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Jungle World

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Jungle World

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Beschreibung Linke Wochenzeitung
Sprache Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)
Verlag Jungle World Verlags GmbH (Deutschland)
Hauptsitz Berlin
Erstausgabe 4. Juni 1997
Erscheinungsweise wöchentlich/donnerstags
Verkaufte Auflage 11.585 Exemplare
(Verlagsangabe, Februar 2016)
Verbreitete Auflage 16.250 Exemplare
(Verlagsangabe, Februar 2016)
Chefredakteure Bernd Beier, Jörn Schulz
Geschäftsführer Dominik Klein, Alexandra Neuss
Weblink jungle.world
ISSN (Print)
Datei:Jungle world logo.png
Jungle-World-Online-Logo bis 2008

Die Jungle World, herausgegeben in Berlin, ist eine politisch linke Wochenzeitung, die in Deutschland und Österreich vertrieben wird.

Geschichte

Die Wochenzeitung Jungle World entstand im Jahr 1997 aus einem Arbeitskampf bei der marxistischen Tageszeitung Junge Welt. Nachdem zunächst der Geschäftsführer Dietmar Koschmieder den amtierenden Chefredakteur Klaus Behnken abgesetzt hatte, trat aus Protest gegen diese Entscheidung die große Mehrheit der Redaktionsmitglieder in einen Streik und besetzte die Redaktionsräume im MSP-Verlagshaus Am Treptower Park.<ref name="jw-2007-06-27">Ivo Bozic: Wie man einen Dschungel pflanzt. Jungle World, 27. Juni 2007, abgerufen am 20. Juni 2017.</ref> An dem Streik beteiligten sich unter anderem Jürgen Elsässer, Martin Krauß und Stefan Ripplinger. Hintergrund der Auseinandersetzung war ein Streit über den weiteren politischen Kurs der Zeitung.<ref name="jw-2007-06-27" /><ref name="zeit-1997-38">Adrienne Braun: Wie aus einer Revolte in der „Jungen Welt“ die neue Wochenzeitung „Jungle World“ wurde. In: Die Zeit. Nr. 38, 1997 (online [abgerufen am 3. März 2015]).</ref><ref name="taz-2004-09-08">Kristine Döll: Wenn Linke weinen. In: taz. Nr. 7456, 8. September 2004, S. 21 (online [abgerufen am 23. Februar 2018]).</ref> Die zunächst nur als Streikzeitung der Redaktionsmehrheit geplante Jungle World<ref name="zeit-1997-38" /> wurde in der Anfangszeit in der Wohnung Klaus Behnkens, der ehemaligen WG der Band Ton Steine Scherben, am Tempelhofer Ufer 32 in Berlin-Kreuzberg, mit geliehenen Computern produziert.<ref>Jungle World – Linke Wochenzeitung. In: kollektiv-betriebe.org. Abgerufen am 23. Februar 2018.</ref>

Laut Eigendarstellung der Jungle World ging sie am 4. Juni 1997<ref>18 Jahre ungezogen. In: jungle.world. 4. Juni 2015, abgerufen am 7. Oktober 2020.</ref> erstmals ohne Startkapital oder eigene Produktionsmittel, „getragen nur von der großen Unterstützung der Leserinnen und Leser und der Solidarität anderer Medien“, als regelmäßig erscheinende Wochenzeitung in den Handel.<ref>Jungle World abonnieren! In: groups.google.com. 20. Juni 1997, abgerufen am 10. September 2017.</ref><ref name="help">Henryk M. Broder: Help! Jungle World kämpft um Existenz. In: achgut.de. 2006, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. März 2014; abgerufen am 19. Mai 2018.</ref>

Von 2001 bis 2003 lagen der Jungle World monatlich die Subtropen bei, dem Nachfolger der Beute, der redaktionell unabhängig war.<ref>Harald Fricke: Beute-Relaunch. In: Die Tageszeitung: taz. 4. Mai 2001, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 13. April 2026]).</ref><ref>redaktion suptropen: Liebe Leserinnen und Leser. Abgerufen am 13. April 2026.</ref>

Am 7. Juni 2017 erschien die 1000. Ausgabe der Zeitung. Diese wurde zum 20-jährigen Jubiläum komplett von ehemaligen Mitarbeitern verantwortet.

Politische Ausrichtung

Die Zeitung ist parteilich unabhängig.<ref>Schon drei Jahre Jungle World Die Zeit (33/2000), abgerufen am 15. Februar 2015.</ref> Ihrem Selbstverständnis nach will die Jungle World eine Plattform für unterschiedliche linke Positionen sein<ref name="taz-2004-09-08" /> und sieht sich als undogmatische linke Wochenzeitung<ref>Die Diskussion der deutschen Linken um die Haltung zum Nahostkonflikt am Beispiel der Wochenzeitung »Jungle World«, 22. Mai 2005.</ref> sowie als „wichtige Plattform für linke Debatten und subkulturelle Gegentrends“.<ref name="help" /> In der politischen Ausrichtung ist sie zwischen linksradikal<ref>Die letzten Fortschrittsgläubigen, FAZ, 11. Dezember 2009 (abgerufen am 23. Februar 2014).</ref> und unorthodox links einzuordnen und versteht sich insbesondere als „dezidiert nicht antizionistisch, antisemitisch und antiamerikanisch“.<ref>Freunde von links, Jüdische Allgemeine, 12. Juli 2007.</ref> Infolgedessen wird der dem politischen Spektrum des Antiimperialismus zuzurechnende Teil der Linken in der Jungle World regelmäßig vehement kritisiert, unter anderem als nationalistisch und unreflektiert. Regelmäßig kommen auch Autoren zu Wort, die dem politischen Spektrum der Antideutschen zugerechnet werden. Einerseits wird die Jungle World von der allgemein als „antideutsch“ eingestuften Zeitschrift Bahamas häufig kritisiert,<ref name="adf">Mut. Klartext. Jungle World Redaktion BAHAMAS, 20. November 2002</ref> andererseits wurde die Zeitschrift unter anderem vom Verfassungsschutz des Landes Brandenburg im Jahr 2005 als eine der wichtigsten Publikationen des antideutschen Spektrums eingestuft.<ref>Verfassungsschutzbericht Land Brandenburg 2005. (PDF; 17,8 MB) In: mik.brandenburg.de. Juni 2006, S. 95, abgerufen am 23. November 2021.</ref>

Eine parlamentarische Anfrage, ob die Wochenzeitung Jungle World linksextremistisch ausgerichtet sei, bejahte das Bundesfamilienministerium im Januar 2012 ausdrücklich nicht, erwähnte jedoch „Hinweise auf Veranstaltungen aus dem linksextremistischen Spektrum“ in der Jungle World und dass dort „regelmäßig unter anderem Fragestellungen des linksextremistischen antideutschen Spektrums aufgegriffen [werden]“.<ref>Antwort der Bundesregierung auf Kleine Anfrage von Abgeordneten der Fraktion Die Linke, Drucksache 17/8310, 9. Januar 2012; abgerufen am 11. September 2021</ref><ref>Deniz Yücel: Kristina Schröder und Linksextremismus – Die Ministerin weiß von nichts. In: taz.de. 9. Januar 2012, abgerufen am 30. August 2020.</ref> In der taz beschrieb Deniz Yücel darauf, wie ihn im Jahr 2006 die spätere Familienministerin Kristina Schröder persönlich empfangen und ihm für die Jungle World ein längeres Interview gewährt hatte,<ref>Deniz Yücel: Familienministerin und „Jungle World“ – Schröders Flirt mit Linksradikalen. In: taz.de. 9. Januar 2012, abgerufen am 15. Februar 2015.</ref> das in der Zeitung veröffentlicht wurde.<ref>Stefan Wirner, Deniz Yücel: „Nicht jeder muss Leberwurst essen“. Interview mit Kristina Köhler. In: Jungle World. Nr. 2006/11, 15. März 2006 (jungle.world [abgerufen am 26. März 2020]).</ref>

Inhalt

Das inhaltliche Spektrum der Zeitung deckt die klassischen Themengebiete der sozialen und linken Bewegungen ab. Dazu zählen unter anderem die Themen Antifaschismus<ref>Rubrik: antifa Rubrik (abgerufen am 20. Juni 2017)</ref>, Antirassismus, (materialistischer) Feminismus, Kapitalismuskritik, Ökologie und soziale Kämpfe sowie linke Theoriebildung. Darüber hinaus setzt die Jungle World weitere Schwerpunkte in ihrer Berichterstattung bei den Themen Antisemitismus und Islamismus. Auch die Themen Wirtschaft, Wissenschaft, Internet und Sport<ref>Ressort: Sport (abgerufen am 20. Juni 2017)</ref> werden regelmäßig behandelt. In der Rubrik Deutsches Haus werden zudem wöchentlich Vorfälle aus Deutschland mit rechtsextremem Hintergrund dokumentiert. 2018 rief der Literaturkritiker Magnus Klaue die Kolumne Lahme Literaten ins Leben, die Verrisse von Autoren oder Genres enthält.<ref>Lahme Literaten. Alle Artikel der Kolumne. In: jungle.world. Abgerufen am 24. März 2020.</ref>

Der Magazinteil der Jungle World heißt Dschungel<ref>Dschungel Magazinbeilage (abgerufen am 20. Juni 2017)</ref> und liegt jeder Ausgabe bei. Das Magazin enthält unter anderem das Feuilleton, die Sportseiten sowie ein Dossier, in dem wechselnde Autoren in einem längeren Text zumeist politische oder sozialphilosophische Themen behandeln oder Vorabdrucke aus literarischen Werken veröffentlicht werden. Anfang 2015 wurde das Dossier als eigenständiges Ressort aufgelöst und dem allgemeinen Feuilleton eingefügt. Außerdem erscheint im Dschungel die Kolumne Talmi von Leo Fischer, dem ehemaligen Chefredakteur des Satiremagazins Titanic. Die den Magazinteil abschließende Comicseite ist nur in der Printausgabe verfügbar und enthält unter anderem Comicstrips und Zeichnungen von Andreas Michalke, Wolfgang Buechs<ref>digirev: zuhause während der digitalen Revolution Comicstrip (abgerufen am 2. März 2015)</ref> und 18Metzger<ref>18Metzger: Totes Meer, Comic (abgerufen am 2. März 2015)</ref>.

Im Jungleblog<ref>JungleBlog (abgerufen am 2. März 2015)</ref> erscheinen unregelmäßig meist kürzere Beiträge zu tagesaktuellen Themen, die nur online veröffentlicht werden. In der Rubrik Von Tunis nach Teheran schreibt Thomas von der Osten-Sacken speziell über Themen des Nahen Ostens.<ref>Von Tunis nach Theran. In: jungle.world. Abgerufen am 17. August 2021.</ref>

Seit 1998 produziert die Redaktion der Zeitung einmal jährlich eine Sonderausgabe im meist europäischen Ausland.<ref>Jungle on the Road, Jungle World (26/2007), 27. Juni 2007.</ref> Den redaktionellen Schwerpunkt bildet dabei die politische und kulturelle Situation des entsprechenden Landes. Im Jahr 2004 unterstützte die Kulturstiftung des Bundes einen zweiwöchigen Aufenthalt in Israel,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kulturstiftung des Bundes: Reise nach Jerusalem (Memento vom 15. Februar 2015 im Internet Archive), abgerufen am 15. Februar 2015.</ref> bei dem die Redaktion eine Israel-Sonderausgabe produzierte, die unter dem Slogan „Reise nach Jerusalem“ beworben wurde.<ref>Reise nach Jerusalem – Die Jungle World in Israel. In: Jungle World. Nr. 2004/18, April 2004 (jungle.world [abgerufen am 4. Januar 2021]).</ref><ref>Jungle World in Israel Hagalil, 22. Juni 2004 (abgerufen am 8. März 2015)</ref> Im Jahr 2007 erschien anstelle einer Auslands- eine Geburtstagsausgabe zum zehnjährigen Bestehen der Zeitung.<ref>Jungle World – Der Dschungel lebt Artikel in den Blättern des IZ3W, Ausgabe Nr. 302, 2007(abgerufen am 3. März 2015)</ref><ref>Zehn Jahre sind genug! Die Jungle World hat Geburtstag. In: jungle.world. 27. Juni 2007, abgerufen am 10. März 2019.</ref> 2014 produzierte die Redaktion aus Wien eine Österreich-Ausgabe.<ref>Petra Sturm: Do Swidanja! In: Falter. Nr. 39/14, September 2014 (falter.at [abgerufen am 19. April 2020]).</ref><ref>Jungle World Österreich Ausgabe. Gesprächsrunde mit Redakteuren der Jungle World im WUK, Wien. In: cba.fro.at. 19. September 2014, abgerufen am 9. November 2021 (Audio, 52:32 Minuten).</ref><ref>Senf TV trifft Jungle World. Webseite zur Sendung vom 19. September 2014 mit Video (13:30 Minuten). In: okto.tv. Abgerufen am 13. Oktober 2021.</ref> Zum 20. Geburtstag produzierten Mischa Pfisterer und Malte Voß einen Film, in dem ehemalige und gegenwärtige Redaktionsmitglieder über die Geschichte der Jungle World referieren.<ref name="film20">20 Jahre sind nicht genug. »Jungle World« - der Film. In: Blog „20 Jahre jungle.world“. 18. Januar 2018, abgerufen am 18. Mai 2018.</ref>

Sämtliche Ausgaben sind auf der Webseite archiviert. Während die Artikel der jeweils aktuellen Ausgabe kostenpflichtig sind,<ref>Andrej Reisin: Wie "Jungle World", "Neues Deutschland" und andere darum kämpfen, nicht unterzugehen. In: Übermedien. 27. Dezember 2023, abgerufen am 15. Oktober 2025.</ref> sind ältere Ausgaben frei zugänglich.<ref>Ausgaben. In: jungle.world. Abgerufen am 26. November 2018.</ref>

Gestaltung

Die Printausgabe ist unterteilt in einen 20 Seiten umfassenden Mantelteil im Berliner Format und einen 24 Seiten umfassenden Magazinteil im halben Berliner Format.<ref>Mediadaten Jungle World (abgerufen am 2. März 2015)</ref>

Als Schriftarten verwendet die Jungle World die von dem Typografen und Schriftentwerfer Lucas de Groot eigens für die Zeitung designten Schrifttypen Floris JW und Floris Text.<ref>Case Study: Jungle World Homepage Lucas de Groot (abgerufen am 3. Februar 2015)</ref>

Mit der 7. Ausgabe 2016 wurde ein neues Design eingeführt.<ref>Homestory. In: jungle.world. 18. Februar 2016, abgerufen am 7. Oktober 2020.</ref> Unter anderem wurde die Titelseite übersichtlicher gestaltet und der Mantelteil von drei auf fünf Spalten umgestellt. Als Logo der Printausgabe fungiert ein großes „J“.

Auflage und Vertrieb

Nach Eigenangaben erschien die Zeitung im Jahr 2015 wöchentlich bundesweit mit einer Auflage von 16.000 Exemplaren, wobei die verkaufte Auflage 2011 bei 11.585 Exemplaren lag, davon etwa 6300 Abonnements.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mediadaten Januar 2011 (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) (PDF), jungle.world.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Carnivova Verlagsservice über Jungle World (Memento vom 16. Februar 2015 im Internet Archive)</ref> Diese sind entscheidend für die Finanzierung der Zeitung.<ref name="help" /><ref>Finale Rettungskampagne gestartet: JUNGLE WORLD in Not. In: Hagalil. 20. Juli 2004, abgerufen am 8. März 2015.</ref> Online stehen aktuelle Ausgaben der Zeitung hinter einer Paywall, das Archiv ist hingegen frei zugänglich.<ref>Andrej Reisin: Wie "Jungle World", "Neues Deutschland" und andere darum kämpfen, nicht unterzugehen. In: Übermedien. 27. Dezember 2023, abgerufen am 5. Januar 2025.</ref>

Die Jungle World ist an zahlreichen Bahnhöfen sowie in ausgewählten Kiosken und Buchhandlungen in Deutschland und Österreich erhältlich.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Verkaufstellenübersicht Verlagsservice (Memento vom 16. Februar 2015 im Internet Archive), abgerufen am 15. Februar 2015.</ref>

Rezeption

In der Feuilleton-Übersicht Heute in den Feuilletons von Perlentaucher und Spiegel Online werden in der Jungle World veröffentlichte Texte regelmäßig vorgestellt.<ref>Heute in den Feuilletons, spiegel.de, abgerufen am 20. Oktober 2015.</ref>

Als nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 in der Jungle World auch Artikel veröffentlicht wurden, die ein militärisches Vorgehen von westlichen Staaten gegen al-Qaida oder die Taliban guthießen, wurde die Zeitung dafür von Antimilitaristen kritisiert.<ref>Alfred Schobert: Linke Bellizisten auf Gespensterjagd. In: graswurzel.net. 1. Februar 2002, abgerufen am 28. August 2020.</ref>

Autoren (Auswahl)

Seit ihrer Gründung im Jahr 1997 erschienen in der Zeitung unter anderem Beiträge von:

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Film

Weblinks

Einzelnachweise

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