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Claudia Kemfert

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Datei:Prof. Claudia Kemfert spricht beim 10. globalen Kliamstreik von Friday for Future (51965851332).jpg
Claudia Kemfert (2022)

Claudia Kemfert (* 17. Dezember 1968 in Delmenhorst) ist eine deutsche Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie ist Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sowie Professorin an der Leuphana Universität Lüneburg.

Leben

Nach dem Abitur am Max-Planck-Gymnasium in Delmenhorst<ref>Thomas Breuer: Kampf um Delmenhorster Stromnetz: „Verhalten ist juristisch anfechtbar“. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 29. Dezember 2016, abgerufen am 17. Oktober 2019.</ref> studierte Kemfert von 1988 bis 1994 Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Bielefeld und Oldenburg. Nach einem zweimonatigen Forschungsaufenthalt an der Stanford University schloss sie 1998 in Oldenburg ihre Promotion ab.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />pages.nes.ru (Memento vom 13. Februar 2017 im Internet Archive)</ref> 1999 übernahm sie die Leitung einer Forschungs-Nachwuchsgruppe am Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart.<ref>D. I. W. Berlin: DIW Berlin: Kemfert, Claudia. Abgerufen am 4. November 2020.</ref> Als Gastprofessorin lehrte sie an den Universitäten von St. Petersburg (2003/04), Moskau (2000/01) und Siena (1998, 2002/03). Von 2000 bis 2004 hatte Kemfert eine Stelle als Junior-Professorin inne und leitete eine Forschungs-Nachwuchsgruppe an der Universität Oldenburg. Von 2004 bis 2009 war sie Professorin für Umweltökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2009 bis 2019 war sie Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School in Berlin. 2020 wurde sie als Professorin für Energiewirtschaft und Energiepolitik an die Leuphana Universität Lüneburg berufen.<ref>Henning Zühlsdorff: Energie- und Klimaökonomin Claudia Kemfert berufen. Abgerufen am 4. Dezember 2020.</ref>

Claudia Kemfert ist verheiratet und lebt in Oldenburg und Berlin.<ref>Nicodemus: Biografie. In: claudiakemfert.de. Abgerufen am 29. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Ämter

Seit Juli 2016 gehört Kemfert dem Sachverständigenrat für Umweltfragen an.<ref>Internetseite des Bundesumweltministeriums – BMUB: Detailansicht. In: www.bmub.bund.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 18. Juli 2016; abgerufen am 14. Mai 2016.</ref> Zudem ist sie im Klimabeirat der Städte Hamburg<ref>Klimabeirat. Abgerufen am 5. Dezember 2022.</ref> und Dresden<ref>Dresden: Integriertes Energie- und Klimaschutzkonzept. Abgerufen am 5. Dezember 2022.</ref> tätig. Sie beriet EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sowie die Weltbank und die UN.<ref>Jakob Meyer: Jetzt die Krise nutzen! Energie-Expertin Claudia Kemfert fordert Politik zum Handeln gegen Klima- und Energiekrise auf. auf: Informationsdienst Wissenschaft. 18. Juni 2009.</ref> Kemfert war Gutachterin des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Außerdem war sie Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen<ref>Stimmberechtigte Mitglieder. Wissenschaftliche Kommission Niedersachsen, abgerufen am 24. Oktober 2022.</ref> und im Nachhaltigkeitsbeirat Brandenburg.<ref>Vorstellung Prof. Dr. Claudia Kemfert. In: www.nachhaltigkeitsbeirat.brandenburg.de. 7. März 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 17. April 2010; abgerufen am 3. April 2023.</ref> Sie ist zudem Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO),<ref>Startseite – WIFO. Abgerufen am 24. Oktober 2022.</ref> im wissenschaftlichen Beirat des Energie Campus Nürnberg und des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ),<ref>Deutsches Biomasseforschungszentrum: Forschungsbeirat. In: www.dbfz.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 14. Mai 2016; abgerufen am 14. Mai 2016.</ref> Mitglied des Kuratoriums der Technologiestiftung Berlin,<ref>Gremien & Satzung – Technologiestiftung Berlin. In: www.technologiestiftung-berlin.de. Abgerufen am 14. Mai 2016.</ref> der Deutschen Klimastiftung,<ref>Deutsche KlimaStiftung. In: www.deutsche-klimastiftung.de. Abgerufen am 14. Mai 2016.</ref> von B.A.U.M.<ref>Beirat und Kuratorium. In: www.baumev.de. Abgerufen am 14. Mai 2016.</ref> sowie im Kuratorium der Berliner Hochschule für Technik.<ref>Kuratorium: BHT Berlin. Abgerufen am 5. Dezember 2022.</ref> Sie war Mitglied des Kuratoriums des Deutschen Studienpreises der Körber-Stiftung,<ref>Körber-Stiftung Hamburg: Kuratorium. In: koerber-stiftung.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. Mai 2016; abgerufen am 14. Mai 2016.</ref> im Beirat der Deutschen Umweltstiftung,<ref>deutscheumweltstiftung.de</ref> im Frankfurter Zukunftsrat<ref>Startseite. Abgerufen am 5. Dezember 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> sowie am TU-Campus EUREF gGmbH.<ref>Home. Abgerufen am 5. Dezember 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Seit 2011 ist sie in der Jury der GreenTec Awards.<ref>GreenTec Awards: Jury. In: www.greentec-awards.com. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 14. Mai 2016; abgerufen am 14. Mai 2016.</ref> Sie war und ist aktuell auch Jurorin des Deutschen Nachhaltigkeitspreises<ref>deutscher-nachhaltigkeitspreis.de</ref> sowie des Deutschen Awards für Nachhaltigkeitsprojekte.<ref>Deutscher Award für Nachhaltigkeitsprojekte 2022. Abgerufen am 5. Dezember 2022.</ref> Ferner war sie Jurorin des Deutschen Umweltpreises<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />dbu.de (Memento vom 29. Januar 2010 im Internet Archive).</ref> und ist Mitglied von Scientists for Future.<ref>S4F Redaktion: Kernenergie keine Technologie zur Lösung der Klimakrise. In: S4F Deutschland. 27. Oktober 2021, abgerufen am 14. Februar 2023.</ref>

Forschung

Kemfert forscht über die Bewertung von ökonomischen Effekten der Klima-, Energie- und Verkehrspolitik. Auf Basis empirischer Markt- und gesamtwirtschaftlicher Wirkungsanalysen entwickelte Kemfert quantitative Modelle zur Bewertung der ökonomischen Folgen von Energie- und Klimaschutzpolitik. Diese werden im Modellnetzwerk Energy Modelling Forum (EMF)<ref>About, auf der EMF Webseite.</ref> angewandt.

Positionen

Datei:Claudia Kemfert speaking at Fridays for Future rally in Berlin on 31 May 2024.jpg
Kemfert spricht auf der Fridays for Future-Kundgebung in Berlin am 31. Mai 2024

Kemfert bewertet seit Mitte der 1990er Jahre die volkswirtschaftlichen Kosten des Klimawandels und des Klimaschutzes.<ref>Claudia Kemfert: Rette das Klima, wer kann. In: Tagesspiegel. 12. April 2009.</ref> Schon vor dem Stern-Report berechnete sie am DIW die volkswirtschaftlichen Folgen des Klimawandels. Die Kosten des vorbeugenden Klimaschutzes sind demnach deutlich kleiner als die möglichen volkswirtschaftlichen Schäden aufgrund des Klimawandels. Handeln sei also billiger als Nichthandeln.<ref name="Kosten" /><ref>Claudia Kemfert: Klimawandel kostet die deutsche Volkswirtschaft Milliarden. In: Wochenbericht. 74/2007, 11, S. 165–169.</ref> Die Aufgabe der Politik besteht für Kemfert darin, zum einen eine globale Klimaschutzpolitik auf den Weg zu bringen und zum anderen die Grundlagen für die Anpassung an den Klimawandel zu schaffen. Da der Klimawandel kaum noch aufzuhalten sei, müssten geeignete Anpassungsstrategien wie ein verbesserter Deichbau, ein Küstenzonenmanagement und Hitzewarnsysteme entwickelt werden und zum Einsatz kommen.<ref name="Kosten">Claudia Kemfert: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Kosten des Klimawandels: Der Mensch heizt die Erde auf – was muss er dafür bezahlen? (Memento vom 30. April 2016 im Internet Archive) In: Internationale Politik. Februar, S. 38–45.</ref><ref>Claudia Kemfert: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. In: Die Volkswirtschaft. 80, 2007, S. 9, S. 28–29.</ref> Klimaschutzinstrumente seien, so Kemfert, bezahlbar. Ein wirkungsvolles Instrument sieht sie im Emissionsrechtehandel, der 2005 in Europa eingeführt wurde (siehe EU-Emissionshandel).<ref>C. Kemfert, J. Diekmann: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Europäischer Emissionshandel: auf dem Weg zu einem effizienten Klimaschutz. (Memento vom 18. Dezember 2015 im Internet Archive) In: Wochenbericht. 73/2006, 46, S. 661–669.</ref> Sie plädiert jedoch seit seiner Einführung für eine Verbesserung des Systems: Neben einer Versteigerung der Emissionsrechte fordert sie vor allem, dass nicht die EU-Staaten selbst die Emissionsminderungsziele definieren. Diese müssten laut Kemfert vielmehr direkt von der EU vorgegeben werden.<ref>Claudia Kemfert: Versteigern statt Verschenken! Warum es sinnvoll ist, eine vollständige Versteigerung der Emissionsrechte anzustreben. In: Zeitschrift für angewandte Umweltforschung. 18/2007, 1, S. 9–17.</ref>

Kemfert warnt vor zu großer Abhängigkeit von fossiler Energie: Ressourcenknappheit und Klimawandel seien die größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Als Ausweg nennt sie den Umbau des Energiesystems: Durch eine sichere, CO2-freie und bezahlbare Energieversorgung könnten Energieknappheit und Klimaschutz zugleich bewältigt werden.<ref>Claudia Kemfert: Die Energieversorgung muss sicher, CO2-frei und bezahlbar sein: Deutschland braucht ein Energieministerium. In: Zeitschrift für Wirtschaftspolitik. 57, 2008, S. 2, S. 193–203.</ref> Kemfert betont, dass die Energiewende mehr als der Atomausstieg sei, und weist auf die Gefahr hin, dass abgeschaltete Kernkraftwerke nicht durch Kohlekraftwerke ersetzt werden dürften, weil sonst die CO2-Emissionen in Deutschland stiegen.<ref>Dietmar Neuerer: Die Rolle der Kernenergie wird überschätzt. online auf Handelsblatt.com vom 13. März 2011.</ref> Für die Umsetzung einer erfolgreichen Energiepolitik fordert Kemfert seit 2006 die Einführung eines Energieministeriums in Deutschland.<ref>Claudia Kemfert: Deutschland braucht ein Energieministerium. In: Süddeutsche Zeitung. 4. Juli 2006, S. 18.</ref>

Kemfert sprach sich mehrfach gegen die (inzwischen gesprengte) Gaspipeline Nord Stream 2 aus, da diese nicht gebraucht werde; auch als Brückentechnologie sei Erdgas nicht notwendig. Um die Klimaziele zu erreichen, sei ein Erdgasausstieg bis spätestens 2038 notwendig, also parallel zum Kohleausstieg. Sie kritisierte, dass es Verbänden gelungen sei, Erdgas als „klimafreundlich“ darzustellen. Dabei sei die Klimabilanz insbesondere bei Förderung und Transport von fossilem Erdgas wahrscheinlich schlechter als man bisher annahm. Sie glaubt, dass der Ausstieg aus dem Erdgas bis 2038 in enormem Maße lohnend sei: „Die kompletten Systemkosten zur Vollversorgung mit erneuerbaren Energien inklusive Flexibilität, Digitalisierung und Speicher sind deutlich geringer als die des fossil-atomaren Energiesystems.“ Sie verwies auf geostrategische Streitigkeiten im Hintergrund: Die USA wollten ihr eigenes Flüssiggas aus Fracking nach Europa verkaufen, Russland den Transport durch die Ukraine umgehen. Selbst wenn die Nord Stream 2 in Betrieb gehen sollte, wäre es fraglich, ob das Gas jemals wie geplant transportiert werden würde.<ref>Kemfert: Nord Stream 2 wird nicht gebraucht. Deutsche Welle, 25. März 2021, abgerufen am 27. Juli 2022.</ref>

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 schrieb Kemfert, dass Deutschland den Preis für die verschleppte Energiewende zahle und die Energie- und Verkehrswende nicht nur unabhängig von hohen Preisen fossiler Energieträger mache, sondern auch friedensstiftend wirke.<ref>Claudia Kemfert: Ukraine-Konflikt: In drei Schritten zur Unabhängigkeit von Russland. D. I. W. Berlin, 28. Februar 2022, abgerufen am 2. März 2022.</ref>

Kemfert sieht im Erneuerbare-Energien-Gesetz ein wirkungsvolles Instrument zum Ausbau der Erneuerbaren Energien. Ein Quotenmodell, wie von anderen Ökonomen vorgeschlagen, lehnt sie ab.<ref>C. Kemfert, K. Neuhoff, W.-P. Schill, T. Traber: Erneuerbare Energien: Quotenmodell keine Alternative zum EEG. In: DIW Wochenblatt. 45, 2012. diw.de (PDF; 126 kB)</ref><ref>Dana Heide: Es wird einen Solarboom 2.0 geben. Streitgespräch. In: Handelsblatt. 29. Mai 2013. online auf handelsblatt.com.</ref>

Als im Frühjahr 2014 Pläne der deutschen Kernkraftwerk-Betreiber bekannt wurden, die deutschen Atomkraftwerke in eine Stiftung einzubringen, schrieb Kemfert, dies hätte nur Vorteile für die Betreiber und hohe potentielle Nachteile für die Gemeinschaft der Steuerzahler.<ref>captal.de (Gastkommentar): Warum die Bad Bank ein Bad Deal ist. 13. Mai 2014.</ref>

Kemfert ist Unterstützerin des Holocene Project.<ref>Holocene Project - People & Institutions. Abgerufen am 6. November 2024.</ref>

Politik und Medien

Im FAZ-Ökonomenranking stand Kemfert 2021 auf Rang 7<ref>Die Tabelle: Deutschlands einflussreichste Ökonomen 2021. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 19. Januar 2022]).</ref> (2020 Rang 14, 2015 Rang 10, 2013 Rang 6).

2012 wurde sie im Schattenkabinett Norbert Röttgens (CDU) als mögliche Energieministerin Nordrhein-Westfalens vorgestellt,<ref>CDU-Schattenkabinett in NRW: Röttgen will Claudia Kemfert als Energieministerin. In: Der Spiegel Online. Abgerufen am 17. Mai 2016.</ref> 2013 als mögliche Energieministerin Hessens in das Kompetenzteam Thorsten Schäfer-Gümbels (SPD) berufen.<ref>Thorsten Schäfer-Gümbel nominiert Laura Garavini und Dr. Claudia Kemfert für die Bereiche Europa/Integration, Kultur und Energie. In: SPD-Landesverband Hessen. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 17. Mai 2016; abgerufen am 17. Mai 2016.</ref> Kritiker warfen Kemfert daraufhin vor, zu „wendig“ zu sein.<ref>Kristian Frigelj: Eine Frau streift durch die Schattenkabinette. In: Welt Online. 2. Juli 2013 ([1] [abgerufen am 17. Mai 2016]).</ref>

In dem im März 2016 veröffentlichten Film Power to Change – Die EnergieRebellion tritt sie als Hochschuldozentin mit kritischen Thesen zur fossilen Energiewirtschaft auf.

Das Nachrichtenradio MDR Aktuell produzierte ab 2021 Kemferts Klima-Podcast.<ref>Kemferts Klima-Podcast – Klimawandel und Klimapolitik. Neu ab 20. Oktober: Kemferts Klima-Podcast. In: www.mdr.de. MDR Aktuell, Oktober 2021, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 19. Oktober 2021; abgerufen am 3. Juli 2022.</ref> Im Gespräch mit den Moderatoren Theresa Liebig und Marcus Schödel (im Wechsel<ref>Marcus Schödel: Hitze gefährlicher als Anstieg des Meeresspiegels. (MP3) Hitzewellen sind laut einer Studie drei Mal häufiger als früher – weltweit. Dennoch ist Deutschland nicht gut darauf vorbereitet. Kemfert erklärt, was ein nationaler Aktionsplan Hitze umfassen müsste. In: www.mdr.de. MDR Aktuell, 29. Juni 2022, abgerufen am 3. Juli 2022 (Sekunde 7).</ref>) erörterte Kemfert aktuelle Studien zum Klimawandel, bewertet die Klimapolitik und gibt Tipps für ein nachhaltigeres Leben. Anfang Juli 2025 gab es Meldungen, dass der Podcast per sofort eingestellt werden solle. Im Podcast vom 9. Juli wurde in diesem Zusammenhang mitgeteilt, dass die Serie bis zur Sommerpause in der gewohnten Form weitergeführt wird und für die Zeit danach an einem neuen Konzept gearbeitet wird.<ref>Trotz hoher Abrufzahlen: MDR beendet "Kemferts Klima-Podcast" mit sofortiger Wirkung. In: nordbayern.de. 4. Juli 2025, abgerufen am 5. Juli 2025.</ref><ref>mdr.de: EU-Klimazertifikate: Ein moderner Ablasshandel? | MDR.DE. Abgerufen am 10. Juli 2025 (siehe ab Minute 39:50).</ref> Die letzte Folge im bisherigen Format wurde am 17. September 2025 veröffentlicht.<ref>Letzte Episode: Bilanz und Ausblick. In: www.ardsounds.de. 17. September 2025, abgerufen am 22. September 2025.</ref>

Kontroversen

Im Sommer 2008, als der Ölpreis auf einem sehr hohen Niveau war, entwarf Kemfert Szenarien für weitere mögliche, mittelfristige drastische Preisschübe. Als der Ölpreis dann kurzfristig sank, wurde sie wegen angeblich unseriöser Prognosen kritisiert.<ref>Daniel Wetzel: Ölpreisprognosen statt Ratespiele. Welt am Sonntag, 12. Oktober 2008. online auf welt.de.</ref><ref>Jürgen König: Wir sind das Land der Ingenieure. Interview mit Claudia Kemfert. online auf Dradio.de, 11. Juni 2008.</ref> Kemfert äußerte sich daraufhin zur grundsätzlichen Unmöglichkeit von Ölpreisprognosen.<ref>Claudia Kemfer: Warum der Ölpreis nicht vorhersagbar ist. Gastkommentar, Welt am Sonntag, 19. Oktober 2008. online auf welt.de.</ref> Im Jahr 2008 warf Dirk Asendorpf Kemfert im Zusammenhang mit ihrem Buch Die andere Klima-Zukunft: Innovation statt Depression „schludrige Arbeit“ vor.<ref>Dirk Asendorpf: Klimaneutral für 70 Cent am Tag. auf: Zeit online. 9. September 2008.</ref>

Die FAZ brachte 2013 vor, dass Kemfert von ihrem Doktorvater und einem anonymisiert zitierten Kollegen Änderungen ihrer Thesen zum Atomausstieg vorgeworfen würden. Kemfert verneinte, in der Frage des Atomausstiegs ihre Meinung gewechselt zu haben.<ref>Johannes Pennekamp: Die zwei Gesichter der Claudia K. In: FAZ. 25. August 2013, abgerufen am 28. Oktober 2021.</ref> Die Historikerin Anna Veronika Wendland und Koautor kritisierten 2019 in atw – International Journal for Nuclear Power, der Zeitschrift der deutschen Interessenvertretung zugunsten der Nutzung der Kerntechnik, eine unter maßgeblicher Beteiligung von Kemfert erstellte Studie<ref>D. I. W. Berlin: DIW Berlin: Zu teuer und gefährlich: Atomkraft ist keine Option für eine klimafreundliche Energieversorgung. Abgerufen am 24. Oktober 2022.</ref> als inhaltlich und methodisch fehlerhaft.<ref>A.V.Wendland, B.Peters: Das DIW Papier über die „teure und gefährliche“ Kernenergie auf dem Prüfstand. Atomwirtschaft, Oktober 2019 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF (Memento vom 17. April 2023 im Internet Archive)).</ref> Kemfert und Ko-Autoren wiesen 2021 die methodische Kritik zurück und zeigten, dass Investitionen in Kernkraftwerke unter aktuellen Marktbedingungen zu Verlusten im Bereich von fünf bis zehn Milliarden US-Dollar führen.<ref>Investing into third generation nuclear power plants – Review of recent trends and analysis of future investments using Monte Carlo Simulation. In: Renewable and Sustainable Energy Reviews. Band 143, Juni 2021, ISSN 1364-0321, S. 110836, doi:10.1016/j.rser.2021.110836 (Online [abgerufen am 19. Juni 2021]).</ref> Ein Bau sei demnach nur bei hohen staatlichen Subventionen finanzierbar. Die Atomenergie sei nicht nur teuer, sondern auch nicht sauber.<ref>Hilft Atomkraft gegen die Klimakrise? In: MDR.DE. Abgerufen am 19. Januar 2022.</ref>

Anfeindungen

Für ihre Wissenschaftskommunikation im Themenfeld Klimawandel erfährt Kemfert seit vielen Jahren Anfeindungen, teils sexualisierte Hasskommentare und Bedrohungen bis hin zu Morddrohungen.<ref>Doku „Hass im Netz“. Wie Gewalt die digitale Öffentlichkeit prägt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. März 2026. Abgerufen am 24. März 2026.</ref><ref>Bedrohte Wissenschaftler Wenn Fakten zur Gefahr werden. In: Tagesschau.de, 10. April 2025. Abgerufen am 24. März 2026.</ref><ref name="ORF">Hetzjagd gegen Klimaexperten. In: ORF, 3. Juli 2023. Abgerufen am 24. März 2026.</ref><ref name="RBB">Anfeindungen gegen Wissenschaftler nehmen zu. In: RBB, 4. Dezember 2024. Abgerufen am 24. März 2026.</ref><ref>Wie Promis mit Hass im Netz umgehen. In: ZDF heute, 14. März 2026. Abgerufen am 24. März 2026.</ref> Diese Anfeindungen richten sich Kemfert zufolge sowohl gegen sie als Frau, wobei ihr als solcher die wissenschaftliche Kompetenz abgesprochen werde, als auch gegen sie als Wissenschaftlerin. Es gehe darum, sie einzuschüchtern und sie davon abzuhalten, ihre Forschungsergebnisse zu kommunizieren.<ref name="RBB " /> Kemfert geht davon aus, die Angriffe auf sie dienten dazu, „in der Bevölkerung den Eindruck zu erwecken, die wissenschaftlichen Erkenntnisse seien nicht sicher“ und gleichzeitig die Überbringer der Botschaft als inkompetent darzustellen. Hinter den Attacken auf sie vermutet sie u. a. Industriebranchen, die Zweifel am klimawissenschaftlichen Forschungsstand säen wollen, um ihr Geschäftsmodell zu verteidigen; eine Vermutung die die Kommunikationswissenschaftlerin Valerie Hase für plausibel hält. So sei aus den USA bekannt, dass Think Tanks aus dem Umfeld der Energiewirtschaft gezielt Stimmung gegen Wissenschaft und Journalismus machten.<ref name="ORF" />

Auszeichnungen

Publikationen (Auswahl)

Sachbücher

  • 2008: Die andere Klima-Zukunft: Innovation statt Depression. Murmann, Hamburg, ISBN 978-3-86774-047-0
  • 2009: Jetzt die Krise nutzen. Murmann, Hamburg, ISBN 978-3-86774-076-0
  • 2013: Kampf um Strom: Mythen, Macht und Monopole. Murmann, Hamburg, ISBN 978-3-86774-257-3
  • 2017: Das fossile Imperium schlägt zurück. Warum wir die Energiewende jetzt verteidigen müssen. Murmann, Hamburg, ISBN 978-3-86774-566-6
  • 2020: Mondays for Future – Freitag demonstrieren, am Wochenende diskutieren und ab Montag anpacken und umsetzen. Murmann, Hamburg, ISBN 978-3-86774-644-1
  • 2023: Schockwellen – Letzte Chance für sichere Energien und Frieden. Campus, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-593-51696-7<ref>Rezension von Felix Schwarz (FAZ) hier (FAZ vom 2. Juni 2023).</ref>
  • 2026: Kurzschluss. Wie wir unsere Energiezukunft verspielen. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2026, ISBN 978-3-593-52185-5 (264 S., campus.de [abgerufen am 21. März 2026] Leseprobe).

Wissenschaftliche Veröffentlichungen

  • 1998: Makroökonomische Wirkungen umweltökonomischer Instrumente. Eine Untersuchung der Substitutionseffekte anhand ausgewählter volkswirtschaftlicher Modelle für Deutschland. (Dissertation) Lang, Frankfurt am Main, ISBN 3-631-33389-7 (Online)
  • 2000: mit Heinz Welsch: Energy-capital-labor substitution and the economic effects of CO2 abatement: evidence for Germany. In: Journal of Policy Modeling. 22, N. 6, S. 641–660, doi:10.1016/S0161-8938(98)00036-2
  • 2019: M. Child, C. Kemfert, D. Bogdanov, C. Breyer: Flexible Electricity Generation, Grid Exchange and Storage for the Transition to a 100% Renewable Energy System in Europe. In: Renewable Energy 139 (2019), S. 80–101
  • 2021: Karlo Hainsch, Thorsten Burandt, Konstantin Löffler, Claudia Kemfert, Pao-Yu Oei, Christian von Hirschhausen: Emission Pathways Towards a Low-Carbon Energy System for Europe: A Model-Based Analysis of Decarbonization Scenarios. In: The Energy Journal 42 (2021), 5, S. 41–66

Rundfunkberichte

Weblinks

Interviews
Podcasts

Einzelnachweise

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