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Isofluran

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Strukturformel
Datei:Isofluran-Enantiomere.png
1:1-Gemisch aus (S)-Isofluran (links) und (R)-Isofluran (rechts)
Allgemeines
Freiname Isofluran
Andere Namen
  • Foran
  • Aerran
  • (RS)-Difluormethoxy-1-chlor-2,2,2-trifluorethan
  • (±)-Difluormethoxy-1-chlor-2,2,2-trifluorethan
  • rac-Difluormethoxy-1-chlor-2,2,2-trifluorethan
Summenformel C3H2ClF5O
Kurzbeschreibung

farblose, etherisch riechende Flüssigkeit<ref name="GESTIS" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 247-897-7
ECHA-InfoCard 100.043.528
PubChem 3763
ChemSpider 3631
DrugBank DB00753
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Arzneistoffangaben
ATC-Code

N01AB06

Wirkstoffklasse

Inhalationsanästhetikum

Eigenschaften
Molare Masse 184,49 g·mol−1
Dichte

1,45 g·cm−3 <ref name="GESTIS" />

Siedepunkt

48,5 °C <ref name="GESTIS" />

Dampfdruck
  • 320 hPa (20 °C) <ref name="GESTIS" />
  • 440 hPa (25 °C) <ref name="GESTIS" />
Löslichkeit

nicht oder schwer mischbar mit Wasser<ref name="Alfa">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Alfa AesarVorlage:Abrufdatum (Seite nicht mehr abrufbar).</ref>

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>
Datei:GHS-pictogram-exclam.svg

Achtung

H- und P-Sätze H: 336
P: 261​‐​271​‐​304+340+312​‐​403+233​‐​501<ref name="GESTIS" />
Toxikologische Daten

6.920 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name="GESTIS" />

Treibhauspotential

510<ref name="vollmer" />

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Isofluran ist ein volatiles Anästhetikum aus der Gruppe der Flurane. Es ist ein Strukturisomer des Enfluran und wird in Deutschland seit 1984 für Narkosen verwendet. Isofluran hat eine gute hypnotische und muskelrelaxierende Wirkung, wirkt jedoch nur schwach analgetisch. Es steht auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation. Verabreicht wird Isofluran über einen Verdampfer.

Pharmakologie

Die Metabolisierungsrate von Isofluran ist sehr niedrig (0,2 %), weshalb das Narkotikum auch bei Patienten mit Leberschädigung eingesetzt werden kann. Der Blut-Gas-Verteilungskoeffizient von Isofluran ist 1,46, bei einer Konzentration von 1 Vol.-% in den Lungenbläschen beträgt die Konzentration im Blut also 1,46 Vol.-%.

Chemie

Isofluran ist chiral, es wird als Racemat [1:1-Gemisch aus (S)-Isofluran und (R)-Isofluran] eingesetzt. Es handelt sich um eine farblose Flüssigkeit, die bei Normaldruck bei 49,3 °C siedet. Die Dampfdruckfunktion ergibt sich nach Antoine entsprechend ln(P) = A−(B/(T+C)) (P in kPa, T in K) mit A = 14.09217, B = 2539.154 und C = −54,400 im Temperaturbereich von 280,05 bis 343,97 K.<ref name="Ambrose" /> Die molare Verdampfungsenthalpie beträgt 31,9 kJ·mol−1.<ref>R. M. Stephenson, S. Malanowski: Handbook of the Thermodynamics of Organic Compounds. Springer 1987, ISBN 94-010-7923-4; doi:10.1007/978-94-009-3173-2.</ref> Die kritische Temperatur liegt bei 194,6 °C, der kritische Druck bei 30,46 bar.<ref name="Ambrose">D. Ambrose, N.B. Ghiassee: Vapour pressures, critical temperatures, and critical pressures of 2-chloro-1,1,2-trifluoroethyl difluoromethyl ether (enflurane) and of 1-chloro-2,2,2-trifluoroethyl difluoromethyl ether (isoflurane). In: J. Chem. Thermodyn. 20, 1988, S. 765–766.</ref> Die Synthese von Isofluran erfolgt in einer vierstufigen Synthese. Ausgehend von 2,2,2-Trifluorethanol und Dimethylsulfat wird im ersten Schritt der 2,2,2-Trifluorethylmethylether erhalten. Dieser wird in einem Chlorierungsschritt mit Chlor zum 2,2,2-Trifluorethyldichlormethylether umgesetzt. Ein Halogenaustausch mittels Fluorwasserstoff in Gegenwart von Antimonpentachlorid ergibt im dritten Schritt 2,2,2-Trifluorethyldifluormethylether. Die Zielverbindung wird dann in einer zweiten Chlorierungsreaktion erhalten. Aus der Synthesesequenz resultiert das Racemat.<ref name="A. Kleemann">Axel Kleemann, Jürgen Engel, Bernd Kutscher, Dietmar Reichert: Pharmaceutical Substances. Syntheses, Patents, Applications. 2 Bände. 4. Auflage. Thieme, Stuttgart u. a. 2001, ISBN 1-58890-031-2; seit 2003 online mit halbjährlichen Ergänzungen und Aktualisierungen.</ref>

Synthese von Isofluran
Synthese von Isofluran

Nebenwirkungen

Isofluran bewirkt eine Gefäßerweiterung (Vasodilatation) und führt dosisabhängig zum Abfall des arteriellen Blutdrucks und zum Anstieg der Herzfrequenz. Es vermindert die Durchblutung des Herzens und dosisabhängig<ref>Reinhard Larsen: Anästhesie und Intensivmedizin in Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. 1. Auflage. 1986. 5. Auflage: Springer, Berlin / Heidelberg / New York u. a. 1999, ISBN 3-540-65024-5, S. 8–10.</ref> das Herzminutenvolumen. Auch die Durchblutung der Nieren wird verringert, die glomeruläre Filtrationsrate und die Urinproduktion werden herabgesetzt. Außerdem verringert der Wirkstoff die Atmungsaktivität, wirkt also atemdepressiv, unterscheidet sich aber hinsichtlich seines Einflusses auf die Atemmechanik<ref>Th. Pasch u. a.: Der Einfluß von Isofluran auf die Atemmechanik. In: Anästhesie Intensivtherapie Notfallmedizin, Band 21, Heft 1, 1986, S. 1–4.</ref> nicht von Halothan oder Enfluran. Isofluran ist schleimhautreizend und eignet sich damit nur bedingt zur Narkoseeinleitung.

Umwelt

Die atmosphärische Lebensdauer beträgt 3,2 Jahre, das Treibhauspotential 510 und die Emissionen liegen bei (geschätzt) 880 Tonnen weltweit pro Jahr.<ref name="vollmer">Martin K. Vollmer, Tae Siek Rhee, Matt Rigby, Doris Hofstetter, Matthias Hill, Fabian Schoenenberger, Stefan Reimann: Modern inhalation anesthetics: Potent greenhouse gases in the global atmosphere. In: Geophysical Research Letters. Band 42, Nr. 5, 16. März 2015, S. 1606–1611, doi:10.1002/2014GL062785.</ref> In der Atmosphäre wandelt sich Isofluran mit einer Bildungsrate von 95 % in Trifluoressigsäure (TFA) um und gelangt mit dem Niederschlag in Böden und Gewässer.<ref>Chemikalieneintrag in Gewässervermindern – Trifluoracetat (TFA) als persistente und mobile Substanz mit vielen Quellen</ref>

Handelsnamen

Monopräparate: Forane (A), Forene (D, CH), diverse Generika (D, A, CH)

Literatur

  • Michaele Alef, Gerhard Oechtering: Praxis der Inhalationsanästhesie. Enke-Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-8304-1015-8.

Einzelnachweise

<references />

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