Lippoldsweiler
Lippoldsweiler Gemeinde Auenwald
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| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city&title=Lippoldsweiler 48° 56′ N, 9° 31′ O
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| Höhe: | 310 m ü. NN | |||||
| Eingemeindung: | 1971 | |||||
| Postleitzahl: | 71549 | |||||
| Vorwahl: | 07191 | |||||
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Lippoldsweiler ist ein Pfarrdorf und seit 1971 ein Ortsteil der Gemeinde Auenwald im Rems-Murr-Kreis. Der Ort befindet sich auf 310 m ü. NN und liegt im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald.
Geographie
Umliegende Ortschaften sind Rottmannsberg, Sechselberg, Ebersberg, Däfern, Hohnweiler, Bruch, Oberweissach und Unterbrüden (im Uhrzeigersinn).
Gliederung der Altgemeinde
Bis zur Auflösung der Gemeinde 1971 gehörten zu Lippoldsweiler das gleichnamige Dorf, die Weiler Däfern,<ref>Däfern - Wohnplatz - Detailseite - LEO-BW. Abgerufen am 17. Januar 2024.</ref> Hohnweiler<ref>Hohnweiler - Wohnplatz - Detailseite - LEO-BW. Abgerufen am 17. Januar 2024.</ref> und das Gehöft Sauerhof.<ref>Sauerhof - Wohnplatz - Detailseite - LEO-BW. Abgerufen am 17. Januar 2024.</ref>
Auf dem Gebiet der Altgemeinde liegen die Wüstungen Badstuben, Däferner Sägmühle und Schnarrenberg.
Geschichte
Mittelalter
Der Hauptort Lippoldsweiler wurde 1498 erstmals als Lupoltswyler erwähnt. Weitere historische Namensformen waren Lipoltzwyler (1528) und Liebersweyler (1685).<ref name=":0">Hartmut Durst: Was bedeuten unsere Ortsnamen? In: Gemeinde Auenwald (Hrsg.): 750 Jahre Auenwald 1245-1995. Auenwald 1995, S. 72.</ref> Der Name geht auf einen Mann namens Luitpold zurück, der wahrscheinlich der Gründer oder Grundherr der Siedlung war. An die Wüstung Badstuben bei Lippoldsweiler erinnert heute noch die Badstraße.
Der Ortsteil Hohnweiler scheint etwas älter als Lippoldsweiler zu sein, denn der Ort erscheint 1426 als Heinwiler. Möglicherweise geht der Ortsname auf einen Personennamen zurück, eventuell auf Heinrich. Dafür spricht auch, dass Hohnweiler nicht auf einer Höhe liegt, sondern in einem Tal. Weitere Urkunden nennen den Ort Homwyler (1536) und Hanweyler (1685). Erst 1702 wurde der Ort Hohnweiler genannt.<ref name=":0" /> Bei Hohnweiler lag das abgegangene Schnarrenberg.
Der Ortsname Däfern ist auf das lateinische Wort für Gasthaus („taberna“) zurückzuführen. Der Ortsname kommt auch andernorts vor, zum Beispiel Tawern, Bergzabern, Rheinzabern, Zabern. Alle diese Städte gingen aus römischen Siedlungen hervor. In der Antike konnte das Wort taberna auch noch andere Bedeutungen haben, zum Beispiel Hütte, Laden oder Werkstätte. Die Schreibweise des Ortsnamens Däfern wechselte in den Urbaren häufig (Tefern, Teffern, Deffern, Täfern, Teffers).<ref name=":0" /> Falls Däfern aus einer römischen Siedlung hervorgegangen ist, wäre der Ortsname ein Beweis für eine Anwesenheit gallorömischer Bevölkerung auch nach dem Limesfall. Die Däferner Sägmühle stand in der Tänisklinge südöstlich des Orts. Sie ging im 19. Jahrhundert ab.
Unter Herzog Ulrich von Württemberg wurde 1535 die Reformation eingeführt.
Lippoldsweiler war einst ein Weinbauort, jedoch hatte der Weinbau gegen Ende des 19. Jahrhunderts keine große Bedeutung mehr. Auf den Morgen kamen etwa 2800 Rebstöcke, die in niederen Lagen den Winter über bezogen wurden. Angepflanzt wurde hauptsächlich die Weißwein-Sorte Silvaner und die Rotwein-Sorte Trollinger. Der Wein wurde hauptsächlich nach Schwäbisch Gmünd, Backnang, Murrhardt und Sulzbach an der Murr verkauft.<ref>Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. Verlag H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 211.</ref> Durch die Reblaus und andere Schädlinge ist der Weinbau zu Grunde gegangen. Befallene Rebstöcke wurden herausgerissen und mussten unverzüglich verbrannt werden. Spätestens mit dem Ersten Weltkrieg ist der Weinbau in Lippoldsweiler verschwunden. Lediglich im Ortsteil Däfern konnten sich einige Weingärtner halten.<ref>Unsere Geschichte - Ebersberger Vinöre. Abgerufen am 28. Dezember 2025.</ref>
Lippoldsweiler und Hohnweiler gehörten zum Unteramt Ebersberg im Oberamt Backnang und seit 1938 zum Landkreis Backnang.
Im letzten Kriegsjahr 1945 wurde Lippoldsweiler am 20. April von Einheiten des 397. Regiments der 100. Infanteriedivision der US-Armee gegen 13 Uhr kampflos eingenommen.<ref>Erich Bauer: Die Besetzung des Weissacher Tales und der Orte auf den umliegenden Höhen durch amerikanische Truppen am 20.April 1945. In: Roland Schlichenmaier (Hrsg.): Geschichte und Geschichten aus unserer Heimat Weissacher Tal. Band 10. Verlag Roland Schlichenmaier, Weissach im Tal 1995, ISBN 3-929478-10-2, S. 29.</ref>
Zur Gemeinde Lippoldsweiler gehörten vor der Gebietsreform in Baden-Württemberg das Dorf Lippoldsweiler, die Weiler Däfern und Hohnweiler und das Gehöft Sauerhof. Am 1. Januar 1971 wurde die Gemeinde Ebersberg mit dem Dorf Ebersberg und dem Schloss Ebersberg nach Lippoldsweiler eingemeindet. Am 1. Juli 1971 erfolgte die Vereinigung der Gemeinde Lippoldsweiler mit den Gemeinden Oberbrüden und Unterbrüden zur neuen Gemeinde Auenwald.<ref></ref> Vor dem 1. Januar 1971 hatte die Gemeinde eine Fläche von 5,47 km².
Einwohnerentwicklung
- 1626: 178<ref name=":3">Erich Bauer: Der 30-jährige Krieg und seine Folgen im Kirchspiel Unterweissach. In: Gemeinde Weissach im Tal (Hrsg.): Die Weissach-Chronik. Weissach im Tal 2006, S. 144 f.</ref>
- 1641: 28<ref name=":3" />
- 1654: 39<ref name=":3" />
- 1684: 99<ref name=":4">Erich Bauer: Unterweissach um das Jahr 1700. In: Gemeinde Weissach im Tal (Hrsg.): Die Weissacher Chronik. Weissach im Tal 2006, S. 153.</ref>
- 1692: 137<ref name=":4" />
- 1810: 251<ref name=":5">Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch auf die Jahre 1809/1810. J.F. Steinkopf, Stuttgart 1809, S. 251.</ref>
- 1870: 856<ref name=":2">Willy Krautter: Die Bildung der Gemeinde Auenwald, Entwicklung und Zukunftsperspektiven. Hrsg.: Gemeinde Auenwald. Auenwald 1995, S. 155 f.</ref>
- 1877: 346 (846 Einwohner mit Hohnweiler und Sauerhof, davon 8 Katholiken)<ref>Königlich Statistisch-topographisches Bureau (Hrsg.): Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Württemberg. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1877, S. 319.</ref>
- 1896: 814 (davon 11 Katholiken)<ref>Königlich Statistisches Landesamt (Hrsg.): Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg. W. Kohlhammer, Stuttgart 1896, S. 374.</ref>
- 1939: 665<ref name=":2" />
- 1950: 923<ref name=":2" />
- 1961: 1095<ref name=":2" />
- 1971: 1356<ref name=":2" />
- 1981: 1978<ref name=":2" />
- 1989: 2169<ref name=":2" />
- 1991: 2273<ref name=":2" />
- 1992: 2287<ref name=":2" />
- 1995: 2375<ref name=":2" />
- 2008: 2360<ref>Gemeinde Auenwald | Strukturdaten |. Abgerufen am 10. Februar 2024.</ref>
Religion
Evangelische Kirche
Seit der Einführung der Reformation in Altwürttemberg 1535 ist Lippoldsweiler evangelisch geprägt. Der Ort gehörte lange kirchlich zu Unterweissach. 1864 wurde das Dorf von Unterweissach abgetrennt und bildete zusammen mit Sechselberg eine selbstständige Kirchengemeinde. Die zunächst namenlose Kirche in Hohnweiler wurde 1879 nach Plänen des Oberamtsbaumeisters Christian Hämmerle an der Hauptstraße errichtet. Anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 erhielt sie ihren heutigen Namen Lutherkirche.
Neuapostolische Kirche
In Lippoldsweiler ist die Neuapostolische Kirche mit einem Bethaus vertreten.
Politik
Schultheißen und Bürgermeister
Die Schultheißen waren zumeist wohlhabende Landwirte, die man umgangssprachlich auch Bauraschultes (Bauernschultes) nannte. Erst 1930 wurde in Württemberg die Amtsbezeichnung Schultheiß für den Ortsvorsteher durch Bürgermeister ersetzt.
- 1810: Matthäus Schneider<ref name=":5" />
- 1815: Adam Erb<ref>Königlich Württembergisches Hof- und Staatshandbuch. J. F. Steinkopf, Stuttgart 1815, S. 319.</ref>
- 1826–1829: Grün<ref name=":1">Peter E. Friedrich: Schultheißen und Bürgermeister. In: Gemeinde Auenwald (Hrsg.): 750 Jahre Auenwald 1245–1995. Auenwald 1995, S. 167 f.</ref>
- 1829–1843: Stark<ref name=":1" />
- 1843–1854: Degele<ref name=":1" />
- 1854–1879: Georg Adam Mayer<ref name=":1" />
- 1879–1906: Christian Gottlieb Heyd<ref name=":1" />
- 1906–1922: Jakob Föll<ref name=":1" />
- 1922: Gottlieb Laurösch (Amtsverweser)<ref name=":1" />
- 1922–1937: Gottlob Baumann<ref name=":1" />
- 1938: Wilhelm Schiefer (kommissarisch)<ref name=":1" />
- 1938–1942: Karl Weckert<ref name=":1" />
- 1942–1944: Hugo Schaufler<ref name=":1" />
- 1945–1964: Wilhelm Schiefer<ref name=":1" />
- 1964–1965: Eugen Schramm (kommissarisch)<ref name=":1" />
- 1965–1971: Walter Schmitt<ref name=":1" /><ref>Auenwald feiert sein Gemeindejubiläum 50+1. Abgerufen am 18. Januar 2024.</ref>
Wappen und Flagge
Die Altgemeinde Lippoldsweiler führte ein Wappen sowie eine Hiss- und eine Bannerflagge.
Blasonierung: Auf goldenem (Gelben) Grund mittig ein grüner Balken, belegt mit drei goldenen (gelben) Birnen, begleitet von drei (2:1) roten Äpfeln.
Wappenbegründung: Die Äpfel und die Birnen stehen für den fruchtbaren Boden und für die Landwirtschaft in der Gemeinde, besonders für den Obstbau.
Die Farben der Gemeinde waren Gold-Rot (dargestellt als Gelb-Rot). Die Bannerflagge war gelb-rot gespalten mit dem aufgelegten Wappen oberhalb der Mitte.
Mit der Auflösung der Gemeinde Lippoldsweiler im Zuge der Gebietsreform 1971 ist das Wappen erloschen und wird nur noch von lokalen Bürgervereinen zur Traditionspflege genutzt.
Vereinsleben
- Obst- und Gartenbauverein (OGV) Lippoldsweiler: Ziele des Vereins sind die Förderung der Gartenkultur, des Obstbaus, des Naturschutzes und die Verschönerung des Orts.
Persönlichkeiten
Mit Lippoldsweiler verbundene Personen
- Melchior Jäger von Gärtringen (1544–1611), Jurist und Geheimrat unter Herzog Ludwig von Württemberg, war Schlossherr auf Burg Ebersberg
- Franz Dinda (* 1983), Schauspieler, Autor und Künstler
Literatur
- Der Rems-Murr-Kreis. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1980, ISBN 3-8062-0243-5
- Vorlage:OberamtWürtt
- 750 Jahre Auenwald 1245–1995. Gemeinde Auenwald, 1995
Einzelnachweise
<references />