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Dihydrocodein

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Strukturformel
Strukturformel von Dihydrocodein
Allgemeines
Freiname Dihydrocodein
Andere Namen
  • DHC
  • (4R,7S,7aR,12bS)-9-Methoxy-3-methyl-2,4,4a,5,6,7,7a,13-octa­hydro-1H-4,12-methanobenzofuro[3,2-e]isochinolin-7-ol (IUPAC)
  • 3-Methoxy-17-methyl-4,5α-epoxymorphinan-6-ol
Summenformel C18H23NO3
Kurzbeschreibung
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 204-732-3
ECHA-InfoCard 100.004.303
PubChem 5284543
ChemSpider 4447600
DrugBank DB01551
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Arzneistoffangaben
ATC-Code

N02AA08

Wirkstoffklasse

Antitussivum, Opioid-Analgetikum

Wirkmechanismus

μ-Opioidrezeptor-Agonist

Eigenschaften
Molare Masse 301,37 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt
  • 112–113 °C (freie Base)<ref name="roempp" />
  • 88–89 °C (Monohydrat)<ref name="roempp" />
  • 193 °C (Tartrat)<ref name="Caelo" />
Siedepunkt

248 °C (freie Base)<ref name="roempp" />

pKS-Wert

8,68<ref Name="roempp" />

Löslichkeit

löslich in Wasser (Tartrat, 200 g·l−1 bei 20 °C)<ref name="Caelo" />

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="Caelo">Caelo: Dihydrocodeine Hydrogen Tartrate (PDF; 350 kB), abgerufen am 27. Dezember 2019.</ref>

Tartrat

Datei:GHS-pictogram-exclam.svg

Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: 301​‐​313​‐​280<ref name="Caelo" />
Toxikologische Daten
  • 80 mg·kg−1 (LD50Mausi.v.)<ref>R. GIUDICELLI, P. CHABRIER, K. KRISTENSSON: [Chemical and pharmacological study of some new morphine derivatives]. In: Therapie. Band 6, Nummer 3, 1951, S. 146–154, PMID 14855429.</ref>
  • 357 µg·kg−1 (TDLoMenschi.v.)<ref name="Caelo" />
  • 359 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name="Caelo" />
  • 252 mg·kg−1 (LD50Mausi.p.)<ref name="Caelo" />
  • 350 mg·kg−1 (LD50Mauss.c.)<ref name="Caelo" />
  • 142 mg·kg−1 (LD50Kaninchens.c.)<ref name="Caelo" />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Dihydrocodein (DHC) oder Dihydrokodein ist ein halbsynthetischer Abkömmling des Opium-Alkaloids Codein, das als Schmerzmittel und als Hustenblocker angewandt wird.<ref name="Herman H. Waldvogel">Herman H. Waldvogel: Analgetika Antinozizeptiva Adjuvanzien Handbuch für die Schmerzpraxis. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-56710-0, S. 277 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Es wird durch Hydrierung des Codeins hergestellt.<ref>Hermann Hager, G. Frerichs, G. Arends, H. Zörnig (Hrsg.): Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis für Apotheker, Arzneimittelhersteller, Drogisten, Ärzte und Medizinalbeamte. Zweiter Band, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg 1949, ISBN 978-3-642-49767-4, S. 348.</ref> Dihydrocodein war seit Ende der 1970er Jahre bis etwa 2001 ein häufig angewendetes Medikament zur Behandlung opiatabhängiger Patienten.<ref name="Michael Krausz, Christian Haasen, Dieter Naber">Michael Krausz, Christian Haasen, Dieter Naber: Pharmakotherapie der Sucht. Karger Medical and Scientific Publishers, 2003, ISBN 978-3-8055-7482-2, S. 105 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Es wird oral, etwa als Retard-Tablette (60, 90 oder 120 mg des Wirkstoffs enthaltend), verabreicht.

Anwendung

Die analgetische Potenz von Dihydrocodein ist etwa doppelt so hoch wie die von Codein und entspricht einem Sechstel<ref>Eberhard Klaschik: Schmerztherapie und Symptomkontrolle in der Palliativmedizin. In: Stein Husebø, Eberhard Klaschik (Hrsg.): Palliativmedizin. 5. Auflage, Springer, Heidelberg 2009, ISBN 3-642-01548-4, S. 207–313, hier: S. 232.</ref> bis einem Fünftel der Potenz von Morphin. Die schmerzstillende Wirkung einer Retardtablette mit beispielsweise 60 mg DHC hält etwa 12 Stunden an.<ref>Eberhard Klaschik: Schmerztherapie und Symptomkontrolle in der Palliativmedizin. 2009, S. 232.</ref> Hauptsächlich wird Dihydrocodein als Hustenmittel (Antitussivum) zur Kurzzeitanwendung bei der symptomatischen Behandlung des Reizhustens (unproduktiver Husten)<ref name="Herman H. Waldvogel" />, jedoch auch zur Behandlung mäßig starker Schmerzen sowie zur Heroinsubstitution verwendet.<ref name="Thomas Geschwinde">Thomas Geschwinde: Rauschdrogen Marktformen und Wirkungsweisen. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-30163-6, S. 752 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Die Verwendung in Substitutionsprogrammen Opiatabhängiger darf nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. In Deutschland wurde die Substitutionsmethode mit Dihydrocodein 1975 von dem Kieler Arzt Gorm Grimm eingeführt.<ref>A. Ulmer, R. Ullmann: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Nachruf Gorm Grimm. (Memento vom 24. November 2015 im Internet Archive) (PDF; 292 kB) In: Suchttherapie, 9, 2008, S. 185–186. doi:10.1055/s-0028-1102925.</ref>

Seit 2001 ist Dihydrocodein wie auch Codein zur Substitutionsbehandlung nur in begründeten Ausnahmefällen gestattet und wird durch Methadon bzw. Levomethadon ersetzt.<ref name="Michael Krausz, Christian Haasen, Dieter Naber" /> Dihydrocodein unterliegt international betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften.<ref>International Narcotics Control Board: List of Narcotic Drugs under International Control Annex to Forms A, B and C 54th edition, December 2015.</ref>

In Deutschland ist es in der Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes aufgeführt und muss auf amtlichen Betäubungsmittelrezepten verordnet werden; davon ausgenommen sind jedoch Zubereitungen mit einer Konzentration bis 2,5 % oder je abgeteilte Form bis zu 100 mg Dihydrocodein (berechnet als Base). Diese sind in Deutschland und Österreich ohne Betäubungsmittelrezept verschreibbar.<ref>Anlage III zum deutschen Betäubungsmittelgesetz</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Verordnung der Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales über den Verkehr und die Gebarung mit Suchtgiften (Suchtgiftverordnung - SV) (Memento vom 24. April 2014 im Internet Archive)</ref>

Nebenwirkungen

Dihydrocodein bewirkt Sedierung, Euphorie, Pupillenverengung, Blutdrucksenkung und orthostatische Hypotonie. Es kann Übelkeit bis zum Erbrechen auftreten. Die Kontraktion der glatten Muskulatur kann zu Verstopfung (Obstipation), Kontraktion des Harnleiters und Hemmung des Miktionsreflexes führen. Allergische Reaktionen mit Hautjucken und Hautrötung sind selten.<ref name="Herman H. Waldvogel" />

Handelsnamen

Monopräparate: Codidol (A), Codicontin (CH), DHC Ennogen (D), Dehace (A), Dicodin (F), Paracodin (D, A, CH), Tiamon (D)

Kombinationspräparate: Escotussin (CH), Makatussin comp. (CH)

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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