Zum Inhalt springen

Sigismund Waitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 22. Mai 2025 um 18:53 Uhr durch imported>Dieringer63 (Link auf Gregor Gatscher-Riedl; Kleinkram).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Erzbischof Waitz.jpg
Erzbischof Dr. Sigismund Waitz (Porträt von Peter Thaler – zwischen 1935 und 1941)
Datei:Sigismund Waitz.jpg
Sigismund Waitz als Bischof von Brixen (1913)
Datei:Einheitliche Stellungnahme der Bischöfe Österreichs zur Wahl.jpg
Unterstützung des Anschlusses Österreichs (1938)
Datei:Krypta (Salzburger Dom) room 5 - Rieder Waitz.jpg
Gräber der Erzbischöfe Rieder und Waitz

Sigismund Waitz (* 29. Mai 1864 in Brixen, Südtirol; † 30. Oktober 1941 in Salzburg) war von 1934 bis 1941 Erzbischof von Salzburg.

Leben

Sigismund Waitz war der Sohn einer wohlhabenden, in Brixen alteingesessenen Kaufmannsfamilie. Ab 1874 besuchte er als Internatsschüler des Knabenseminars Cassianeum in Neustift das dortige Gymnasium der Augustiner-Chorherren, an dem er 1882 die Matura ablegte.<ref name="Schematismus des Erzbistums Salzburg 1942">Nachruf im Schematismus des Erzbistums Salzburg für das Jahr 1942, Salzburg 1942, S. 123.</ref> Anschließend studierte er Theologie in Innsbruck und in Brixen. Am 29. Mai 1886 wurde er zum Priester geweiht.

Seelsorger, Journalist und Kommunalpolitiker

13 Jahre wirkte er in der Pfarrseelsorge im Bistum Brixen: als Aushilfspriester in Weerberg, als Kooperator und Provisor in Trins, als Kooperator in Innichen und als Administrator in Dietenheim.<ref>Josef Gelmi: Sigismund Waitz als Seelsorger und Theologieprofessor (1886–1913). In: Helmut Alexander (Hrsg.): Sigismund Waitz. Seelsorger, Theologe und Kirchenfürst. Tyrolia-Verlag, Innsbruck 2010, S. 59–100, hier S. 60–78.</ref> Neben diesen Aufgaben fand er Kraft für ein weiterführendes Studium. 1890 wurde er von der Universität Innsbruck zum Dr. theol. promoviert. Zudem war er von 1891 bis 1898 Redakteur der Brixener Chronik, zuletzt deren Chefredakteur,<ref name="Schematismus des Erzbistums Salzburg 1942" /> und engagierte sich in den Kommunalpolitik.<ref>Bericht über Waitz in der Sendung „Unser Land“ auf RAI Südtirol vom 29. Mai 2014.</ref> Er war Mitglied des Brixner Bürgerausschusses.<ref>Hans Heiss: Heimat und Erprobungsfeld: Sigismund Waitz in Brixen (1864–1913). In: Helmut Alexander (Hrsg.): Sigismund Waitz. Seelsorger, Theologe und Kirchenfürst. Tyrolia-Verlag, Innsbruck 2010, S. 17–58, hier S. 42–47.</ref>

Er veröffentlichte wiederholt über Therese von Konnersreuth.<ref>Sigismund Waitz: Golgathavision der Therese Neumann. In: Benediktus-Bote. Band 5, Nr. 7. Salzburg 1931, S. 214–217.</ref> Sein Büchlein, Die Botschaft von Konnersreuth, hat mindestens fünf Auflagen und einen Gesamtdruck von über 50.000 Exemplaren erlebt.<ref>Sigismund Waitz: Die Botschaft von Konnersreuth. Abgerufen am 16. September 2023.</ref>

Theologieprofessor und Landtagsabgeordneter

1899 berief ihn Fürstbischof Simon Aichner zum Professor für Moraltheologie und Soziologie am Priesterseminar Brixen. Zwischenzeitlich (1904/1905) war er zum Religionslehrer von Erzherzog Karl bestellt, dem er zeitlebens verbunden blieb.<ref>Josef Gelmi: Sigismund Waitz als Seelsorger und Theologieprofessor (1886–1913). In: Helmut Alexander (Hrsg.): Sigismund Waitz. Seelsorger, Theologe und Kirchenfürst. Tyrolia-Verlag, Innsbruck 2010, S. 83.</ref> Von 1909 bis 1914 gehörte er mit Virilstimme dem Tiroler Landtag an.<ref>Waitz Sigismund, Dr. theol., Generalvikar, abgerufen am 8. Februar 2022.</ref> Als „Vorkämpfer der katholischen Anti-Alkoholbewegung“ hielt er 1907 eine Ansprache auf dem Katholikentag in Würzburg.<ref>Schlesische Volkszeitung, 29. August 1907, S. 2.</ref>

Generalvikar, Weihbischof und Apostolischer Legat

Am 24. April 1913 wurde Waitz als Nachfolger von Franz Egger zum Generalvikar für Vorarlberg mit Sitz in Feldkirch ernannt, zwei Wochen darauf, am 9. Mai 1913, zum Weihbischof in Brixen und Titularbischof von Cibyra. Am 8. Juni 1913 wurde er durch Franz Egger, den Bischof von Brixen, zum Bischof geweiht. Mitkonsekrator war der Bischof von Trient, Celestino Endrici. Am Ende des Ersten Weltkrieges, als die Gefahr einer Teilung Tirols wuchs, wurde Waitz zum Apostolischen Legaten für Nord- und Osttirol bestellt.<ref>Sigismund Waitz: Diözesanbericht für die Apostolische Administratur Innsbruck-Feldkirch (Tirol-Vorarlberg, Österreich) für das Jahr 1928, S. 2 (Annotierte Übersetzung ins Deutsche) im Editionsprojekt Pius XI. und Österreich, Universität Wien, Katholisch-Theologische Fakultät, Institut für Historische Theologie – Kirchengeschichte, abgerufen am 8. Februar 2022.</ref>

Apostolischer Administrator von Innsbruck-Feldkirch

Nach der Teilung Tirols 1920 infolge des Vertrags von Saint-Germain setzte sich Weihbischof Waitz energisch und letztlich erfolgreich dafür ein, dass für den bei Österreich verbliebenen Teil Tirols ein neuer Sprengel geschaffen wurde: die Apostolische Administratur Innsbruck-Feldkirch, zu deren Apostolischem Administrator er – zunächst provisorisch – am 9. April 1921 ernannt wurde.<ref>Helmut Alexander: Sigismund Waitz – Vom Brixner Weihbischof und Generalvikar von Vorarlberg zum Apostolischen Administrator von Innsbruck-Feldkirch. In: ders. (Hrsg.): Sigismund Waitz. Seelsorger, Theologe und Kirchenfürst. Tyrolia-Verlag, Innsbruck 2010, S. 173–224, hier S. 176–196.</ref> „In gewisser Weise hat er sich somit selbst eine «Diözese» geschaffen.“<ref>Rupert Klieber: Rezension von: Helmut Alexander (Hrsg.): Sigismund Waitz. Seelsorger, Theologe und Kirchenfürst. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Jg. 121 (2013), S. 546–547, Zitat S. 547.</ref> 1925 übertrug die Konsistorial-Kongregation, die in der Römischen Kurie für die Bischöfe zuständig war,<ref>Josef Lenzenweger: Das Vatikanische Archiv unter besonderer Berücksichtigung seiner spätmittelalterlichen Bestände. In: Erwin Gatz (Hrsg.): Römische Kurie, kirchliche Finanzen, Vatikanisches Archiv. Studien zu Ehren von Hermann Hoberg, 2 Bände (= Miscellanea Historiae Pontificiae, Bd. 45). Editrice Pontificia Università Gregoriana, Rom 1979, Bd. 1, S. 444–458, hier S. 455.</ref> ihm die uneingeschränkten bischöflichen Rechte.<ref>Sigismund Waitz: Diözesanbericht für die Apostolische Administratur Innsbruck-Feldkirch (Tirol-Vorarlberg, Österreich) für das Jahr 1928, S. 1.</ref>

Das Amt des Apostolischen Administrators von Innsbruck-Feldkirch hatte Waitz bis 1938 inne, das Amt des Generalvikars von Vorarlberg bis zu seinem Tod. Auch nach dem Untergang der Monarchie blieb er sozialpolitisch rührig. Mit seinem Sozialhirtenbrief „Lehren und Weisungen der österreichischen Bischöfe über soziale Fragen der Gegenwart“ von 1925 wurde Waitz zu einem Wegbereiter der EnzyklikaQuadragesimo anno“ von Papst Pius XI. Er befürwortete den Aufbau eines Ständestaates in Österreich und die Einrichtung einer paramilitärischen christlichsozialen „Heimwehr“ als Gegenpol zum paramilitärischen republikanischen Schutzbund. Die Pfarrer beauftragte er, die Pfarrseelsorge nach den vier „Naturständen“ (für Väter, für Mütter, für Jungmänner und für Jungfrauen) und als Teil der Katholischen Aktion einzurichten.

Erzbischof von Salzburg

Am 10. Dezember 1934 wählte das Salzburger Domkapitel Waitz zum Erzbischof von Salzburg, die Ernennung durch den Papst folgte am 27. Jänner 1935. Waitz trug als vorletzter Salzburger Bischof den persönlichen Titel Fürsterzbischof, sein Nachfolger, Andreas Rohracher, verzichtete 1951 auf diesen weltlichen Titel. Als Erzbischof von Salzburg widmete sich Waitz den Fragen des sozialen Elends und der hohen Arbeitslosigkeit. Gegenüber dem aufkommenden Nationalsozialismus nahm er eine ablehnende Haltung ein und blieb auch während der Herrschaft des Nationalsozialismus in Österreich betont distanziert.<ref>Andreas Gottsmann: Ludwig von Pastor und Enrico Sibilia – Diplomatie im Dienste des katholischen Österreich. In: Maddalena Guiotto, Wolfgang Wohnout (Hrsg.): Italien und Österreich im Mitteleuropa der Zwischenkriegszeit / Italia e Austria nella Mitteleuropa tra le due guerre mondiali. Böhlau, Wien 2018, ISBN 978-3-205-20269-1, S. 292.</ref> Nach dem Anschluss Österreichs stellten die Nationalsozialisten ihn zeitweise unter Hausarrest.<ref name="Michaela Sohn-Kronthaler">Michaela Sohn-Kronthaler: Art. Waitz, Sigismund, Fürsterzbischof. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Bd. 15, S. 431.</ref> Wieder und wieder protestierte er bei den Behörden gegen Rechtsbrüche des NS-Regimes.<ref name="Michaela Sohn-Kronthaler" />

Waitz war in verschiedenen Studentenverbindungen aktiv. So war ab 1923 Ehrenmitglied in der damals noch verbandsfreien Studentenverbindung Vindelicia in Hall in Tirol, (später in Innsbruck, s. AV Vindelicia Innsbruck),<ref>Fritz Aldefeld (Hrsg.): Gesamt-Verzeichnis des R.K.D.B. Neuß 1931.</ref> sowie auch Ehrenmitglied bei AV Austria Innsbruck (ab Juni 1924) im CV und KStV Rhenania Innsbruck im KV/ÖKV. 1934 war er Gründungsmitglied der K.Ö.L. Austria-Salzburg im Akademischen Bund Katholisch-Österreichischer Landsmannschaften.<ref>Carl Prämaßing: Bundesbrüder im Bischofsamt. In: Gregor Gatscher-Riedl (Hrsg.): Dem Glauben Treu, dem Kaiser und dem Lande. 80 Jahre Akademischer Bund Katholisch-Österreichischer Landsmannschaften. Eigenverlag, Wien 2013, S. 23–24.</ref>

Erzbischof Sigismund Waitz starb am Morgen des 30. Oktober 1941 in der Prälatur der Erzabtei St. Peter, wo er seit dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich sein Asyl genommen hatte. P. Benedikt Probst spendete ihm die „Sterbesakramente“.<ref>Alfred Rinnerthaler: Fürsterzbischof Sigismund Waitz. Ein Tiroler Patriot auf dem Salzburger Bischofsstuhl. In: Alexander, Helmut (Hrsg.): Sigismund Waitz. Seelsorger, Theologe und Kirchenfürst. Innsbruck/Wien 2010, S. 363–428, hier 415.</ref> Er wurde in der Krypta des Salzburger Doms beigesetzt.

Auszeichnungen

Literatur

in der Reihenfolge des Erscheinens

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

VorgängerAmtNachfolger
Ignatius RiederErzbischof von Salzburg
1934–1941
Andreas Rohracher
Ignatius RiederPrimas Germaniae
1934–1941
Andreas Rohracher
Apostolischer Administrator von Innsbruck-Feldkirch
1921–1938
Paulus Rusch
Franz EggerGeneralvikar von Feldkirch
1913–1921

<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Erzbischöfe und Fürsterzbischöfe
Eberhard III. von Neuhaus | Berthold von Wehingen (ernannter Gegenerzb.) | Eberhard IV. von Starhemberg | Johann II. von Reisberg | Friedrich IV. Truchsess von Emmerberg | Sigismund I. von Volkersdorf | Burkhard II. von Weißpriach | Bernhard von Rohr | Johann III. Beckenschlager | Christoph Ebran von Wildenberg (letzter gewählter Gegenerzbischof) | Friedrich V. Graf von Schaunberg | Sigmund II. von Hollenegg | Leonhard von Keutschach | Matthäus Lang von Wellenburg | Ernst Herzog von Bayern (Administrator) | Michael von Kuenburg | Johann Jakob Khuen von Belasi | Georg von Kuenburg | Wolf Dietrich von Raitenau | Markus Sittikus Graf von Hohenems | Paris Graf von Lodron | Guidobald Graf von Thun und Hohenstein | Max Gandolf von Kuenburg | Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein | Franz Anton Fürst von Harrach | Leopold Anton Freiherr von Firmian | Jakob Ernst Graf von Liechtenstein-Kastelkorn | Andreas Jakob Graf von Dietrichstein | Sigismund III. Christoph Graf von Schrattenbach | Hieronymus Graf von Colloredo (letzter regierender Fürsterzbischof)

Sigmund Christoph Graf von Waldburg zu Zeil und Trauchburg (Administrator) | Leopold Maximilian Graf von Firmian (Administrator) | Augustin Johann Joseph Gruber | Friedrich Johannes Fürst zu Schwarzenberg | Maximilian Joseph von Tarnóczy | Franz Albert Eder | Johannes Evangelist Haller | Johannes Baptist Katschthaler | Balthasar Kaltner | Ignatius Rieder | Sigismund Waitz | Andreas Rohracher letzter titul. Fürsterzbischof

Erzbischöfe
Eduard Macheiner | Karl Berg | Georg Eder | Alois Kothgasser | Franz Lackner

Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Navigationsleiste der Bischöfe, Weihbischöfe und Generalvikare von Feldkirch (seit 1820)

Vorlage:Hinweisbaustein