Zum Inhalt springen

Lina Pfaff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 31. März 2026 um 11:58 Uhr durch imported>InternetArchiveBot (InternetArchiveBot hat 1 Archivlink(s) ergänzt und 0 Link(s) als defekt/tot markiert.) #IABot (v2.0.9.5).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Lina Pfaff (* 30. August 1854 in Kaiserslautern als Caroline<ref>Justina Bayer: Lina Pfaff. Die erste und einzige Kommerzienrätin Bayerns und Deutschlands. In: Marita Krauss (Hrsg.): Die bayerischen Kommerzienräte: eine deutsche Wirtschaftselite von 1880 bis 1928. Volk Verlag, München 2016, ISBN 978-3-86222-216-2, S. 148–158, hier S. 148.</ref> Pfaff; † 17. Juni 1929 ebenda) war eine deutsche Unternehmerin und Wohltäterin.

Leben

Lina Pfaff war die Tochter von Johanna Pfaff,<ref>Lina Pfaff: Frau des Monats (Juli-2014). In: Metropol News. Metropol Agentur - Ludwigshafen, abgerufen am 22. Juli 2020.</ref> geborene Crusius (1824–1878),<ref>Biografie von Lina Pfaff. In: Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. Oktober 2020; abgerufen am 22. Juli 2020.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pfalzgeschichte.de</ref> und Georg Michael Pfaff (1823–1893), dem Gründer der Nähmaschinenfabrik Pfaff.

Nach dem Tod ihres Bruders Georg am 21. April 1917 übernahm Lina Pfaff die Leitung des Unternehmens, das 1910 schon eine Million Nähmaschinen in 64 Länder auf den fünf Kontinenten exportiert hatte.<ref>Marliese Fuhrmann: Lina Pfaff. Eine Frau führte ein Weltunternehmen. In: Kreisverwaltung Kaiserslautern (Hrsg.): Heimatjahrbuch 2005 des Landeskreises Kaiserslautern, Verlag Franz Arbogast, Otterbach bei Kaiserslautern 2005, ISBN 3-87022-314-6, S. 108–119, hier S. 116.</ref>

In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg hatte Lina Pfaff die kritische Phase der Umstellung von Kriegsproduktion auf Friedensarbeit zu bewerkstelligen.<ref>Jürgen Urban: Kommerzienrätin Lina Pfaff – Chefin in schwerer Zeit. In: Gleichstellungsstelle Kaiserslautern (Hrsg.): Frauengeschichte - Frauengeschichten aus Kaiserslautern. Dokumentation Kaiserslauterer Bürgerinnen und Bürger, Franz Arbogast, Otterbach/Pfalz 1994, ISBN 3-87022-197-6, S. 84 ff., hier S. 84.</ref> Im Jahr 1926 wandelte sie, der wirtschaftlichen Entwicklung Rechnung tragend, den Betrieb in eine Aktiengesellschaft um.<ref>Marliese Fuhrmann: Lina Pfaff. Eine Frau führte ein Weltunternehmen. In: Kreisverwaltung Kaiserslautern (Hrsg.): Heimatjahrbuch 2005 des Landeskreises Kaiserslautern, Verlag Franz Arbogast, Otterbach bei Kaiserslautern 2005, ISBN 3-87022-314-6, S. 108–119, hier S. 119.</ref> Sie blieb aber als Vorsitzende des Aufsichtsrates weiter mit dem Unternehmen verbunden.

Vor der Übernahme der Fabrikleitung war sie in ihrer Heimatstadt schon als großzügige Spenderin bekannt. Zunächst hatte sie den Diakonissenverein und den Frauenverein vom Roten Kreuz u. a. durch die Finanzierung der Kinderkrippe in der Mannheimer Straße unterstützt.<ref>Marliese Fuhrmann: Lina Pfaff. Eine Frau führte ein Weltunternehmen. In: Kreisverwaltung Kaiserslautern (Hrsg.): Heimatjahrbuch 2005 des Landeskreises Kaiserslautern, Verlag Franz Arbogast, Otterbach/Pfalz 2005, ISBN 3-87022-314-6, S. 108–119, hier S. 117f.</ref> Später schuf sie einige soziale Einrichtungen in Kaiserslautern, beispielsweise das Pfaff-Bad und eine Kinderkrippe, die am 24. Mai 1924 eingeweiht wurden.<ref>Dennis Anklam: Entstehungsgeschichte. In: Cornelie Leopold (Hrsg.): Das Pfaffbad. Eine Rekonstruktion, TU Kaiserslautern 2009, ISBN 978-3-939432-99-9, S. 11–15, hier S. 15.</ref> Im Jahr 1923 hatte sie eine Wohnsiedlung für die Mitarbeiter in der Nähe des Pfaffwerks errichten lassen.<ref>Marliese Fuhrmann: Lina Pfaff. Eine Frau führte ein Weltunternehmen. In: Kreisverwaltung Kaiserslautern (Hrsg.): Heimatjahrbuch 2005 des Landeskreises Kaiserslautern, Verlag Franz Arbogast, Otterbach/Pfalz 2005, ISBN 3-87022-314-6, S. 108–119, hier S. 119.</ref>

Beide Aktivitäten, die Fabrikleitung und ihre Wohltätigkeit, wurden in außerordentlichen schweren Zeiten ausgeübt. Während des Ersten Weltkriegs unterstützte die Firma Pfaff u. a. die Mitarbeiter an der Front und ihre Familien. Außerdem richtete sie ein Lazarett ein, das sie zur Erleichterung der Verwundetentransporte mit einem Gleisanschluss versah.<ref>Todesfälle. In: Grazer Tagblatt / Grazer Tagblatt. Organ der Deutschen Volkspartei für die Alpenländer / Neues Grazer Tagblatt / Neues Grazer Morgenblatt. Morgenausgabe des Neuen Grazer Tagblattes / Neues Grazer Abendblatt. Abendausgabe des Neuen Grazer Tagblattes / (Süddeutsches) Tagblatt mit der Illustrierten Monatsschrift „Bergland“, 20. Juni 1929, S. 4 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gtb</ref> Nach dem Krieg musste Lina Pfaff die Geschäftsarbeit unter den Bedingungen der französischen Besatzung in der Pfalz fortführen.

Lina Pfaff wurde an ihrem 70. Geburtstag von der Stadt Kaiserslautern zur Ehrenbürgerin ernannt.<ref>Marliese Fuhrmann: Lina Pfaff. Eine Frau führte ein Weltunternehmen. In: Kreisverwaltung Kaiserslautern (Hrsg.): Heimatjahrbuch 2005 des Landeskreises Kaiserslautern, Verlag Franz Arbogast, Otterbach/Pfalz 2005, ISBN 3-87022-314-6, S. 108–119, hier S. 119.</ref> Ein paar Monate später, am 23. Dezember 1924,<ref>Justina Bayer: Lina Pfaff. Die erste und einzige Kommerzienrätin Bayerns und Deutschlands. In: Marita Krauss (Hrsg.): Die bayerischen Kommerzienräte: eine deutsche Wirtschaftselite von 1880 bis 1928. Volk Verlag, München 2016, ISBN 978-3-86222-216-2, S. 148–158, hier S. 157.</ref> wurde sie für ihre Tätigkeit als Leiterin der Nähmaschinenfabrik und ihr soziales Engagement als erste und einzige Frau Deutschlands mit dem Titel „Kommerzienrat“ des Freistaates Bayern ausgezeichnet.<ref name="pb">Das Große Pfalzbuch, Pfälzische Verlagsanstalt, Neustadt/Weinstraße, Herbst 1959, S. 484.</ref><ref>Lindau, 28. Dez.. In: Vorarlberger Landes-Zeitung, 29. Dezember 1924, S. 3 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/vlz</ref>

Die Pfalz gehörte seit 1816 zu diesem Königreich, daher war es der bayerische Handelsminister Wilhelm von Meinel, der den Ernennungsvorschlag des Oberbürgermeisters von Kaiserslautern an Ministerialrat Ferdinand Oskar Keller zukommen ließ. Aus seinem Schreiben lassen sich die Gründe zum Entscheid für Lina Pfaffs Titelverleihung erkennen:

„…Oberbürgermeister Baumann von Kaiserslautern hat bei mir vorgesprochen und folgende Wünsche vorgebracht: (… Speziell befürwortete er die Verleihung des Kommerzienratstitels an folgende Persönlichkeiten: a) Fräulein Lina Pfaff, die Alleininhaberin der weltbekannten Pfaff’schen Nähmaschinenfabrik in Kaiserslautern. Hier lägen zweifellos ausrichende [sic!] Gründe vor, um ausnahmsweise auch einer Frau den Kommerzienratstitel zu verleihen, denn Fräulein Pfaff sei nicht nur bei der Leitung der Fabrik tatsächlich tätig und ausschlaggebend, sondern sie habe auch auf dem Gebiet sozialer Fürsorge ganz Außerordentliches geleistet. Besonders habe sie der Wohnungsnot in Kaiserslautern durch eigene Werksbauten für die Arbeiter in großzügiger Weise gesteuert, ferner der Stadt ein Volksbad gebaut und auch sonst auf allen Gebieten der Wohltätigkeit (Kindergartenerrichtung usw.) sich ganz hervorragend betätigt.“<ref>Bayerisches Hauptstaatsarchiv (Bestellsignaturen: BayHStA MHIG 2213, 2217, Anträge auf Erkennung zum Kommerzienrat), zitiert in: Justina Bayer: Lina Pfaff. Die erste und einzige Kommerzienrätin Bayerns und Deutschlands. In: Marita Krauss (Hrsg.): Die bayerischen Kommerzienräte: eine deutsche Wirtschaftselite von 1880 bis 1928. Volk Verlag, München 2016, ISBN 978-3-86222-216-2, S. 148–158, hier S. 157, Fn. 63.</ref> Wilhelm von Meinel, 19. September 1924

Zwischen 1880 und 1928 wurde der Titel Kommerzienrat 1.849 deutschen männlichen Unternehmern verliehen; Lina Pfaff blieb als Frau bis zu dessen Abschaffung die einzige Ausnahme.<ref>Justina Bayer: Lina Pfaff. Die erste und einzige Kommerzienrätin Bayerns und Deutschlands. In: Marita Krauss (Hrsg.): Die bayerischen Kommerzienräte: eine deutsche Wirtschaftselite von 1880 bis 1928. Volk Verlag, München 2016, ISBN 978-3-86222-216-2, S. 148–158, hier S. 148.</ref>

Vor ihrem Tod berief sie ihren Neffen Karl Pfaff, den Sohn ihres Bruders Jakob, den sie am 1. Mai 1926 adoptiert hatte,<ref>Justina Bayer: Lina Pfaff. Die erste und einzige Kommerzienrätin Bayerns und Deutschlands. In: Marita Krauss (Hrsg.): Die bayerischen Kommerzienräte: eine deutsche Wirtschaftselite von 1880 bis 1928. Volk Verlag, München 2016, ISBN 978-3-86222-216-2, S. 148–158, hier S. 153.</ref> zum leitenden Direktor und Vorstandsmitglied des Unternehmens.<ref>Jürgen Urban: Kommerzienrätin Lina Pfaff – Chefin in schwerer Zeit. In: Gleichstellungsstelle Kaiserslautern (Hrsg.): Frauengeschichte – Frauengeschichten aus Kaiserslautern. Dokumentation KaiserslautererBürgerinnen und Bürger, Franz Arbogast, Otterbach/Pfalz 1994, ISBN 3-87022-197-6, S. 84f, hier 85.</ref>

Sie starb ledig am 17. Juni 1929 und wurde auf dem Kaiserslauterer Waldfriedhof begraben.<ref>Marliese Fuhrmann: Lina Pfaff (1854–1929). Eine Frau führte ein Weltunternehmen. In: Dies.: Anna und Andere. Frauenwege in der Pfalz, Görres-Verlag, Koblenz 2007, ISBN 978-3-935690-63-8, S. 43–57, hier S. 57.</ref>

Nachleben

Als im August 2010 die beiden Hauptschulen Barbarossaschule und die Geschwister-Scholl-Schule in Kaiserslautern zu einer Realschule plus zusammengelegt wurden, bekam die Bildungseinrichtung den Namen Lina-Pfaff-Realschule plus.<ref>Lina Pfaff. Lina-Pfaff-Realschule plus Kaiserslautern, abgerufen am 22. Juli 2020.</ref>

Im Stadtmuseum Kaiserslautern fand vom 15. Februar bis zum 6. September 2020 die Ausstellung „Lina Pfaff: ,Fräulein Kommerzienrat‘, ihre Nähmaschinen und ihr soziales Engagement“ statt.<ref>Stadtmuseum Kaiserslautern: Ausstellung „Lina Pfaff: ,Fräulein Kommerzienrat‘, ihre Nähmaschinen und ihr soziales Engagement“. In: Stadtmuseum Kaiserslautern. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Juli 2020; abgerufen am 29. August 2020.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/stadtmuseum-kl.de</ref> Sie präsentiert einen Überblick über Produktion, Design und Marketing des PFAFF-Weltunternehmens seit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts.<ref>Ausstellung „Lina Pfaff: ,Fräulein Kommerzienrat‘, ihre Nähmaschinen und ihr soziales Engagement“. Pfalz-Express, abgerufen am 25. Juli 2020.</ref> Die Ausstellung bietet anschaulich einen vertiefenden Einblick in die Wohltätigkeitsarbeit von Lina Pfaff u. a. im Bereich der Stadtentwicklung durch Fotodokumentationen und ein 3D-Modell vom Pfaffbad, das auch eine städtische Kindertagesstätte beherbergte. Ebenfalls wird das durchgeführte Projekt zur Errichtung der Pfaff-Kolonie, eine Werksiedlung an der Herzog-von-Weimar-Straße in Kaiserslautern, gewürdigt.

Literatur

  • Justina Bayer: Lina Pfaff. Die erste und einzige Kommerzienrätin Bayerns und Deutschlands. In: Marita Krauss (Hrsg.): Die bayerischen Kommerzienräte: eine deutsche Wirtschaftselite von 1880 bis 1928. Volk Verlag, München 2016, ISBN 978-3-86222-216-2, S. 148–158.
  • Willi Döderlein: Bedeutende Persönlichkeiten unserer Stadt. In: Kaiserslautern Stadt und Land, 1961, Nr. 6, S. 23–24.
  • Marliese Fuhrmann: Thema am Samstag: Vor 75 Jahren starb Lina Pfaff. – Lina Pfaff. Eine Frau führte ein Weltunternehmen. In: Druckausgabe der Tageszeitung Die Rheinpfalz vom 12. Juni 2004 (Nr. 134), Regionalausgabe Kaiserslautern (Blickpunkt).
  • Marliese Fuhrmann: Lina Pfaff. Eine Frau führte ein Weltunternehmen. In: Kreisverwaltung Kaiserslautern (Hrsg.): Heimatjahrbuch 2005 des Landeskreises Kaiserslautern, Verlag Franz Arbogast, Otterbach/Pfalz 2005, ISBN 3-87022-314-6, S. 108–119.
  • Marliese Fuhrmann: Lina Pfaff (1854–1929). Eine Frau führte ein Weltunternehmen. In: Dies.: Anna und Andere. Frauenwege in der Pfalz, Görres-Verlag, Koblenz 2007, ISBN 978-3-935690-63-8, S. 43–57.
  • Cornelie Leopold (Hrsg.): Das Pfaffbad. Eine Rekonstruktion (Dokumentation eines Seminars an der Technischen Universität Kaiserslautern, Fachrichtung Architektur, Fachgebiet Darstellende Geometrie und Perspektive im Wintersemester 2007/2008), TU Kaiserslautern 2009, ISBN 978-3-939432-99-9.
  • Erich Lüth: G. M. Pfaff A.-G., Kaiserslautern. (Musterbetriebe deutscher Wirtschaft, 32: Die Nähmaschinenfabrikation). Verlag Übersee-Post, Leipzig 1936.
  • Rolf Müller, Kaiserslautern - Stadt der Nähmaschinen, Pfaff-Dokumentation; 2011
  • 125 Jahre Pfaff (1862–1987), (Pfaffianer Ausgabe 1 / 2, April 1987. 35. Jg., Jubiläumsausgabe), Kaiserslautern 1987.
  • Jürgen Urban: Kommerzienrätin Lina Pfaff – Chefin in schwerer Zeit. In: Gleichstellungsstelle Kaiserslautern (Hrsg.): Frauengeschichte – Frauengeschichten aus Kaiserslautern. Dokumentation Kaiserslauterer Bürgerinnen und Bürger, Franz Arbogast, Otterbach/Pfalz 1994, ISBN 3-87022-197-6, S. 84f.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein