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Thann

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Thann
Datei:Blason Thann 68.svg
Staat FrankreichDatei:Flag of France.svg Frankreich
Region Grand Est
Département (Nr.) Haut-Rhin (68)
Arrondissement Thann-Guebwiller (Unterpräfektur)
Kanton Cernay
Gemeindeverband Thann-Cernay
Koordinaten 47° 48′ N, 7° 6′ OKoordinaten: 47° 48′ N, 7° 6′ O
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Höhe 328–922 m
Fläche
Einwohner 7.762 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte – Einw./km²
Postleitzahl 68800
INSEE-Code 68334
Website http://www.ville-thann.fr/
Datei:Vue plongeante sur Thann et son église.jpg
Das Münster in der Altstadt von Thann

Vorlage:Infobox Gemeinde in Frankreich/Wartung/abweichendes Wappen in Wikidata

Thann <templatestyles src="IPA/styles.css" />[tan] <phonos file="LL-Q150 (fra)-Poslovitch-Thann.wav"></phonos> (deutsch nach 1918 auch Tann, elsässisch Dànn) ist eine französische Stadt mit 7.762 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) im Département Haut-Rhin in der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass und in der Region Grand Est. Die Stadt ist Sitz der Unterpräfektur (Sous-préfecture) des Arrondissements Thann-Guebwiller.

Geographie

Thann liegt in den Vorbergen der Vogesen am Flüsschen Thur, etwa 15 Kilometer nordwestlich von Mülhausen, im Regionalen Naturpark Ballons des Vosges, auf 350 m ü. NHN.

Geschichte

Thann (lat. Pinetum oder Thannæ),<ref name="Aufschlager" /> das im Mittelalter als Wallfahrtsort nachgewiesen ist, wird urkundlich erstmals im Jahr 1290 erwähnt. 1324 ging der Ort durch die Heirat von Herzog Albrecht II. von Österreich mit Johanna von Pfirt an die Habsburger und erhielt 1360 das Stadtrecht. 1309, 1338 bei der Armledererhebung und 1348/49 während der Pestpogrome wurden die jüdischen Einwohner verfolgt.<ref>Thann. alemannia-judaica.de, aufgerufen am 30. Dezember 2024.</ref> Die über Thann gelegene Engelsburg war Wohnsitz der Grafen von Pfirt und diente später einem von Albrechts Enkeln, dem Herzog Leopold IV. von Österreich, als Residenz. Dessen Ehefrau Katharina von Burgund nutzte Thann nach 1411 als einen ihrer Witwensitze.<ref>Eva Bruckner: Formen der Herrschaftsrepräsentation und Selbstdarstellung habsburgischer Fürsten im Spätmittelalter. phil. Dissertation, Wien, 2009, S. 165.</ref> Die Stadt war bis zum Dreißigjährigen Krieg Teil von Vorderösterreich.

In Thann wütete die frühneuzeitliche Hexenverfolgung besonders stark. Allein im Zeitraum von 1572 bis 1620 wurden annähernd 140 Menschen hingerichtet, meist auf dem Scheiterhaufen.<ref>Wilhelm Gottlieb Soldan: Soldans Geschichte der Hexenprozesse. Band I. Outlook, Bremen 2011, ISBN 978-3-86403-185-4, S. 492 ([1] [abgerufen am 13. November 2012] Reprint der Originalausgabe von 1880).</ref>

1659 kam die Stadt durch Schenkung von König Ludwig XIV. in den Besitz von Kardinal Jules Mazarin, den der Sonnenkönig für seine Verdienste belohnen wollte.

Den Adelstitel eines Grafen von Thann und Rosemont (frz. Comte de Thann et de Rosemont) trägt heute der jeweils regierende Fürst von Monaco (seit 2005 Fürst Albert II.).

Datei:Thann, Hôtel de ville.jpg
Rathaus
Datei:Thur Thann.jpg
Die Thur fließt durch Thann
Datei:Industrial zone and railway station of Thann, Alsace.jpg
Industriegebiet und Bahnhof

Im 19. Jahrhundert und bis in die 1960er-Jahre hinein war Thann stark von der Textilindustrie geprägt. Dazu gesellte sich eine Chemiefabrik als Zulieferer der Textilproduktion (Färberei). Dieses heute noch existierende Werk gilt als die älteste Chemiefabrik in Europa. Den Interessen der örtlichen Industrie ist es auch zu danken, dass 1839 die erste französische Bahnstrecke für den Personenverkehr zwischen Thann und Mühlhausen eröffnet wurde (heute: Bahnstrecke Lutterbach–Kruth).

Im Jahr 1861 hatte Thann 8854 Einwohner.<ref name="Vwg" /> Im Krieg von 1870/71 fiel Thann mit dem Elsass an das Deutsche Kaiserreich. Einige Einwohner verließen die Stadt, weil sie französisch bleiben wollten.

Um 1900 hatte Thann eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche, eine Synagoge, eine Realschule, ein Amtsgericht und eine Oberförsterei.<ref name="MKL19S453" />


Im Ersten Weltkrieg wurde Thann schon 1914 von den Franzosen erstürmt, nicht ohne erhebliche Zerstörungen in Kauf zu nehmen, und galt vier Jahre lang als ‚Hauptstadt des befreiten Elsass‘.

Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg erhielt Thann den Namen Tann<ref>Liste aller Namen vom Ort Thann zwischen 1900 und 1990 - Ehemalige Ostgebiete. Abgerufen am 27. April 2022.</ref>. Die Synagoge wurde geplündert und demoliert. Die im Ort verbliebenen jüdischen Einwohner wurden 1940 nach Südfrankreich und später zumeist in Vernichtungslager deportiert. Laut Yad Vashem kamen nachweislich sechzehn Personen ums Leben.<ref>Thann (Elsass). Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, aufgerufen am 30. Dezember 2024.</ref>

Heute ist Thann eine Dienstleistungs- und Touristenstadt, in der auch der Weinbau eine nicht unbeträchtliche Rolle spielt. So befindet sich auf dem Gemeindegebiet auch eine der bekanntesten Weinbaulagen des Elsass, der Rangen. Diese Lage ist eine von insgesamt 50 Alsace-Grand-Cru-Lagen.

Demographie
Bevölkerungszahlen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs
Jahr Einwohner Anmerkungen
1780 Stadt mit 550 Feuerstellen (Haushaltungen)<ref>Sigmund Billings: Geschichte und Beschreibung des Elsasses und seiner Bewohner von den ältesten bis in die neuesten Zeiten, Basel 1782, S. 79–80.</ref>
1821 3992 davon 3704 Katholiken, 215 Protestanten und 73 Juden<ref name="Aufschlager">Johann Friedrich Aufschlager: Das Elsass. Neue historisch-topographische Beschreibung der beiden Rhein-Departemente, Zweiter Theil, Johann Heinrich Heitz, Straßburg 1825, S. 156–158.</ref>
1861 8854 <ref name="Vwg" />
1872 8052 am 1. Dezember, in 677 Häusern;<ref>C. Stockert, Das Reichsland Elsaß-Lothringen. Geographischer Leitfaden für die Höheren Lehranstalten, Friedrich Bull, Straßburg 1873, S. 54–55. und S. 78.</ref> nach anderen Angaben 8154 Einwohner<ref>Vollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Sp. 61 (online)</ref>
1880 7535 am 1. Dezember, auf einer Fläche von 1262 ha, in 758 Häusern, davon 6664 Katholiken, 646 Evangelische und 197 Juden<ref>Statistisches Büro des Kaiserlichen Ministeriums für Elsaß-Lothringen (Hrsg.): Ortschafts-Verzeichniß von Elsaß-Lothringen. Aufgestellt auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. Friedrich Bull, Straßburg 1884, S. 84, Ziffer 944.</ref>
1885 7464 davon 6564 Katholiken, 705 Protestanten und 169 Juden<ref>Anonymes Mitglied des Katholischen Volksvereins: Die konfessionellen Verhältnisse an den Höheren Schulen in Elsaß-Lothringen. Statistisch und historisch dargestellt. Straßburg 1894, S. 44.</ref>
1890 7425 davon 692 Evangelische, 6560 Katholiken und 155 Juden<ref name="Vwg">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1905 7901 <ref name="Vwg" />, meist katholische Einwohner<ref name="MKL19S453">Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 19, Leipzig/Wien 1909, S. 453 (Zeno.org)</ref>
1910 7413 davon Katholiken, Evangelische und Juden<ref>Thann, Landkreis Thann, Elsaß-Lothringen, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Thann)</ref><ref>Kreis Thann. Gemeindeverzeichnis 1900. In: gemeindeverzeichnis.de. Uli Schubert, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Januar 2023; abgerufen am 22. Februar 2026.</ref><ref name="Vwg" />
Anzahl Einwohner seit Mitte des 20. Jahrhunderts
Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2013 2021
Einwohner 7736 8218 8519 7788 7751 8033 7973 7981 7933 7766

Verkehr

Datei:Gare SNCF de Thann 29 sept 2013 15.jpg
Bahnhof Thann mit Zügen des Tram-Train und (mittig) der SNCF

Thann hat zwei Bahnhöfe (Thann Gare seit 1839 und Thann Saint-Jacques seit 1863) an der Bahnstrecke Lutterbach–Kruth. Mit der Eröffnung des Tram-Train Mulhouse–Vallée de la Thur kam 2010 die Station Thann Centre hinzu.

Städtepartnerschaften

Datei:Thann church.jpg
Der Turm des Münster St. Theobald beherrscht das Stadtbild

Thann pflegt folgende Städtepartnerschaften:

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Thann

Datei:Hexenauge-Thann.jpg
Blick durch das Hexenauge, im Hintergrund die Stadt Thann

Das gotische Münster St. Theobald mit seinen prächtigen und gut erhaltenen Sandsteinfiguren (Gotischer Torbogen), Bleiglasfenstern und Heiligenfiguren ist nach dem Straßburger Münster eines der besten Beispiele Oberrheinischer Gotik im Elsass. Es wurde vom 13. bis zum 15. Jahrhundert erbaut, der 76 m hohe Turm wurde 1516 vollendet.

Die Ruine der Engelburg aus dem 13. Jahrhundert (Château d'Engelbourg) ist über der Stadt zu besichtigen. Kurios ist deren umgekippter Bergfried, der in der Region auch als „Hexenauge“ bezeichnet wird.

Château de Marsilly – Institut für geistig behinderte Erwachsene im Stadtteil Kattenbach.

Stadtmauer mit Toren und Türmen – in dem sogenannten „Hexenturm“ befindet sich eine Dauerausstellung der Winzer der Region, der Eintritt ist kostenlos.

Zu den Sehenswürdigkeiten in der Umgebung gehört das Staufen-Kreuz, ein Monument in Form eines Lothringerkreuzes. Es wurde 1949 zur Feier der 300-jährigen Zugehörigkeit von Teilen des Elsass zu Frankreich seit 1648 errichtet. Das Denkmal kam 1981 in die Schlagzeilen, weil es innerhalb eines halben Jahres zweimal von Separatisten der Elsässischen Kampfgruppe Schwarze Wölfe (ESKW) gesprengt wurde.

Thann ist mit drei Blumen im Conseil national des villes et villages fleuris („Nationalrat der blühenden Städte und Dörfer“) vertreten.<ref>Haut-Rhin, Palmarès des communes labellisées. Abgerufen am 22. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Auszeichnung wird im Rahmen eines regionalen Wettbewerbs verliehen, wobei maximal drei Blumen erreicht werden können.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Vorlage:MerianTopo
  • Karl Scholly: Die Geschichte und Verfassung des Chorherrenstifts Thann – nach archivalischen Quellen bearbeitet. J. H. E. Heitz, 1907.
  • Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Flohic Editions, Band 2, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 1278–1306.

Weblinks

Commons: Thann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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