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Catherine Millet

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Datei:Catherine Millet par Marc Bervillé.jpg
Catherine Millet in ihrer Wohnung (2013)

Catherine Millet (* 1. April 1948 in Bois-Colombes) ist eine Expertin für Moderne Kunst und Chefredakteurin der Kunstzeitschrift art press. International bekannt wurde sie durch ihr autobiografisches Buch Das sexuelle Leben der Catherine M., in dem sie ihr freizügiges Sexualleben schildert.

Leben

Aufgewachsen in Bois-Colombes, wurde sie ohne eine akademische Ausbildung eine anerkannte Expertin der Kunstkritik. Dabei orientierte sie sich an der US-amerikanischen formalistischen Kunstkritik.

Sie ist seit 1991 mit dem französischen Fotografen und Schriftsteller Jacques Henric verheiratet, den sie 1972 kennenlernte.<ref>Faithless Love. The New York Times, 31. Januar 2010, abgerufen am 12. Dezember 2013.</ref> Das kinderlose Paar lebt im 12. Pariser Arrondissement.

Werk

Ihre Bücher sind nach eigener Aussage faktisch deskriptiv und basieren auf genauer Beobachtung. 2001 erschien ihr autobiografisches Buch La Vie sexuelle de Catherine M. (2001); es war in vielen Ländern ein Skandalerfolg. Die deutsche Übersetzung (Das sexuelle Leben der Catherine M.) machte Millet auch im deutschsprachigen Raum bekannt. Das Buch ist ein emotionslos präziser Bericht über ihr libertinäres Sexualleben, darunter Gruppensex mit meist unbekannten Partnern beiderlei Geschlechts. In dem liberalen Milieu, in dem sie zu Hause ist, habe sie dies nicht verbergen müssen und beschrieb es als angenehm. Das Werk gibt Einblick in die französische Swingerszene von etwa 1970 bis 2000. Es galt als vielgelesener Titel des Jahres 2001 und wurde von einigen als pornografisch eingeschätzt. Edmund White bezeichnete es als „das expliziteste Buch über Sex, das jemals von einer Frau geschrieben wurde“.<ref name="Camhi (2002)">Leslie Camhi: Sex Obsession By the Numbers. 22. Juni 2002, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. Februar 2010; abgerufen am 16. Januar 2016.</ref>

In ihrem autobiografischen Buch Eifersucht (Originalausgabe 2008) beschrieb sie ihre tiefe Krise, nachdem sie entdeckt hatte, dass ihr Mann, Jacques Henric, eine außereheliche Liebesaffäre hatte.

In Traumhafte Kindheit schildert sie aus ihrer schwierigen Kindheit u. a. ihre Wahrnehmung des Leids ihrer Eltern und die Zerrissenheit ihrer Familie. Ihre Mutter hatte eine psychische Störung und beging Suizid.<ref>The double life of Catherine M</ref> Offen spricht sie von ihrer Einsamkeit und ihren Ängsten; ihre Familie sei ein „Glutofen der Hölle“ gewesen. Sie habe auf dem Schulhof versucht, die unschönen Ereignisse, das alltägliche Elend daheim umzudrehen und durch Witz und Esprit interessant zu machen.<ref>Mein sexuelles Leben war angenehm. Catherine Millet im Gespräch mit Ingeborg Harms. In: Zeit Literatur Nr. 41, Oktober 2017, S. 26f.</ref>

Im Januar 2018 mischte sie sich mit dem in der Tageszeitung Le Monde veröffentlichten Text Wir verteidigen die Freiheit, lästig zu sein in die MeToo-Debatte ein.<ref>Interview mit Annabelle Hirsch, in: F.A.S. Nr. 2, 14. Januar 2018, S. 50.</ref>

Werke (auf Deutsch)

  • Zeitgenössische Kunst, Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2001, ISBN 3-404-93048-7.
  • Das sexuelle Leben der Catherine M., übers. von Gaby Wurster, Goldmann, München 2001; als Taschenbuch ebd. 2003, ISBN 3-442-45543-X.
  • Dalí und ich, übers. von Annalisa Viviani, Scheidegger & Spiess, Zürich 2008, ISBN 978-3-85881-204-9
  • Eifersucht, übers. von Sigrid Vagt. Hanser, München 2010, ISBN 978-3-446-23398-0.
  • Rückkehr nach Bois-Colombes, Originalbeitrag, übers. durch die Herausgeberin Olga Mannheimer. In Blau, weiß, rot. Frankreich erzählt. dtv, München 2017, ISBN 978-3-423-26152-4, S. 310–316.
  • Traumhafte Kindheit, übers. von Paul Sourzac. Secession Verlag für Literatur, Zürich 2017, ISBN 978-3-906910-12-3.

Literatur

  • Jacques Henric: Die Legende der Catherine M. Ullstein, München 2001, ISBN 3-548-25377-6.
  • Colette Sarrey: Französische Schriftstellerinnen der 80er und 90er Jahre und die écriture féminine. In: Wolfgang Asholt (Hrsg.): Interpretationen. Französische Literatur, 20. Jahrhundert: Roman. Stauffenburg, Tübingen 2007, ISBN 978-3-86057-909-1, S. 365ff.
  • Karen Struve: „Les Artistes de l’intime“: erotische Körper im Spannungsfeld zwischen Intimität und Öffentlichkeit bei Christine Angot, Catherine Millet und Annie Ernaux. Lit, Münster 2005, ISBN 3-8258-8958-0 Zugl. Diss. phil. Universität Bremen. Prix Germaine de Staël 2008

Weblinks

Commons: Catherine Millet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch

Einzelnachweise

<references />

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