Zum Inhalt springen

Allerheiligenflut 1570

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 6. Februar 2025 um 16:19 Uhr durch imported>Bnelux (Literatur).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Allerheiligen Moser 1570.jpg
Hochwasser der Schelde am 1. November 1570 in Antwerpen; zeitgenössisches Flugblatt von Hans Moser
Datei:Deichbruch an der Elbe 1825.jpg
Deichbruch an der Elbe

Die Allerheiligenflut 1570 ereignete sich am 1./2. November 1570 und gilt als die schlimmste Flutkatastrophe an der Nordsee vor dem 20. Jahrhundert. Sie überflutete die gesamte Küste der Niederlande und Ostfrieslands. Die Auswirkungen seien spürbar gewesen von Calais in Flandern bis nach Jütland und sogar in Norwegen.<ref name="flut">Die Allerheiligenflut von 1570 ließ viele Dörfer verschwinden. In: nordseeschwarzweiss.de. nordseeschwarzweiss, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 18. September 2020; abgerufen am 1. November 2022.</ref> Auch wenn die vermeintlichen Opferzahlen meist auf groben Schätzungen beruhten und mit Skepsis zu betrachten sind, ist von bis zu 25.000 Toten auszugehen.<ref>Sturmfluten an der Nordseeküste. In: friesenexpress-foehr.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 23. Juli 2022; abgerufen am 1. November 2022.</ref>

Verlauf

Am Morgen vor der Sturmflut war erstmals in der Geschichte vor einer sehr starken Flut gewarnt worden. In Bergen op Zoom hatte der Domänenrat, die örtliche Verwaltung, die Warnung herausgegeben, die jedoch nicht den erhofften Erfolg gezeigt hatte, denn die meisten Opfer wurden von der Warnung nicht erreicht und wurden unvorbereitet von der Flut überrascht. Mit einem Pegelstand von mehr als vier Meter über dem mittleren Hochwasser lag das Hochwasser damit deutlich über der Höhe der zu jener Zeit bestehenden Deiche, die zusätzlich noch stark vernachlässigt waren. An zahlreichen Stellen wurden die Deiche von den Wassermassen überrollt, was unglaubliche Verwüstungen anrichtete. Beispielsweise verschwanden im Gebiet rund um Antwerpen vier Dörfer unter einer dicken Schicht Schlick.<ref name="flut" /> In Zeeland wurde die Insel Wulpen vollständig von den Fluten verschlungen.<ref>Beatrijs Augustyn: Evolution of the dune ecosystem in Flanders during the Middle Ages :anthropogenic factors versus sea level change theory. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 9. Juli 2006; abgerufen am 1. November 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Chronisten aus jener Zeit berichteten davon, das 80 Prozent des Landes unter Wasser gestanden hätte.<ref name="flut" />

Auch Ostfriesland und die vorgelagerten Inseln wurden schwer getroffen. Eine Flutmarke an der Kirche Suurhusen, nördlich von Emden gelegen, zeigte + 4,40 m NN.<ref>Chronik der Sturmfluten. In: die-ganze-nordsee.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. Oktober 2022; abgerufen am 1. November 2022.</ref> An vielen Stellen brachen die Deiche und verwüsteten ganze Landstriche, die bis zu vier Wochen unter Wasser standen. Durch das Salzwasser waren die Äcker und Wiesen lange nicht mehr nutzbar. Die Überflutungen reichten bis ins Alte Land an der Elbe, die Vierlande bei Hamburg und bis nach Eiderstedt. Zwischen Ems und Weser gab es rund 10.000 Tote und Zehntausende wurden obdachlos. Ganze Dörfer verschwanden und Viehbestände und Vorräte wurden vernichtet.

Die Sturmflut wurde als Strafe Gottes angesehen. In den protestantischen Provinzen der Niederlande verstand man sie als Aufruf, sich nach dem 1568 noch erfolglosen Aufstand energischer gegen die spanische Unterdrückung aufzulehnen. 1572 gelang es den Geusen, die von den Überschwemmungen stark getroffenen Provinzen Zeeland und Holland zu erobern.<ref>Florian Stark: Als die Allerheiligenflut Holland verschlang. In: welt.de Geschichte. 12. April 2021, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 8. April 2022; abgerufen am 1. November 2022.</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Hans Egidius: Sturmfluten – Tod und Verderben an der Nordseeküste von Flandern bis Jütland. CCV Concept Center, Varel 2003, ISBN 3-934606-16-4.
  • Ulli Harth: Untergang der Halligen. Christians Verlag, Hamburg 1992, ISBN 3-7672-1157-2.
  • Lenny Veltman (Bearb.): De watersnoodramp van 1570. Een ooggetuigenverslag van Jan Fruytiers. Amsterdam University Press, Amsterdam 2024, ISBN 978-90-485-6294-7.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />