Zum Inhalt springen

Claudia von Alemann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 13. März 2026 um 17:30 Uhr durch imported>Maimaid (Tempus; + Weblink; Formatierungen, Wikilinks).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Claudia von Alemann (* 23. März 1943 in Seebach, Thüringen) ist eine deutsche Regisseurin von Dokumentar- und Spielfilmen, Autorin, unabhängige Produzentin und Hochschullehrerin.<ref>Claudia von Alemann – Biografie. In: filmportal.de. Abgerufen am 15. August 2025.</ref> Sie gilt als eine der wichtigsten Protagonistinnen des feministischen Kinos.<ref>Akademie der Künste: Claudia von Alemann – Neue Restaurierungen. 12. Oktober 2025, abgerufen am 1. Dezember 2025.</ref>

Leben und Karriere

Claudia von Alemann wuchs in Thüringen und am Niederrhein<ref>Claudia von Alemann Regisseurin von Dokumentar- und Spielfilmen, Autorin, unabhängige Produzentin. Abgerufen am 2. Januar 2026.</ref> mit fünf Geschwistern auf, darunter die FDP-Politikerin Mechthild von Alemann und der Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann. Sie machte 1963 in Köln am Hildegard-von-Bingen-Gymnasium Abitur.<ref>Alemann, Claudia von. Abgerufen am 24. November 2025.</ref> Sie studierte von 1963 bis 1964 Soziologie und Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin und anschließend bis 1968 an der Hochschule für Gestaltung Ulm in der Abteilung für Filmgestaltung bei Alexander Kluge und Edgar Reitz.<ref>Claudia von Alemann – Profil und Lebensdaten. In: Akademie der Künste Berlin. Abgerufen am 15. August 2025.</ref><ref>Das nächste Jahrhundert wird uns gehören. 28. April 2023, abgerufen am 1. Dezember 2025.</ref>

1968 bis 1969 lebte sie in Paris und arbeitete mit französischen Filmkollektiven, den „Etats généraux du cinéma“. Daraus entstand ihr Dokumentarfilm Ce n’est qu’un debut – continuons le combat (Das ist nur der Anfang, der Kampf geht weiter) (1969), ein einzigartiges Dokument der 68er-Bewegung und der Rolle, die der Film als Waffe im politischen Kampf spielte.<ref>„Das ist nur der Anfang“ von Claudia von Alemann am IFFI. In: komplex-KULTURMAGAZIN. 31. Mai 2018, abgerufen am 1. Dezember 2025.</ref><ref>Luchskino - Das ist nur der Anfang – der Kampf geht weiter. Abgerufen am 1. Dezember 2025.</ref>

Claudia von Alemanns Filmsprache verstand Politisches und die ästhetische Form als Einheit. Durch ihre frühe Hinwendung zum Poetischen und Surrealen erkundete sie die Möglichkeiten des Kinos und entwarf Gegenentwürfe zur Rolle der Frau vor und hinter der Kamera. Männlich geprägten Narrativen und linearer Geschichtsschreibung begegnet sie mit persönlicher Erinnerung und kollektiver Erfahrung. Ihre feministische Praxis verbindet Alltagsbeobachtung, historische Spurensuche und präzise Recherche zu offenen Denkräumen.<ref>Akademie der Künste: Claudia von Alemann – Neue Restaurierungen. 12. Oktober 2025, abgerufen am 1. Dezember 2025.</ref>

Der Spielfilm Die Reise nach Lyon (1981, englisch: Blind Spot) wurde im April 2023 vom Kritiker Richard Brody und der Jury des Magazins The New Yorker zu einem der hundert bedeutendsten Independent-Filme des 20. Jahrhunderts gewählt.<ref>Condé Nast: Blind Spot. Abgerufen am 1. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Ihr historischer Spiel- und Dokumentarfilm Das nächste Jahrhundert wird uns gehören (1987, englisch: The Next Century Will Be Ours) wurde 2025 von der Cinémathèque du documentaire in die 1001 Documentary Films Collection (UNESCO Memory of the World Register) aufgenommen.<ref>La cinémathèque du documentaire. Abgerufen am 1. Dezember 2025.</ref>

Neben ihrer Filmarbeit publizierte von Alemann in Zeitschriften und Anthologien wie frauen und film, medium und Kursbuch Filmkritiken und Essays. 1981 gab sie gemeinsam mit Dominique Jallamion und Bettina Schäfer das Buch Das nächste Jahrhundert wird uns gehören. Frauen und Utopie 1830–1840 heraus. Dieses Buch enthält erstmals von den drei Herausgeberinnen übersetzte Texte aus La femme libre (1832), der ersten Zeitung, die ausschließlich von Frauen geschrieben, gedruckt und vertrieben wurde.<ref>Das nächste Jahrhundert wird uns gehören. 28. April 2023, abgerufen am 1. Dezember 2025.</ref>

1977 wurde sie Dozentin für Film an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, von 1982 bis 2006 war sie Professorin für Film an der Fachhochschule Dortmund.<ref>Detail. Abgerufen am 24. November 2025.</ref> Als Professorin hielt von Alemann Gastprofessuren an internationalen Kunst- und Filmhochschulen, vor allem von 1994 bis 2012 an der kubanischen Internationalen Hochschule für Film und Fernsehen (EICTV).<ref>Claudia von Alemann. Abgerufen am 24. November 2025.</ref>

Seit 2004 ist sie Mitglied der Europäischen Film Academy und seit 2019 Mitglied der Sektion Film- und Medienkunst der Akademie der Künste Berlin.<ref>Neue Mitglieder der Akademie der Künste 2019. Abgerufen am 15. August 2025.</ref><ref>Claudia von Alemann. Akademie der Künste, abgerufen am 15. August 2025.</ref>

Aus Anlass ihres 80. Geburtstags widmete sich im Jahr 2023 in Berlin eine Filmreihe der Deutschen Kinemathek unter dem Titel Das nächste Jahrhundert wird uns gehören einer großen Zahl ihrer Spiel- und Dokumentarfilme aus mehr als fünf Jahrzehnten.<ref>Zwei Filme von Claudia von Alemann | Deutsche Kinemathek. Abgerufen am 24. November 2025.</ref>

Feministische Filmarbeit

In ihren frühen Kurzfilmen kombinierte von Alemann surreale und märchenhafte Motive mit Elementen von Slapstick und Pantomime. Später traten politische Themen in den Vordergrund. Aus einem zunächst kurzen Aufenthalt in Paris während der Mai-Unruhen 1968 wurde ein ganzes Jahr. Zurück in Deutschland engagierte sich von Alemann in der autonomen Frauenbewegung und richtete ihr Werk fortan auf feministische Geschichten und politische Aufklärung aus.<ref>Das nächste Jahrhundert wird uns gehören. 28. April 2023, abgerufen am 1. Dezember 2025.</ref>

1973 organisierte sie gemeinsam mit Helke Sander das 1. Internationale Frauenfilmfestival im Kino Arsenal in West-Berlin – ein Meilenstein frühfeministischer Filmkultur in Deutschland, da es sich als eines der ersten Festivals mit Filmen von und über Frauen der Welt widmete.<ref>Werkschau „Das nächste Jahrhundert wird uns gehören“ – Pressemitteilung. In: Deutsche Kinemathek. Abgerufen am 15. August 2025.</ref> Im gleichen Jahr prangerte sie in dem heimlich gedrehten Film Es kommt drauf an, sie zu verändern die monotone, systematisch unterbezahlte Frauenarbeit in der Metallindustrie an.<ref name="Taspie">Heldin des feministischen Films: Die Deutsche Kinemathek feiert Claudia von Alemann. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (online [abgerufen am 24. November 2025]).</ref> Als ihr Schlüsselwerk gilt der Spielfilm Die Reise nach Lyon (1981), in dem sich die Historikerin Elisabeth (Rebecca Pauly) auf die Spuren der Sozialrevolutionärin Flora Tristan begibt.<ref name="Taspie" />

1974 war von Alemann Mitinitiatorin der feministischen Filmzeitschrift Frauen und Film.<ref>Frauen und Film – Offizielle Website. In: Frauen und Film. Abgerufen am 15. August 2025.</ref>

Filmografie

Auszeichnungen und Retrospektiven

  • 1982: Preis der deutschen Filmkritik für Die Reise nach Lyon
  • 1983: Hauptpreis der Jury und Publikumspreis bei der Première Manifestation Internationale de L’Audiovisuel Montbéliard, für Das Frauenzimmer
  • 1988: Hauptpreis der Jury des Festival Internationale de Films et Vidéos de Femmes Montreal für Das nächste Jahrhundert wird uns gehören
  • 1993: Spezialpreis der Jury des Internationalen Frauen-Filmfestivals Minsk für Wie nächtliche Schatten/Rückfahrt nach Thüringen
  • 1994: Spezialpreis der Jury des Internationalen Videofestivals Liège
  • 2016: Nominierung für den Hessischen Filmpreis, für: Die Frau mit der Kamera – Porträt der Fotografin Abisag Tüllmann
  • 2023: Die Zeitschrift The New Yorker (Richard Brody und Jury) wählt Die Reise nach Lyon als „one of the greatest 100 independent films of the 20th century“<ref>https://adk.de/akademie/mitglieder/claudia-von-alemann</ref>
  • 2023 ehrte die Deutsche Kinemathek ihr Lebenswerk mit einer umfassenden Retrospektive unter dem Titel Das nächste Jahrhundert wird uns gehören anlässlich ihres 80. Geburtstags.<ref>„Heldin des feministischen Films“ – Tagesspiegel. In: Tagesspiegel. Abgerufen am 15. August 2025.</ref><ref>Pressemitteilung Retrospektive – Deutsche Kinemathek. In: Deutsche Kinemathek. Abgerufen am 15. August 2025.</ref>

Publikationen

1981: mit Bettina Schäfer und Dominique Jallamion: Das nächste Jahrhundert wird uns gehören, Frauen und Utopie in Frankreich von 1830–1848. Frankfurt a. M., ISBN 3-596-23708-4.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein