Hausmannit
| Hausmannit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Hsm<ref name="Warr" /> |
| Andere Namen |
|
| Chemische Formel | Mn2+Mn3+2O4<ref name="StrunzNickel" /><ref name="IMA-Liste" /> |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Oxide und Hydroxide |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
IV/B.02 IV/B.05-010<ref name="Lapis" /> 4.BB.10 07.02.07.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | tetragonal |
| Kristallklasse; Symbol | ditetragonal-dipyramidal; 4/m2/m2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | I41/amd (Nr. 141)<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 5,76 Å; c = 9,44 Å<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 4<ref name="StrunzNickel" /> |
| Zwillingsbildung | häufig nach (112) |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 5,5<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen und berechnet: 4,84<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {001}, undeutlich nach {112} und {011}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Bruch; Tenazität | uneben; spröde<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Farbe | dunkelbraun bis schwarz, grau, dunkelrote bis rötlichbraune interne Reflexionen |
| Strichfarbe | dunkelrötlichbraun<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Transparenz | undurchsichtig, durchscheinend in dünnen Schichten |
| Glanz | schwacher Metallglanz<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nω 2,46<ref name="Handbookofmineralogy" /> nε 2,15<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,310<ref name="Webmineral" /> |
| Optischer Charakter | einachsig negativ |
Hausmannit, veraltet auch als Blättricher Schwarz-Braunstein, Schwarz-Braunsteinerz, Schwarzmanganerz und Glanzbraunstein bekannt, ist ein Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“, das an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein kann, insgesamt aber wenig verbreitet ist. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit der Endgliedzusammensetzung Mn2+Mn3+2O4<ref name="StrunzNickel" />, ist also chemisch gesehen ein Mangan(II,III)-oxid.
Hausmannit entwickelt überwiegend pseudooktaedrische Kristalle, aber auch körnige bis massige Aggregate von dunkelbrauner, schwarzer oder grauer Farbe mit dunkelroten bis rötlichbraunen internen Reflexionen.
Etymologie und Geschichte
Erstmals beschrieben wurde das Mineral 1813 durch Friedrich Hausmann (1782–1859), der es in seinem „Handbuch der Mineralogie“ als Blättricher Schwarz-Braunstein bezeichnete und als Fundort Ehrenstock bei Ilmenau in Thüringen angab (heute Oehrenstock).<ref name="Hausmann" />
Eine frühere Erwähnung von 1789 findet sich zwar im Mineralsystem von Abraham Gottlob Werner (1749–1817), allerdings werden außer der Auflistung des Namens Schwarz-Braunsteinerz keine weiteren Angaben gemacht und der Name lässt sich nur deshalb dem Hausmannit zuordnen, weil spätere Mineralogen sich bei dessen Beschreibung auf das Wernersche Schwarz-Braunsteinerz beziehen.<ref name="Witzke" /> Weitere synonyme Bezeichnungen für den Hausmannit sind unter anderem Schwarzmanganerz in den Aufzeichnungen Karstens von 1808 und der ebenfalls von Hausmann 1847 geprägte Begriff Glanzbraunstein.<ref name="Lüschen" />
Der bis heute gültige Name Hausmannit geht auf Wilhelm Ritter von Haidinger zurück, der das Mineral 1828 zu Ehren seines Erstbeschreibers Hausmann benannte.<ref name="Witzke" />
Da der Hausmannit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Hausmannit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Hausmannit lautet „Hsm“.<ref name="Warr" />
Das Typmaterial des Minerals wird im Geowissenschaftlichen Zentrum der Georg-August-Universität Göttingen unter der Katalognummer GZG.MIN.4.2.23.14 aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /><ref name="Typmineralkatalog-Deutschland" />
Klassifikation
Die strukturelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zählt den Hausmannit zur Spinell-Supergruppe, wo er zusammen mit Chromit, Cochromit, Coulsonit, Cuprospinell, Dellagiustait, Deltalumit, Franklinit, Gahnit, Galaxit, Guit, Hercynit, Hetaerolith, Jakobsit, Maghemit, Magnesiochromit, Magnesiocoulsonit, Magnesioferrit, Magnetit, Manganochromit, Spinell, Thermaerogenit, Titanomaghemit, Trevorit, Vuorelainenit und Zincochromit die Spinell-Untergruppe innerhalb der Oxispinelle bildet.<ref name="Bosi et al. 2018" /> Ebenfalls in diese Gruppe gehören die nach 2018 beschriebenen Oxispinelle Chihmingit<ref name="Miyawaki et al. 2022" /> und Chukochenit<ref name="Rao et al. 2022" /> sowie der Nichromit, dessen Name von der CNMNC der IMA noch nicht anerkannt worden ist.<ref name="Biagioni & Pasero 2014" />
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Hausmannit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung der „Verbindungen mit M3O4- und verwandte Verbindungen“, wo er zusammen mit Hetaerolith und Vredenburgit (diskreditiert) sowie im Anhang mit Marokit die nach ihm benannte „Hausmannit-Reihe“ mit der Systemnummer IV/B.02 bildete.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/B.05-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 3 : 4 (Spinelltyp M3O4 und verwandte Verbindungen)“, wo Hausmannit zusammen mit Filipstadit, Harmunit, Hetaerolith, Hydrohetaerolith, Iwakiit, Marokit, Tegengrenit, Wernerkrauseit und Xieit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer IV/B.05 bildet.<ref name="Lapis" />
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Hausmannit in die Abteilung „Metall : Sauerstoff = 3 : 4 und vergleichbare“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen“ zu finden, wo es zusammen mit Hetaerolith und Hydrohetaerolith die „Hausmannitgruppe“ mit der Systemnummer 4.BB.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Hausmannit die System- und Mineralnummer 07.02.07.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Mehrfache Oxide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Mehrfache Oxide (A+B2+)2X4, Spinellgruppe“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 07.02.07, in der auch Hetaerolith und Hydrohetaerolith eingeordnet sind.
Kristallstruktur
Hausmannit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem in der Raumgruppe I41/amd (Raumgruppen-Nr. 141) mit den Gitterparametern a1 = a2 = 5,76 Å und c = 9,44 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Eigenschaften
Die Kristalle des Hausmannits sind ähnlich dem Spinell von pyramidalem bis oktaedrischem Charakter, allerdings mit horizontaler Streifung versehen. Die Streifung verrät die Zwillingsnatur der Kristalle, die oft aus fünf zyklisch miteinander verwachsenen Individuen bestehen.<ref name="RamdohrStrunz" />
Modifikationen und Varietäten
Der bis November 2006 noch als eigenständiges Mineral behandelte Arseniodialytit wurde als Varietät von Hausmannit erkannt.
Bildung und Fundorte
Hausmannit bildet sich meist durch hydrothermale Vorgänge in manganhaltigen Eisenerzgängen<ref name="OkruschMatthes" />, kann aber auch durch Kontaktmetamorphose entstehen. Als Begleitminerale treten unter anderem Andradit, Baryt, Braunit, Jakobsit, Pyrolusit und Rhodochrosit auf.
Außer an seiner Typlokalität Oehrenstock wurde das Mineral noch in vielen weiteren Regionen von Deutschland gefunden, so unter anderem in Baden-Württemberg (Schwarzwald), Bayern (Spessart), Hessen (Steeden), Niedersachsen (Peine), Nordrhein-Westfalen (Siegerland), Rheinland-Pfalz (Hunsrück), Sachsen-Anhalt (Harz) und Sachsen (Erzgebirge).
Weltweit gelten bisher (Stand: 2012) rund 280 Fundorte für Hausmannit als bekannt<ref name="Mindat" />, so unter anderem in New South Wales, Queensland und South Australia in Australien; Provinz Iténez und Provinz Chiquitos in Bolivien; Minas Gerais in Brasilien; mehrere Regionen in der Volksrepublik China; Franche-Comté und Midi-Pyrénées in Frankreich; die Kykladen in Griechenland; England und Wales in Großbritannien; Orissa in Indien; mehrere Regionen in Italien; Honshū, Kyūshū und Shikoku in Japan; Souss-Massa-Daraâ in Marokko; Durango in Mexiko; Otjozondjupa in Namibia; Trøndelag und Telemark in Norwegen; al-Batina im Oman; Kärnten und Salzburg in Österreich; der Ural in Russland; mehrere Regionen in Schweden; die Kantone Graubünden, St. Gallen und Wallis in der Schweiz; Banská Bystrica und Nitra in der Slowakei; die Provinzen Nordkap und Nordwest in Südafrika; Denizli in der Türkei; viele Regionen in den USA sowie Chaur Fakkan und Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten.<ref name="Fundorte" />
Verwendung
Hausmannit ist ein wichtiges Erz zur Gewinnung von Mangan.
Siehe auch
Literatur
- Edward Turner: Chemical examination of the oxides of manganese. Part II. On the composition of the ores of manganese described by Mr. Haidinger. In: The Philosophical Magazine. Band 4, 1828, S. 96–104 (rruff.info [PDF; 876 kB; abgerufen am 7. Januar 2025]).
- Wilhelm von Haidinger: II. Pyramidal Manganese-ore Hausmannite. In: Transactions of the Royal Society of Edinburgh. Band 11, 1831, S. 127–129 (rruff.info [PDF; 292 kB; abgerufen am 7. Januar 2025]).
- D. Jarosch: Crystal structure refinement and reflectance measurements of hausmannite. In: Mineralogy and Petrology. Band 37, Nr. 1, 1987, S. 15–23, doi:10.1007/BF01163155.
Weblinks
- Hausmannit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Vorlage:Mindat
- Hausmannite Mineral Data. In: webmineral.com. David Barthelmy (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- IMA Database of Mineral Properties – Hausmannite. In: rruff.info. RRUFF Project (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- Hausmannite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Hausmannite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise
<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> Hausmannite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 56 kB; abgerufen am 7. Januar 2025]). </ref> <ref name="Biagioni & Pasero 2014"> Cristian Biagioni, Marco Pasero: The systematics of the spinel-type minerals: An overview. In: American Mineralogist. Band 99, Nr. 7, 2014, S. 1254–1264, doi:10.2138/am.2014.4816 (Vorabversion online [PDF]). </ref> <ref name="Bosi et al. 2018"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Hausmannit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 7. Januar 2025. </ref> <ref name="Hausmann"> Johann Friedrich Ludwig Hausmann: Handbuch der Mineralogie. Band 1. Ott Verlag, Göttingen 1813, S. 285–286 (strahlen.org [PDF; 235 kB]). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: January 2025. (PDF; 3,8 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Januar 2025, abgerufen am 7. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – H. (PDF 217 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 6. Januar 2025 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Lüschen"> </ref> <ref name="Miyawaki et al. 2022"> Ritsuro Miyawaki, Frédéric Hatert, Marco Pasero, Stuart J. Mills: IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) – Newsletter 67. In: European Journal of Mineralogy. Band 34, 2022, S. 359–364; hier: S. 363, IMA 2022-010 Chihmingite, doi:10.5194/ejm-34-359-2022 (cnmnc.units.it [PDF; abgerufen am 7. Januar 2025]). </ref> <ref name="Mindat"> Vorlage:Mindat </ref> <ref name="OkruschMatthes"> </ref> <ref name="RamdohrStrunz"> </ref> <ref name="Rao et al. 2022"> Can Rao, Xiangping Gu, Rucheng Wang, Qunke Xia, Yuanfeng Cai, Chuanwan Dong, Frédéric Hatert, Yantao Hao: Chukochenite, (Li0.5Al0.5)Al2O4, a new lithium oxyspinel mineral from the Xianghualing skarn, Hunan Province, China. In: American Mineralogist. Band 107, Nr. 5, 2022, S. 842–847, doi:10.2138/am-2021-7932. </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Typmineralkatalog-Deutschland"> A. Matthies: Typmaterialkatalog Deutschland – Hausmannit. Mineralogisches Museum der Universität Hamburg, 5. August 2024, abgerufen am 7. Januar 2025. </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> Hausmannite Mineral Data. In: webmineral.com. David Barthelmy, abgerufen am 7. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Witzke"> Thomas Witzke: Entdeckung von Hausmannit. In: strahlen.org. Abgerufen am 7. Januar 2025. </ref> </references>