Ingo Kowarik
Ingo Kowarik (* 1955) war bis 2021 Professor für Ökosystemkunde/Pflanzenökologie an der TU Berlin. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Stadtökologie, Naturschutz und biologische Invasionen (Neobiota), zu denen er zahlreiche Untersuchungen und Beiträge veröffentlichte.
Leben
Kowarik begann seine akademische Laufbahn mit einem Diplom in Landschaftsplanung an der TU Berlin, an der er anschließend von 1982 bis 1992 als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Herbert Sukopp am Institut für Ökologie arbeitete. Kowarik promovierte 1988 mit einer Arbeit „Zum menschlichen Einfluß auf Flora und Vegetation“ und habilitierte 1992 an der TU Berlin. Von 1992 bis 1999 hatte Kowarik eine Professur für Angewandte Pflanzenökologie/Arten- und Biotopschutz an der Universität Hannover inne und leitete von 1999 bis 2021 das Fachgebiet Ökosystemkunde/Pflanzenökologie am Institut für Ökologie der TU Berlin.<ref>Fachgebiet Pflanzenökologie TU Berlin. Abgerufen am 13. Oktober 2025.</ref>
Forschung
Im Zentrum seines Forschungsinteresses stehen das Verständnis und die Gestaltung von Wechselwirkungen zwischen menschlichen Einflüssen (insbesondere urbane Landnutzungen, Neobiota) und der biologischen Vielfalt (Biodiversität). Hierzu hat er u. a. vorgelegt, oft in Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlerinnen
- Konzeptionelle Arbeiten, u. a. zu Natürlichkeitskonzepten und Hemerobie, potenzielle natürliche Vegetation, Wildnis, neuartige urbane Ökosysteme (novel urban ecosystems) und zu den vier Naturen in der Stadt, bestehend aus 1. Resten ursprünglicher Naturlandschaft; 2. Beständen landwirtschaftlicher Kulturlandschaft; 3. gärtnerisch gestalteter Natur und 4. neuartiger urban-industrieller Natur.
- Naturwissenschaftliche Arbeiten, u. a. zu "time lags" in biologischen Invasionen, Auswirkungen von nichteinheimischen Arten (Neobiota), urbanen Biodiversitätsmustern und Ausbreitungsprozessen in städtischen Lebensräumen
- Angewandte Arbeiten, u. a. zu Naturschutz und Denkmalpflege,<ref>Naturschutz und Denkmalpflege. Abgerufen am 6. Mai 2017.</ref> Entwicklung urban-industrieller Brachflächen, Bewertungsverfahren (GVO, invasive Arten), Naturschutz in der Stadt, Ökosystemleistungen in der Stadt<ref>Bericht 3 - Naturkapital Deutschland - TEEB.DE. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 14. Oktober 2017; abgerufen am 6. Mai 2017.</ref>
Kowarik plädiert in vielen Arbeiten für ein Naturschutzverständnis, das die Bewahrung der biologischen Vielfalt mit Offenheit für neue Entwicklungen, u. a. in Anpassung an veränderte Umweltbedingungen verbindet. Dies betrifft z. B. neuartige Lebensgemeinschaften städtischer Lebensräume oder den differenzierten Umgang mit nicht-einheimischen Arten (Neobiota), für den Kowarik in seinem Fachbuch „Biologische Invasionen. Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa“ (2003, 2. Aufl. 2010) wirbt.
Weitere Tätigkeiten
In ehrenamtlicher Funktion war Kowarik von 2001 bis 2021 der Landesbeauftragte für Naturschutz und Landschaftspflege des Landes Berlin<ref>Landesbeauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege / Land Berlin. Abgerufen am 6. Mai 2017.</ref> und in dieser Funktion auch Vorsitzender des Sachverständigenbeirats für Naturschutz und Landschaftspflege.<ref>Sachverständigenbeirat. Abgerufen am 6. Mai 2017.</ref>
Kowarik ist Mitbegründer, langjähriger Koordinator (1999–2011), erster Präsident (2012–2014) und Ehrenpräsident (seit 2014) von Neobiota, des wissenschaftlichen Netzwerks zu biologischen Invasionen in Europa.<ref>NEOBIOTA. Abgerufen am 13. Oktober 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Er ist Mitbegründer der Schriftenreihe „Neobiota“<ref>Neobiota Conference proceedings 2000-2008. In: NEOBIOTA. 15. November 2014 (neobiotagroup.com [abgerufen am 13. Oktober 2025]).</ref> und seit 2011 Co-Editor der daraus entstandenen wissenschaftlichen Zeitschrift NeoBiota.<ref>NeoBiota. (pensoft.net [abgerufen am 6. Mai 2017]).</ref>
Veröffentlichungen
- Zum menschlichen Einfluß auf Flora und Vegetation. Landschaftsentwicklung und Umweltforschung, Bd. 56, Berlin 1988, ISBN 3-7983-1255-9
- Biologische Invasionen. Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. 2. Auflage, Ulmer, Stuttgart 2010, ISBN 3-8001-3924-3
- Ingo Kowarik et al. (Hrsg.): Naturschutz und Denkmalpflege. Wege zu einem Dialog im Garten. vdf Hochschulverlag, Zürich 1998, ISBN 3-7281-2318-8
- Mit Stefan Körner (Hrsg.): Wild Urban Woodlands. New perspectives for Urban Forestry. Springer, Berlin/Heidelberg 2005, ISBN 3-540-23912-X
Weblinks
- Ingo Kowarik Publikationen indexiert durch Google Scholar
- Literatur von und über Ingo Kowarik im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Biografie an der TU Berlin
- Schriftenreihe Neobiota
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kowarik, Ingo |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Ökologe und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 1955 |