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MSC Napoli

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MSC Napoli
Datei:Napolibeached.jpg
Die gestrandete MSC Napoli
Die gestrandete MSC Napoli
Schiffsdaten
Flagge Vereinigtes KönigreichDatei:Civil Ensign of the United Kingdom.svg Vereinigtes Königreich
FrankreichDatei:Civil and Naval Ensign of France.svg Frankreich (1991–2002)
andere Schiffsnamen * CMA CGM Normandie (2001–2004)
  • Nedlloyd Normandie (1995–2001)
  • CGM Normandie (1991–1995)
Schiffstyp Containerschiff
Rufzeichen VQBX7
Heimathafen London
Eigner Metvale, Britische Jungferninseln
Reederei Zodiac Maritime Agencies, London
Bauwerft Samsung Heavy Industries, Geoje
Baunummer 1082
Kiellegung 1. April 1991
Außerdienststellung Januar 2007
Verbleib Im Januar 2007 in Seenot geraten, anschließend auf Grund gesetzt; Totalverlust, 2009 abgewrackt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge 275,66 m (Lüa)
Breite 37,10 m
Tiefgang (max.) 13,5 m
Vermessung 53.409 BRZ, 21.088 NRZ
Maschinenanlage
Maschine Sulzer-Dieselmotor (Typ: 10RTA84C)
Maschinen­leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat 38.792 kW (52.742 PS)
Höchst­geschwindigkeit 24 kn (44 km/h)
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 62.277 tdw
Container 4.419 TEU
Sonstiges
Klassifizierungen Det Norske Veritas (seit 2002, vorher Bureau Veritas)
Registrier­nummern IMO-Nr. 9000601

Die MSC Napoli war ein Containerschiff unter britischer Flagge mit Heimathafen London. Es geriet am 18. Januar 2007 infolge des Orkans Kyrill im Ärmelkanal in Seenot.

Eigner des Schiffes war das auf den Britischen Jungferninseln ansässige Unternehmen Metvale (ein Tochterunternehmen der tg21 plc), bereedert wurde es von Zodiac Maritime Agencies in London.

Zur Zeit des Seenotfalls im Ärmelkanal fuhr die MSC Napoli in Charter für die Mediterranean Shipping Company, die das Schiff in ihrem Liniendienst zwischen Europa und Südafrika einsetzte. Das Schiff befand sich auf dem Weg von Le Havre in Frankreich nach Sines in Portugal.

Einzelheiten

Das Schiff wurde 1991 unter der Baunummer 1082 auf der südkoreanischen Werft Samsung Heavy Industries in Geoje gebaut. Die Kiellegung des Schiffes fand am 1. April 1991 statt. Die Fertigstellung erfolgte am 1. Dezember des Jahres. Das Schiff galt damals als das erste Post-Panamax-Vollcontainerschiff – es war aufgrund der Breite also zu groß, um die Schleusen im Panamakanal zu passieren – und das größte Containerschiff weltweit.<ref name="dnv-2008">DNV Container Ship Update, Napoli – special edition, Det Norske Veritas, April 2008 (PDF; 1,9 MB).</ref>

Der Antrieb des Schiffes bestand aus einem Sulzer-Dieselmotor (Typ: 10RTA84C) mit 38.792 kW Leistung. Darüber hinaus verfügte das Schiff über ein Bugstrahlruder.

Das Schiff hatte sieben Laderäume. Die Decksaufbauten und der Maschinenraum waren etwa auf drei Viertel der Schiffslänge achtern zwischen Luke 6 und Luke 7 angeordnet.

Frühere Zwischenfälle

Unter dem Namen CMA CGM Normandie war das Schiff am 28. März 2001 in der Malakkastraße auf dem Weg von Port Klang (Malaysia) nach Jakarta (Indonesien) auf ein Riff gelaufen<ref name="dnv-2008" /> und im vorderen Drittel beschädigt worden. Um das Schiff wieder flott zu bekommen, mussten die Container an Bord gelöscht werden. Nach 60 Tagen wurde das Schiff zur Khanh-Hoa-Werft in Vietnam geschleppt und dort bis Oktober 2001 repariert.<ref name="bbc6285699">Oil to be moved from beached ship, BBC News, 22. Januar 2007.</ref>

Nachdem das Schiff wieder in Fahrt war, kollidierte es im Dezember 2001 in Jeddah mit einer Pier und wurde dabei auf der Backbordseite beschädigt. Ein weiteres Mal lief das Schiff im August 2002 bei Jeddah auf Grund, wobei es aber lediglich zu Farbabschürfungen am Rumpf des Schiffes kam.<ref name="maib-report">Investigation Report MSC Napoli, Marine Accident Investigation Branch, April 2008.</ref>

Seenotfall im Ärmelkanal

Datei:Kyrill MSC Napoli de.png
Position des Schiffes zum Zeitpunkt der Mayday-Meldung

Am Vormittag des 18. Januar 2007 geriet das Schiff bei schwerer See im Orkan Kyrill im Ärmelkanal gut 80 km südlich von The Lizard in Seenot, nachdem es durch einen Riss in der Bordwand zu einem Wassereinbruch im Maschinenraum gekommen war. Die 26-köpfige Besatzung verließ daraufhin das Schiff und konnte von Hubschraubern der Royal Navy aus dem Rettungsboot gerettet werden.

Das manövrierunfähige Schiff sollte noch am selben Tag von zwei Hochseeschleppern in den Hafen von Portland in Dorset geschleppt werden. Aus Sicherheitsgründen und um ein Auseinanderbrechen des Schiffes zu verhindern, entschied die britische Küstenwache, das Schiff bei Branscombe kontrolliert auf Grund zu setzen.<ref name="maib-report" />

Der Untersuchungsbericht des Marine Accident Investigation Branch (MAIB) ergab, dass die Hauptursache für die Havarie ein Konstruktionsschwachpunkt des Schiffsrumpfes im Bereich des Maschinenraumes war. Die gültigen Regeln zum Bauzeitpunkt waren eingehalten worden, aber eine spätere Erweiterung der Bemessungsregeln für Beul-Sicherheit hatte nicht zur Nachbesserung des in Fahrt befindlichen Schiffes geführt. Laut Unfallbericht wurde das Schiff bei hohem Seegang von mehreren schweren Brechern getroffen, wobei ein etwa 15 m langer, schräger Riss in der Bordwand auf der Steuerbordseite entstand.<ref name="maib-report" />

Kontrollierte Strandung und Bergung der Ladung

An Bord des Schiffes, das ab dem 19. Januar 2007 in der Lyme Bay im Süden Englands mit zirka 30° Schlagseite auf Grund lag, befanden sich 2318 Container, darunter insgesamt 1684 Tonnen<ref name="fig231"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Le calme revient après la tempête Kyrill (Memento vom 29. September 2007 im Internet Archive), Le Figaro, 19. Januar 2007 (frz.)</ref> gefährliche Ladung in 150 Containern, überwiegend Pestizide.<ref>Crew rescued from stricken ship, BBC News, 18. Januar 2007.</ref>

Bevor mit dem Bergen der Container begonnen werden konnte, wurden etwa 4000 Tonnen Schweröl aus dem Schiff abgepumpt.<ref name="Smit" /> Rund 200 Tonnen Öl liefen aus und verschmutzten Uferabschnitte in England und Frankreich.<ref name="bbc6285699" />

Bei der Bergung der Ladung hatten die etwa 150 Container Vorrang, die eine mögliche Gefahr für die Umwelt darstellten.<ref name="bbc6282247">Pollution watch as ship beaches, BBC News, 20. Januar 2007.</ref> Während des Orkans gingen etwa 100 Container über Bord, darunter auch zwei der als schädlich eingestuften. Die absichtliche Strandung an der seit 2001 zum UNESCO-Welterbe gehörenden Küste von Devon wurde mit Besorgnis betrachtet. Ihre Kreideformationen stellen 185 Millionen Jahre Erdgeschichte dar.<ref name="bbc6285699" />

An den Stränden bei Sidmouth und Branscombe wurde ab dem 19. Januar 2007 als Strandgut angespülte Ladung des Schiffes von Anwohnern in großem Stil gestohlen.<ref>Die Nacht der Schatzsucher, Der Spiegel, 23. Januar 2007</ref><ref>Straßensperren halten Plünderer nicht ab, tagesschau.de-Archiv, 23. Januar 2007.</ref> Die Strände wurden daher von der Polizei abgesperrt.

Am 9. März 2007 waren nach Presseberichten 853 der an Deck geladenen Container geborgen. Die Eigner der MSC Napoli entsandten ein zweites Schiff, die MSC Grace, um den Transport der geborgenen Container nach Le Havre durchzuführen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Containers due to go by October (Memento vom 29. September 2007 im Internet Archive) Bericht der Newsseite Devon24, 9. März 2007 (engl.).</ref> Die letzten Container wurden schließlich am 17. Mai 2007 gelöscht.

Bergung des Schiffs

Datei:Msc.napoli.beforesnapping.190707.jpg
Die MSC Napoli kurz vor der Zerteilung am 20. Juli 2007

Nachdem am 17. Mai 2007 der letzte der restlichen 1350 Container aus dem Schiff entladen und der Rumpf an den zugänglichen Stellen provisorisch repariert worden war, hob die beauftragte niederländische Bergungsfirma Smit Internationale das Schiff am 9. Juli 2007 und schleppte es für eine weitere Inspektion des Rumpfzustands 500 Meter vom Strandungspunkt in tieferes Wasser.<ref name="Smit"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Smit International – MSC Napoli (Memento vom 6. Dezember 2018 im Internet Archive), Smit Internationale (engl.)</ref> Bei der Inspektion wurde ein 3 Meter breiter Riss im Rumpf entdeckt und ein Schleppen in diesem Zustand wegen der Gefahr eines unkontrollierten Auseinanderbrechens für zu gefährlich befunden. Das Schiff wurde daher am 12. Juli erneut auf Grund gesetzt<ref>Attempts to break Napoli in two, BBC News, 13. Juli 2007.</ref> und nach zwei erfolglosen Versuchen am 20. Juli 2007 durch Präzisionssprengungen an der Bruchstelle vor den Aufbauten in zwei Sektionen zerteilt.<ref name="maib-report" />

Am 9. August 2007 wurde die Bugsektion zum Abwracken zur Harland-&-Wolff-Werft nach Belfast geschleppt<ref>Napoli bow heading for scrapyard, BBC News, 9. August 2007.</ref>, wo sie am 14. August eintraf. Eine komplette Bergung der Hecksektion wurde anfangs ausgeschlossen, so dass sie vor Ort in kleinere Segmente zerlegt werden sollte.<ref>Ship split after new explosions, BBC News, 20. Juli 2007.</ref> Weitere Untersuchungen führten jedoch zu der Entscheidung, die Hecksektion ebenfalls in einem Stück nach Belfast zu transportieren. Dies sollte im November 2007 geschehen.<ref>Huge barge to take Napoli remains, BBC News, 23. August 2007.</ref> Da dies doch nicht möglich war, wurde die Hecksektion vor Ort zerlegt. Dies wurde im Juli 2009 abgeschlossen.<ref>Napoli salvage is declared over, BBC News, 30. Juli 2009</ref>

In den Medien

Der Untergang wurde in der 1. Staffel der amerikanischen Doku-Serie In Seenot in der Folge „Containerriese im Orkan“ (Original: „Disasters at Sea“, „Torn Apart“) thematisiert.<ref>In Seenot auf fernsehserien.de</ref>

Weblinks

Commons: MSC Napoli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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