Humbracht (Patriziergeschlecht)
Humbracht war der Name einer Familie von Patriziern in Frankfurt am Main.
Geschichte
Die Familie geht auf den Goldschmied Martin Humbracht († 1393) zurück, der in älteren Quellen auch als Martin von Spier oder, nach dem zuletzt in Frankfurt bewohnten Haus, als Martin Humbracht zum Schöneck bezeichnet wird.<ref Name="Dietz B 43"/><ref Name="Dietz H1 174"/> Er stammte aus Speyer und erwarb 1366 durch die Heirat mit der Frankfurter Bürgerstochter „Grede“ das Bürgerrecht. Das Ehepaar lebte zunächst im Haus Petterweil auf dem späteren Römerberg Nr. 36, und dann im Eckhaus Schönstein an der Fahrpforte.<ref Name="Dietz H1 174"/> Martin Humbracht war als Geldwechsler tätig, wie auch sein Sohn Jeckel Humbracht zu Schönstein († 1420).<ref Name="Dietz H1 184"/>
Martin Humbrachts Nachfahren heirateten in die Patrizierfamilien Appenheimer und Brun gen. Faut von Monsberg ein, wodurch sie 1416 Eingang in die Adelige Gesellschaft Alten Limpurg fanden. Am 20. Oktober 1430 wurde Rudolf von Humbrachts Adel und Wappen durch König Sigismund erneuert.<ref Name="BLKÖ"/><ref Name="Senckenberg"/> Zahlreiche Angehörige der Familie nahmen Ämter im Rat der Freien Reichsstadt Frankfurt ein, bis hin zum Bürgermeister.<ref Name="Dietz B 43"/> Die Familie gelangte zu erheblichem Wohlstand und unterhielt im 16. Jahrhundert geschäftliche und verwandtschaftliche Beziehungen nach Antwerpen.
Claus Humbracht der Ältere († 1505) stiftete, wahrscheinlich für die Peterskirche, ein Kreuzigungs-Triptychon aus dem Antwerpen der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert.<ref Name="Lehmann"/> Dieses Werk ist eines von zweien, auf die der Notname des Meisters von Frankfurt zurückgeht. Das Altarbild zeigt auf den Seitenflügeln links den heiligen Nikolaus mit Claus Humbracht und männlichen Mitgliedern der Stifterfamilie, und rechts die heilige Margareta mit Claus’ Ehefrau Greda, geborene Faut von Monsberg († 25. September 1501),<ref Name="Froning 312"/> und den Töchtern.<ref Name="Dietz H2 184"/> Das Werk befindet sich in der Sammlung des Städelschen Kunstinstituts.<ref Name="Lehmann"/> Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg besitzt in ihrer Sammlung von Buchmalereien ein zwischen etwa 1500 und 1508 in Antwerpen entstandenes Gebetbuch von Claus Humbracht dem Jüngeren.<ref Name="Sander"/><ref Name="Weimann"/>
Am Wechsel des 17. zum 18. Jahrhundert teilte sich die Familie in eine ältere Linie, begründet von Friedrich Max († 1764), und die von dessen Bruder Hieronymus August († 1739) begründete jüngere Linie.<ref Name="BLKÖ"/> In den folgenden 200 Jahren dienten Mitglieder der Familie als hohe Offiziere im preußischen oder österreichischen Militär.
Zu den herausragenden Angehörigen der Familie Humbracht zählen:
- Conrad von Humbracht (um 1511/12–1582), Kanoniker am Liebfrauenstift, später Frankfurter Politiker
- Johann Hieronymus von Humbracht (1652–1713), Frankfurter Politiker
- Johann Maximilian von Humbracht (1654–1714), Frankfurter Politiker und Genealoge
- Alexander August Christian von Humbracht (1727–1774), österreichischer Offizier und Träger des Maria Theresia-Ordens
- Gottfried Eitel Ludwig von Humbracht (1730–1822), österreichischer Feldmarschallleutnant
- Adolph Carl von Humbracht (1753–1837), mehrmals Älterer Bürgermeister von Frankfurt am Main
- Malvina von Humbracht (1825–1891), Schriftstellerin
- Josef von Humbracht (1859–1932), deutscher Diplomat
Der Frankfurter Zweig der Familie starb 1896 mit Hermann von Humbracht (1818–1896, seit 1883 Freiherr von Humbracht) aus. In Frankfurt erinnert die Humbrachtstraße im Nordend an die Familie. Die 1776 von Maria Philippine von Humbracht, geb. von Glauburg gegründete Humbrachtsche Stiftung zur Unterstützung von Frauen und Fräulein aus dem Hause Limpurg bestand fast 150 Jahre, bis das Stiftungskapital durch die Inflation während der Weimarer Republik aufgezehrt war.
Wappen
Blasonierung nach dem Biographischen Lexikon des Kaisertums Österreich von 1863: Im rothen Schilde eine aus dem obern linken Seitenrande des Schildes hervorkommende rechts gekehrte Pranke eines silbernen Löwen, welche einen nach oben und rechts gewendeten goldenen Schlüssel aufrecht und etwas schrägrechts hält. Auf dem Schilde steht ein gekrönter Helm, aus dessen Krone ein rechtssehender silberner Löwe aufwächst, welcher in der Vorderpranke einen Schlüssel wie im Schilde hält. Die Helmdecken sind roth und silbern.<ref Name="BLKÖ"/>
Weblinks
- Triptychon, Meister von Frankfurt, um 1500, Städelsches Kunstinstitut
Literatur
- Alexander Dietz: Frankfurter Handelsgeschichte, 3 Bände, Hermann Minjon, Frankfurt am Main 1910 (Bd. 1), Gebrüder Knauer, Frankfurt am Main 1921 (Bd. 2–3).
- Hans Körner: Frankfurter Patrizier. Ernst Vögel-Verlag, München 1971.
- Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1856. Sechster Jahrgang, S. 332ff.
- Leopold von Zedlitz-Neukirch, Neues preussisches Adels-Lexicon, Band 2, S. 459
- Frankfurter Blätter für Familien-Geschichte. 1912, S. 12f.
Einzelnachweise
<references> <ref Name="BLKÖ">Constantin von Wurzbach: Humbracht, die Freiherren, Genealogie. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 9. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1863, S. 418 (Digitalisat).</ref> <ref Name="Dietz B 43">Alexander Dietz: Frankfurter Bürgerbuch, August Osterrieth, Frankfurt am Main 1897, S. 43.</ref> <ref Name="Dietz H1 174">Alexander Dietz: Frankfurter Handelsgeschichte. Erster Band, S. 174.</ref> <ref Name="Dietz H1 184">Alexander Dietz: Frankfurter Handelsgeschichte. Erster Band, S. 184.</ref> <ref Name="Dietz H2 184">Alexander Dietz: Frankfurter Handelsgeschichte. Zweiter Band, S. 302.</ref> <ref Name="Froning 312">Richard Froning: Frankfurter Chroniken und annalistische Aufzeichnungen des Mittelalters, Carl Jügel's Verlag, Frankfurt am Main 1884, S. 312.</ref> <ref Name="Lehmann">Alfred Lehmann: Das Bildnis bei den altdeutschen Meistern bis auf Dürer, Karl W. Hiersemann, Leipzig 1900.</ref> <ref Name="Sander">Jochen Sander: Die Entdeckung der Kunst. Niederländische Kunst des 15. und 16. Jahrhunderts in Frankfurt, von Zabern, Mainz 1995, S. 200, ISBN 3-8053-1841-3.</ref> <ref Name="Senckenberg">Heinrich Christian von Senckenberg: Selecta juris et historiarum tum anecdota, tum jam edita, sed rariora. Tomus I, Heinrich Christian Senckenberg, Frankfurt am Main 1734, S. 264–268.</ref> <ref Name="Weimann">Birgitt Weimann: Die mittelalterlichen Handschriften der Gruppe Manuscripta Germanica (Kataloge der Stadt und Universitätsbibliothek Frankfurt/Main Bd. 5, Die Handschriften, Bd. 4), Klostermann, Frankfurt am Main 1980, S. 84–88, ISBN 3-465-01406-5.</ref> </references>