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Frauengold

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Frauengold (später: Frauengold N<ref name="Muller1997">N.F. Muller, R.P. Dessing (Hrsg.): European Drug Index: European Drug Registrations, Fourth Edition, Deutscher Apothekerverlag, Stuttgart 1997, S. 514; eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.</ref>) war ein frei verkäufliches Arzneimittel zum Trinken, das spätestens ab Mitte der 1930er Jahre vom Karlsruher Unternehmen Homoia (1959/60 umbenannt in Biox GmbH<ref>Homoia GmbH – Stadtlexikon. In: stadtlexikon.karlsruhe.de. 5. März 1927, abgerufen am 28. Juni 2024.</ref>) als Stärkungsmittel rezeptfrei in Drogerien, Apotheken und Reformhäusern angeboten wurde.<ref name="spiegel.de, 2015" /><ref name="Spiegel 2015, Bilder" /> Es wurde als Herz-Kreislauf-Tonikum mit beruhigender und stimmungshebender Wirkung beworben. Die Wirkstoffe waren Auszüge aus verschiedenen Pflanzen mit Wein, der Alkohol-Gehalt betrug mindestens 16,5 Volumenprozent. Am 19. August 1981 wurde Frauengold vom Bundesgesundheitsministerium verboten, weil es Aristolochiasäuren enthielt. Diese Wirkstoffe der Osterluzei (Aristolochia clematitis) gelten als krebsfördernd und nierenschädigend.<ref>Osterluzei (Aristolochia clematitis) im GIFTPFLANZEN.COMpendium - www.giftpflanzen.com. Abgerufen am 2. Februar 2023.</ref><ref>Nierenkrebs: Genschäden durch Aristolochiasäuren in Rumänien, aerzteblatt.de, 29. Oktober 2014</ref><ref name="spiegel.de, 2015" /><ref name="Spiegel 2015, Bilder" />

Zusammensetzung

Laut dem Spezialitätenverzeichnis apothekenüblicher Präparate 1954 habe Frauengold Auszüge aus „Goldkraut, Bittergras-Frauenwurzel, Tigerlilie, Baldrian, Blattgrün, Kreuzkraut, Ignatia, amerikanische Esche und Damiana“ enthalten.<ref>zitiert nach: Frauengold: Besaufen wäre billiger, spiegel.de, 30. Juni 2015. Seite 8/12.</ref> Das Präparat Frauengold N enthielt weingeistigen Chinarindenextrakt, Virbunumrinden-Fluidextrakt, Damianblätterextrakt, Melissenblätterextrakt, Kamillenblütenextrakt, Arnikawurzelstock, Baldrianwurzelextrakt, Traubensilberkerzewurzelstock-Extrakt, Johanniskraut-Tinktur, Weißdornbeeren/-blüten-Tinktur und Weiße-Taubnessel-Tinktur.<ref name="Muller1997" />

Hintergrund und Kritik

Kritiker sahen die weite Verbreitung und den Erfolg von Frauengold als eine Fortsetzung des „Kölnisch-Wasser-Alkoholismus“ aus dem späten 19. Jahrhundert, bei dem Frauen, welchen der Zugang zu hochprozentigen alkoholischen Getränken verwehrt war, stattdessen auf als Duftwasser (wie eben Kölnisch Wasser) oder Medizin (wie dem Klosterfrau Melissengeist) deklarierte ethanolhaltige Tinkturen zurückgriffen und nicht selten in Abhängigkeit gerieten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Geschichte des Alkohols. (Memento vom 25. September 2008 im Internet Archive) Leben-ohne-Alkohol.de</ref> Beworben wurde das Mittel anfangs unter anderem mit dem Slogan „Nimm Frauengold und Du blühst auf!“<ref name="Spiegel 2015, Bilder">Frauengold: Besaufen wäre billiger, spiegel.de, 30. Juni 2015</ref> Unterschwellig sollte daneben auch eine leichtere Erträglichkeit von Menstruationsbeschwerden suggeriert werden; dazu wurde 1955 die Behauptung „Frauengold schafft Wohlbehagen, wohlgemerkt – an allen Tagen“ eingeführt.

Erfolg und Wirkung

In ihrer Dissertation zur Bedeutung von Nahrungsergänzungspräparaten in Familienhaushalten sieht Angela Cantrup möglicherweise den Zeitpunkt der Markteinführung im Rahmen gesellschaftlicher Veränderung als Faktor für den Erfolg des Produkts, den sie folgend beschreibt: Die konservative Gesellschaft der 1950er Jahre forcierte die Rückkehr der Frauen in die traditionelle Hausfrauenrolle. Frauenerwerbsarbeit wurde mit Krieg und Not assoziiert; nun sollte diese Zeit überwunden werden und die Frauen in ihre traditionelle Rolle als Hausfrau und Mutter zurückkehren. Die damit einhergehenden Frustrationsgefühle sollten – so die Werbestrategie – mit Produkten wie Frauengold erträglicher gemacht oder gelindert werden, um den Frauen die Anpassung an ihre von der patriarchalen Gesellschaft gewünschte Rolle zu erleichtern.<ref>Angela Cantrup: Die Bedeutung von Nahrungsergänzungspräparaten in Familienhaushalten. Bielefeld 2000, Dissertation als PDF</ref><ref>Frontal21, ZDF, 6. März 2007, und Berliner Frauenzeitung Prim a Donna, Heft 11, 1987</ref>

Frauengold wurde vom Hersteller Homoia auf den Markt gebracht und war Anfang der 1950er Jahre rezeptfrei in Apotheken und Drogerien erhältlich.<ref name="spiegel.de, 2015">Medizin in den Fünfzigern: Schweigen ist "Frauengold", spiegel.de, 30. Juni 2015</ref> 1956 erschien von Homoia für Männer ein entsprechendes Pendant, Eidran.<ref>Nimm Eidran und du schaffst es, slogans.de</ref>

In den 1960er Jahren wurden Frauen dann wieder zunehmend als Arbeitskräfte gesucht; die dadurch verursachte Doppelbelastung durch Haushalt und Beruf sorgte für eine verstärkte Nachfrage nach Produkten, die diese vermeintlich erleichtern konnten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Materialien zur Ausstellung Frauen- und Männergeschichte (Memento vom 26. April 2016 im Internet Archive; PDF) im Haus der Geschichte in Bonn</ref> So wurde in einem Werbespot namens „Das Glück aller Frauen heißt Frauengold“ eine Sekretärin vorgestellt, die sich lautstark über ihren Chef beklagt. Eine Kollegin rät ihr zu „Frauengold“, was sie offenbar derart besänftigt und wohlgelaunt stimmt, dass sie sich anschließend demütig bei ihrem Vorgesetzten entschuldigt. „Frauengold nehmen; und man kann über den Dingen stehen und objektiver urteilen“, lautete dazu die vom damaligen Gesellschaftsbild, das Frauen als unvernünftig und emotional hinstellte, geprägte Werbebotschaft.<ref>Kolumne: Frauensache: Das TV macht die Frau zum gefälligen Wesen RP-online, 5. Januar 2015</ref>

1963 wurde Frauengold vom Verbrauchermagazin DM als wirkungslos und überteuert gegenüber gewöhnlichem Südwein eingestuft.<ref name="spiegel.de, 2015" />

Die Herstellerfirma bewarb die pflanzlichen Bestandteile der Rezeptur in den 1970er Jahren mit dem Slogan „Natürlich wirksam. Natürlich für Frauen.“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />KÖLNISCH-WASSER-ALKOHOLISMUS – ALS FRAU ZUR FLASCHE GRIFF (Memento vom 11. Juli 2021 im Internet Archive)</ref>

Nachfolger und Nachwirkung

Queisser Pharma war bis Oktober 2013 Inhaber der 1975 eingetragenen Marke Frauengold.<ref>DPMAregister | Marken - Registerauskunft. Abgerufen am 2. Februar 2023.</ref> Noch 20 Jahre nach dem Verbot ermittelte die Gong-Verlagsstudie 2001 für Frauengold einen ungestützten Bekanntheitsgrad von acht Prozent in der deutschen Bevölkerung.

Entsprechende Alternative für Frauen und Männer

Das konkurrierende Tonikum Tai Ginseng wurde von Dr. Poehlmann & Co zeitweise als Stärkungsmittel speziell für ältere Menschen beworben.<ref name="Tai-Ginseng Fernsehwerbung">Triumphe feiert nur der Tüchtige: Fernsehwerbung für Tai-Ginseng (1977)</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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