Jadarit
| Jadarit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
2006-036<ref name="IMA-Liste" /> |
| IMA-Symbol |
Jad<ref name="Warr" /> |
| Chemische Formel |
|
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/H.23-105<ref name="Lapis" /> 9.AJ.40 54.02.04.02 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | monoklin |
| Kristallklasse; Symbol | monoklin-prismatisch; 2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | P21/c (Nr. 14)<ref name="Whitfield-et-al" /> |
| Gitterparameter | a = 6,7620(1) Å; b = 13,8016(3) Å; c = 7,6878(2) Å β = 124,089°<ref name="Whitfield-et-al" /> |
| Formeleinheiten | Z = 4<ref name="Whitfield-et-al" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 4 bis 5 (VHN200 = 390)<ref name="Stanley-et-al" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 2,45; berechnet: 2,46 |
| Spaltbarkeit | fehlt |
| Bruch; Tenazität | uneben bis muschelig; spröde |
| Farbe | weiß; im Auflicht dunkelgrau<ref name="Stanley-et-al" /> |
| Strichfarbe | weiß |
| Transparenz | durchscheinend bis undurchsichtig |
| Glanz | Porzellanglanz, matt |
| Weitere Eigenschaften | |
| Chemisches Verhalten | löslich in kalten verdünnten Säuren, unlöslich in Wasser |
| Besondere Merkmale | schwache, rosaorange Fluoreszenz<ref name="Stanley-et-al" /> |
Jadarit (IMA-Symbol Jad<ref name="Warr" />) ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung NaLi[B3SiO7(OH)]<ref name="Lapis" /> und damit ein Natrium-Lithium-Bor-Silikat-Hydroxid.
Jadarit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, konnte bisher allerdings nur in Form von Aggregaten gefunden werden. Diese liegen als weiße Einsprenglinge mit xenomorph bis subidiomorph entwickelten Jadarit-Kristallen von etwa 5 bis 10 µm Größe vor.
Etymologie und Geschichte
Die Anerkennung als eigenständiges Mineral durch die International Mineralogical Association (IMA) erfolgte im November 2006 unter der vorläufigen Bezeichnung „IMA 2006-036“.
Die Publikation der Ergebnisse des Forscherteams, bestehend aus Christopher J. Stanley, Gary C. Jones, Michael S. Rumsey, Christopher Blake, Andrew C. Roberts, John A. R. Stirling, Graham J. C. Carpenter, Pamela S. Whitfield, Joel D. Grice und Yvon Le Page, und des offiziellen Namens Jadarit erschien neun Monate später im August 2007 in den Acta Crystallographica Section B. Structural Science.<ref name="Stanley-et-al" />
Auch wenn Jadarit schließlich nach seiner Typlokalität, dem Jadar-Tal in Serbien, benannt wurde, gestaltete sich die Suche nach einer passenden Benennung kurios: Chris Stanley, der mit der Klassifikation und Namenssuche für das neuentdeckte Mineral „sodium lithium boron silicate hydroxide“ (übersetzt: Natrium-Lithium-Bor-Silikat-Hydroxid)<ref>Abbildung der Mineralbeschreibung aus dem Film Superman Returns.</ref> betraut worden war, war erstaunt, im Internet auf eine ältere Meldung zu einem Mineral mit fast derselben Zusammensetzung unter der Bezeichnung Kryptonit zu stoßen, das aber aus den Superman-Geschichten im DC-Universum stammt und sich somit als fiktiv herausstellte.<ref name="spiegel.de" /> Gegenüber der BBC äußerte Stanley:
“Towards the end of my research I searched the web using the mineral’s chemical formula – sodium lithium boron silicate hydroxide – and was amazed to discover that same scientific name, written on a case of rock containing kryptonite stolen by Lex Luthor from a museum in the film Superman Returns.”
„Gegen Ende meiner Recherchen durchsuchte ich das Internet nach der chemischen Formel des Minerals – Natrium-Lithium-Borsilikat-Hydroxid – und war erstaunt, denselben wissenschaftlichen Namen zu entdecken, geschrieben auf einer Kiste mit Gestein, das Kryptonit enthält und von Lex Luthor aus einem Museum im Film Superman Returns gestohlen wurde.“
Im Gegensatz zum fiktiven „Kryptonit“ enthält real-existierender Jadarit weder Fluor noch Spuren eines gleichfalls fiktiven Elements „Kryptonium“ mit der vorgeblichen Ordnungszahl 126<ref name="Superman-1.9" /> (das wäre das bisher noch nicht nachgewiesene chemische Element Unbihexium; zum Vergleich: Das bisher schwerste bekannte Element ist Oganesson mit der realen Ordnungszahl 118). Jadarit enthält auch keine Spuren des tatsächlich existierenden Edelgases Krypton. Nach den Regeln der internationalen Nomenklatur für Minerale<ref name="IMA-Nomenklatur" /> durfte es daher nicht „Kryptonit“ genannt werden.<ref name="sueddeutsche.de" />
Klassifikation
Da der Jadarit erst 2006 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der seit 1977 veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
Im zuletzt 2018 aktualisierten „Lapis-Mineralienverzeichnis“, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser klassischen Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt Jadarit die System- und Mineral-Nr. VIII/H.23-105. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Abteilung „Schichtsilikate“, wo das Mineral zusammen mit Baileychlor, Borocookeit, Chamosit, Cookeit, Donbassit, Franklinfurnaceit, Gonyerit, Klinochlor, Manandonit, Nimit, Pennantit und Sudoit die „Chloritgruppe“ mit der System-Nr. VIII/H.23 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Jadarit dagegen in die Abteilung der „Inselsilikate (Nesosilikate)“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen und der Koordination der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Inselsilikate mit BO3-Dreiecken und/oder B[4], Be[4]-Tetraedern, eckenteilend mit SiO4“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 9.AJ.40 bildet.
Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Jadarit ebenfalls in die Abteilung der Inselsilikate, dort allerdings in die Unterabteilung der „Inselsilikate: Borosilikate und einige Beryllosilikate mit B in [4]-Koordination“, wo er zusammen mit Garrelsit und Okanoganit-(Y) die Gruppe „Howlith und verwandte Minerale“ mit der System-Nr. 54.02.04 bildet.
Kristallstruktur
Jadarit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14) mit den Gitterparametern a = 6,7620 Å; b = 13,8016 Å; c = 7,6878 Å und β = 124,089° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="Whitfield-et-al" />
Eigenschaften
Jadarit ist löslich in kalten verdünnten Säuren, unlöslich aber in Wasser. Unter kurz- und langwelligem UV-Licht zeigt das Mineral rosa bis orange Fluoreszenz.
Bildung und Fundorte
Entdeckt wurde Jadarit in den Bohrkernen bei Forschungen im Jadar-Becken, nahe Loznica. Dieses besteht aus Schichten von Ölschiefer, Dolomiten und pyroklastischen Ablagerungen des Neogens (frühes bis mittleres Miozän).
Außer seiner Typlokalität sind bisher keine weiteren Fundorte bekannt (Stand: 2019).<ref name="Fundorte" />
Pläne der Rio Tinto Group, Jadarit abzubauen, wurden Anfang 2022 von den serbischen Behörden nach Umweltschutz-Protesten vorübergehend gestoppt<ref name="RioTinto" /> und 2024 gerichtlich wieder erlaubt.
Siehe auch
Literatur
- Christopher J. Stanley, Gary C. Jones, Michael S. Rumsey, Christopher Blake, Andrew C. Roberts, John A. R. Stirling, Graham J.C. Carpenter, Pamela S. Whitfield, Joel D. Grice, Yvon Le Page: Jadarite, LiNaSiB3O7(OH), a new mineral species from the Jadar Basin, Serbia. In: European Journal of Mineralogy Volume. Band 19, Nr. 4, August 2007, S. 575–580, doi:10.1127/0935-1221/2007/0019-1741 (online verfügbar bei rruff.info [PDF; 601 kB; abgerufen am 19. April 2019]).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Jadarite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Weblinks
- Jadarit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Jadarite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise
<references> <ref name="BBC"> ‘Kryptonite’ discovered in mine. BBC NEWS, 24. April 2007, abgerufen am 17. Juli 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Jadarit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 17. Juli 2023. </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Nomenklatur"> Intern. mineralogische Vereinigung, Regeln zu neuen Mineralien, deren Nomenklatur und Klassifikation (englisch) </ref> <ref name="RioTinto"> Jadar project update. Rio Tinto, abgerufen am 17. Juli 2023. </ref> <ref name="spiegel.de"> cis/Reuters: Neues Mineral. Forscher findet Kryptonit. In: spiegel.de. Spiegel Online, 24. April 2007, abgerufen am 19. April 2019. </ref> <ref name="Stanley-et-al"> Christopher J. Stanley, Gary C. Jones, Michael S. Rumsey, Christopher Blake, Andrew C. Roberts, John A. R. Stirling, Graham J.C. Carpenter, Pamela S. Whitfield, Joel D. Grice, Yvon Le Page: Jadarite, LiNaSiB3O7(OH), a new mineral species from the Jadar Basin, Serbia. In: European Journal of Mineralogy Volume. Band 19, Nr. 4, 13. September 2007, S. 575–580, doi:10.1127/0935-1221/2007/0019-1741 (online verfügbar bei rruff.info [PDF; 601 kB; abgerufen am 19. April 2019]). </ref> <ref name="sueddeutsche.de"> Markus C. Schulte von Drach: Non-Fiction. Kryptonit existiert! In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010, abgerufen am 19. April 2019. </ref> <ref name="Superman-1.9"> Superman – Die Abenteuer von Lois & Clark, Episode 1.9 Die grüne Gefahr (OT: The Green, Green Glow of Home). </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Jadarite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 19. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Whitfield-et-al"> </ref> </references>
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