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Manganosit

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Manganosit
Datei:Jacobsite-Manganosite-Zincite-k298ba.jpg
Manganosit (dunkelgrün) mit Zinkit (rot) und Jakobsit (bräunlichschwarz) aus der Franklin Mine, Sussex County (New Jersey), USA (Größe: 3,0 cm × 2,0 cm × 1,5 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Mng<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • MnO<ref name="StrunzNickel" /><ref name="IMA-Liste" />
  • Mn2+O<ref name="Handbookofmineralogy" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide und Hydroxide
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

IV/A.04
IV/A.04-040<ref name="Lapis" />

4.AB.25<ref name="IMA-Liste-2009" />
04.02.01.03
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol hexakisoktaedrisch; 4/m32/m
Raumgruppe Fm3m (Nr. 225)Vorlage:Raumgruppe/225<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 4,45 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5,5 (VHN100 = 317–328 kg/mm2)<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 5,364; berechnet: 5,365<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit deutlich nach {001}; Absonderung nach {111}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität faserig<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe smaragdgrün, an der Luft schwarz werdend<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe braun<ref name="Handbookofmineralogy" />
Transparenz durchsichtig<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz Glasglanz, Diamantglanz; durch Verwitterung an der Luft matt werdend<ref name="Handbookofmineralogy" />
Kristalloptik
Brechungsindex n 2,16 bis 2,17<ref name="Handbookofmineralogy" />
Doppelbrechung fehlt, da optisch isotrop

Manganosit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Zusammensetzung MnO und damit chemisch gesehen Mangan(II)-oxid.

Manganosit kristallisiert im kubischen Kristallsystem und entwickelt oktaedrische Kristalle, die in Körnern und spaltbaren Aggregaten bis zu 10 cm Größe vorkommen. Er ist bei frischen Bruch von smaragdgrüner Farbe, färbt sich an der Luft aber schnell schwarz. Die Oberflächen der in frischem Zustand durchsichtigen Kristalle zeigen einen glas- bis diamantähnlichen Glanz. Durch Verwitterung an der Luft werden diese aber mit der Zeit matt.

Etymologie und Geschichte

Als natürliche Mineralbildung wurde das Manganoxid erstmals im Schävenholz etwa 2 km nordwestlich der Stadt Elbingerode im Harz in Sachsen-Anhalt entdeckt (vergleiche auch Elbingeröder Komplex). Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Christoph Friedrich Jasche, der das Mineral als Grünmanganerz bezeichnete und seine Untersuchungsergebnisse 1817 in seinem Werk Kleine mineralogische Schriften vermischten Inhalts veröffentlichte. Jasche erwähnt allerdings in seiner Beschreibung auch, dass die Verbindung bereits vorher durch John und Berzelius synthetisch dargestellt werden konnte.<ref name="Jasche" />

Als genaue Typlokalität gilt inzwischen die Grube Kaiser Franz bei Schävenholz/Elbingerode.<ref name="Typlokalität" />

Seinen bis heute gültigen Mineralnamen erhielt das Mineral 1874 durch Christian Wilhelm Blomstrand, der es nach dessen Zusammensetzung benannte.<ref name="Blomstrand" /> Blomstrand scheint Jasches Beschreibungen zum Grünmanganerz nicht gekannt zu haben, zumindest nimmt er in seiner Publikation keinen Bezug darauf. Blomstrand verwendet für seine Analysen Material aus der Grubengemeinde Långban (Filipstad) in der Provinz Värmlands län. Dieser Fundort zählt daher als Co-Typlokalität für Manganosit.<ref name="Co-Typlokalität" />

Typmaterial des Minerals soll sich in der Mineralogischen Sammlung der Universität Breslau (Wroclaw) in Polen befinden (Inventarnummer II–1810).<ref name="Handbookofmineralogy" /> Dies wird allerdings durch den Typmineral-Katalog der International Mineralogical Association (IMA) nicht bestätigt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />

Da der Manganosit bereits lange vor der Gründung der IMA bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Manganosit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Manganosit lautet „Mng“.<ref name="Warr" />

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Manganosit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung „Verbindungen mit M2O und MO“, wo er gemeinsam mit Bunsenit, Calciumoxid, Monteponit, Periklas und Wüstit in der „Periklas-Reihe“ mit der Systemnummer IV/A.04 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/A.04-040. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 1 : 1 und 2 : 1 (M2O, MO)“, wo Manganosit zusammen mit Bunsenit, Calciumoxid, Monteponit, Murdochit, Palladinit, Periklas und Wüstit die „Periklasgruppe“ mit der Systemnummer IV/A.04 bildet.<ref name="Lapis" />

Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Manganosit in die Abteilung „Metall : Sauerstoff = 2 : 1 und 1 : 1“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis und der relativen Größe der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Kation : Anion (M : O) = 1 : 1 (und bis 1 : 1,25); mit nur kleinen bis mittelgroßen Kationen“ zu finden, wo es zusammen mit Bunsenit, Calciumoxid, Monteponit, Periklas und Wüstit die „Periklasgruppe“ mit der Systemnummer 4.AB.25 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Manganosit die System- und Mineralnummer 04.02.01.03. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Einfache Oxide mit einer Kationenladung von 2+ (AO)“ in der „Periklasgruppe (Isometrisch, Fm3m)“, in der auch Periklas, Bunsenit, Monteponit, Calciumoxid, Wüstit und Hongquiit eingeordnet sind.

Chemismus

In der idealen, chemisch reinen, Zusammensetzung von Manganosit (MnO) besteht das Mineral aus Mangan (Mn) und Sauerstoff (O) im Stoffmengenverhältnis von 1 : 1. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 77,45 Gew.-% Mn und 22,55 Gew.-% O.<ref name="Mineralienatlas" />

Bei der Analyse natürlicher Mineralproben aus Långban in Schweden fanden sich allerdings auch Fremdbeimengungen von rund 2 % in Form von 0,3 bis 0,42 Gew.-% Eisen(II)- (FeO) und Eisen(III)-oxid Fe2O3, 0,4 Gew.-% Zinkoxid (ZnO), 1,2 bis 1,71 Gew.-% Magnesiumoxid (MgO) und 0,16 Gew.-% Calciumoxid (CaO).<ref name="Handbookofmineralogy" />

Kristallstruktur

Datei:NaCl polyhedra.svg
Prinzipielle Kristallstruktur von Manganosit (Vorlage:Farbe Mn, Vorlage:Farbe O)

Manganosit kristallisiert in der kubischen Raumgruppe Fm3m (Raumgruppen-Nr. 225)Vorlage:Raumgruppe/225 mit dem Gitterparameter a = 4,45 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" /> Er kristallisiert damit in der Natriumchlorid-Struktur, wobei Natrium durch Mangan und Chlor durch Sauerstoff ersetzt sind.

Bildung und Fundorte

Manganosit bildet sich als Verwitterungsprodukt Rhodochrosit oder anderen Manganmineralen. Die Bildung geschieht durch Metamorphose unter sauerstoffarmen Bedingungen. Als Begleitminerale können unter anderem Dolomit, Franklinit, verschiedenen Minerale der Granatgruppe, Hausmannit, Manganit, Pyrochroit, Willemit und Zinkit auftreten.

Als seltene Mineralbildung konnte Manganosit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 80 Vorkommen<ref name="Mindat-Anzahl" /> dokumentiert sind (Stand 2025). Seine Typlokalität, die Grube Kaiser Franz bei Schävenholz/Elbingerode, ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in Deutschland. In Schweden fand sich Manganosit außer an dessen Co-Typlokalität in der Grubengemeinde Långban noch in weiteren Gruben in der Gemeinde Filipstad in Värmland und in der Grube Garpenberg Norra am gleichnamigen Ort in der Provinz Dalarnas län.<ref name="Fundorte" />

In der Schweiz kennt man das Mineral aus dem Eisenbergwerk Gonzen bei Sargans im Kanton St. Gallen sowie vom Pipji-Gletscher bei Pipjitälli im Turtmanntal und von Sparrenflue bei Täsch im Kanton Wallis.

Die meisten Manganosit-Funde sind von der japanischen Insel Honshū bekannt. Dort sind die gefundenen Mengen auch ausreichend für einen wirtschaftlichen Abbau des Manganerzes. Bekannt ist zudem die Lausetto Mine bei San Lorenzo (Gemeinde Valdieri) in der italienischen Provinz Cuneo (Piemont), wo besonders gute Funde von Manganosit gelangen.<ref name="Fundorte" />

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan (Khanneshin-Komplex, Helmand), Südaustralien (Olympic Dam), Brasilien (Minas Gerais), Burkina Faso (Oudalan), Chile (Antofagasta), China (Shaanxi, Sichuan), Ghana (Tarkwa), Griechenland (Kavala), Indien (Karnataka), Iran (Yazd), Kirgisistan (Oblus Yssyk-Köl), Mexiko (Zacatlán, Puebla), Namibia (Kombat, Otjozondjupa), Russland (Krasnojarsk), der Slowakei (Košice), Tonga (Nördliches Lau-Becken), im Vereinigten Königreich (England, Wales) und den Vereinigten Staaten von Amerik (New Jersey, New Mexico, Virginia).<ref name="Fundorte" />

Auch in marinen Manganknollen vom Beljajewski-Rücken im Japanischen Meer konnte Manganosit nachgewiesen werden.<ref name="Fundorte" />

Verwendung

Größere Manganosit-Vorkommen dienen als Rohstoff für die Gewinnung von Mangan.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Manganosite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Manganosit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung;
  • Manganosite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • David Barthelmy: Manganosite Mineral Data. In: webmineral.com. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • IMA Database of Mineral Properties – Manganosite. In: rruff.info. RRUFF Project; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • Manganosite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF); (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Manganosite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Einzelnachweise

<references> <ref name="Blomstrand"> </ref> <ref name="Co-Typlokalität"> Co-Typlokalität Långban, Filipstad, Värmland, Schweden beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 3. Juli 2025. </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Manganosit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 3. Juli 2025. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – M. (PDF 326 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 3. Juli 2025 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Jasche"> </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Manganosite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 3. Juli 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mineralienatlas"> Manganosit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 3. Juli 2025. </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Typlokalität"> Typlokalität Grube Kaiser Franz ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) / Schävenholz beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 3. Juli 2025. </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>