Als ältester Sohn des Berliner Bankiers Barthold Arons (* 12. Februar 1850; † 3. Oktober 1933) und seiner Frau Bertha (gen. Betty), geb. Simon (* 1855; † 1932) wuchs er in wohlhabenden Verhältnissen in der elterlichen Villa Arons in der Colonie Alsen am Wannsee auf.<ref name="ghwk">ghwk.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Villa Arons – Bruno Ahrends (Memento vom 18. Mai 2016 im Internet Archive)</ref> Seine jüngeren Geschwister waren Katharine (gen. Käthe) (* 1879) und Edmund (1883–1965), sein Onkel war der Kunstmäzen James Simon. 1904 änderte er seinen biblischen Familiennamen vor dem Hintergrund der Assimilation in Ahrends, möglicherweise zeitgleich zur Konversion vom Judentum zum Christentum, die er und seine Geschwister vornahmen. Im selben Jahr heiratete er Johanna Springer (1882–1970), die Enkelin des Verlegers Julius Springer. Mit ihr bekam er eine Tochter und drei Söhne: Hans Peter Bruno Ahrends (1905–2001), Steffen Ahrends (1907–1992), der ebenfalls Architekt wurde, Marianne Ahrends (1910–1994) und Gottfried Bruno Ahrends (* 1917).<ref>Ahrends, Steffen, auf: artefacts.co.za, abgerufen am 15. Mai 2016</ref>
Anschließend verließ er den öffentlichen Dienst und ließ sich in Berlin als selbständiger Architekt nieder. Erstes eigenständiges Projekt wurde dort das 1911/12 errichtete Wohnhaus seiner eigenen Familie, ein Landhaus auf dem Grundstück Miquelstraße 66–68 in Berlin-Dahlem, das heute als Dienstvilla des Bundestagspräsidenten dient. Auch den großzügigen Garten des Anwesens plante Ahrends selbst.<ref>Garten des Landhauses Ahrends, auf: berlin.de, abgerufen am 6. Februar 2024</ref> Er verkaufte es 1917 und baute sich 1921 ein schlichtes Landhaus in Hanglage direkt am Großen Wannsee. In seinem Architekturbüro lernte 1922 u. a. Erich Boltenstern. Später projektierte und baute Ahrends zahlreiche Wohn- und Siedlungsbauten in Berlin-Lichtenberg, Berlin-Reinickendorf<ref>Günter Schlusche: Jüdische Architekten prägten Berlins Architektur. In: Berliner Morgenpost, 29. August 2009, auf: morgenpost.de, abgerufen am 15. Mai 2016</ref>, Berlin-Wilmersdorf und Berlin-Zehlendorf. Seine architektonischer Stil umfasste dabei sowohl eine traditionelle (bei Landhäusern) als auch eine für die damalige Zeit sehr moderne Formensprache. Ahrends konnte seine selbständige Arbeit als Architekt bis 1937 fortsetzen; dann erteilte das NS-Regime auf Grundlage der Nürnberger Gesetze jüdischen Architekten Berufsverbot.<ref>Sebastian Borger: Wenn Berlin ein Gefühl des Zorns hervorruft. In: Berliner Zeitung, 12. November 2016. Auf: berliner-zeitung.de abgerufen am 6. Februar 2024</ref> Im Jahr 1938 floh er nach Italien. Von Rom aus gelangte er 1939 nach Großbritannien, wo sich seine Tochter Marianne (1910–1994) aufhielt. Er lebte dort beschäftigungslos in ärmlichen Verhältnissen. Er wurde nach Kriegsausbruch von den Briten über ein Jahr als enemy alien im Hutchinson Internment Camp auf der Isle of Man interniert. Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte er 1948 nach Kapstadt zu seinen beiden Söhnen. Dort starb er bald nach seiner Ankunft.<ref>Ahrends, Bruno, auf: juedische-architekten.de, abgerufen am 15. Mai 2016</ref>
Bauten
Neben Landhäusern und Villen entwarf er auch eine Reihe von Wohnblöcken und Siedlungen in kommunaler Trägerschaft. Anfang der 1920er Jahre entstanden beispielsweise die Kleinhaussiedlung in Johannisthal und die Reihenhäuser Falkenried 12/14 und Hohe Ähren 1/3. Die als Weiße Stadt bekannte Großsiedlung Schillerpromenade in Berlin-Reinickendorf, an deren städtebaulicher Planung er neben anderen Architekten beteiligt war, ist heute Teil des Weltkulturerbes.<ref>UNESCO-Weltkurlturerbe-Siedlungen, auf: ticket-b.de, abgerufen am 15. Mai 2016</ref><ref>Ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft, auf: flanieren-in-berlin.de, abgerufen am 15. Mai 2016</ref> Prominent sind auch die beiden Landhäuser, die Ahrends für sich und seine Familie in Berlin errichtete (Am Großen Wannsee 6<ref>www.berliner-woche.de vom 9. August 2018</ref> und Miquelstraße 66).
Seine Entwürfe orientierten sich stets an den Bedürfnissen der Bauherrn bzw. späteren Bewohner, wobei man eine Entwicklung seiner Formensprache zwischen 1911 und den 1930er Jahren erkennen kann: Anfangs noch expressionistisch geprägt, reduzierte er seine Baukörper immer weiter, unter Verzicht auf jegliche Ornamentik. Er entschied sich schließlich zum Flachdach und zum Kubus, reihte mehrere Kuben aneinander oder staffelte sie hintereinander. Die Flachdächer („Zigarrenkistenmode“) waren jedoch als Kontrast zu den Landhäusern Anfang der 1920er Jahre Ursache für Empörung von Anwohnern und Gegenstand von Besprechungen des Stadtrats Hoge vom Bezirksamt, das von Ahrends als Mitglied einer Gutachterkommission mit seinen Kollegen Fritz Crzellitzer und Paul Mebes beraten wurde. Ahrends verteidigte diese Architekturästhetik offensiv und sollte deshalb als Sachverständiger zum Rücktritt gedrängt werden. Er bekam aber Unterstützung vom Berliner Oberbürgermeister Gustav Böß und dem Zentralen Sachverständigenbeirat.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von Berlin: Denkmal des Monats: Landhaus in 6 Monaten: Wachtelstraße 4, Ortsteil Dahlem (Memento vom 18. Mai 2016 im Internet Archive) (PDF; 8 MB), auf: berlin.de, abgerufen am 15. Mai 2016</ref>
„Auch ich empfinde die vielfachen Verunstaltungen unserer Städte durch schlechte Bauten aufs schmerzlichste, aber ich mache für ein schlechtes Haus nicht die Dachform, sondern den Planverfasser verantwortlich und trete dafür ein, dass man nicht von guten und schlechten Dachformen, sondern nur von guten und schlechten Architekten sprechen kann.“
1912–1933 (mit Heinrich Schweitzer): Wohnhausgruppe und Siedlung Im Gehege 2–5 (komplett), Am Hirschsprung 3–25 (ungerade Hausnummern), Falkenried 2–20 (gerade Hausnummern), Hohe Ähren 1–9 (ungerade Hausnummern) in Berlin-Dahlem
1914: Garten des Landhauses Ahrends, Miquelstraße 66/68 in Berlin-Dahlem
1919–1927: Kleinhaussiedlung Breiter Weg am Breiten Fenn in Berlin-Johannisthal
1925: Frieda-Köpcke-Haus, Stiftswohnhaus der Sidonie-Scharfe-Stiftung, in Berlin-Zehlendorf
1927: Zweifamilienhaus Beerenstraße 31 in Berlin-Zehlendorf<ref>Blinde Flecken im Denkmalschutz: In Berlin verschwindet ein Haus des Architekten Bruno Ahrends. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 10. September 2025]).</ref>, abgerissen 09/2025
1927–1928: Wohnhaus Kyllmannstraße 4 in Berlin-Wannsee
1927–1929: Wohnblock Cunostraße 69–70, Landecker Straße 4, Kranzer Straße 5 in Berlin-Schmargendorf
1928: Haus der Geschäftsstelle der Domäne Dahlem in Berlin
1929: Wohnhausbauten für die Heimstättengesellschaft Primus an der damaligen Christianiastraße (heute Osloer Straße 21 bis 22), außerdem das angrenzende Gebäude der Deutschen Reichspost in Berlin-Wedding
1930: Landhaus Wolf in Schlüchtern (unter Denkmalschutz, bis 2009 restauriert)<ref>Denkmalpflege und Kulturgeschichte, Jahrgang 2010, Heft 1, S. 25 f.</ref>
1930: Garage und Werkstatt, Wiener Straße 13 in Berlin-Kreuzberg
1934: Wohnhaus Edelhofdamm 45 in Berlin-Lübars<ref>Wohnung in Lübars, auf: berlin.de, abgerufen am 6. Februar 2024</ref>
Schriften
Die Küche der Klein- und Mittelwohnung. Beuth-Verlag / Triasdruck, Berlin 1928.
Ehrung
An der Straßenecke Aroser Allee / Emmentaler Straße in Berlin-Reinickendorf erinnerte 2013 eine nur temporär angebrachte Gedenktafel an Bruno Ahrends.<ref>Christian Schindler: Gedenktafel für Architekten der Weißen Stadt. In: Berliner Woche, 4. Juli 2013, auf: berliner-woche.de, abgerufen am 15. Mai 2016</ref>
Literatur
Norbert Huse (Hrsg.): Siedlungen der zwanziger Jahre heute. Vier Berliner Großsiedlungen 1924–1984. Publica, Berlin 1984, ISBN 978-3-89087-012-0.
Architekturwerkstatt Helge Pitz – Winfried Brenne (Hrsg.): „Weisse Stadt“ in Reinickendorf. Berlin, 1981. (Dokumentation der 50-jährigen Geschichte, Erarbeitung des Originalzustandes sowie der Grundlagen für zukünftige Maßnahmen dieser unter Denkmalschutz stehenden Siedlung aus den Jahren 1929/31.)
Harry Balkow-Gölitzer, Bettina Biedermann, Rüdiger Reitmeier: Eine noble Adresse. Prominente in Berlin-Dahlem und ihre Geschichten. Bebra, Berlin 2005, ISBN 978-3-8148-0136-0.
Myra Warhaftig: Deutsche jüdische Architekten vor und nach 1933 – Das Lexikon. Reimer Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-496-01326-5, S. 41 ff.
Bruno Ahrends (1878–1948). In: Harald Bodenschatz, Benedikt Goebel, Hans-Dieter Nägelke (Hrsg.): Im Gleichschritt. Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin im Nationalsozialismus. Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin, Berlin 2023, ISBN 978-3-943164-23-7, S. 14.