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Musa Alami

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Datei:Musa Al-Alami 1918.jpg
Musa al-Alami 1918 in Jerusalem, vor seiner Abreise nach Cambridge

Musa Alami (* 3. Mai 1897 in Jerusalem; † 8. Juni 1984 in Amman, Jordanien; arabisch موسى علمي, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) war ein palästinensischer Nationalist, Jurist und Politiker.

Leben

Musa Alami entstammte einer angesehenen und wohlhabenden muslimischen Familie. Die Familie hatte im 17. Jahrhundert ein Haus direkt neben der Grabeskirche erworben.<ref name=":1" /> Sein Großvater Musa Alami war wie sein Vater Faidi Alami Bürgermeister von Jerusalem. Alami hatte Schulunterricht beim fortschrittlichen Pädagogen Khalil as-Sakakini<ref name=":3"></ref> und studierte am Trinity College in Cambridge<ref name=":0">Tom Segev: David Ben Gurion – Ein Staat um jeden Preis. Siedler Verlag (Random House), München 2018, ISBN 978-3-8275-0020-5, S. 263.</ref> Jura.

Er arbeitete als höherer Staatsanwalt<ref name=":0" /> für die Justizverwaltung der britischen Mandatsregierung, zuletzt als Privatsekretär von General Arthur Grenfell Wauchope, dem Hochkommissar für Palästina und Transjordanien in den 1930er Jahren. Im August 1934<ref name=":1">Simon Sebag Montefiore: Jerusalem – Die Biographie. 4. Auflage. Nr. 17631. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-596-17631-1, S. 631 f. (Originalausgabe: Jerusalem. The Biography. Weidenfels & Nicolson, London 2011; übersetzt von Ulrike Bischoff und Waltraud Götting).</ref> führte er in ihrem Auftrag informelle Gespräche mit David Ben-Gurion,<ref name=":1" /><ref name=":2">Baruch Kimmerling, Joel S. Migdal: The Palestinian People, a History. 2. Auflage. Harvard University Press, Cambridge (Massachusetts) 2003, ISBN 0-674-01129-5, S. 100, 128.</ref> dem Anführer des Arbeiterzionismus, George Antonius,<ref name=":1" /><ref name=":2" /> der als Berater einen mäßigenden<ref name=":1" /> Einfluss auf Mohammed Amin al-Husseini zu nehmen versuchte, und Awni Abd al-Hadi<ref name=":2" /> vom Istiqlal, um Möglichkeiten zur Verwirklichung einer arabisch-jüdischen Konföderation<ref name=":1" /> mit Bildung von Kantonen zu sondieren, was zu diesem Zeitpunkt auch einige Zionisten als einzige erreichbare Option ansahen.<ref name=":1" /> Auch mit Leon Magnes war er zeitweise im Gespräch.<ref name=":4">Shlomo Sand: Deux peuples pour un état? – Relire l’histoire du Sionisme. Traduit de l’Hébreu par Michel Bilis (= Collection La couleur des idées). Éditions du Seuil, Paris 2024, ISBN 978-2-02-154166-3, S. 199.</ref>

Als er feststellte, dass er nur mit geringem Entgegenkommen der zionistischen Verantwortlichen rechnen konnte, brach er diese Kontakte ab.<ref name=":4" /> Alami zählte zum Kreis, der sich in der Villa von Katy Antonius, dem späteren Shepherd-Hotel, traf.<ref>Menachem Klein: Jerusalem: geteilt, vereint – Araber und Juden in einer Stadt. Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-633-54289-5, S. 132 (gekürzte deutschsprachige Ausgabe von Lives in Common. Arabs and Jews in Jerusalem, Jaffa, and Hebron, C. Hurst & Co. Publishers, 2014; übersetzt von Eva-Maria Thimme).</ref> Laut dem Historiker Tom Segev verkaufte Alami an Zionisten das Land auf dem diese den Kibbuz Tirat Zwi errichteten.<ref name=":3" /> Nachdem er von den britischen Behörden in seiner Funktion als Justizberater entlassen worden war, ging er ins Exil nach Beirut. Er wohnte im Hotel St. Georges.<ref name=":5">Oren Kessler: Palästina 1936 – Der Große Aufstand und die Wurzeln des Nahostkonflikts. Hanser Verlag, München 2025, ISBN 978-3-446-28290-2, S. 210 f., 300 ff. (Originalausgabe: Palestine 1936: The Great Revolt and the Roots of the Middle East Conflict, Rowman & Littlefield, Lanham 2023).</ref> Danach ging er nach Bagdad. Im Arabischen Aufstand 1936–1939 akzeptiere er al-Husseini in dessen Führungsrolle, auch wenn er ihm persönlich abgeneigt war.<ref name=":5" /> 1939 nahm er an der St.-James-Konferenz in London teil und hatte bedeutenden Anteil am Weißbuch von 1939.

Nach dem Palästinakrieg 1948 verlor Alami den Großteil seines Besitzes in Jerusalem und Galiläa. Der ägyptische Premierminister Mustafa an-Nahhas Pascha verweigerte ihm auf britischen Druck die Ernennung zum palästinensischen Vertreter bei der Arabischen Liga.<ref>Rashid Khalidi: Der hundertjährige Krieg um Palästina. Eine Geschichte von Siedlerkolonialismus und Widerstand. Deutsch von Lucien Leitess. Unionsverlag, Zürich 2024, ISBN 978-3-293-00603-4, S. 87.</ref> Alami ließ sich in der Nähe von Jericho nieder.<ref>Jericho (abgerufen am 3. Februar 2023)</ref> Hier erwarb er von der jordanischen Regierung ein Stück Land, auf dem er später eine landwirtschaftliche Schule errichtete, die nach dem Sechstagekrieg 1967 von den israelischen Behörden größtenteils zerstört wurde. Später unterhielt er gute Beziehungen zu Ruth Dajan.<ref name=":5" /> Alami starb 1984 in Amman und wurde in der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem begraben. Er wurde von Amman nach Jerusalem getragen, wobei Sarg und Leichnam<ref name=":5" /> vom IDF durchsucht wurden. Eliahu Elat würdigte ihn, den langjährigen Antizionisten, als großen Humanisten.<ref name=":5" />

Ehrungen

Ein Grenzübergang bei der Allenby-Brücke, der für Palästinenser auf der Durchreise nach Jordanien bestimmt ist, trägt seinen Namen.

Literatur

Weblinks

Commons: Musa Alami – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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