Leonhard Fronsperger
Leonhard Fronsperger, auch Fronsberger, (* um 1520 in Ulm<ref name="ADB"/> oder in Bayern;<ref name="NDB">Max Huber: Fronsperger, Leonhardt. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 5. Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).</ref> † 23. Mai 1575 in Ulm) war ein deutscher Militärschriftsteller.<ref name="ADB">Carl von Landmann: Fronsperger, Leonhart. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 8, Duncker & Humblot, Leipzig 1878, S. 145.</ref>
Leben
Fronsperger lernte in jungen Jahren das Kriegswesen kennen und band sich eng an die habsburgischen Kaiser. So ist es der Unterstützung durch Karl V. zu verdanken, dass Fronsperger 1548 das Ulmer Bürgerrecht erwerben und sich dort niederlassen konnte.<ref name="NDB"/> Er diente zwischen 1553 und 1573 vielfach im kaiserlichen Heer, wurde 1566 von Kaiser Maximilian II. im ersten österreichischen Türkenkrieg zum Feldgerichtsschultheißen ernannt und erhielt nach seinem Kriegseinsatz eine kaiserliche Pension.<ref>Max Huber: Fronsperger, Leonhardt. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 5. Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de). Der NDB-Artikel nennt ihn einen „Provisionär“, da sich Fronsperger in seinen Büchern selbst „kaiserlicher Provisioner“ nannte; den Begriff „Pensionär“ benutzt in zeitlich-räumlichem Zusammenhang Friedrich Edelmayer: Söldner und Pensionäre. Das Netzwerk Philipps II. im Heiligen Römischen Reich. Oldenbourg, Wien, München 2002, S. 27 f.</ref> In Ulm wurde er daraufhin vom Stadtrat zum Militärsachverständigen berufen. Er verunglückte dort bei einer Inspektion.<ref name="NDB"/>
Seine ab 1555<ref>Max Jähns: Geschichte der Kriegswissenschaften, vornehmlich in Deutschland (= Geschichte der Wissenschaften in Deutschland: Neuere Zeit. Band 21). 3 Bände. München/Leipzig 1889–1891, Band 1, S. 549.</ref> erschienenen Schriften behandeln das gesamte Kriegswesen seiner Zeit. Das bedeutendste Werk ist sein Kriegsbuch (3 Teile, Frankfurt am Main 1573). Zu seinen weiteren Schriften gehören auch philosophische Werke. Dazu gehört die Schrift Von dem Lob deß Eigen Nutzen (Frankfurt/Main, 1564), die ihn zu einem Vorgänger der Mandeville’schen Eigennutz-Lehre (siehe Mandeville-Paradox) macht.<ref>Wolfgang Wickler: Ist Eigennutz etwas Gutes? In: Norbert Elsner, Gerd Lüer (Hrsg.): „…sind eben alles Menschen“. Verhalten zwischen Zwang, Freiheit und Verantwortung. Universitätsverlag, Göttingen 2005, S. 153–164, hier S. 153; Wolfgang Fikentscher: Oikos und polis und die Moral der Bienen – eine Skizze zu Gemein- und Eigennutz. In: Fritjof Haft (Hrsg.): Strafgerechtigkeit. Festschrift für Arthur Kaufmann zum 70. Geburtstag. Müller, Heidelberg 1993, S. 71–80, hier S. 75.</ref>
Fronsperger war zweimal verheiratet und hatte drei Söhne.<ref name="NDB"/>
Rezeption
Für den Historiker Markus Völkel beginnt mit Fronspergers Kriegsbuch die „imponierende Reihe älterer deutscher Militärtheoretiker“.<ref>Markus Völkel: Zwischen reflektierter Norm und Selbstverständlichkeit. Die rhetorische Ordnung der Historien. In: Susanne Rau, Birgit Studt (Hrsg.): Geschichte schreiben. Ein Quellen- und Studienhandbuch zur Historiografie (ca. 1350–1750). Akademie Verlag, Berlin 2010, S. 537–551, hier S. 545.</ref> Max Jähns sah in dem Militärschriftsteller Fronsperger lediglich einen Kompilator.<ref>Max Jähns: Geschichte der Kriegswissenschaften, vornehmlich in Deutschland. 3 Bände. München/Leipzig 1889–1891 (= Geschichte der Wissenschaften in Deutschland: Neuere Zeit. Band 21). Band 1, S. 555.</ref>
Schriften (Auswahl)
- Besatzung. Frankfurt am Mayn 1563 (Digitalisat von Google Bücher)
- Von Kayserlichen Kriegßrechten Malefitz und Schuldhaendlen / Ordnung und Regiment […]. 4., vermehrte und verbesserte Auflage. Sigmund Feyerabend und Simon Hüter, Frankfurt am Main 1566 (Digitalisat von Google Bücher).
- Geistliche Kriegß-Ordnung, 1565 (Digitalisat von Google Bücher)
- Kriegsbuch, Frankfurt am Main 1573
Siehe auch
Literatur
- Carl von Landmann: Fronsperger, Leonhart. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 8, Duncker & Humblot, Leipzig 1878, S. 145.
- Max Huber: Fronsperger, Leonhardt. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 5. Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
- Winfried Schulze: Vom Gemeinnutz zum Eigennutz. Über den Normenwandel in der ständischen Gesellschaft der Frühen Neuzeit. (PDF; 3,2 MB) In: Historische Zeitschrift 243 (1986), S. 591–626, hier S. 606–614. (Digitalisat von Historicum.net)
- Rainer Leng: Ars belli. Deutsche taktische und kriegstechnische Bilderhandschriften und Traktate im 15. und 16. Jahrhundert. Bd. 1: Entstehung und Entwicklung, Reichert, Wiesbaden 2002, S. 304–308 (gibt eine Übersicht über die ältere Literatur).
- Rainer Klump, Lars Pilz: Durch Eigennutz zum Gemeinwohl. Individualisierung, Reformation und der „Geist des Kapitalismus“: zur Entstehung und Bedeutung von Leonhard Fronspergers Schrift „Von dem Lob deß Eigen Nutzen“ aus dem Jahre 1564. In: Normative Orders Working Paper. 1 (2018). (PDF abrufbar von der Universitätsbibliothek der Goethe-Universität).
- Rainer Klump, Lars Pilz: The Formation of a „Spirit of Capitalism“ in Upper Germany. Leonhard Fronsperger’s „On the Praise of Self-Interest“. In: Journal of the History of Economic Thought. 2021, ISSN 1053-8372 print; ISSN 1469-9656 online/21/000001-19 The History of Economics Society, 2021 doi:10.1017/S1053837220000164.
- Joffrey Rogel: L’influence de la pensée militaire antique dans la réforme oranienne : entre appel au passé et recherche de solutions nouvelles. In: La Revue d’Histoire Militaire, Les Lilas, La Revue d’Histoire Militaire 2022 (Digitalisat)
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fronsperger, Leonhard |
| KURZBESCHREIBUNG | Militärschriftsteller |
| GEBURTSDATUM | um 1520 |
| STERBEDATUM | 23. Mai 1575 |
| STERBEORT | Ulm |