufen am 12. Mai 2021.</ref><ref>Bernd Neumann stellt Kritik an Erich Fried klar, Berliner Morgenpost. 24. November 2005, abgerufen am 12. Mai 2021.</ref><ref>Neun gegen Neumann, die tageszeitung. 23. Januar 2011, abgerufen am 12. Mai 2021.</ref>

Digitalisierungsförderung der Filmtheater

Neumann wird vorgeworfen, als Kulturstaatsminister im Zuge der Digitalisierung der Filmtheater kleine Kinos als „Drop-Outs“ bezeichnet und damit impliziert zu haben, dass diese nicht gefördert werden sollten.<ref>Interview mit „Drop-Out Cinema“-Gründer Jörg van Bebber. In: highnoon film-e-zine. 8. April 2013, abgerufen am 10. Dezember 2019.</ref> Tatsächlich war „Drop-out-Kinos“ der Fachbegriff für Kinos, die die Mindestanforderungen der Digitalisierungsförderung 2011–2014 nicht erfüllten.<ref>Frank Völkert, stellvertretender Vorstand der FFA, beim HDF-Filmtheaterkongress 2014. In: blickpunkt:film.de. 11. April 2014, abgerufen am 28. Juli 2020.</ref> Für diese Kinos legte die BKM im August 2014 eine eigene Digitalisierungsförderung auf.<ref>Pressemitteilung der Bundesregierung vom 20. August 2014: „Kulturstaatsministerin Grütters: Zusätzliches Förderprogramm für die Kino-Digitalisierung leistet weiteren Beitrag zum Erhalt der Vielfalt unserer Kinolandschaft“, abgerufen am 28. Juli 2018</ref>

Kabinette

Ehrungen

Literatur

  • Olaf Zimmermann, Wolfgang Börnsen und Eberhard Junkersdorf (Hrsg.): Roter Teppich für die Kultur. Wortmeldungen zur Kulturpolitik (Festschrift aus Anlass des 70. Geburtstages von Bernd Neumann), Be.bra Verlag, Berlin 2012.

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

Commons: Bernd Neumann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Michael Naumann (SPD, 1999–2000) | Julian Nida-Rümelin (SPD, 2001–2002) | Christina Weiss (parteilos, 2002–2005) | Bernd Neumann (CDU, 2005–2013) | Monika Grütters (CDU, 2013–2021) | Claudia Roth (B90/Grüne, 2021–2025) | Wolfram Weimer (parteilos, seit 2025) Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang

Johann Kaum (1946–1947) | Emil Rex (1947–1951) | Martin-Heinrich Wilkens (1951–1952) | Heinrich Barth (1952–1954) | Jules Eberhard Noltenius (1954–1968) | Ernst Müller-Hermann (1968–1974) | Uwe Hollweg (1974–1979) | Bernd Neumann (1979–2008) | Thomas Röwekamp (2008–2011) | Rita Mohr-Lüllmann (2011–2012) | Jörg Kastendiek (2012–2019) | Carsten Meyer-Heder (2019–2023) | Heiko Strohmann (seit 2023)

Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang

Ernst Degenhardt (1946–1947) | Johannes Degener (1947–1949) | Ernst Müller-Hermann (1949–1951) | Johannes Kühne (1952–1955) | Rudolf Rübberdt (1955–1957) | Friedrich Carl Marwede (1957–1959) | Karl Krammig (1959–1963) | Hans-Hermann Sieling (1963–1971) | Günter Klein (1971–1973) | Bernd Neumann (1973–1987) | Reinhard Metz (1987–1989) | Peter Kudella (1989–1995) | Ronald-Mike Neumeyer (1995–1999) | Jens Eckhoff (1999–2003) | Jörg Kastendiek (2003–2005) | Hartmut Perschau (2005–2007) | Thomas Röwekamp (2007–2021) | Heiko Strohmann (2021–2023) | Frank Imhoff (2023–2025) | Wiebke Winter (seit 2025)

Vorlage:Klappleiste/Ende

Vorlage:Hinweisbaustein