Schwarzer Laubfrosch
Der Schwarze Laubfrosch (auch: Black Treefrog) ist ein Wohnbau in Bad Waltersdorf im österreichischen Bundesland Steiermark mit unkonventioneller Innen- und Außengestaltung, dessen heutige Form 2004 im Zuge eines Umbaus nach Plänen der Architekturgruppe SPLITTERWERK entstand.
Entstehung
Das ursprüngliche Gebäude wurde 1902 als Bürgerhaus erbaut<ref name="BW_Geschichte_Gegenwart">Marktgemeinde Bad Waltersdorf (Hrsg.): Bad Waltersdorf in Geschichte und Gegenwart. Neuauflage der Geschichte der Marktgemeinde und der Pfarre Waltersdorf von Dr. Fritz Posch, ergänzt um die Geschichte der Gemeinde seit 1938 von Mag. Albert Pichler. 1989, S. 90.</ref>, das im Laufe der Zeit mehrmals ausgebaut wurde. Später wurde ein Teil von der Marktgemeinde als Feuerwehrhaus für die Freiwillige Feuerwehr adaptiert. Nachdem die Freiwillige Feuerwehr an einen anderen Standort übersiedelt war und auch der Rest des Gebäudes leer stand, wurde es von der Gemeinde verkauft. Die neuen Besitzer veranlassten 2004 den Umbau in die gegenwärtige Form eines Wohngebäudes mit zehn kleinen, geförderten Wohnungen. Die Planung erfolgt durch die Architekturgruppe SPLITTERWERK aus Graz.<ref name="Ulama">Margit Ulama: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Entwurfskonzepte und Architekturvermittlung im Rahmen des 3. Architekturfestivals „Turn On“ unter besonderer Berücksichtigung des geförderten Wohnbaus ( des Vorlage:IconExternal vom 28. September 2007 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 265 kB), April 2005, S. 7ff.</ref>
Gestaltung
Das Gebäude liegt an einem flachen Hang im Zentrum von Bad Waltersdorf. Die Form – zwei rechteckige Häuser mit Satteldach und ein niedriger Verbindungsteil mit Flachdach – wurde bei der Neugestaltung unverändert belassen, bei der ein zentrales Thema die Hülle war, also die Oberfläche und die Materialität der Baukörper.<ref name="Ulama"/>
Die äußere Hülle bildet der sogenannte Rollschatten: Das gesamte Gebäude einschließlich der Dachflächen ist von einem homogenen, dunkelgrau changierenden Mantel aus dünnen Holzlatten umhüllt, der auch als Rankgerüst für wilden Wein (Veitschi) dient und klimatechnisch für Kühlung sorgt.<ref name="nextroom">nextroom architektur datenbank: Schwarzer Laubfrosch, 4. Dezember 2004.</ref> Die Umhüllung, die durch schmale Abstände zwischen den leichten Holzlatten etwas durchsichtig ist, verfremdet die Erscheinung des Gebäudes „in einem adretten, tatsächlich schönen Dorf“, und schafft eine Pufferzone zwischen Innen und Außen.<ref name="Ulama"/> Mehrere Balkone in Form von umlaufenden Stahlgittergängen gleichen die unterschiedlichen Eingangsniveaus aus.<ref name="nextroom"/>
Die innere Hülle ist geprägt von einer Ornamentopulenz, die mit beschichteten Holzwerkstoffen realisiert wurde. So sind beispielsweise alle Oberflächen im Hauptstiegenhaus – Wände, Decke, Stufen und Türen – mit einem hellen, raumgrenzenüberlagernden Muster aus Weinblättern überzogen, so dass die Grenzen zwischen den Bauteilen zu verschwimmen scheinen.<ref name="Ulama"/><ref name="nextroom"/> Die farbliche Gestaltung der Räume richtet sich nach deren Lage im Gebäude und der jeweiligen Himmelsrichtung und reicht von kühlem Grau und Reinweiß in den südseitigen Wohnungen über Rot-Blau- und sonnigen Orange-Gelb-Kombinationen bis hin zu warmen Elfenbeintönen in den nordseitigen Wohnungen.<ref>SPLITTERWERK: Wohnbau "Schwarzer Laubfrosch". Beschreibung für das Architekturfestival Turn On 2005.</ref> Fünf Wohnungen haben einen herkömmlichen Grundriss, die übrigen fünf sind wandelbar gestaltet. In diesen gibt es auch eine räumliche innere Hülle: Um einen länglichen, neutralen Raum in der Mitte sind die Funktionsbereiche wie Küche, Schlafraum, Bad oder Büroplatz hinter Falttüren angeordnet. Es gibt keine aneinandergereihten Räume mehr; vielmehr können dem Zentralraum die verschiedenen Funktionen durch Öffnen oder Herausklappen zugeschaltet werden. Die Architekten sehen darin eine Vergrößerung der realen 22 m2 des neutralen Raums auf 220 m2 Nutzfläche und sprechen von einer „multiinzidente Hülle“.<ref name="Ulama"/><ref name="Isopp">Anne Isopp: Die Metamorphosen des Frosches. In: Salzburger Nachrichten, 5. April 2005.</ref> In der Praxis wurde dieses Konzept von manchen Bewohnern durchbrochen und der Unterschied zwischen Zentralraum und Hülle aufgehoben.<ref name="gat.st">Fabian Wallmüller: Wohnen im Experiment, erschienen im Falter Steiermark Nr. 29/06, 19. Juli 2006.</ref>
Der Schwarze Laubfrosch wurde mehrmals als Zeichen von Urbanität inmitten des ländlichen Raums bewertet.<ref>A10. new European architecture #2 (März/April 2005)</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />oris. magazine for architecture and culture Vol VIII, Number 37, 2006 ( des Vorlage:IconExternal vom 1. August 2007 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref><ref name="Schedlmayer">Nina Schedlmayer: The Frog is Multifunctional. Interview mit SPLITTERWERK im Rahmen der 6. Architekturbiennale in São Paulo</ref>
Name
Neben dem Schwarzen Laubfrosch tragen auch andere Bauten von SPLITTERWERK einen Frosch-bezogenen Namen: der Grüne Laubfrosch in St. Josef und der Rote Laubfrosch in Bürmoos<ref>Einträge zu SPLITTERWERK in der nextroom Architekturdatenbank.</ref>. Nach eigenen Angaben verwendet SPLITTERWERK den Frosch als Markenzeichen, weil Frösche wandelbar sind, sowohl in der Natur, wo sie sich von Kaulquappen in Frösche verwandeln, an Land und im Wasser leben und manche sogar ihre Farbe ändern können, als auch im Märchen, wo ein Frosch durch einen Kuss verwandelt wird. Auch will SPLITTERWERK mit solchen einprägsamen Namen eine breitere Öffentlichkeit außerhalb architekturinteressierter Kreise ansprechen.<ref name="Schedlmayer" />
Auszeichnungen
Vorlage:Hinweisbaustein Der Wohnbau erhielt das Geramb-Dankzeichen für gutes Bauen (Geramb-Rose) 2004.
Weblinks
- Eintrag in der nextroom Architekturdatenbank
- Bilder bei Splitterwerk
- SPLITTERWERK: Beschreibung für das Architekturfestival Turn On
- Margit Ulama: Entwurfskonzepte und Architekturvermittlung im Rahmen des 3. Architekturfestivals „Turn On“ unter besonderer Berücksichtigung des geförderten Wohnbaus, April 2005 (pdf; 265 kB).
- Fabian Wallmüller: Wohnen im Experiment Bebilderter Bericht auf gat.st über erste Wohnerfahrungen
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 47° 10′ 4,52″ N, 16° 0′ 25,64″ O
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