Zum Inhalt springen

Luneplate

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 27. Januar 2026 um 16:54 Uhr durch imported>Helmut Seger (Flächennutzung: Link eingefügt).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Karte Luneplate 2015.png
Karte der Luneplate mit Schutzgebieten
Datei:Luneplate, Naturschutzgebiet Bremerhaven-Fischereihafen.jpg
Naturschutzgebiet Luneplate

Die Luneplate ist eine ehemalige Weser­insel sowie ein unbewohnter Ortsteil des Bremerhavener Stadtteils Fischereihafen im Stadtbezirk Süd.

Geografie

Datei:Bremerhaven Ortsteil Luneplate.svg
Lage in Bremerhaven

Die Insel Luneplate (früher auch Wulsdorfer Sand) war eine der größeren Inseln in der Unterweser südlich von Bremerhaven. Im Westen und Norden ist sie vom Hauptstrom der Weser begrenzt, im Süden von einem ehemaligen Weserarm namens Alte Weser. Die vor dem 19. Jahrhundert wohl hauptsächlich mit Schilf bewachsene Insel wurde entwässert und als Grünland genutzt. Seit der Erweiterung der eingedeichten Fläche 1922–1924 durch Abschneiden der Alten Weser vom Hauptstrom für den Bau des Fischereihafens II zählte das 1473 ha große Areal zum Festland.

Politik, Verwaltung

Datei:StV-Luneplate 2.png
Flächenaustausch gemäß Staatsvertrag
rot zu Bremen,
blau zu Niedersachsen

Bis Ende 2009 war die Luneplate größtenteils niedersächsisches Gebiet, dieser Teil gehörte ehemals zum Land Oldenburg. Nur das nach den Hafenerweiterungen vom neuen Verlauf des Flusses Lune entlang der Landesgrenze abgeschnittene und vorher nicht eingedeichte Nordende gehörte bereits länger zu Wulsdorf und somit seit dessen Eingemeindung nach Geestemünde zum Stadtgebiet. Seit dem 1. Januar 2010 gehört sie ganz zur Stadt Bremerhaven. Dazu hat das Land Niedersachsen eine teilweise bereits im Eigentum der Freien Hansestadt Bremen befindliche Fläche von ca. 14,7 km² der Loxstedter Gemarkung Landwürden per Staatsvertrag an das Land Bremen abgetreten. Der am 5. Mai 2009 unterzeichnete Staatsvertrag wurde am 26. August 2009 vom Niedersächsischen Landtag gebilligt.<ref name="G-NI" /> Die Bremische Bürgerschaft hat dem Gesetzentwurf zum Staatsvertrag am 19. November 2009 in zweiter Lesung zugestimmt.<ref name="G-HB" /> Der Staatsvertrag ist am 1. Januar 2010 in Kraft getreten<ref name="Inkraft" /> und wurde mit einem Festakt am 11. Januar 2010 vollzogen. Der von Niedersachsen abgetretene Teil der Luneplate wurde zum gleichnamigen Ortsteil im Stadtteil Fischereihafen. Das ebenfalls übertragene Gebiet Reithufer wurde dem Ortsteil Fischereihafen zugeschlagen.<ref name="PM-Bhv" />

Flächennutzung

Die Luneplate wurde bislang ausschließlich landwirtschaftlich genutzt. Ab etwa 1960 von Bremen und Niedersachsen geplante großflächige Industrieansiedlungen wurden schließlich verworfen, wie viele andere Projekte vorher auch: So sollte die Luneplate einst als Holzhafen für Bremerhaven und Geestemünde dienen (um 1880) oder als Fischereihafenerweiterung genutzt werden (1920). Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die Flächen dagegen für die Fischerei, Industrie und Kriegsmarine reserviert. Nur auf dem ehemaligen Nordende der Insel außerhalb des Ortsteils entstanden hafenbezogene gewerbliche Nutzungen und der Flugplatz Luneort.

Datei:Luneplate Radart + To 20240921.jpg
Radarturm Luneplate
Datei:Sperrwerk Luneplate 20160323.jpg
Sturmflutsperrwerk Luneplate
Datei:Luneplate 2.jpg
Blick vom Aussichtsturm auf wiedervernässte Flächen (August 2017)

Zwischen 1974 und 1981 wurde die Radarkette der Verkehrszentrale Bremerhaven nach Süden erweitert. Im Rahmen dieser Maßnahme wurde auf der Luneplate dicht am Deich der Einheitsradarturm Luneplate errichtet.

Seit 2003/2004 werden große Teile der Luneplate wieder vernässt, um als ökologische Ausgleichsfläche für die Erweiterung des Container-Terminals Bremerhaven zu dienen.<ref>Hafenbau-Ausgleich setzt Maßstäbe. In: Täglicher Hafenbericht vom 9. Oktober 2012, S. 2</ref><ref>30 Millionen Euro für die Natur. In: Täglicher Hafenbericht vom 27. August 2013, S. 3</ref> Der Wasseraustausch mit der Unterweser erfolgt über das 2008 bis 2010 erbaute und in die Deichlinie integrierte Sturmflutsperrwerk Luneplate.

Die Landwirtschaft wurde insgesamt aufgegeben – die dort gehaltenen Wasserbüffel dienen lediglich der Landschaftspflege.<ref name="PM-Bhv" /> Im Norden verbleiben noch ca. 2 km² Gewerbe-Erwartungsflächen.<ref name="Drs" />

Offshore-Hafen

Seit 2009 ist die Luneplate mit zwei möglichen Standorten für einen geplanten Hafen für Offshore-Windenergieanlagen im Gespräch.<ref name="taz2010" /><ref name="Senatsvorlage Offshorehafen" /> Nachdem Naturschutzverbände für die südliche Variante Erdmannsiel eine gerichtliche Auseinandersetzung androhten, die das Bauvorhaben verzögern oder verhindern könnten, entschied sich der Bremer Senat für den alternativen Standort Blexer Bogen Nord nordwestlich des Flugplatzes Luneort.<ref name="NZ Offshore-Hafen" /> Dieser Standort liegt außerhalb des Ortsteils, aber geografisch auf der ehemaligen Weserinsel Luneplate.

Naturschutz

Ein großer Teil der Luneplate bildet das EU-Vogelschutzgebiet „Luneplate“ (EU-Melde-Nr. DE2417-401, Größe 940 ha). Es hat herausragende Bedeutung als Rastgebiet für nordische Gänse, Schwäne und Limikolen (Zwergschwan, Blässgans, Nonnengans, Säbelschnäbler). Als Brutgebiet hat es hohe Bedeutung für Röhricht bewohnende Vogelarten sowie für Wasservögel.<ref name="BUISY" /> Ein Tidepolder wurde 2012/2013 fertiggestellt. Am 17. Februar 2015 wurde das 1438 ha große Naturschutzgebiet Luneplate ausgewiesen.<ref>BUISY - Aktuelles. Unterschutzstellung des Naturschutzgebietes Luneplate in Bremerhaven. umwelt.bremen.de, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. Januar 2014; abgerufen am 7. Januar 2014.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Eintrag im Bremer Umwelt-Informationssystem (BUISY) (Memento vom 18. Mai 2015 im Internet Archive), abgerufen am 8. Mai 2015.</ref>

Literatur

  • Burchard Scheper: Die jüngere Geschichte der Stadt Bremerhaven. Magistrat der Stadt Bremerhaven, 1977, ISBN 3-921749-00-X

Einzelnachweise

<references> <ref name="Drs"> Drucksache 17/950. (PDF; 1 MB) Bremische Bürgerschaft, S. 5, abgerufen am 10. Januar 2010 (Anhang: Staatsvertrag). </ref> <ref name="G-NI"> Gesetz vom 27. August 2009 zum Staatsvertrag. Niedersächsisches Vorschrifteninformationssystem VORIS, abgerufen am 7. November 2009. </ref> <ref name="G-HB"> Gesetz vom 24. November 2009 zum Staatsvertrag. Transparenzportal Bremen, abgerufen am 13. April 2016. (Im Gesetzblatt der Freien Hansestadt Bremen S. 485 mit dem Staatsvertrag abgedruckt) </ref> <ref name="Inkraft"> Bekanntmachung vom 18. Januar 2010. In: Senatskanzlei (Hrsg.): Gesetzblatt der Freien Hansestadt Bremen. S. 121. </ref> <ref name="PM-Bhv"> Ortsteil ohne eine einzige Menschenseele: Luneplate gehört jetzt zum Fischereihafen. 6. Mai 2010, abgerufen am 31. Mai 2010 (Pressemitteilung Magistrat Bremerhaven). </ref> <ref name="taz2010"> Vom Winde vertrieben, in: die tageszeitung, 24. Januar 2010 </ref> <ref name="Senatsvorlage Offshorehafen"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Senatsvorlage für Offshorehafen (Memento vom 5. März 2016 im Internet Archive) (PDF-Datei; 27 kB) </ref> <ref name="NZ Offshore-Hafen"> Offshore-Hafen hat Vorrang, Nordwest-Zeitung 1. Juni 2010 </ref> <ref name="BUISY"> Vogelschutzgebiete. Luneplate. umwelt.bremen.de, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 12. Januar 2011; abgerufen am 24. September 2012. </ref> </references>

Koordinaten: 53° 29′ N, 8° 33′ O

 {{#coordinates:53,48743|8,54359|primary
   |dim=
   |globe=
   |name=
   |region=DE-HB
   |type=isle
  }}